Sanierung des Goethehofs in Wien: Denkmalschutz, Energieeffizienz und moderne Wohnqualität in einem historischen Gemeindebau

Einleitung

Die Generalsanierung des Wiener Goethehofs stellt einen Meilenstein in der modernen Stadtsanierung und im sozialen Wohnungsbau dar. Dieser monumentale "Superblock" aus der Zwischenkriegszeit, erbaut zwischen 1929 und 1931, unterlag einem mehrjährigen Sanierungsprozess, der Denkmalschutz, energetische Optimierung und die Schaffung neuer Wohnräume vereint. Der Goethehof, einst Schauplatz der TV-Serie "Kaisermühlenblues", beherbergt rund 3.000 Bewohner und ist ein Paradebeispiel dafür, wie historische Bausubstanz fit für die Zukunft gemacht werden kann. Die Sanierung, geleitet von der GSD Gesellschaft für Stadt- und Dorferneuerung, umfasste Investitionen in Höhe von mehreren zehn Millionen Euro und brachte eine Reduktion des Heizwärmebedarfs um über 73 Prozent. Im Folgenden werden die technischen Maßnahmen, die energetischen Erfolge und die baulichen Veränderungen detailliert beleuchtet.

Der historische Kontext und die Bedeutung des Goethehofs

Architektur und Entstehung

Der Goethehof wurde als Teil der Wohnbaupolitik des "Roten Wien" errichtet. Die Anlage ist ein typischer Vertreter der Zwischenkriegszeit und steht unter Denkmalschutz. Laut den Quellen wurden drei der planenden Architekten Schüler von Otto Wagners, was die architektonische Bedeutung unterstreicht. Die Bausubstanz ist geprägt von schweren Eisengittern und massiven Ziegelwänden, die dem Hof einen burgähnlichen Charakter verleihen. Die Anlage gliedert sich in drei großzügig angelegte Höfe, die sich im hinteren Bereich zur Uferlandschaft der Alten Donau öffnen.

Sozialer Wohnbau und Denkmalschutz

Die Sanierung musste die Balance zwischen Erhalt des historischen Charmes und modernen Anforderungen finden. Die Quellen betonen, dass Denkmalschutz und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen "Hand in Hand gehen" können. Ein zentrales Ziel war es, den Gemeindebau "fit für die Zukunft" zu machen, ohne seine Identität zu verlieren. Zu den ursprünglich 675 Wohnungen kamen durch den Dachausbau neue Wohnungen hinzu, was die Bedeutung des Goethehofs als lebenswerter Wohnraum für alle Einkommensschichten stärkte.

Projektmanagement und Bauausführung

Verantwortliche und Planung

Für die Planung, Bauaufsicht und das Projektmanagement wurde die GSD Gesellschaft für Stadt- und Dorferneuerung beauftragt. Die GSD hatte bereits Referenzen bei der Sanierung denkmalgeschützter Bauten wie dem Karl-Marx-Hof oder dem Reumannhof vorzuweisen. Die Generalsanierung begann offiziell im Jahr 2014 und fand in fünf Bauabschnitten statt. Die Architekturplanung oblag unter anderem dem Architekturatelier Kiener.

Bauzeiten und Abschnitte

Die Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin. Bereits 2019 war das Ziel, den Gemeindebau in neuem Glanz erstrahlen zu lassen. Die Fassadenarbeiten wurden abschnittsweise durchgeführt (Stiegen 36–45), wobei ein Großteil der Wärmedämmfassaden bereits vorher fertiggestellt war. Die Sockelsanierung begann 2014, und bis 2020 sollten die Arbeiten an den Außenanlagen und Fassadensockeln abgeschlossen sein.

Thermische Sanierung und Energieeffizienz

Eingriffe in die Gebäudehülle

Ein Kernstück der Sanierung war die umfassende thermische Sanierung. Um den Heizwärmebedarf drastisch zu senken, wurden folgende Maßnahmen umgesetzt: * Wärmedämmverbundsystem (WDVS): An den Fassaden wurde ein WDVS angebracht. Die verwendeten Materialien umfassten EPS-F (Expandiertes Polystyrol) in 3 und 5 cm Stärke sowie Mineralwolle in 3, 5 und 8 cm Stärke. * Dämmung der obersten Geschossdecken: Diese Maßnahme war essenziell für die energetische Optimierung. * Fenstertausch: In allen 50 Stiegen wurden moderne Holz-Alu-Wärmeschutzfenster und -türen eingebaut. Speziell bei den Dachflächenfenstern belieferte FAKRO die Baustelle mit knapp über 600 Fenstern. * Dacheindeckung: Die neue Dacheindeckung fügt sich architektonisch ein und trägt zur Dämmung bei.

Energetische Ergebnisse

Die Investitionen zeigten massive Wirkung. Der Heizwärmebedarf wurde von ursprünglich 167,77 kWh/m²a auf 44,77 kWh/m²a reduziert. Dies entspricht einer Einsparung von 73,3 Prozent. Quellen nennen hier auch Werte von 168 kWh/m²a auf 45 kWh/m²a. Diese Reduktion ist ein wichtiger Beitrag zum Umwelt- und Klimaschutz und wurde mit dem ETHOUSE Award 2020 für energieeffizientes Sanieren ausgezeichnet.

Strukturelle Erweiterungen und Infrastruktur

Dachgeschossausbau (128 / 129 neue Wohnungen)

Eine der größten Veränderungen war der Ausbau des Dachgeschosses. Hier entstanden zwischen 128 und 129 neue Wohnungen (Größenordnung 35 bis 100 m²). Diese Wohnungen sind als "leistbare Achgeschoßwohnungen" konzipiert. Die Vergabe erfolgte privilegiert an bereits im Goethehof wohnende Mieter, um den sozialen Charakter zu erhalten. Der Ausbau umfasste 8.800 m² und kostete allein für die Sockelsanierung, Tiefgarage und Dachausbau 42 Millionen Euro.

Tiefgaragenbau

Ein weiteres wesentliches Projekt war der nachträgliche Tiefgaragenbau. Der bisherige Parkplatz im Innenhof wurde durch eine Tiefgarage mit 200 Stellplätzen ersetzt. Dies ermöglichte den Rückbau von befestigten Flächen und die Schaffung einer begrünten Grünfläche im Innenhof. Die Bauarbeiten begannen im Oktober 2018 und waren laut Planung bis Juni 2020 fertiggestellt.

Aufzüge und Barrierefreiheit

Im Rahmen der Sanierung wurden alle 50 Stiegen mit Aufzügen ausgerüstet. Dies war ein entscheidender Schritt zur Barrierefreiheit und zur Verbesserung der Wohnqualität. Ein Großteil der Aufzüge war bereits in Betrieb, die Fertigstellung der restlichen Anlagen (Stiegen 2, 3, 24 sowie 36–45) war bis Jahresende 2019 geplant.

Innenhof und Außenanlagen

Von der Parkfläche zur Grünfläche

Durch den Bau der Tiefgarage unter dem Innenhof konnte der Hof weitestgehend autofrei gehalten werden. Statt Parkplätzen entstand eine großzügige Grünfläche. Diese Neugestaltung der Außenanlagen (Gehwege, Grünflächen) war zum Zeitpunkt der Berichterstattung voll im Gange.

Technische Sanierung im Untergrund

Bei den Außenanlagen wurden auch veraltete Kanalrohre erneuert, was zu einer besseren Oberflächenentwässerung führt.

Erhalt der Substanz und Denkmalschutz

Kunstwerke und Fassade

Ein besonderer Fokus lag auf der Restaurierung der Fassadenkunstwerke. Reinigung, Restaurierung und Wiederanbringung dieser Kunstwerke waren Teil des Konzepts, um den denkmalgeschützten Charakter zu wahren.

Artenschutz

Innovativ waren auch Artenschutzmaßnahmen. Speziell für Mauersegler und Mehlschwalben wurden Maßnahmen umgesetzt, um die Tierwelt in diesem städtischen Gebiet zu schützen.

Tröpferlbad

Das ehemalige Tröpferlbad wurde einer neuen Nutzung zugeführt: Es dient nun als Wohngemeinschaft für Betreutes Wohnen (Pflegehospitz), was die soziale Integration im Bau stärkt.

Zusammenfassung der Sanierungsmaßnahmen

Die folgende Tabelle fasst die zentralen baulichen Eingriffe zusammen:

Maßnahme Beschreibung / Materialien Ziel / Ergebnis
Fassadendämmung WDVS (EPS-F 3/5 cm, Mineralwolle 3/5/8 cm) Energieeinsparung, Schutz der Bausubstanz
Fenstertausch Holz-Alu-Wärmeschutzfenster (ca. 600 Dachflächenfenster von FAKRO) Verbesserung des Wärmeschutzes, Tageslichteintrag
Dachausbau 128/129 neue Wohnungen (8.800 m²) Erhöhung des Wohnungsbestands um ca. 20%
Tiefgarage Neubau mit 200 Stellplätzen im Innenhof Rückbau von Parkplätzen, Schaffung von Grünflächen
Aufzüge Einbau in alle 50 Stiegen Barrierefreiheit, Erhöhung der Wohnqualität
Außenanlagen Neugestaltung von Wegen, Grünflächen, Kanalrohren Verbesserte Entwässerung, Aufwertung des Hofes
Kunstwerke Restaurierung und Wiederanbringung Erhalt des kulturellen Erbes (Denkmalschutz)

Fazit

Die Sanierung des Goethehofs ist ein herausragendes Beispiel für gelungene Stadterneuerung in Wien. Sie zeigt, dass es möglich ist, die hohen Ansprüche an Denkmalschutz, energetische Sanierung und moderne Wohnbedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Durch die Investition von über 50 Millionen Euro (laut Quelle 7) konnten die Energieeffizienz drastisch verbessert und gleichzeitig 129 neue, bezahlbare Wohnungen geschaffen werden. Der Verzicht auf Parkplätze im Innenhof zugunsten von Grünflächen und den Bau einer Tiefgarage unterstreicht den modernen Ansatz der Stadtentwicklung. Der Goethehof bleibt ein Zuhause für rund 3.000 Menschen, nun jedoch mit deutlich höherem Komfort, besserer Energiebilanz und barrierefreier Erschließung. Für Bauherren und Investoren bleibt dieser Sanierungsfall eine Referenz für die Sanierung von Großwohnanlagen.

Quellen

  1. Wärmedämmsysteme.at - Goethehof Wien
  2. Meinbezirk.at - Goethehof neu
  3. Wienerwohnen.at - Goethehof
  4. GSD.at - Projekte Goethehof
  5. OTS.at - Stadträtin Gaal: Goethehof bestes Zeugnis für Generalsanierung
  6. Fakro.at - Der Goethehof wächst nach oben
  7. Bausubstanz.de - Revitalisierung Goethehof

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