Die Sanierung des Goethe-Gymnasiums in Bochum stellt ein herausragendes Beispiel für die moderne Transformation von Bestandsgebäuden dar. Seit November 2022 wird die traditionsreiche Schule umfassend modernisiert, wobei der Fokus auf der Kombination aus denkmalgerechter Instandsetzung, brandschutztechnischer Aufwertung und der Etablierung zeitgemäßer Lernumgebungen liegt. Dieses Projekt demonstriert, wie durch Generalplanungsleistungen eine ganzheitliche Herangehensweise an Gebäudesanierung realisiert werden kann, die sowohl ökologische als auch pädagogische Zielsetzungen erfüllt.
Im Folgenden werden die zentralen Aspekte dieser Sanierung detailliert beleuchtet, wobei der Schwerpunkt auf den für Bauherren, Immobilienbesitzer und Planer relevanten Methoden, Materialien und strategischen Entscheidungen liegt.
Vergabe und Planungsumfang
Die Vorbereitung und Durchführung einer Sanierung dieser Größenordnung erfordert eine professionelle Vergabestrategie. Für das Goethe-Gymnasium wurde die GPL Gesamt- und brandschutztechnische Sanierung im September 2023 vergeben. Als Auftraggeber fungierte die Stadt Bochum, Referat Zentraler Einkauf ZEK. Der Auftrag umfasst Generalplanungsleistungen, die eine Vielzahl von Fachplanungen abdecken.
Zu den Kernleistungen der beauftragten Büsing van Wickeren Architekten Part GmbB gehören: * Architekturplanung * Planung der Signalanlagen, der Brandmeldeanlage und der Brandmeldetechnik (Sigeko) * Technische Gebäudeausrüstung (TGA) * Tragwerksplanung * Geotechnik * Freianlagenplanung * Schadstoffsanierung und Analytikleistungen * Thermische Bauphysik
Dieser umfassende Planungsauftrag sicherstellt, dass alle bauphysikalischen, statischen und sicherheitstechnischen Anforderungen unter einem Dach koordiniert werden – ein entscheidender Faktor für die Effizienz von Sanierungsprojekten.
Strategie der Gebäudetransformation: Erhalt statt Abriss
Ein zentrales Merkmal der Sanierung ist die Entscheidung, die bestehende Bausubstanz weitgehend zu erhalten. Der ehemalige Stelzentrakt, ein Altbau, wurde nicht abgerissen, sondern in seiner Tragestruktur konsolidiert. Diese Entscheidung wird von Experten als ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich vernünftig bewertet.
Für Eigentümer von Bestandsimmobilien ist dieser Ansatz von hoher Relevanz. Der Erhalt der Tragwerksstruktur vermeidet hohen Aufwand für Abbruch und Entsorgung und reduziert den CO2-Fußabdruck des Projekts. Die Herausforderung liegt hierbei in der Integration moderner Anforderungen (wie Brandschutz und Energieeffizienz) in historische Bausubstanz. Die Sanierung des Goethe-Gymnasiums zeigt, dass eine Denkmalgerechte Aufwertung möglich ist, ohne die Substanz zu gefährden.
Umsetzung nachhaltiger Bauweise
Nachhaltigkeit ist im modernen Bauwesen kein Modewort, sondern ein Standard. Im Zuge der Sanierung wurden verschiedene Maßnahmen implementiert, die ökologische und ökonomische Vorteile bieten:
- Photovoltaikanlage: Die Integration einer PV-Anlage dient der Eigenstromversorgung und senkt langfristig die Betriebskosten.
- Begrünte Dachflächen: Eine begrünte Dachfläche verbessert das Mikroklima, wirkt als Regenrückhaltefläche und erhöht die Lebensdauer der Dachhaut.
- Erhalt von Bäumen: Die bewusste Einbindung bestehender Bepflanzung, wie einer markanten Platane, reduziert Kosten für Neupflanzungen und erhält den Charakter des Areals.
- Nachhaltige Materialien: Die Auswahl von Baumaterialien erfolgte unter Nachhaltigkeitsaspekten, was die Instandhaltungskosten und die Umweltbilanz verbessert.
Für die Praxis bedeutet dies: Eine Sanierung sollte immer die Potenziale der bestehenden Außenanlagen mit einbeziehen und diese durch moderne Technik (Photovoltaik) ergänzen.
Brandschutztechnische Sanierung
Die Bezeichnung "GPL Gesamt- und brandschutztechnische Sanierung" unterstreicht die Wichtigkeit der Brandsicherheit in öffentlichen Gebäuden. Neben den architektonischen Aspekten wurden explizit Leistungen der Tragwerksplanung und der thermischen Bauphysik für die brandschutztechnische Sanierung ausgeschrieben.
Dies umfasst in der Regel: * Schließen von Brandschutzverstößen (z.B. fehlende Brandabschnitte). * Anpassung von Fluchtwegen. * Einbau von brandhemmenden Baustoffen. * Planung und Installation von Brandmeldeanlagen (BMA).
Für Eigentümer von Gewerbeimmobilien oder öffentlichen Einrichtungen ist dies ein essenzieller Punkt: Eine Sanierung bietet die ideale Gelegenheit, den aktuellen Brandschutzstandards nach DIN 4102 oder der Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Bauaufsicht (MVV TB) nachzukommen und somit die Betriebserlaubnis zu sichern.
Architektonische und pädagogische Neuausrichtung
Die Sanierung beschränkt sich nicht auf technische Aspekte, sondern transformiert die Nutzung des Gebäudes tiefgreifend. Das neue Jahrgangshaus (Jahrgänge 5 bis 8) folgt dem Konzept der "Lern-Cluster".
Das Raumkonzept der Lern-Cluster
Traditionelle Schulgebäude sind geprägt von langen Fluren und abgeschlossenen Klassenzimmern. Im Goethe-Gymnasium wurde dies aufgebrochen: * Zentraler Marktplatz: Vier Klassenräume gruppieren sich um einen zentralen, offenen Bereich. Dieser dient als flexibler Lern- und Präsentationsraum. * Sichtbezüge: Durch die Offenheit entstehen visuelle Verbindungen, die die Transparenz und Kommunikation fördern. * Keine Verkehrsflächen: Das Konzept verzichtet auf klassische Flure zugunsten von nutzbaren Aufenthaltsbereichen.
Dieses Konzept ist für moderne Büro- und Arbeitsumgebungen übertragbar. Es fördert Teamarbeit und Flexibilität – Eigenschaften, die im modernen Arbeitsalltag entscheidend sind.
Gestaltung und Ästhetik
Trotz moderner Innenarchitektur wurde der äußere Charakter des Gebäudes gewahrt. Der Neubau besitzt eine Klinkerfassade mit Rundbogenfenstern, die sich harmonisch in das Ensemble einfügt. Hier zeigt sich, dass Modernisierung nicht bedeutet, den historischen Stil zu verwischen, sondern ihn mit zeitgemäßen Mitteln zu interpretieren.
Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus
Während der erste Bauabschnitt (Jahrgangshaus) abgeschlossen ist, steht der denkmalgeschützte Altbau noch aus. Die Planungen hierfür laufen bereits. Ein spezifisches Ziel ist die Wiederbelebung des ursprünglichen Haupteingangs an der Goethestraße.
Für die Praxis der Denkmalsanierung ist dies relevant, da es zeigt, wie historische Fassaden und Eingangssituationen reaktiviert werden können, um den repräsentativen Charakter eines Gebäudes wiederherzustellen. Gleichzeitig muss hier der Denkmalschutz mit aktuellen Anforderungen (Barrierefreiheit, Brandschutz) in Einklang gebracht werden.
Kosten und Finanzierung
Die Dimension des Projekts wird an den finanziellen Mitteln deutlich. Die Gesamtinvestition beläuft sich auf rund 30 Millionen Euro. Die Stadt Bochum hat für die gesamte Schulsanierung 24,8 Millionen Euro bewilligt. Der erste Bauabschnitt (Sanierung des Stelzentraktes) kostete allein 11,5 Millionen Euro.
Die Aufschlüsselung der Kosten verdeutlicht den Aufwand für eine Kernsanierung mit integrierter Brandschutz- und Schadstoffsanierung. Für Bauherren bedeutet dies, dass die Kosten für eine energetische und technische Aufwertung oft höher sind als der reine Wiederherstellungsaufwand, langfristig aber durch geringere Betriebskosten und erhöhte Nutzbarkeit amortisiert werden.
Zeitplan und Projektmanagement
Die Projektdauer erstreckt sich über mehrere Jahre: * Beginn: November 2022 * Fertigstellung Jahrgangshaus: Juli 2025 (geplant Juni 2025) * Fertigstellung Gesamtprojekt: Noch nicht terminiert, folgt nach Sanierung des Altbaus.
Ein kritischer Erfolgsfaktor war die Einbindung der Nutzer (Schule) und der politischen Vertreter während der Bauphase. Regelmäßige Vor-Ort-Termine, wie von der UWG: Freie Bürger durchgeführt, sorgen für Transparenz und Akzeptanz.
Fazit
Die Sanierung des Goethe-Gymnasiums in Bochum ist ein Musterbeispiel für eine zukunftsweisende Gebäudetransformation. Sie verbindet technische Notwendigkeiten wie den Brandschutz und die Schadstoffsanierung mit architektonischer Ästhetik und pädagogischer Innovation.
Die zentralen Lernpunkte für Bauinteressenten und Planer sind: 1. Generalplanung: Die Bündelung von Architektur, TGA, Tragwerk und Physik in einer Hand gewährleistet koordinierte Abläufe. 2. Substanzerhalt: Der Erhalt der Tragestruktur ist ökologisch und ökonomisch sinnvoll, erfordert aber hohe Planungskompetenz im Bestand. 3. Nachhaltigkeit: Die Kombination aus PV-Anlage, Begrünung und Materialauswahl definiert modernes Bauen. 4. Raumkonzepte: Offene, flexible Nutzungen (Lern-Cluster) erhöhen den Wert einer Immobilie durch bessere Auslastung und Attraktivität.
Das Projekt zeigt, dass Schulsanierungen nicht nur der Instandhaltung dienen, sondern als Impulsgeber für Stadtentwicklung und modernes Lernen fungieren können.
Quellen
- GPL Gesamt- und brandschutztechnische Sanierung Goethe-Gymnasium
- Goethe-Schule: Nachhaltige Sanierung schafft moderne Lernlandschaft
- Goethe-Schule: Nachhaltige Sanierung schafft moderne Lernlandschaft (UWG)
- Ausschreibung GPL Gesamt- und brandschutztechnische Sanierung Goethe-Gymnasium
- Goethe-Schule Bochum - Unser Gebäude
- Bochum Journal: Goethe-Schule Bauarbeiten am Jahrgangshaus im Zeitplan
- WAZ: Von diesem Gebäude schwärmt die ganze Goethe-Schule