Gropius Passagen: Modernisierung eines Großhandelszentrums – Planung, Umsetzung und Ergebnis

Die Modernisierung großer Handelsimmobilien stellt Bauherren, Planer und Investoren vor immense Herausforderungen. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Revitalisierung ist die Sanierung der Gropius Passagen in Berlin. Dieser Komplex, eines der größten Shopping Center Deutschlands, wurde über einen Zeitraum von mehreren Jahren umfassend modernisiert. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen und planerischen Aspekte dieses Projekts, basierend auf den vorliegenden Informationen aus der Presse und Projektbeschreibungen. Er richtet sich an Fachpublikum, Immobilienbesitzer und alle, die sich für die Sanierung von Großimmobilien interessieren.

Ausgangslage und Projektdefinition

Die Gropius Passagen an der Johannisthaler Chaussee 293-321 in Berlin-Neukölln sind ein historisch gewachsener Komplex. Laut den vorliegenden Daten wurde das Einkaufszentrum erstmals im Jahr 1967 genehmigt und errichtet. Mit einer Gesamtbruttogrundfläche von ca. 200.000 m² und einer Umbaufläche von ca. 93.500 m² handelt es sich um einen immensen Baubestand. Die Immobilie dient als Shopping-Mall, Bürostandort, Kino und verfügt über Parkdecks.

Das Projekt war notwendig, da das Gebäude über Jahrzehnte gewachsen war und die Anforderungen an ein modernes Einkaufserlebnis sowie die Bausubstanz nicht mehr erfüllte. Die Sanierung zielte darauf ab, die Attraktivität und Aufenthaltsqualität zu steigern und die Immobilie zukunftssicher aufzustellen. Die Bauherrschaft lag bei der Gropius Passagen GmbH & Co. KG, beauftragt wurden unter anderem die mfi Immobilien Marketing GmbH und Unibail-Rodamco Germany GmbH.

Ein zentrales Problem bei Sanierungen dieser Größenordnung ist der objektbezogene Brandschutz. Die Quellen erwähnen explizit, dass die Gropius Passagen einen objektbezogenen Brandschutz erfordern, der im Spannungsfeld zwischen Realität und den baurechtlichen Anforderungen steht. Dies unterstreicht die Komplexität der rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen bei der Modernisierung eines Gebäudes aus dem Jahr 1967.

Investitionsumfang und Zeitplanung

Die Modernisierung der Gropius Passagen war ein hochdotiertes Projekt. Die Eigentümer TH Real Estate und Unibail-Rodamco-Westfield investierten laut mehreren Quellen rund 125 Millionen Euro in die Revitalisierung. Die Bauarbeiten begannen im Herbst 2014 und wurden in mehreren Phasen durchgeführt. Der erfolgreiche Abschluss der dritten und letzten Umbauphase wurde am 22. November 2018 gefeiert, wobei die Fertigstellung insgesamt bis ins Jahr 2019 reichte.

Die Planung und Steuerung oblag renommierten Firmen. Als Architekt und Generalplaner wurde das Büro Aukett + Heese Architekten beauftragt. Für die Projektsteuerung, das Planungscontrolling und das Baucontrolling war Drees & Sommer verantwortlich, was auf ein professionelles Management der komplexen Schnittstellen hindeutet.

Planerische Leistungen und Architektur

Die architektonische Konzeptidee basierte auf einem Entwurf des französischen Büros Saguez and Partners. Aukett + Heese wurde für die Leistungsphasen 2-5 (Vorplanung bis Ausführungsplanung) beauftragt. Der Umbau gliederte sich in verschiedene Bauabschnitte.

Ein besonderer Fokus lag auf der Umgestaltung der ehemaligen Woolworth Mall (ca. 10.000 m²), die im ersten Bauabschnitt komplett umgeplant und am 4. Dezember 2015 eröffnet wurde. In einem zweiten Bauabschnitt folgte die Revitalisierung und Modernisierung der gesamten Gropius Passagen auf einer Fläche von rund 80.000 m². Ziel war es, das Einkaufszentrum über die Rolle des Nahversorgers hinaus stärker auf Fashion und Lifestyle auszurichten.

Zu den konkreten planerischen Leistungen gehörten: * Neugestaltung des Atriums: Mit einem anregenden Lichtkonzept. * Innovatives Interior Design: Um ein offenes, urbanes Flair zu schaffen. * Food Plaza: Komplette Modernisierung im 1. Obergeschoss mit einem Mix aus lokalen und internationalen Gastronomiekonzepten. * Shop-Fassaden: Etagenübergreifende Fassaden zur optischen Aufwertung. * Wegeführung: Eine vereinfachte Navigation durch das Center. * Ruhezonen und Eingangsbereiche: Schaffung von Aufenthaltsflächen.

Die Gebäudehülle und die technischen Anlagen (TGA) waren ebenfalls Gegenstand der Sanierung. Die Planung der gesamten TGA (Technische Gebäudeausrüstung) wurde als Teil des Leistungsumfangs genannt.

Technische Herausforderungen und Umsetzung

Die Sanierung fand im laufenden Betrieb statt. Dies ist eine der größten Herausforderungen im Bauwesen, da der Betrieb des Einkaufszentrums (täglich ca. 50.000 Besucher) nicht unterbrochen werden durfte. Die Quellen geben an, dass während der gesamten Bauphase alle Flächen des Centers für Besucher nutzbar blieben.

Um die Risiken zu minimieren und die Schnittstellen zu beherrschen, setzte man auf ein integriertes Management. Drees & Sommer führte General Construction Management (GCM), Projektsteuerung, Objektüberwachung (KG 300), Nutzermanagement und Lean Site Management (LSM) durch. Dieses Vorgehen ermöglichte eine hohe Transparenz und gestraffte Abläufe, was für die Minimierung der Bestandsrisiken essenziell war.

Ein spezifischer technischer Aspekt war die Modernisierung des UCI-Multiplexkinos. Der Betreiber UCI gestaltete Foyer und Kinosäle neu, was das Profil des Centers als Unterhaltungsziel schärfte.

Mietermix und Nutzungsstruktur

Ein zentraler Erfolgsfaktor der Sanierung war die Neuausrichtung des Mietermixes. Das Ziel war eine Stärkung der Bereiche Fashion und Lifestyle. Nach Abschluss der Sanierung bietet das Center rund 150 Shops auf ca. 90.000 bis 93.500 Quadratmetern Fläche.

Die Ankermieterstrategie wurde beibehalten und erweitert. Zu den etablierten Ankermietern gehören: * Peek & Cloppenburg * Media Markt * C&A * H&M * Aldi Nord * Kaufland * Rossmann * Müller

Zusätzlich neue Filialen eröffneten Hugendubel, Snipes, Foot Locker und Accessorize. Ein Highlight war die Eröffnung einer der modernsten Karstadt-Filialen im Bundesgebiet im Oktober 2018. Für 2019 war zudem die Eröffnung von Primark geplant, was die Anziehungskraft des Centers weiter steigern sollte. Ebenfalls neu hinzugekommen ist im Sommer 2019 der Sportartikelspezialist Decathlon auf ca. 1.600 Quadratmetern.

Wirtschaftliche Bedeutung und Verkehrsanbindung

Die Gropius Passagen sind ein ökonomischer Motor für Berlin. Laut den Quellen gibt es 2.000 Arbeitsplätze im Center und jährlich circa 10 Millionen Besucher. Damit zählt es zu den größten Shopping Centern Deutschlands.

Für die Erreichbarkeit sorgt eine hohe Infrastruktur: * Öffentlicher Nahverkehr: Hochfrequente Anbindung. * Individueller Verkehr: 2.000 Parkplätze stehen zur Verfügung.

Die Kombination aus hoher Flächendichte, starkem Mietermix und guter Anbindung bildet die wirtschaftliche Basis für die Investition von 125 Millionen Euro.

Fazit

Die Sanierung der Gropius Passagen ist ein Musterbeispiel für die erfolgreiche Revitalisierung von Großimmobilien. Die Maßnahmen haben das Gebäude technisch und optisch auf den neuesten Stand gebracht und die wirtschaftliche Position nachhaltig gestärkt. Durch die konsequente Ausrichtung auf Fashion, Lifestyle und Gastronomie sowie die Schaffung hoher Aufenthaltsqualität konnte das Center zukunftsfähig aufgestellt werden.

Wesentliche Erfolgsfaktoren waren: 1. Hohe Investitionsbereitschaft: 125 Millionen Euro ermöglichten tiefgreifende Veränderungen. 2. Professionelles Projektmanagement: Integration von Planung, Bauausführung und Mietermanagement (Drees & Sommer). 3. Laufender Betrieb: Die Durchführung der Sanierung ohne Schließung sicherte die wirtschaftliche Stabilität. 4. Strategische Neuausrichtung: Fokus auf Mode, Lifestyle und hochwertige Gastronomie.

Für Bauherren und Investoren zeigt das Projekt, dass selbst historisch gewachsene Strukturen aus den 1960er Jahren durch umfassende Sanierung und klare Zielsetzung zu modernen, profitablen Immobilien transformiert werden können. Die Herausforderung des Brandschutzes im Bestand und die Koordination der Gewerke im laufenden Betrieb bleiben dabei die zentralen technischen und organisatorischen Hürden.

Quellen

  1. Brandplus.berlin
  2. Firmenpresse.de
  3. Aukett-Heese.de
  4. Openpr.de
  5. GPC-Berlin.de
  6. Dreso.com

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