Einführung
Die Pforzheimer Nordstadt befindet sich in einem intensiven Sanierungsprozess, der sowohl städtebauliche als auch soziale und ökologische Zielsetzungen verfolgt. Ein Schwerpunkt der Sanierungsmaßnahmen liegt auf der Güterstraße, an der sich mehrere Projekte im Bereich Wohnbau, Freizeitangebote und Energieeffizienz widerspiegeln. Mit der Ausweisung des Sanierungsgebiets „Nordstadt II“ und der Einbindung privater Eigentümer sowie der lokalen Bevölkerung wird die Stadt Pforzheim langfristige Verbesserungen für den Stadtteil anstreben. In diesem Artikel wird der aktuelle Stand der Sanierungsprojekte entlang der Güterstraße sowie der umfassenden Entwicklungen in der Nordstadt detailliert vorgestellt.
Ausweisung des Sanierungsgebiets „Nordstadt II“
Im Jahr 2019 wurde das Sanierungsgebiet „Nordstadt II“ im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Soziale Stadt“ genehmigt. Mit einem Förderrahmen von 4,7 Millionen Euro bis 2028 hat die Stadt Pforzheim ein klares Programm zur Aufwertung des Stadtteils. Die städtische Sanierungsstelle hat ein Entwicklungskonzept erarbeitet, das breit angelegte Bürgerbeteiligung vorsieht. Ziel ist es, die Nordstadt zu einem lebendigen und lebenswerten Stadtteil zu entwickeln, der sowohl sozial als auch ökologisch nachhaltig ausgerichtet ist.
Die Nordstadt II umfasst ein geografisch klar abgegrenztes Gebiet: Im Süden wird es durch die Güterstraße begrenzt, im Norden durch die Karolinger- und Friesenstraße. Im Osten verläuft die Anshelmstraße, im Westen die Salier- und Philippstraße. In diesem Bereich sind sowohl private Sanierungsmaßnahmen als auch die Neugestaltung öffentlicher Bereiche geplant. Die städtische Planung legt Wert auf eine ganzheitliche Entwicklung, die sowohl bauliche als auch soziale Aspekte berücksichtigt.
Förderrahmen und Finanzierung
Die Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen erfolgt in Kooperation mit dem Land Baden-Württemberg und dem Bund. Der Förderrahmen beträgt aktuell 4,7 Millionen Euro, und die Stadt Pforzheim hat das Ziel, diesen Betrag bis 2028 auf rund 9 Millionen Euro auszuweiten. Diese Mittel ermöglichen es, sowohl infrastrukturelle Verbesserungen als auch soziale Projekte im Stadtteil umzusetzen.
Ein besonders hervorzuhebendes Projekt ist der Neubau eines Jugendtreffs an der Güterstraße 46. Mit einer Investition von 61.000 Euro entsteht dort ein neuer Ankerpunkt für Jugendliche, der aufgrund der bisherigen geringen Räumlichkeiten an der Brettener Straße 20 notwendig wurde. Der Jugendtreff wird künftig 80 bis 100 Jugendlichen im Jahr Freizeitangebote und gesellschaftliche Anlaufstellen bieten.
Sanierungsprojekte entlang der Güterstraße
Die Güterstraße ist ein zentraler Ort für die Sanierungsmaßnahmen in der Nordstadt. In den letzten Jahren wurden mehrere Projekte initiiert, die den Charakter des Stadtteils verändern sollen.
Umwandlung eines leer stehenden Gewerbegebiudes in hochwertige Lofts
Ein bedeutendes Projekt ist die Sanierung des Gebäudes an der Güterstraße 7. Ein leer stehendes Gewerbegebäude wird in sechs hochwertige Lofts umgewandelt. Die Wohnfläche der jeweiligen Einheiten variiert zwischen 50 und 160 Quadratmetern. Unter der Leitung von BR Bauprojekte in Pforzheim entstehen Wohnungen, die nicht nur in qualitativer und gestalterischer Hinsicht herausragend sind, sondern auch energetisch hohe Standards erfüllen.
Das Projekt wird den KfW-Effizienzhaus-70-Standard deutlich unterschreiten, was es zu einem Musterbeispiel für die geplante Aufwertung des Stadtteils macht. Die Sanierung umfasst zudem die Errichtung von acht Garagenplätzen und die Neugestaltung des Innenhofs, der künftig als begrünter öffentlicher Raum dienen wird.
Sanierung und Energetische Optimierung von Wohngebäuden
Ein weiteres Projekt ist die Generalsanierung des Wohnhochhauses an der Güterstraße, das in den 1970er Jahren von der Deutschen Bahn errichtet wurde. Die Pforzheimer Bau und Grund GmbH übernahm das Objekt im Jahr 2011 und begann im Jahr 2013 mit der Sanierung. Die Arbeiten wurden im Jahr 2014 abgeschlossen und 2015 mit der Fertigstellung abgeschlossen.
Die Sanierung führte zu einem EffizienzhausPlus, das durch die vorgehängte Fassade aus Architekturbeton besonders hervorsticht. Die Planung und Umsetzung erfolgten in enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachplanern und Ingenieurbüros. Das Ergebnis ist ein modernisiertes Wohngebäude mit deutlich reduziertem Energieverbrauch und verbesserter Wohnqualität.
Soziale und kulturelle Entwicklung
Neben den baulichen Sanierungsmaßnahmen spielt die soziale Entwicklung in der Nordstadt eine zentrale Rolle. In Kooperation mit sozialen Akteuren und Institutionen vor Ort hat die Stadt Pforzheim ein Entwicklungskonzept entworfen, das mit möglichst großer Bürgerbeteiligung umgesetzt werden soll. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Einrichtung eines Quartiersmanagements, das als direkter Ansprechpartner der Verwaltung fungieren soll.
Im Jahr 2022 wurde das Quartiersmanagement Nordstadt von der Pforzheimer Stadtmission e.V. und der Stadt Pforzheim gegründet. Es hat seitdem eine zentrale Rolle in der Planung und Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen übernommen. Die Quartiersmanagerin Pinar Weckesser ist zuständig für die Kommunikation zwischen der Verwaltung und den Bewohnern des Stadtteils.
Ein weiteres Element der sozialen Entwicklung ist die Einrichtung einer Quartierversammlung, die im Jahr 2024 gestartet wurde. In dieser Versammlung sind Bewohner, Gewerbetreibende und Gebäudeeigentümer direkt in die Planungs- und Entscheidungsprozesse eingebunden. Dies fördert die Transparenz und das Vertrauen in die Sanierungsmaßnahmen.
Öffentliche Räume und Freizeitangebote
Die Neugestaltung öffentlicher Räume ist ein weiterer Schwerpunkt der Sanierungsmaßnahmen in der Nordstadt. So wird der Pfälzerplatz ab Herbst 2024 umfassend neugestaltet. Die Planung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Büro Glück Landschaftsarchitektur. Ziel ist es, den Platz in einen lebendigen öffentlichen Raum zu verwandeln, der sowohl für kulturelle Veranstaltungen als auch für Alltag und Begegnung genutzt werden kann.
Ein weiteres Beispiel ist der Eröffnungstag des Pop-up-Raums Nordstadt, der am 25. Oktober 2025 stattfinden wird. Der Pop-up-Raum wird an der Güterstraße 37 eingerichtet und soll als flexible Anlaufstelle für Bewohner, Gewerbetreibende und Besucher dienen. Der Raum wird regelmäßig Veranstaltungen, Workshops und andere kulturelle Angebote anbieten.
Bürgerbeteiligung und Kommunikationsangebote
Die Stadt Pforzheim legt großen Wert auf die Einbeziehung der Bevölkerung in die Planung und Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen. Dazu wurde ein Stadtteilmagazin ins Leben gerufen, das sechsmal im Jahr erscheint. In der Digitalausgabe und in der gedruckten Version werden aktuelle Entwicklungen, Veranstaltungen und Projekte vorgestellt. Das Magazin wird an alle Haushalte im Sanierungsgebiet verteilt.
Zusätzlich bietet die Stadt Pforzheim eine E-Mail-Adresse ([email protected]) und einen Newsletter an, der regelmäßig über den Stand der Sanierungsmaßnahmen informiert. Für Rückfragen und Anregungen stehen Martin Eisenhauer und Reinhard Maier von der Sanierungsstelle unter den Rufnummern 07231 39-2197 und -2285 zur Verfügung.
Energieeffizienz und Nachhaltigkeit
Die Sanierungsmaßnahmen in der Nordstadt legen einen besonderen Fokus auf Energieeffizienz und Nachhaltigkeit. So werden die baulichen Maßnahmen nach den KfW-Effizienzhäuser-Standards geplant und umgesetzt. Dies hat nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Vorteile, da der Energieverbrauch der Gebäude stark reduziert wird.
Ein weiteres Projekt, das sich in diesem Bereich hervorragend zeigt, ist die Sanierung des Wohnhochhauses an der Güterstraße, das in ein EffizienzhausPlus umgewandelt wurde. Dieses Projekt hat sich als Musterbeispiel für energieeffiziente Sanierungen in der Region etabliert und wird von Fachplanern und Architekten als Best Practice genutzt.
Verkehr und Infrastruktur
Neben den baulichen und sozialen Maßnahmen ist auch die Optimierung des Verkehrs und der Infrastruktur ein Schwerpunkt der Sanierungsmaßnahmen in der Nordstadt. Die Stadt Pforzheim plant, den fließenden und ruhenden Verkehr im Sanierungsgebiet neu zu ordnen. Dies umfasst beispielsweise die Schaffung von zusätzlichen Geh- und Fahrradwegen sowie die Verbesserung der Parkraumversorgung.
Ein weiteres Projekt ist die Erneuerung der Gas- und Wasserleitungen sowie die Installation neuer Fernwärmeanschlüsse. Die Stadtwerke Pforzheim haben in den ersten Halbjahren 2024 mehrere Baustellen in der Region, die diese Sanierungsmaßnahmen umsetzen. Diese Arbeiten sind notwendig, um die Infrastruktur in den kommenden Jahren sicher und zuverlässig zu halten.
Fazit
Die Sanierungsmaßnahmen in der Pforzheimer Nordstadt entlang der Güterstraße und darüber hinaus zeigen, wie städtebauliche, soziale und ökologische Ziele in einem Stadtteil verknüpft werden können. Mit der Ausweisung des Sanierungsgebiets „Nordstadt II“ und der Einbindung von Bewohnern, Eigentümern und sozialen Akteuren hat Pforzheim ein klares Programm für die Zukunft gestartet. Die Investitionen in bauliche Sanierungen, soziale Angebote und energieeffiziente Gebäude tragen dazu bei, dass die Nordstadt zu einem lebendigen, lebenswerten und leistungsfähigen Stadtteil wird.
Die aktuelle Planung und Umsetzung der Projekte entlang der Güterstraße zeigt, dass die Stadt Pforzheim nicht nur auf kurzfristige Verbesserungen setzt, sondern langfristige Perspektiven für die Bewohner und die Region bietet. Mit der Unterstützung von Fördermitteln aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“ und der Einbindung der lokalen Bevölkerung wird die Nordstadt in den kommenden Jahren zu einem Beispiel für nachhaltige Stadtentwicklung in Deutschland.