PCB in Gebäuden: Gefahrenquellen identifizieren, Sanierungsziele definieren und rechtssicher sanieren

Polychlorierte Biphenyle (PCB) stellen eine verborgene, aber erhebliche Gesundheitsgefahr in vielen deutschen Gebäuden dar, die insbesondere aus der Zeit vor 1975 stammen. Als farb- und geruchslose Stoffe, die als Weichmacher und Isolierstoffe eingesetzt wurden, sind sie oft nur schwer ohne professionelle Untersuchungen zu erkennen. Die Sanierung von PCB-belasteten Gebäuden ist ein komplexes Thema, das aufgrund der Toxizität der Substanzen und der rechtlichen Rahmenbedingungen eine sorgfältige Planung und Durchführung erfordert. Der vorliegende Artikel beleuchtet auf Basis der zur Verfügung gestellten Informationen die Eigenschaften von PCB, die Identifizierung von Belastungen, die gesetzlichen Grenzwerte und die durchzuführenden Sanierungsmaßnahmen.

Was sind PCB und wo findet man sie?

Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind eine Stoffgruppe schwer abbaubarer, chlorierter aromatischer Verbindungen. Chemisch gesehen handelt es sich um 209 strukturell ähnliche Einzelverbindungen, sogenannte Kongenere. PCB wurden seit 1929 hergestellt und fanden aufgrund ihrer technischen Eigenschaften – wie einer hohen Dielektrizitätskonstante, guten Wärmeleitfähigkeit und Alterungsbeständigkeit – vielseitige Anwendungen.

Ursprünglich wurden PCB hauptsächlich in geschlossenen Systemen als Zusatzdielektrikum für Starkstromkondensatoren, als Isolier- und Kühlflüssigkeit für Transformatoren sowie als hydraulische Flüssigkeit eingesetzt. Seit 1973 darf PCB in der Bundesrepublik Deutschland nur noch in geschlossenen Systemen verwendet werden; die Herstellung wurde 1983 vollständig eingestellt.

Ab ca. 1975 fanden PCB jedoch auch in offenen Anwendungen in Gebäuden Einzug. Hier wurden sie als Weichmacher für Lacke und Harze, für Kunststoffe, in Papierbeschichtungsmitteln, Klebstoffen, Imprägnier- und Flammschutzmitteln sowie als Zusatz von Kitt-, Spachtel-, Dichtungs- und Vergussmassen eingesetzt. Besonders relevant für die Bauindustrie ist der Einsatz in dauerelastischen Dichtungsmassen, sogenannten Thiokol-Dichtungsmassen. Technische PCB-Gemische des Typs Clophen (A 40, A 50, A 60) wurden hier als Weichmacher verwendet. Typische Anwendungsgebiete dieser PCB-haltigen Dichtungsmassen sind:

  • Außenfugen
  • Gebäudedehnfugen
  • Bewegungsfugen zwischen Betonfertigteilelementen
  • Anschlussfugen für Fenster- und Türbereiche
  • Dichtungsfugen für sanitäre Einrichtungen

Neben den direkten Anwendungen in Primärquellen (den Materialien, die das PCB ursprünglich enthalten) entstehen in belasteten Gebäuden auch Sekundärquellen. Hierbei nimmt Material, das ursprünglich keine PCB enthielt (z. B. Wände, Decken oder Einrichtungsgegenstände), PCB aus der Raumluft oder durch direkten Kontakt zu Primärquellen auf und gibt diese u. U. wieder an die Raumluft ab. Eine Sanierung muss daher immer beide Belastungsquellen berücksichtigen.

Gesundheitliche Risiken und Bewertung

PCB sind gesundheitsschädlich und werden als Kanzerogenitätsverdachtsstoff eingestuft. Eine EU-Einstufung zur Kanzerogenität liegt bis heute nicht vor, doch wertet in Deutschland die Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe PCB als Kanzerogenitätsverdachtsstoff (Kategorie 3B). In Anhang 3 zu TRGS 500 werden chlorierte Biphenyle als Stoffe ausgewiesen, die einen begründeten Verdacht auf krebserzeugendes Potenzial besitzen (MAK III B).

Aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften sind PCB persistente (langlebige) Verbindungen. Sie sind aufgrund der breiten Anwendung bereits allgegenwärtig (ubiquitär) in der Umwelt vorhanden. Eine Exposition gegenüber PCB kann zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen. Bei Personen, die sich in belasteten Räumen aufhalten, können teilweise erhöhte PCB-Werte im Blut nachgewiesen werden.

Die Bewertung einer PCB-Belastung erfolgt anhand von Luft- und Materialuntersuchungen. Da eine PCB-Belastung aufgrund der farblosen und geruchslosen Eigenschaften der Stoffe häufig lange unentdeckt bleibt, ist eine visuelle Inspektion zur Identifizierung nicht ausreichend. Das Vorhandensein von PCB kann nur durch entsprechende Analysemethoden identifiziert werden. Gewonnene Materialproben werden gemäß DIN ISO 10382 (GC-MS) auf PCB untersucht. Hierbei werden ausschließlich die sechs Leitkongenere 28, 52, 101, 153, 138, 180 nach Ballschmiter bestimmt und addiert. Gemäß LAGA (Länderarbeitsgemeinschaft Abfall) wird die Summe mit dem Wert fünf multipliziert, um näherungsweise den Gesamt-PCB-Gehalt zu ermitteln (Summenbildung nach LAGA).

Grenzwerte und Sanierungsziele

Es existiert bis heute keine einheitliche bundesweite Regelung für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Materialien in Gebäuden. Die Arbeitsgemeinschaft der Bauministerien der Länder (ARGE-BAU) hat 1994 mit der Richtlinie für die Bewertung und Sanierung PCB-belasteter Baustoffe und Bauteile in Gebäuden (PCB-Richtlinie) Empfehlungen herausgegeben. Diese Richtlinie kennt zwei Grenzwerte für PCB in der Raumluft: den Vorsorgewert und den Grenzwert.

Raumluftkonzentrationen

Die Bewertung der Raumluftkonzentration ist entscheidend für die Sanierungsbedürftigkeit. Die PCB-Richtlinie empfiehlt, dass die Raumluftkonzentration nach Abschluss einer Sanierung den Vorsorgewert von 300 ng/m³ PCB nicht überschreiten soll.

Allerdings wird diese Bewertung im Lichte neuerer toxikologischer Erkenntnisse hinterfragt. Der für die Ableitung des heute noch gültigen Sanierungszielleitwertes für Innenräume (300 ng/m³ PCB) zugrundegelegte TRD-Wert (tolerierbare resorbierte Körperdosis) von 1983 (1-3 ng/kg) wird angesichts der hohen Hintergrundbelastung in Deutschland, die mit ca. 50 ng/kg und Tag angenommen wird und den „alten“ TRD-Wert deutlich übersteigt, kritisch gesehen. Auf der Grundlage eines wissenschaftlichen Gutachtens (beauftragt durch das Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz NRW) wird allgemein empfohlen, den tolerierten Innenraumwert (Vorsorgewert) bei Wohnungen wie bei Räumen mit Nutzung über kürzere Dauer am 95-Perzentil der Innenraum-Hintergrundwerte (Räume ohne spezifische Belastungsquelle) zu orientieren. Dieser abgesenkte Wert liegt bei 100 ng/m³ PCB. In einigen Kommunen und Landkreisen wird derzeit dieser abgesenkte Wert für durchzuführende PCB-Sanierungen als Sanierungszielwert vorgegeben.

Die PCB-Richtlinie definiert folgende Handlungskategorien basierend auf der Raumluftkonzentration:

  • Über 3000 ng/m³: Räume mit dieser Konzentration müssen sofort saniert werden.
  • Über 300 ng/m³: In Räumen mit Werten über diesem Schwellenwert ist nach Möglichkeit der Grund der Belastung zu beseitigen. Zudem sollte der Raum möglichst gut gelüftet werden, um die Konzentration so gering wie möglich zu halten.

Materialuntersuchungen und Schwellenwerte

Für PCB-Gehalte in Materialproben empfehlen sich Raumluftuntersuchungen in Innenräumen für betroffene Gebäudebereiche ab folgenden Schwellenwerten:

Materialtyp Schwellenwert (PCB-Gehalt)
Außenfugen mit konstruktiv bedingten Luftverbindungen zu den Innenräumen > 10.000 mg/kg
Fugen, Anstriche, Sonstige Primärquellen in Innenräumen > 1.000 mg/kg
Große Flächen Anstriche bzw. umfangreiche Sekundärkontaminationen > 100 mg/kg

Abfallrechtliche Einstufung

Für die Entsorgung belasteter Bauabfälle gelten die Vorgaben der Verordnung über die Entsorgung polychlorierter Biphenyle und der TRGS 616. PCB-haltige Stoffe und Erzeugnisse mit mehr als 50 mg/kg PCB gelten als Abfälle mit gefährlichen Stoffen und müssen als solche entsorgt werden.

Formal erfolgt die abfallrechtliche Einstufung von PCB-haltigen Bauabfällen gemäß LAGA Bauschutt. Als Beurteilungskriterien gelten die Zuordnungswerte (Z-Werte) der Länderarbeitsgemeinschaft Abfall:

  • Z0: bis 0,02 mg/kg PCB (unbelastetes Material)
  • Z1.1: bis 0,1 mg/kg PCB (gering belastet)
  • Z1.2: bis 0,5 mg/kg PCB (mäßig belastet)
  • Z2 und größer: stark belastet

Materialien der Klassen Z1.1 und Z1.2 können unter Erfüllung bestimmter Rahmenbedingungen sogar an Ort und Stelle auf dem Grundstück verbleiben, während Materialien ab Z2 einer speziellen Entsorgung als gefährlicher Abfall bedürfen. Die Verordnung zum Verbot von polychlorierten Biphenylen (ChemikalienverbotsV) untersagt das Inverkehrbringen von Materialien mit mehr als 50 mg PCB/kg.

Sanierungsmaßnahmen und Durchführung

Eine PCB-Sanierung ist komplex und erfordert ein hohes Maß an Fachkenntnis. Sie darf nicht ohne vorherige Analyse und Konzeptionierung durchgeführt werden. Vor Beginn der Arbeiten sollte ein individuelles Sanierungskonzept sowie ein detailliertes Schadstoffkataster erstellt werden, um die Sanierung gezielt, effizient und rechtssicher durchzuführen.

Rechtliche Rahmenbedingungen

Der Umgang mit PCB unterliegt der Gefahrstoffverordnung und mitgeltenden Regelwerken. Bei Sanierungsarbeiten gelten insbesondere: * TRGS 524: „Sanierung und Arbeiten in kontaminierten Bereichen“. * BGR 128 (vorm. ZH 1/183): Richtlinien für „Arbeiten in kontaminierten Bereichen“.

Vorgehensweise bei der Sanierung

Die Sanierung umfasst in der Regel die Entfernung der Primärquellen (z. B. PCB-haltige Dichtungsmassen) und die Beseitigung von Sekundärquellen (z. B. kontaminierte Oberflächen). Da PCB auch sekundär auf andere Materialien übergehen kann, ist eine Sanierung immer als Gesamtkonzept zu sehen.

Zu den typischen Sanierungsmaßnahmen gehören: 1. Identifikation: Durch Materialanalysen (DIN ISO 10382) werden belastete Bereiche exakt lokalisiert. 2. Abtrennung: Belastete Bauteile (z. B. Fugenmassen) werden unter Einhaltung strenger Schutzmaßnahmen entfernt. 3. Reinigung: Sekundär kontaminierte Oberflächen werden gereinigt oder entfernt. 4. Entsorgung: Die anfallenden Abfälle werden gemäß den Vorgaben der TRGS 616 und der PCB-Abfallverordnung entsorgt.

Laserscanning im Kontext der Sanierung

Obwohl die Quellen im vorliegenden Material Laserscanning nicht explizit im Zusammenhang mit PCB-Sanierungen nennen, erwähnt Quelle [5] die Nutzung von Laserscans im Kontext der energetischen Sanierung. Ein Forschungsprojekt am Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM (LaSanGe) nutzt Messfahrzeuge mit Lichtsensor und Wärmebildkamera, um Schwachstellen in der Gebäudehülle (schlecht isolierende Fenster, ungedämmte Fassaden) aufzuspüren. Ziel ist es, eine solide Planungsgrundlage für die energetische Sanierung zu schaffen.

Während dieses Ansatz primär auf Energieeffizienz abzielt und die Messtechnik laut Quelle [5] bisher Energieeffizienzexperten ersetzen soll, die ihre Einschätzung auf Basis von Augenschein und Expertenwissen vornehmen, könnte die Technologie indirekt auch für die Schadstoffsanierung relevant sein. Eine exakte geometrische Erfassung von Gebäudestrukturen ist für die Planung von Sanierungsmaßnahmen immer hilfreich. Die Quelle [5] betont jedoch, dass solche Messtechniken bisher nur vereinzelt zum Einsatz kommen und die Einschätzung der Energieeffizienzklasse nahezu ausschließlich auf Expertenwissen basiert. Für die PCB-Sanierung ist die primäre Herausforderung die chemische Analyse und die fachgerechte Entfernung der Schadstoffe, weniger die geometrische Vermessung.

Praktische Beispiele und Relevanz

Die Notwendigkeit von PCB-Sanierungen ist weit verbreitet. Quelle [4] listet eine Vielzahl von Gebäuden auf, die saniert wurden oder werden müssen. Dazu gehören: * Stahlwerk, Duisburg * Einkaufszentrum, Neuss * Gymnasium, Dinslaken * Bibliothek, Paderborn * Studentenwohnheime, Düsseldorf * Wohnhausgruppe, Ludwigsburg * Schule, Rietberg * Hochschule, Bochum * Kindertagesstätte, Bochum * Verwaltungsgebäude, Düren * Chemiebetrieb, Ludwigshafen

Diese Beispiele zeigen, dass das Problem sowohl im privaten Wohnbau als auch in öffentlichen und industriellen Gebäuden relevant ist. Ein spezieller Fall war die Begleitung von Sanierungsexperten durch das Wissensmagazin „Galileo“ (Pro 7) in einem Bochumer Wohnheim, was die gesellschaftliche Relevanz des Themas unterstreicht.

Besonders problematisch sind Rechtsstreitigkeiten im Zusammenhang mit PCB. Quelle [3] erwähnt das „Morinol Urteil Magdeburg“, bei dem sich eine Klägerin gegen eine Untersagung wandte, ihre Arbeitnehmer mit der Überbauung einer Wohnblockfassade mit einem Wärmeverbundsystem über vorhandenen Fugenkitt zu beschäftigen. Solche Fälle verdeutlichen die rechtlichen Risiken, die entstehen, wenn Sanierungsarbeiten ohne Kenntnis der Schadstoffbelastung durchgeführt werden oder wenn die Maßnahmen die Belastung verschlimmern (z. B. durch Einbau neuer Materialien auf belasteten Altbaustoffen).

Fazit

PCB sind ein unterschätztes Gefährdungspotenzial in vielen deutschen Gebäuden. Die Stoffgruppe wurde aufgrund ihrer technischen Eigenschaften in den 70er Jahren weit verbreitet eingesetzt, insbesondere in Dichtungsmassen und Anstrichen. Da PCB farblos und geruchslos sind, bleibt eine Belastung oft unentdeckt, bis gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten.

Eine Sanierung ist unverzichtbar, wenn Grenzwerte überschritten werden. Die rechtliche Lage ist komplex: Es gibt keine einheitliche bundesweite Regelung, aber die PCB-Richtlinie der ARGE-BAU und die TRGS 500 bieten den Rahmen. Aktuelle toxikologische Empfehlungen deuten darauf hin, dass der bisherige Vorsorgewert von 300 ng/m³ möglicherweise zu hoch angesetzt ist und ein Zielwert von 100 ng/m³ angestrebt werden sollte.

Für Hausbesitzer und Bauunternehmen bedeutet das: 1. Voruntersuchung ist Pflicht: Vor Sanierungsarbeiten an Altbauten (insbesondere vor 1975) müssen Materialproben analysiert werden. 2. Fachgerechte Entsorgung: Belastete Abfälle müssen als gefährlicher Abfall gemäß LAGA und TRGS 616 entsorgt werden. 3. Ganzheitliche Betrachtung: Sowohl Primärquellen (Fugen, Anstriche) als auch Sekundärquellen (Wände, Einrichtungen) müssen saniert werden.

Nur durch ein professionelles Sanierungskonzept, das auf detaillierten Schadstoffkatastern basiert, können Gesundheitsrisiken minimiert und rechtliche Konsequenzen vermieden werden. Die energetische Sanierung, für die moderne Messtechniken wie Laserscanning diskutiert werden, muss immer im Einklang mit der Schadstoffsanierung stehen, um keine neuen Gefährdungen zu schaffen.

Quellen

  1. asbestentsorger.de/pcb/index.html
  2. www.fiedler-schadstoffsanierung.de/schadstoffsanierung/pcb-sanierung/
  3. www.schadstoffsanierung-lorenz.de/pcb-sanierung/
  4. kluge-sanierung.de/leistungen/pcb-sanierung/
  5. www.geb-info.de/denkmal-und-altbau/gebaeude-anhand-von-laserscans-sanieren

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