Sanierung der Pforzheimer Nordstadt: Fördervolumen, Bürgerbeteiligung und zukunftsorientierte Quartiersentwicklung

Die Sanierung der Pforzheimer Nordstadt ist ein zentrales Projekt zur Aufwertung eines Stadtteils, der in den letzten Jahren deutliche Strukturveränderungen durchlaufen hat. Ziel der Sanierungsmaßnahmen ist es, die Wohnqualität zu steigern, den Energieverbrauch zu reduzieren und soziale wie bauliche Defizite zu beseitigen. In diesem Zusammenhang hat die Stadt Pforzheim in den letzten Jahren eine Vielzahl von Initiativen gestartet, die in enger Kooperation mit den Bewohnern, Eigentümern und sozialen Akteuren durchgeführt werden. Im Folgenden werden die aktuelle Lage, die finanziellen Rahmenbedingungen, die bisher erzielten Erfolge sowie die zukünftigen Perspektiven der Sanierung der Nordstadt II detailliert erläutert.

Der Sanierungsbedarf und die Planung

Die Pforzheimer Nordstadt II wird seit 2019 als offizielles Sanierungsgebiet geführt. Nach Voruntersuchungen und breiter Bürgerbeteiligung hatte die Stadt Pforzheim ein umfassendes Entwicklungskonzept erarbeitet, das im Oktober 2018 in einen fördersfähigen Antrag gemündet. Mit einem Förderrahmen von 4,7 Millionen Euro aus dem Bund-Länder-Programm „Stadt- und Ortsteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – die Soziale Stadt“ wurde das Projekt genehmigt. Die Stadt Pforzheim hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Förderrahmen bis 2028 auf rund 9 Millionen Euro auszuweiten, um weitere Maßnahmen finanzieren zu können.

Abgrenzung des Sanierungsgebiets

Das Sanierungsgebiet Nordstadt II erstreckt sich von der Güterstraße im Süden bis zur Karolinger- und Friesenstraße im Norden. Im Osten bilden die Anshelmstraße und im Westen die Salier- und Philippstraße die Grenzen. Die Erweiterung des Sanierungsgebiets um die Bereiche Bahnhofsunterführung West und Bahnhofsunterführung Ost erfolgte im August 2022, nachdem der Gemeinderat im März 2021 die Durchführung von Voruntersuchungen für diese Gebiete beschlossen hatte. Diese Erweiterung ermöglichte es, weitere zentrale Verkehrsachsen und öffentliche Flächen in den Sanierungsprozess einzubeziehen.

Die Rolle der Stadt Pforzheim und der Partner

Die Sanierungsstelle, angesiedelt im Planungsamt der Stadt, spielt eine zentrale Rolle bei der Umsetzung des Projekts. Seit 2019 berät die Stelle Hauseigentümer im Sanierungsgebiet bei der Modernisierung ihrer Gebäude. Insgesamt wurden bislang rund 160 Vor-Ort-Termine durchgeführt, und die Beratungen erfolgen gebührenfrei und ohne weitere Verpflichtung für die Eigentümer. Diese Unterstützung ist ein entscheidender Faktor, um private Investoren in das Projekt einzubeziehen.

Quartiersmanagement Nordstadt

Im Mai 2022 wurde das Quartiersmanagement Nordstadt in Kooperation mit der Pforzheimer Stadtmission e.V. und der Stadt Pforzheim offiziell ins Leben gerufen. Der Sozialarbeiter Björn Oberdorfer ist aktuell für die sozialraumorientierte Arbeit im Quartiersbüro „Café Daheim“ verantwortlich. Dieses Büro dient als zentraler Ansprechpartner für die Bewohner, Gewerbetreibenden und Gebäudeeigentümer und fungiert als Schnittstelle zwischen der Stadtverwaltung und der Bevölkerung. Ziel ist es, die soziale Infrastruktur zu stärken und langfristige Lösungen für die Quartiersentwicklung zu finden.

Zusätzlich wurde im April 2024 die erste Quartiersversammlung abgehalten. In dieser Versammlung sind Bewohner, Gewerbetreibende und Gebäudeeigentümer direkt in die Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden. Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Einrichtung eines Verfügungsfonds, der über die Verwendung eines Stadtteilbudgets entscheidet.

Bisherige Erfolge und Fördervolumina

Bislang wurden in der Nordstadt II bereits 140 private Eigentümer beraten, und es gibt aktuell 19 geförderte Sanierungen mit einem Bauvolumen von 8,4 Millionen Euro. Die Förderung umfasst dabei auch vier Abbrüche. Insgesamt wurden bis dato 153 Wohneinheiten saniert. Die Stadt Pforzheim hat zudem Zuschüsse in Höhe von 1,1 Millionen Euro bereitgestellt. Diese Investitionen tragen wesentlich zur Verbesserung der Wohnqualität und zur Reduktion des Energieverbrauchs bei.

Energieberatungen und Klimaschutz

Im Jahr 2023 fanden mehrere Energieberatungen statt, die von der Stadt Pforzheim finanziell unterstützt wurden. So wurden am 28. Juni 2023 Energieberatungen für Eigentümer angeboten, am 12. Juli für Mieter, und am 12. Oktober für Themen wie Fernwärme und Best Practice. Diese Beratungen sind ein weiterer Schritt, um den Energieverbrauch der Gebäude im Sanierungsgebiet zu reduzieren und den Klimaschutz voranzutreiben.

Kulturelle und soziale Aktivitäten

Kulturfest Nordstadt

Ein weiteres zentrales Projekt ist das Kulturfest Nordstadt, das auf dem Pfälzerplatz stattfindet. Nach der pandemiebedingten Pause fand das Fest im Juli 2023 erneut statt und war ein großer Erfolg. Aufgrund der positiven Resonanz wurde beschlossen, das Fest künftig jährlich durchzuführen. Der Termin für 2024 ist der 6. Juli. Die Veranstaltung wird von der Stadt Pforzheim gefördert und gemeinsam vom Bürgerverein Nordstadt e.V. und dem Quartiersmanagement organisiert.

Pop-up-Raum und Stadtteilmagazin

Im Oktober 2025 wird der neue Pop-up-Raum Nordstadt in der Güterstraße 37 eröffnet. Dieser Ort soll als Begegnungsstätte für Bewohner, Akteure und Gäste dienen und die soziale Vernetzung im Quartier stärken. Zudem erscheint das Stadtteilmagazin der Nordstadt sechs Mal im Jahr. Es wird als gedruckte Ausgabe an alle Haushalte verteilt oder als digitale Ausgabe angeboten und informiert über aktuelle Projekte, Veranstaltungen und Entwicklungen im Sanierungsgebiet.

Ausblick und zukünftige Projekte

Pfälzerplatz-Neusgestaltung

Ab Herbst 2024 wird der Pfälzerplatz umfassend neugestaltet. Der Platz ist zentraler Treffpunkt des Sanierungsgebiets und soll durch die Sanierung barrierefrei, grüner und attraktiver für Bewohner, Besucher und Gewerbetreibende werden. Die Neugestaltung ist auch ein Symbol für die zukunftsorientierte Entwicklung der Nordstadt II.

C&A-Gebäude und zukünftige Nutzung

Ein weiteres zentrales Projekt ist die Sanierung des leer stehenden C&A-Gebäudes. Die Stadtbau Pforzheim hat im neuen Jahr mit den Umbauarbeiten begonnen, wobei die zukünftige Nutzung des Gebäudes noch nicht abschließend geklärt ist. Dieses Projekt unterstreicht die Bedeutung der Beteiligung privater Investoren und der Kreativität in der Quartiersentwicklung.

Bürgerbeteiligung als zentraler Faktor

Die Stadt Pforzheim betont in mehreren Verlautbarungen die Bedeutung der Bürgerbeteiligung. Sozialarbeiterin Pinar Weckesser ist in der Nordstadt als Quartiersmanagerin für Fragen und Anregungen zuständig. In einem Schreiben der Planungsdezernentin Sibylle Schüssler wurde betont, dass die Bewohnerinnen und Bewohner der Nordstadt den Stadtteil am besten kennen und deshalb wichtige Impulsgeber für die Entwicklung des Quartiers sein sollen.

Ein kleines, aber symbolisches Projekt ist die Ausgabe einer insektenfreundlichen Samenmischung mit dem Spruch „Die Nordstadt blüht auf“. Diese Aktion ruft die Bewohner dazu auf, Blumenbeete in Vorgärten, Innenhöfen oder auf Balkonen anzulegen, um das Quartier lebens- und liebenswerter zu machen.

Fazit

Die Sanierung der Pforzheimer Nordstadt II ist ein zentrales Projekt, das in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt hat. Durch eine Kombination aus finanzieller Unterstützung durch den Bund und das Land, intensiver Bürgerbeteiligung und der Zusammenarbeit mit sozialen Akteuren wird die Nordstadt II zu einem lebendigen und attraktiven Stadtteil weiterentwickelt.

Die Sanierungsmaßnahmen tragen nicht nur zur Verbesserung der Wohnqualität und zur Reduktion des Energieverbrauchs bei, sondern stärken auch die soziale Infrastruktur und fördern die kulturelle Vielfalt. Mit Projekten wie dem Kulturfest, der Neugestaltung des Pfälzerplatzes, dem Quartiersmanagement und der Einrichtung eines Pop-up-Raums wird die Nordstadt II nicht nur baulich, sondern auch sozial und kulturell weiterentwickelt.

Zukünftige Herausforderungen bestehen darin, die Finanzierung des Projekts zu sichern, weitere private Investoren zu gewinnen und die langfristige Beteiligung der Bewohner zu gewährleisten. Der Erfolg der Sanierung hängt stark davon ab, wie eng die Stadtverwaltung, die Bewohner, die Eigentümer und die sozialen Akteure zusammenarbeiten.

Quellen

  1. Stadtentwicklungsmanager im Dialog – Pforzheim
  2. PZ-News – 153 sanierte Wohneinheiten: Aufwertung der Pforzheimer Nordstadt boomt
  3. PZ-News – Großes Entwicklungspotenzial: Gemeinderat weist Teile der Pforzheimer Nordstadt als Sanierungsgebiet aus
  4. Stadt Pforzheim – Stadtentwicklung und Stadterneuerung
  5. BNN – C&A-Gebäude in Pforzheim: Sanierung beginnt, Zukunft bleibt ungewiss

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