Im Rahmen der Bemühungen, den Immobilienbestand in Deutschland energetisch zu optimieren und gleichzeitig den Zugang zu Wohneigentum für Familien mit kleineren und mittleren Einkommen zu erleichtern, wurde das Förderprogramm „Jung kauft Alt“ eingeführt. Das Programm richtet sich insbesondere an Familien mit mindestens einem minderjährigen Kind, die sanierungsbedürftige Bestandsimmobilien erwerben und energetisch sanieren möchten.
Die KfW, unterstützt durch Mittel des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB), bietet zinsgünstige Kredite an, die es den Familien ermöglichen, den Kauf und die Sanierung von Altbauten finanziell zu stemmen. Gleichzeitig tragen diese Maßnahmen dazu bei, den Energieverbrauch im Gebäudebestand zu senken und historische Substanz zu erhalten.
In diesem Artikel wird das Programm „Jung kauft Alt“ im Detail vorgestellt, einschließlich der Voraussetzungen, der Kreditkonditionen, der Sanierungsverpflichtungen und der Kombinationsmöglichkeiten mit weiteren Förderprogrammen.
Zielgruppe und Anforderungen
Das Förderprogramm „Jung kauft Alt“ ist explizit auf junge Familien mit minderjährigen Kindern ausgerichtet. Die Antragsteller*innen müssen noch kein Wohneigentum besitzen und planen, die erworbenen Immobilien selbst zu bewohnen. Das maximale Haushaltseinkommen darf 90.000 Euro bei einem Kind, zuzüglich 10.000 Euro für jedes weitere Kind, nicht überschreiten. Diese Einkommensgrenzen gewährleisten, dass vor allem Familien mit kleineren oder mittleren Einkommen von der Förderung profitieren.
Die zu erwerbenden Immobilien müssen zum Zeitpunkt der Antragstellung in die Energieeffizienzklasse F, G oder H eingestuft sein. Dies sichert, dass das Programm gezielt auf Gebäude abzielt, die ein großes Potenzial für energetische Modernisierungen bieten. Innerhalb von 54 Monaten nach Förderzusage muss die Immobilie auf mindestens Energieeffizienzklasse 70 EE saniert werden.
Nicht förderberechtigt sind Personen, die bereits Wohneigentum besitzen oder bereits vom Baukindergeld profitiert haben. Ebenso gibt es keine Förderung, wenn die erworbenen Immobilien nicht selbst genutzt, sondern beispielsweise als Ferienwohnung genutzt werden.
Kreditkonditionen und Finanzierung
Die Kredite im Programm „Jung kauft Alt“ sind zinsgünstig und können je nach Kinderanzahl in unterschiedlichen Höhen beantragt werden. Bei einem Kind können bis zu 100.000 Euro beantragt werden, bei zwei Kindern bis zu 125.000 Euro und ab drei Kindern bis zu 150.000 Euro. Die Kreditlaufzeit kann zwischen 7 und 35 Jahren gewählt werden. Die Zinsbindung beträgt entweder 10 oder 20 Jahre, je nach gewählter Kreditlaufzeit.
Zum Programmstart lag der Zinssatz der KfW bei 1,51 Prozent effektiv für ein Darlehen mit 35 Jahren Laufzeit und zehnjähriger Zinsbindung. Dieser Zinssatz liegt deutlich unter dem Marktzinssatz, der damals bei 3,5 Prozent lag. Die Kombination aus günstigen Zinsen und langen Laufzeiten macht das Programm besonders attraktiv für Familien, die sich den Kauf und die Sanierung einer Immobilie auf eigenes Konto leisten möchten.
Die Kredite können wie bei anderen KfW-Förderkrediten üblich bei den Hausbanken beantragt werden. Die Banken unterstützen die Antragsteller*innen bei der Vorbereitung der Unterlagen und der Beantragung. Es ist wichtig, dass die Sanierungsverpflichtung ernst genommen und innerhalb der vorgegebenen Frist umgesetzt wird.
Energetische Sanierung und Sanierungsverpflichtung
Ein zentrales Element des Förderprogramms „Jung kauft Alt“ ist die obligatorische energetische Sanierung der erworbenen Immobilien. Die Sanierung muss innerhalb von 54 Monaten nach Erhalt der Förderzusage erfolgen und mindestens auf die Energieeffizienzklasse 70 EE gebracht werden.
Diese Sanierungsverpflichtung ist nicht nur eine formale Anforderung, sondern auch ein entscheidender Faktor, der langfristig zu deutlichen Einsparungen im Energieverbrauch führt. Durch die Modernisierung der Immobilie sinken die Heizkosten und die CO₂-Emissionen, was den Haushalt finanziell entlastet und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leistet.
Eine sinnvolle Vorbereitung der Sanierung kann durch die Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) erfolgen. Der iSFP ist ein Beratungsinstrument, das die notwendigen Maßnahmen zur energetischen Optimierung der Immobilie zusammenstellt und dabei auch Finanzierungswege und Förderprogramme berücksichtigt.
Darüber hinaus ist die Kombination des „Jung kauft Alt“-Programms mit weiteren Fördermaßnahmen möglich, beispielsweise der KfW-Heizungsförderung oder den Zuschüssen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG). Dies ermöglicht eine umfassende energetische Sanierung, die über die grundlegenden Maßnahmen hinausgeht und zusätzliche Vorteile bietet.
Vorteile des Programms
Das Förderprogramm „Jung kauft Alt“ bietet mehrere Vorteile sowohl für die Teilnehmenden als auch für die Umwelt und die Gesellschaft.
Für die Familien
- Zinsgünstige Finanzierung: Durch die zinsgünstigen Kredite können Familien den Kauf und die Sanierung der Immobilie finanziell stemmen. Gleichzeitig entstehen langfristig Einsparungen durch die reduzierten Energiekosten.
- Einsparung von bis zu 18.000 Euro: Laut Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen, Klara Geywitz, können Familien mit zwei Kindern bis zu 18.000 Euro sparen, verglichen mit den Konditionen der Hausbank.
- Individuelle Finanzierungshöhe: Der Kreditbetrag ist gestaffelt nach der Anzahl der Kinder im Haushalt, was sicherstellt, dass Familien mit mehr Kindern auch höhere Beträge erhalten können.
- Kombinierbarkeit mit weiteren Förderprogrammen: Durch die Kombination mit weiteren Fördermaßnahmen, wie der Heizungsförderung oder der BEG, ist eine umfassende Sanierung möglich, die den Haushalt langfristig entlastet.
Für die Umwelt
- Energieeinsparung: Durch die Sanierung sinkt der Energieverbrauch der Immobilie deutlich, was zu geringeren CO₂-Emissionen führt.
- Nachhaltigkeit: Die Nutzung von Bestandsgebäuden anstelle von Neubauten spart Ressourcen und vermeidet zusätzlichen Flächendruck.
- Klimaschutz: Die energetische Modernisierung trägt direkt zum Klimaschutz bei und ist ein zentraler Baustein der Klima- und Energiepolitik der Bundesregierung.
Für die Gesellschaft
- Bekämpfung von Leerstand: Viele Altbauten in ländlichen Gebieten stehen leer. Durch das Programm „Jung kauft Alt“ wird es Familien ermöglicht, diese Häuser zu erwerben und zu sanieren, wodurch Leerstände verringert und der Dorfkern belebt wird.
- Traditionelle Architektur bewahren: Die Sanierung und der Erhalt historischer Gebäude tragen dazu bei, die lokale Kultur und Architektur zu bewahren.
- Demografie entgegenwirken: In ländlichen Gebieten, in denen der Bevölkerungsstand zurückgeht, trägt die Einwanderung von Familien durch das Programm zur Verjüngung der Bevölkerung und zur Stabilisierung der Gemeinschaft bei.
Wie erfolgt der Antrag?
Der Antrag auf Teilnahme am Förderprogramm „Jung kauft Alt“ muss bereits vor dem Erwerb der Immobilie gestellt werden. Dies ist wichtig, da die Förderung an die Erwerbung einer sanierungsbedürftigen Immobilie gebunden ist. Der Antrag wird durch die Hausbank abgesendet, die die notwendigen Unterlagen begleitet und die Förderung beantragt.
Es ist wichtig, dass die Antragstellerinnen sich frühzeitig über die Voraussetzungen und notwendigen Unterlagen informieren. Dazu zählen: - Nachweis über das Einkommen - Nachweis über die Anzahl der minderjährigen Kinder - Nachweis über das Fehlen anderer Wohneigentümerinnen - Energiebedarfs- oder Verbrauchsausweis der Immobilie
Die Hausbank unterstützt die Antragsteller*innen bei der Vorbereitung der Unterlagen und der Beantragung. Es ist ratsam, den Prozess in die Hand der Bank zu legen, um Fehler zu vermeiden und den Antrag rechtzeitig zu stellen.
Änderungen und Neuerungen ab 2025
Ab dem 23. Oktober 2025 werden die Konditionen des Programms „Jung kauft Alt“ verbessert. Neben besseren Zinsbedingungen werden auch die Sanierungsanforderungen abgesenkt. Dies bedeutet, dass die Antragsteller*innen etwas weniger investieren müssen, um die erforderliche Energieeffizienzklasse zu erreichen.
Zudem ist seit 2025 auch die Nutzung des Programms für denkmalgeschützte Häuser möglich. Dies erweitert das Angebot an förderfähigen Immobilien und ermöglicht es Familien, auch historische Gebäude zu erwerben und zu sanieren.
Fazit
Das Förderprogramm „Jung kauft Alt“ bietet eine wertvolle Gelegenheit für junge Familien, sich ein Eigenheim zu erwerben und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Durch zinsgünstige Kredite, die Kombinierbarkeit mit weiteren Förderprogrammen und die Verpflichtung zur energetischen Sanierung entstehen langfristige Vorteile sowohl für die Familien als auch für die Umwelt.
Die Kombination aus finanziellem Support, Energieeinsparungen und der Erhaltung von Bestandsgebäuden macht das Programm besonders attraktiv. Besonders in ländlichen Gebieten, in denen viele Altbauten leer stehen, kann die Teilnahme am Programm dazu beitragen, die Regionen für Familien attraktiver zu gestalten und dem demografischen Wandel entgegenzuwirken.
Familien, die daran interessiert sind, Wohneigentum zu erwerben und gleichzeitig eine umweltfreundliche Immobilie zu schaffen, sollten sich über die Voraussetzungen und Möglichkeiten des Programms „Jung kauft Alt“ informieren. Mit der Unterstützung der Hausbank und weiterer Beratungsangebote kann der Weg zum energieeffizienten Eigenheim erfolgreich beschritten werden.
Quellen
- Jung kauft Alt Förderprogramm: Altbau kaufen und sanieren mit Förderung für Familien
- KfW-Förderung für Familien: Sanierungsbedürftige Immobilien
- Pressemitteilung: Jung kauft Alt startet am 3. September 2024
- Jung kauft Alt: KfW-Förderprogramm für den Erwerb sanierungsbedürftiger Immobilien
- Wohneigentum und KfW-Förderung: Jung kauft Alt
- Pressemitteilung der KfW: Jung kauft Alt startet
- Jung kauft Alt: KfW-Förderprogramm für Familien beim Erwerb sanierungsbedürftiger Immobilien