Moderne Großprofilsanierung: Verfahren, Materialien und Technologien für begehbare Kanäle

Einführung

Die Sanierung von Großprofilen, also begehbaren Kanälen mit Nennweiten ab DN 800, stellt eine spezifische Disziplin innerhalb der Kanalsanierung dar. Während kleinere Rohrleitungen häufig mit Schlauchverfahren (CIPP) saniert werden, erfordern große Querschnitte spezielle Konzepte und Technologien. Ziel der Sanierung ist die Wiederherstellung eines statisch eigenständigen Kanals mit verbesserten hydraulischen Eigenschaften und einer deutlich verlängerten Lebensdauer. Die vorliegenden Informationen aus verschiedenen Fachquellen beleuchten die Vielfalt der eingesetzten Verfahren, von vorgefertigten Komponenten aus Glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK) bis hin zu manuellen Ausbesserungsarbeiten und innovativen UV-Härtungstechniken.

Verfahren der Großprofilsanierung

Die Sanierung begehbare Kanäle lässt sich grob in zwei Kategorien unterteilen: den Einbau vorgefertigter Elemente und die manuelle Bearbeitung bzw. Beschichtung vor Ort. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung, abhängig vom Schadensbild, der Geometrie des Kanals und den statischen Anforderungen.

1. Einbau vorgefertigter Elemente (GFK und Polymerbeton)

Ein dominierender Trend in der modernen Großprofilsanierung ist der Einsatz von werksseitig vorgefertigten Elementen. Dies ermöglicht eine hohe Qualitätssicherung, da die Fertigung unter kontrollierten Bedingungen erfolgt. Besonders bei Kanälen, deren Tragfähigkeit fragwürdig oder nicht mehr nachweisbar ist, bietet dieser Ansatz eine robuste Lösung.

Glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK)

GFK-Rohre und -Profile zeichnen sich durch hohe Festigkeit, Korrosionsbeständigkeit und ein geringes Gewicht im Vergleich zu Beton aus. Sie werden für verschiedene Verfahren eingesetzt:

  • Einzelrohr-Lining: Hierbei werden vorgefertigte GFK-Rohre (geschleudert oder gewickelt) in den bestehenden Kanal eingebaut. Der Prozess umfasst mehrere Schritte:

    • Anlieferung der Rohre (oft just-in-time).
    • Einbau mittels eines speziell entwickelten Transportshuttles oder mit Hilfe einer Seilwinde, die die Rohre bis zur Montagestelle befördert.
    • Verbindung der Rohrelemente miteinander.
    • Verfüllung des Ringraums zwischen dem neuen GFK-Rohr und der alten Kanalwandung mit Dämmermaterial. Dieser Schritt ist entscheidend, um die Stabilität zu gewährleisten und Auftriebskräften entgegenzuwirken. Die Absicherung gegen Auftrieb ist ein explizites Ziel dieses Verfahrens.
    • GFK-Einzelrohr-Lining ist laut den Quellen bis zu DN 5000 möglich und eignet sich besonders für geschädigte Kanäle im Schadensbereich AZ II und AZ III.
  • GFK-Schlauchlining (UV-Härtung): Traditionell wurden Schlauchverfahren eher für kleinere Durchmesser genutzt. Durch technologische Weiterentwicklungen ist die Sanierung von Großprofilen bis DN 2000 mit statisch tragfähigen GFK-Schlauchlinersystemen möglich. Hierbei kommt eine leistungsstarke UV-Härtungstechnologie zum Einsatz:

    • Technologie: Verwendung von UV-Kernen mit hoher Leistung (z. B. Koppelung von drei Kernen mit einer Gesamtleistung von 36.000 Watt).
    • Effizienz: Durch die Steigerung der Strahlerleistung von 1000-Watt auf 2000-Watt konnten die Zuggeschwindigkeiten und Aushärtezeiten drastisch reduziert werden, auch bei großen Dimensionen und dicken Wandstärken.
    • Vorteile: Die kurze Einbauzeit minimiert den Aufwand für Wasserhaltung und Verkehrsführung.
  • Polymerbeton-Platten: Neben GFK werden auch vorgefertigte Platten aus Polymerbeton eingesetzt. Diese werden auf die Wandungen des alten Kanals montiert.

    • Herstellung: Zunächst erfolgt eine exakte Vermessung des Sanierungsprofils. Darauf basierend wird eine Gussform für die Polymerbetonplatten erstellt, wobei Montageelemente in nahezu allen Formen möglich sind.
    • Montage: Die Platten werden mit Kunstharzkleber verbunden. Der entstehende Raum zwischen Platten und Altkanalwandung wird ebenfalls mit Dämmer verfüllt.
    • Anwendung: Sie dienen als selbst- oder nicht selbsttragende Teil- bzw. Vollauskleidung.

2. Manuelle Sanierung und Beschichtung

Für begehbare Kanäle (ab DN 800) besteht weiterhin die Möglichkeit der manuellen Bearbeitung durch Fachpersonal. Dieses Verfahren kommt vor allem bei punktuellen Schäden oder spezifischen Anforderungen zum Einsatz.

  • Bearbeitung von Schäden: Facharbeiter bearbeiten händisch Risse, undichte Rohrverbindungen, undichte Bauwerksanbindungen und defekte Zuläufe. Ausgewaschene Fugen und Fehlstellen werden ausgebessert oder die Flächen werden vollständig neu beschichtet. Verfestigte Ablagerungen werden ausgestemmt und Hindernisse entfernt. Während dieser Maßnahmen kann der Kanal zwangsbelüftet werden.

  • Eingesetzte Materialien: Die Auswahl der Materialien ist vielfältig und wird an das Schadensbild angepasst:

    • Ergelit Kombina i: Mittels Betonpumpe zum Abdichten und Verfüllen größerer Hohlräume.
    • Ergelit Kombina KS2: Zum Verfugen oder Beschichten.
    • Ergelit Kombina 10 schnelldicht: Zum Abdichten von Wassereinbrüchen.
    • Konudur Kanalinjekt: Mittels Injektogun, leicht aufschäumend, zum Stoppen von Wassereinbrüchen.
    • Konudur Sewerinjekt: Mittels Injektogun, stark aufschäumend, zum Stoppen größerer Wassereinbrüche.
    • GFK-Fertigteile, Halbschalen, Klinker, Riemchen: Ergänzende Materialien für die Auskleidung und Verstärkung.
  • Kunststoffmodifizierter Mörtel: Eine weitere Option ist die Aufbringung einer Teil- oder Vollbeschichtung auf gereinigte und ggf. reprofilierte Oberflächen. Die Dicke dieser Beschichtung liegt typischerweise zwischen 8 und 20 mm.

3. Spezialverfahren für komplexe Geometrien

Historisch gewachsene Abwassersysteme weisen oft komplexe Formen auf, wie Querschnittswechsel, Kurven und Bögen mit verschiedenen Radien. Hier passen sich herkömmliche Rundrohre oft nicht an.

  • DURA.CL-System (Pipelife): Dieses System nutzt glasfaserverstärkten Kunststoff (GFK), der in nahezu jede Form gebracht werden kann. Die Produktion erfolgt individuell nach den Projektanforderungen bezüglich Form, Querschnitt und Wanddicke. Es gibt laut Quelle [7] keine limitierenden Faktoren hinsichtlich der Größe oder Form der Elemente, was Sanierungsprojekte mit extrem großen Durchmessern und ungewöhnlich geformten Wänden ermöglicht.

Schachtsanierung

Die Sanierung von Schächten ist eng mit der Großprofilsanierung verknüpft, da Schächte Zugangspunkte und wichtige Bauwerke im Kanalnetz darstellen.

  • Schadensbilder: Belastungen führen zu Rissen, Löchern, Brüchen, Deformationen und Verlust der Standfestigkeit.
  • Sanierungstechniken:
    • Reparatur kleiner Schäden mit Spezialmörteln.
    • Komplette Auskleidung, beispielsweise mit GFK-Platten.
    • Maschinelles Ausschleuderverfahren.
    • Beherrschung von Grundwassereintritt durch Bohrlochinjektionen.
    • Austausch korrosionsgeschädigter Steighilfen (Arbeitssicherheit).

Logistik und Unterstützung

Die Durchführung von Großprofilsanierungen erfordert oft komplexe Logistik und maßgebliche Unterstützung durch firmeneigene Werkstätten.

  • Transport: Der Transport tonnenschwerer Elemente (z. B. aus Polymerbeton oder GFK) erfordert spezielle Lösungen. Dazu gehören firmeneigene Werkstätten, die projektbezogene Einfahrwagen und Transportshuttles konstruieren und bauen.
  • Abflusslenkung: Für aufwendige Abflusslenkungen während der Sanierung werden spezielle Partner und Equipment benötigt, um die Flexibilität bei Großprojekten zu sichern.

Fazit

Die Großprofilsanierung hat sich zu einem hochspezialisierten Feld entwickelt, das eine breite Palette an Technologien und Materialien bietet. Der Trend geht eindeutig hin zum Einsatz vorgefertigter Elemente aus GFK und Polymerbeton, da diese eine hohe Qualität, schnelle Einbauzeiten und statische Sicherheit auch bei geschädigten Bestandskanälen garantieren. Gleichzeitig bewahren manuelle Verfahren mit speziellen Mörteln und Dichtstoffen ihre Bedeutung für punktuelle Reparaturen und spezifische Anwendungen. Die Möglichkeit, mit UV-Härtung auch größere Durchmesser im Schlauchverfahren zu sanieren, erweitert zudem das Spektrum. Für Planer und Bauherren bedeutet dies, dass für fast jede Geometrie und jedes Schadensbild eine maßgeschneiderte, langlebige Lösung verfügbar ist, deren Planung jedoch fundiertes Know-how und die Zusammenarbeit mit erfahrenen Fachbetrieben erfordert.

Quellen

  1. Zeibig Rohrsanierung - Großprofilsanierung
  2. 3r Rohre - Sanierung von Großprofilen mit vorgefertigten GFK-Profilen
  3. Kuchler RLP - Großprofilsanierung
  4. Grossprofil.de
  5. SKS GmbH - Großprofilsanierung
  6. Aarsleff GmbH - Großprofilsanierung
  7. Pipelife - Kanalsanierung DURA.CL
  8. Geiger GKS - Schacht- und Großprofilsanierung

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