Sanierung und Erweiterung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Wismar: Zwischen Denkmalpflege, Kapazitäten und städtebaulicher Entwicklung

Einleitung

Die Sanierung und Erweiterung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums (GHG) in Wismar ist ein Projekt, das sowohl aus städtebaulicher als auch aus schulischer Perspektive von besonderer Bedeutung ist. Das Gymnasium, errichtet am Rande des UNESCO-Welterbe-gegenständlichen historischen Stadtkerns, steht im Spannungsfeld zwischen Denkmalpflege, steigenden schulischen Anforderungen und der Notwendigkeit einer baulichen Aufstockung. Mit 511 Schülern (Stand aktueller Berichte) ist das Gymnasium bereits an seine Kapazitätsgrenzen gestoßen, weshalb sowohl eine umfassende Sanierung als auch ein Neubau in Betracht gezogen werden. Die aktuelle Planung sieht eine Erweiterung des Bestandsgebäudes sowie einen Neubau am Friedenshof vor. Die Kosten dieser Maßnahmen werden mit bis zu 26 Millionen Euro kalkuliert, wofür zusätzliche Fördermittel erforderlich sind. Die Baumaßnahmen sind für den Herbst 2025 geplant, mit einer voraussichtlichen Fertigstellung im Jahr 2027. Im Folgenden wird detailliert auf die Hintergründe, Planungsschritte, Kosten und Auswirkungen der Sanierung eingegangen.

Historische und städtebauliche Einbettung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums

Das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium steht am Rande des historischen Wismarer Stadtkerns, der 2002 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde. Die Schule selbst wurde Anfang des 20. Jahrhunderts auf einer der historischen Festungsanlagen der Stadt errichtet, die heute noch topografisch erkennbar ist, aber im Stadtbild nicht sichtbar. Die geplante Erweiterung des Schulareals bietet die Möglichkeit, diese historische Anlage wieder sichtbar und erlebbar zu machen. Laut einem Bericht von Leifels Architekten, die an einem Wettbewerb für die Sanierung teilgenommen haben, ist das Gebäude in enger Beziehung zu den historischen Festungsanlagen, was bei der Planung berücksichtigt werden soll.

Die aktuelle Architektur des GHG ist in den letzten Jahren durch die Nutzung von Containern sichtbar verändert worden. Seit September 2024 ist das Hauptgebäude leer gestellt, und die Schüler lernen in einem provisorischen Ersatzgebäude aus Containern, das sich im Stadtteil Friedenshof befindet. Die Container-Schule ist zwei Kilometer vom originalen Standort entfernt und bietet Platz für bis zu 600 Schüler. Die Kosten für die Unterbringung in den Containern belaufen sich auf 550.000 Euro pro Jahr, was auf die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Sanierung hinweist.

Sanierungsbedarf und Planungsschritte

Die Sanierung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums ist bereits seit mehreren Jahren ein Thema im Bildungsausschuss des Landkreises Nordwestmecklenburg. Laut Karla Krüger, zuständig für Schulen im Landkreis, befindet sich die Planung in einem frühen Stadium. Die zentrale Frage ist, ob das denkmalgeschützte Gebäude komplett saniert oder durch einen Neubau ersetzt wird. Die Sanierung des Bestandsgebäudes gilt traditionell als sicherer Plan, da das Gebäude unter Denkmalschutz steht. Allerdings wird ein Neubau am Friedenshof – einem Areal, das ehemals durch das Helene-Weigel-Gymnasium und die Bertolt-Brecht-Schule genutzt wurde – als Alternative diskutiert.

Die Kosten für eine umfassende Sanierung werden mit etwa 12 Millionen Euro kalkuliert. Im Vergleich dazu würde ein Neubau mit einer Kapazität von 600 Schülern etwa 24 Millionen Euro kosten, was den Landkreis über die eigenen finanziellen Möglichkeiten hinausfordern würde. Laut den Angaben im Bildungsausschuss sind Fördermittel notwendig, um die Kosten zu tragen. Die Planung der Verwaltung beinhaltet eine detaillierte Analyse des Raumbedarfs, der Kosten sowie der Auswirkungen auf andere Schulen im Landkreis.

Bauliche Planung und Architektur

Im Jahr 2021 wurde ein Wettbewerb für die Sanierung und Erweiterung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums ausgeschrieben, an dem verschiedene Architekturbüros teilnahmen. Leifels Architekten, die am Wettbewerb teilgenommen haben, beschreiben in einem Beitrag auf ihrer Website, wie ihre Entwürfe ausgesehen hätten. Zwar wurde ihr Vorschlag nicht umgesetzt, dennoch geben sie Einblicke in ihre Vorstellungen: Die geplante Erweiterung sollte den historischen Charakter der Schule wahren und gleichzeitig modernen pädagogischen Anforderungen gerecht werden. Die Profilrichtung des Gymnasiums, MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik), sollte räumlich unterstützt werden, was durch flexible Lernbereiche und moderne Ausstattung geschehen sollte.

Laut den geplanten Baubeschreibungen ist die Fassade des Neubaus in ihrer Ausgestaltung mit dem Bestandsgebäude verbunden. Die Ziegelfärbung soll sich an den denkmalgeschützten Altbau anlehnen, ohne mit diesem in Konkurrenz zu stehen. Durchgefärbter Beton und Backsteinmauerwerk folgen regionalen Identitäten und sorgen für einen harmonischen Übergang. Die Obergeschosse des Neubaus sind durch eine zweigeschossige, durchgehende, senkrechte Fassade gekennzeichnet, die den historischen Fassaden des Altbauens in Analogie steht. Große bandartige Verglasungen ermöglichen Sichtbeziehungen nach außen und sorgen für einen stimmungsvollen Bezug zur Umgebung. Die Glasfassaden sind so gestaltet, dass sie ohne technische Mittel eine passive Schutzfunktion gegen Sonne und Regen erfüllen.

Die geplante Sanierung und Erweiterung beinhaltet auch die Baustelleneinrichtung, für die im Januar 2026 ein Angebotsschluss festgelegt wurde. Die Ausschreibung enthält detaillierte Angaben zu den Kosten und Fristen, wobei die genauen Kosten noch nicht vollständig transparent sind.

Auswirkungen auf Schule und Umgebung

Die Sanierung und Erweiterung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums hat weitreichende Auswirkungen auf die Schule selbst, aber auch auf die umliegende Stadtentwicklung. Der aktuelle Zustand des Schulgebäudes, das bereits seit Jahrzehnten nicht mehr ausreichend gewartet wird, hat dazu geführt, dass die Schüler in Containern unterrichtet werden. Diese provisorische Lösung ist für die Schule und die Stadt Wismar eine Übergangslösung, die jedoch auf Dauer nicht tragfähig ist. Die Container-Schule, die von der ehemaligen Integrierten Gesamtschule Johann-Wolfgang-Goethe übernommen wurde, ist für die Gymnasiasten nur eine vorübergehende Alternative, da sie nicht auf die Bedürfnisse eines Gymnasiums abgestimmt ist.

Die Baumaßnahmen, die im Herbst 2025 beginnen sollen, werden voraussichtlich bis 2027 andauern. In dieser Zeit bleibt das Gymnasium leer, was weitere Herausforderungen für den Landkreis und die Schule bedeuten. Die Kosten für den Neubau und die Sanierung sind auf 26 Millionen Euro kalkuliert, was den Landkreis über seine finanziellen Mittel hinausfordert. Es ist daher unumstritten, dass zusätzliche Fördermittel eingeworben werden müssen, um das Projekt umzusetzen.

Die geplante Erweiterung hat auch städtebauliche Auswirkungen. Der Friedenshof, an dem der Neubau entstehen soll, ist ein leer stehendes Areal, das durch die Sanierung und Erweiterung wieder belebt werden soll. Die Integration des neuen Gebäudes in die städtebauliche Struktur Wismars ist ein zentrales Ziel der Planung. Der Neubau soll sich harmonisch in das Stadtbild einfügen, wobei der historische Kontext durch die Gestaltung besonders betont wird.

Soziale und pädagogische Aspekte

Die Sanierung und Erweiterung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums hat auch direkte Auswirkungen auf die Schule und ihre pädagogische Arbeit. Die aktuelle Container-Lösung, in der die Schüler unterrichtet werden, ist laut Schulleiterin Ines Albrecht zwar funktional, aber nicht ideal. Die Lehrkräfte haben in den letzten Wochen der Sommerferien daran gearbeitet, die Container so heimisch wie möglich zu gestalten, wobei alles aus der alten Schule – inklusive Stühle, digitale Schultafeln und Aquarien – mit umgezogen ist. Dennoch bleibt die Container-Schule eine Übergangslösung, die nicht langfristig tragfähig ist.

Die Schule selbst hat in den letzten Jahren verschiedene Projekte initiiert, die den pädagogischen Charakter betonen. So hat beispielsweise die Klasse 9c im Rahmen des Projekts „Schüler für Schüler“ zum Wohle des Schulhofs gearbeitet, indem sie die Wände der Container neu gestrichen haben. Andere Projekte, wie der „Anne-Frank-Tag“ oder die Reinigung von Stolpersteinen, zeigen, wie engagiert die Schülerinnen und Schüler im sozialen und kulturellen Kontext sind.

Die Profilrichtung des Gymnasiums liegt im MINT-Bereich, was durch die geplante Erweiterung verstärkt werden soll. Die Schule beteiligt sich beispielsweise an der „Nacht der Wissenschaften“, was zeigt, wie stark sie außerschulische Aktivitäten in diesem Bereich verfolgt. Die neue Architektur wird auch die pädagogischen Anforderungen des MINT-Unterrichts berücksichtigen und durch flexible Lernbereiche und moderne Ausstattung unterstützen.

Fazit

Die Sanierung und Erweiterung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Wismar ist ein Projekt, das sowohl aus städtebaulicher als auch aus schulischer Perspektive von herausragender Bedeutung ist. Die aktuelle Situation mit der Container-Schule ist nur eine vorübergehende Lösung, die auf Dauer nicht tragfähig ist. Die geplante Sanierung des denkmalgeschützten Altbauens und der Neubau am Friedenshof sind notwendig, um die steigenden Schülerzahlen und die pädagogischen Anforderungen zu bewältigen.

Die Kosten für die Sanierung und Erweiterung sind hoch, weshalb zusätzliche Fördermittel notwendig sind, um das Projekt umzusetzen. Die Bauarbeiten sind für den Herbst 2025 geplant und sollen bis 2027 abgeschlossen sein. Die geplante Architektur berücksichtigt den historischen Kontext und die städtebauliche Einbindung, wobei moderne pädagogische Anforderungen berücksichtigt werden.

Die Schule selbst hat in den letzten Jahren verschiedene Projekte durchgeführt, die ihre pädagogische Arbeit stärken und den sozialen Charakter betonen. Die geplante Erweiterung wird diese Arbeit unterstützen und neue Möglichkeiten schaffen, um den MINT-Bereich zu stärken und die pädagogischen Anforderungen der Zukunft zu bewältigen.

Quellen

  1. Sanierung und Erweiterung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Wismar – Wirtschaftszeitung
  2. Sanierung und Erweiterung des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Wismar – Baustelleneinrichtung
  3. Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wismar – Website 1
  4. Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wismar – Website 2
  5. Leifels Architekten – Wettbewerb Gerhart-Hauptmann-Gymnasium Wismar
  6. Pläne für das neue Gerhart-Hauptmann-Gymnasium vorgestellt
  7. Schüler des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums lernen in Containern

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