Die Wallfahrtskirche Maria Beinberg in Gachenbach (Landkreis Neuburg-Schrobenhausen) ist nicht nur ein spirituelles Zentrum, sondern auch ein bedeutendes Kulturdenkmal, das über 500 Jahre lang die Pilgerzüge anzieht. Nach einer umfassenden Sanierung im Umfang von etwa 2,1 Millionen Euro wurde das Gotteshaus wiedereröffnet – ein Prozess, der sowohl aus kirchlicher wie auch aus baulicher Perspektive von großer Bedeutung ist. Die Sanierungsarbeiten betrafen sowohl den Innen- als auch den Außenbereich der Kirche, wobei besondere Aufmerksamkeit der Erhaltung historischer Strukturen und Gemälde gewidmet wurde. Dieser Artikel bietet einen detaillierten Einblick in die Hintergründe, Abläufe und Herausforderungen der Sanierung.
Die Geschichte und Bedeutung der Wallfahrtskirche
Die Wallfahrtskirche Maria Beinberg hat eine lange und bewegte Geschichte, die bis ins Jahr 1500 zurückreicht. Ursprünglich stiftete Ritter Bernhard „der Preisser“ eine Kapelle, die später von Leonhard von Gumppenberg und Eucharius von Ötting zu einer Kirche ausgebaut wurde. Die Weihe erfolgte am 7. Oktober 1500 zu Ehren der „Unschuldigen Kindlein“. Die Wallfahrt, die sich nach 1520 entwickelte, wird bis heute praktiziert, und das Patrozinium Mariä Geburt wird am 8. September gefeiert.
Ein besonderes Moment in der Geschichte der Wallfahrtskirche war die Weihe des neuen Altares durch Bischof Bertram Meier im Jahr 2023. Bei dieser Zeremonie wurden Reliquien des heiligen Bischofs Ulrich und der heiligen Christina von Bolsena in den Altar beigesetzt. Der Altar, ein zentrales Symbol der kirchlichen Liturgie, ist ein Tisch des Glaubens und der Verkündigung – ein Ort, an dem das Eucharistiegeheimnis gefeiert wird. Zudem wurde der Ambo, der „Tisch des Wortes Gottes“, geweiht, was zeigt, wie stark die Kirche auch im liturgischen Bereich erneuert wurde.
Die Sanierungsmaßnahmen: Umfang, Kosten und Ablauf
1. Planung und Zustimmung
Die Sanierung der Wallfahrtskirche wurde von einem diözesanen Bau- und Finanzausschuss genehmigt. Nach intensiven Gesprächen mit der örtlichen Kirchenstiftung und staatlichen Behörden in den letzten drei Jahren wurde beschlossen, die Sanierungsarbeiten in Bauabschnitten durchzuführen. Dieser Schritt ermöglichte es, den Fokus primär auf das Gotteshaus zu legen, wobei der Umfang der Arbeiten im Außenbereich überplant werden konnte, um die Kosten zu reduzieren.
Die Kosten für die Sanierung belaufen sich auf insgesamt rund 2,1 Millionen Euro. Diese Summe wird durch diözesane Zuschüsse aus Kirchensteuermitteln sowie durch einen Eigenanteil der örtlichen Kirchenstiftung finanziert. Die Kosten entstanden hauptsächlich aus der Sanierung des Daches, des Außenbereichs und der Innenausstattung der Kirche. Besonders aufwendig war die Restaurierung historischer Wand- und Deckengemälde, die aufgrund ihres Alters und der Materialveränderungen eine sorgfältige, manuelle Bearbeitung erforderten.
2. Sanierung des Inneren
Der Innenraum der Kirche war ein Schwerpunkt der Sanierung. Der Chor blieb vorerst unangetastet, während der restliche Innenraum komplett eingerüstet wurde, um die Arbeiten an Decken- und Wandgemälden durchzuführen. Laut Pfarrer Michael Menzinger, der die Baumaßnahmen begleitete, war die Restaurierung der Gemälde besonders aufwendig, da bei der letzten Renovierung des Deckengemäldes nicht das richtige Material verwendet wurde. Dies führte dazu, dass das Falsche in mühevoller Kleinarbeit abgetragen werden musste.
Einige der Gemälde erstrahlen bereits in neuem Glanz. Die Arbeiten wurden von Spezialisten durchgeführt, die Erfahrung im Umgang mit historischen Kulturdenkmälern haben. Zudem wurde die Orgel der Kirche bereits restauriert und wird in den neuen Räumlichkeiten ihren ursprünglichen Platz einnehmen.
3. Sicherheitstechnische Maßnahmen
Ein weiteres zentrales Thema der Sanierung war die Sicherheit. Sowohl das Wallfahrtsstüberl als auch das Benefiziatenhaus wurden aufgrund erheblicher baulicher Mängel vorübergehend geschlossen. Im Rahmen der Prüfung wurden Mängel in der Löschwasserversorgung, im Brandschutz und in der Elektrotechnik festgestellt. Diese Probleme stellten unmittelbare Gefahren für die Sicherheit der Besucher und Mitarbeiter dar. Aus diesem Grund wurden die Gebäude vorerst gesperrt, bis eine umfassende Sanierung durchgeführt werden konnte.
Die Diskussion um die Sanierung des Wallfahrtsstüberls war besonders kontrovers. Obwohl das Gebäude erst 40 Jahre alt war, entsprach es nicht mehr den aktuellen bau- und brandschutzrechtlichen Vorgaben. Es war ursprünglich geplant, das Stüberl abzureißen. Doch nach intensiven Debatten und einer Neubewertung entschied man sich, den Gebäudebestand zu erhalten und stattdessen umfassend zu sanieren. Diese Entscheidung spiegelt den Wunsch wider, das Kulturdenkmal nicht nur funktional, sondern auch kulturell und historisch zu bewahren.
Die Wiedereröffnung und kirchliche Bedeutung
Die Wiedereröffnung der Wallfahrtskirche fand am 10. September 2023 statt, anlässlich der Weihe des neuen Altares und der Wieder-Krönung der Gnadenmadonna. Der Augsburger Bischof Bertram Meier weihte den Altar und segnete das Gotteshaus erneut, wodurch der kirchliche Akt als ein neuer Anfang interpretiert werden kann. Bei der Zeremonie beteiligten sich zahlreiche Priester, Ministranten und Pilger. Laut Berichten kamen über 600 Besucher, die das neue Gotteshaus besichtigten.
Im Zuge der Weihe wurden auch die Turmkugel und das Kreuz der Kirche geweiht. Pfarrer Michael Menzinger betonte, dass die Kirche in die Liste der national bedeutsamen Kulturdenkmäler aufgenommen wurde, was zur Verankerung in der kulturellen Identität Bayerns beiträgt. Aufgrund dieser Anerkennung konnten auch finanzielle Zuschüsse aus staatlichen Mitteln gewährt werden.
Die Kirche selbst war in den beiden Jahren der Sanierung nicht öffentlich zugänglich. Doch nach Abschluss der Arbeiten wurde der Innenraum für Besucher freigegeben. Ein Rundgang durch die Kirche zeigte, dass die Sanierung nicht nur ästhetisch, sondern auch funktional erfolgreich war. Die Deckengemälde, die durch die Arbeiten wiederhergestellt wurden, erstrahlten in neuem Glanz, und die Sicherheitsmaßnahmen, die im Zuge der Renovierung eingeführt wurden, sorgten für ein hohes Maß an Sicherheit.
Herausforderungen und Zeitplan
Die Sanierung war nicht ohne Hürden. Insbesondere die Restaurierung historischer Elemente stellte die Handwerker vor besondere Anforderungen. Ein weiteres Problem war der Zeitdruck, da die Arbeiten nicht bis zum 500-jährigen Jubiläum der Wallfahrtskirche abgeschlossen werden konnten. Laut Pfarrer Menzinger lag das Projekt jedoch sowohl finanziell als auch zeitlich im geplanten Rahmen. Die Arbeiten der weiteren Gewerke liefen planmäßig, und die Ausschreibungen für die verschiedenen Arbeiten waren detailliert durchgeführt worden.
Ein weiteres Problem war die Koordination zwischen verschiedenen Gewerken, insbesondere bei der Sanierung des Daches und der Außenfassade. Da die Kirche als Kulturdenkmal gilt, musste jedes Handwerk sorgfältig geplant und durchgeführt werden, um die ursprüngliche Struktur so weit wie möglich zu erhalten.
Zukunftsperspektiven
Die Sanierung der Wallfahrtskirche ist nicht der Endpunkt, sondern ein Schritt in Richtung der langfristigen Pflege des Kulturdenkmals. Die Kirchenstiftung und die Diözese planen, auch in Zukunft aufwendige Projekte zu initiieren, um das Gotteshaus in gutem Zustand zu halten. Zudem wird geprüft, ob auch das Wallfahrtsstüberl und das Benefiziatenhaus in der Zukunft umfassend renoviert werden können, um sie für die Pilgerzüge weiterhin nutzbar zu machen.
Die Wallfahrtskirche Maria Beinberg ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein architektonisches und kulturelles Wahrzeichen. Ihre Sanierung zeigt, wie sensibel und präzise bauliche Eingriffe in historische Gebäude durchgeführt werden müssen. Die Erfahrungen aus diesem Projekt können auch für andere Kulturdenkmäler im ländlichen Raum wertvoll sein, insbesondere in Bezug auf die Zusammenarbeit zwischen kirchlichen, staatlichen und handwerklichen Akteuren.
Fazit
Die Sanierung der Wallfahrtskirche Maria Beinberg in Gachenbach war ein umfassendes Projekt, das sowohl baulich wie auch finanziell Herausforderungen mit sich brachte. Mit einem Budget von rund 2,1 Millionen Euro wurden die Dächer, Fassaden, Sicherheitsmaßnahmen und historische Elemente der Kirche sorgfältig restauriert. Die Wiedereröffnung durch den Augsburger Bischof Bertram Meier markierte einen neuen Abschnitt in der Geschichte dieses Kulturdenkmals.
Die Kirche, die bereits seit über 500 Jahren Wallfahrer anzieht, bleibt auch in der Zukunft ein Ort der Begegnung, der Spiritualität und der kulturellen Identität. Die Sanierung unterstreicht die Bedeutung der Erhaltung historischer Gebäude und zeigt, wie wichtig es ist, bei solchen Projekten sowohl die ursprüngliche Struktur als auch die Sicherheit der Besucher zu berücksichtigen.