Sanierung der L 3309 in Großkrotzenburg: Verkehrstechnische Herausforderungen, wirtschaftliche Auswirkungen und zukünftige Planungen

Die Sanierung von Landesstraßen stellt für Kommunen, Anwohner und Gewerbetreibende stets eine erhebliche Belastung dar, die jedoch für die langfristige Sicherung der Verkehrsinfrastruktur unerlässlich ist. Im Fokus dieses Fachbeitrags steht die umfassende Erneuerung der Landesstraße 3309 im Bereich von Großkrotzenburg und Großauheim. Die vorliegenden Informationen aus regionalen Berichten und parlamentarischen Antworten geben detaillierte Einblicke in den Zustand der Straße, die durchgeführten und geplanten Sanierungsmaßnahmen sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für den motorisierten und den wirtschaftlichen Verkehr.

Aktueller Zustand und Notwendigkeit der Sanierung

Die Landesstraße 3309, die den Ort Großkrotzenburg mit Großauheim verbindet und am Kraftwerk Staudinger vorbeiführt, befindet sich in einem Zustand, der eine sofortige Sanierung erzwingt. Laut einem Straßenzustandsbericht war die Straße auf einem etwa 600 Meter langen Teilstück, beginnend an der Kreuzung L 3309/K 859 (Depotstraße), bereits 2021 für eine größere Sanierungsmaßnahme vorgesehen.

Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen ergibt sich aus massiven Verschleißerscheinungen. Große Schlaglöcher zwangen Autofahrer zuletzt zu regelrechten Slalomfahrten, was die Verkehrssicherheit massiv beeinträchtigte. Besonders kritisch ist der Zustand der Brückenanschlüsse. Ein im Jahr 2014 durchgeführtes Sanierungsvorgehen konzentrierte sich auf die Brückensicherung. Zu diesem Zeitpunkt stuften die zuständigen Landesstraßenbaubehörden den übrigen Zustand der Straße noch als tragfähig ein. Der aktuelle Zustandsbericht belegt jedoch einen zunehmenden Verschleiß, der Reparaturbedürftigkeit erfordert. Die Sanierung wird daher früher als ursprünglich geplant durchgeführt.

Organisatorische und technische Durchführung der Bauarbeiten

Für die Durchführung der Sanierung ist die Behörde „Hessen Mobil“ zuständig. Die Gemeinde Großkrotzenburg wurde bei einem Behördentermin über erste Details informiert. Die Arbeiten sind in vier Bauabschnitte unterteilt, was eine logistische Herausforderung darstellt.

Ein zentraler Aspekt ist die Verkehrsführung während der Bauphase: * Vollsperrung: Die Sanierung geht mit einer Vollsperrung der Strecke einher. * Ausnahmen: Lediglich der Busverkehr kann während zweier Bauabschnitte aufrechterhalten bleiben. * Fußgänger und Radfahrer: Die Passage für Fußgänger und Radfahrer wird voraussichtlich dauerhaft möglich sein.

Besonders relevant für die Bewertung der Zuverlässigkeit der Informationen ist eine Meldung bezüglich einer bereits eingerichteten Baustelle auf der L 3309 in Richtung Großauheim. Hier teilt die Gemeinde Großkrotzenburg mit, dass es sich um eine Baustelle handelt, die sich auf der Gemarkung der Stadt Hanau befindet. Es stehen lediglich ein paar Verkehrszeichen auf Großkrotzenburger Gemarkung. Die Genehmigungsbehörde ist die Stadt Hanau. Eine Pressemitteilung ist weder von Seiten der Stadt Hanau noch von der Gemeinde Großkrotzenburg erfolgt, da die Straße einseitig befahrbar ist. Eine öffentliche Bekanntmachung erfolgt lediglich bei Vollsperrungen. Diese Information unterstreicht die Notwendigkeit, die Verantwortlichkeiten bei Baumaßnahmen in Grenznähe genau zu prüfen.

Historischer Kontext: Die Brückensanierung 2014/2015

Um die aktuelle Notwendigkeit der Sanierung zu verstehen, ist ein Blick auf vergangene Arbeiten hilfreich. Im Zeitraum vom 26. Mai bis zum 30. November eines Jahres wurde die 1963 erbaute Brücke über die Bahn (im Volksmund „Preag-Berg“) umfassend saniert. Diese Arbeiten kosteten insgesamt 860.000 Euro.

Die Maßnahmen umfassten: * Instandsetzung der Unterführung am Eon-Kraftwerk Staudinger (altersbedingter Verschleiß). * Einbau neuer Übergangskonstruktionen zwischen Straße und Brücke. * Neubeschichtung der Widerlager und Stützwände. * Tausch der Brückenlager. * Aufbringen eines neuen Fahrbahnbelags.

Während dieser sechsmonatigen Bauzeit war die Strecke für Autofahrer gesperrt; eine stark frequentierte Umleitung über die Landstraße am Neuwirtshaus war überlastet. Radfahrer und Fußgänger konnten die Strecke passieren. Diese Erfahrungen fließen in die aktuellen Planungen ein.

Wirtschaftliche Auswirkungen auf das Gewerbe

Die Vollsperrung der L 3309 hat erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen für die ortsansässigen Gewerbetreibenden. Kritik kam insbesondere vom Verein „Fachwerk“ und dem Gewerbeverein. Bürgermeister Thorsten Bauroth bezeichnete die Reaktion der Gewerbetreibenden als „Katastrophe“, da der Ort erneut von einer Vollsperrung betroffen sein wird. Bei einer vorangegangenen monatelangen Sperrung gab es Staus auf der B 8 während der Hauptverkehrszeiten.

Die konkreten Auswirkungen auf den Einzelhandel sind bereits sichtbar: * Umsatzeinbußen: Günter Amend, Geschäftsführer von „Bike Aktiv“, berichtet von fast 40 Prozent Umsatzeinbußen während der Sanierung im Jahr 2014. Sein Laden liegt in Sichtweite der Baustelle, wodurch klassische Laufkundschaft ausbleibt. Obwohl Stammkunden treu bleiben, sind besondere Angebote nötig, um Kunden zu binden, die Umwege in Kauf nehmen müssen. * Verlust der Laufkundschaft: René Welsch, Betreiber eines Kiosks direkt an der Taunusstraße (innerörtiger Abschnitt der L 3309), ist die Situation weniger rosig. Seine Kunden kaufen oft auf dem Weg zur Arbeit Tageszeitungen oder Zigaretten. Diese spontane Kundschaft fehlt bei einer Umleitung oder erschwerter Anfahrt.

Um den Schaden für das Gewerbe so gering wie möglich zu halten, plant die Gemeindeverwaltung in Absprache mit dem Gewerbeverein bei Hessen Mobil auf eine optimale Beschilderung hinzuwirken, die bei der letzten Sperrung nicht gegeben war.

Verkehrstechnische Bedeutung und Belastung

Die L 3309 ist eine überdurchschnittlich stark belastete Landesstraße. Eine parlamentarische Kleine Anfrage (Quelle 6) bestätigt, dass im Vergleich der durchschnittlichen täglichen Verkehrsmenge aller Landesstraßen in Hessen die L 3309 („Taunusstraße/Lindenstraße“) in der Ortsdurchfahrt Großkrotzenburg überdurchschnittlich belastet ist.

Die Straße hat eine hohe Bedeutung für den überörtlichen Verkehr. Gemäß den Vorgaben des Hessischen Straßengesetzes hat der Verkehrsfluss des überörtlichen Verkehrs Vorrang vor den Interessen innerörtischer Verkehrsbelange. Dies ist ein zentraler Konfliktpunkt für die Gemeinde, die den LKW-Durchgangsverkehr im Ort reduzieren möchte.

Maßnahmen der Verkehrsberuhigung

Trotz der übergeordneten Bedeutung für den Fernverkehr plant der Baulastträger (Land) den Weiterbau des Rad- und Gehwegs in der Ortsdurchfahrt Großkrotzenburg. Diese Maßnahme ist mit einer Neuaufteilung des Querschnitts und einer Verringerung der Fahrbahnbreite verbunden. Die Planung wurde von der Gemeinde Großkrotzenburg in Abstimmung mit dem Amt für Straßen- und Verkehrswesen (ASV) Gelnhausen übernommen, da sie im Zusammenhang mit anstehenden Kanalbaumaßnahmen steht.

Zukunft der L 3309: Abstufung und Kostenfragen

Ein viel diskutiertes Thema ist die mögliche Herabstufung der L 3309 zu einer Kreis- oder Gemeindestraße. Ziel wäre es, der Gemeinde weitergehende Möglichkeiten der Verkehrslenkung durch bauliche oder verkehrsbehördliche Maßnahmen zu eröffnen.

Voraussetzungen und Hindernisse

Eine solche Abstufung ist an strenge Voraussetzungen gebunden. Aktuell kann nur der Abschnitt der L 3309 vom Beginn in Hanau (ab der B 43) bis nach Großkrotzenburg (Einmündung der L 3308 „Waitzweg“) abgestuft werden. Die weitere Strecke bis zur hessisch-bayerischen Grenze kann nur abgestuft werden, wenn gleichzeitig die auf bayerischem Gebiet anschließende Staatsstraße („Krotzenburger Straße“) bis zur Einmündung in die B 8 in Kahl am Main abgestuft wird. Dies erfordert wiederum die Abstufung der parallel zur Bundesautobahn verlaufenden Bundesfernstraße B 8 zur Staatsstraße.

Dieses komplexe Abstimmungsverfahren ist Teil eines vom Land Bayern federführend zu planenden Gesamtkonzepts zur Verbesserung der Verknüpfungen des klassifizierten Straßennetzes im bayerisch/hessischen Grenzbereich. Der Zeitraum für die Umsetzung dieses Gesamtkonzepts kann bisher nicht konkretisiert werden.

Kosten und Unterhalt

Sollte es zu einer Abstufung kommen, muss das Land die Straße in einem dem regelmäßigen Verkehrsbedürfnis entsprechenden ordnungsgemäßen Zustand übergeben. Dies betrifft auch die Brückenwerke. Eine Zustandsbewertung durch die Hessische Straßen- und Verkehrsverwaltung muss den Umfang der erforderlichen Maßnahmen festlegen.

Für die Gemeinde ergeben sich daraus erhebliche Kostenfragen: * Unterhaltungspflicht: Mit der Abstufung wird die Gemeinde Baulastträger der Straße mit allen rechtlichen Verpflichtungen zur Unterhaltung. * Kostenhöhe: Es liegen keine Durchschnittswerte zu den Unterhaltungskosten von Gemeindestraßen vor. Kostenschätzungen für die Sanierung können erst nach einer Feststellung des Zustands im Zuge des Abstiegsverfahrens erstellt werden.

Ein Zeitraum für eine mögliche Umsetzung der Abstufung kann ca. ein Jahr betragen, vorausgesetzt, die Gremien der Stadt Hanau und der Gemeinde Großkrotzenburg fassen entsprechende Beschlüsse. Ob der Main-Kinzig-Kreis zur Übernahme der Straße bereit wäre, ist unklar; dazu liegen keine Erkenntnisse vor.

Zusätzliche Infrastrukturprojekte im Umfeld

Neben der L 3309 sind weitere Brücken im Netz der Landesstraßen in der Region Gegenstand von Sanierungs- und Planungsmaßnahmen. So plant Hessen Mobil langfristig einen Ersatzneubau der Brücke der L 3308 über die Bahn, unweit des Großkrotzenburger Sees (Am Waitzweg). Bis dahin sind zunächst Instandsetzungsarbeiten an der Berührungsschutzplatte über den Bahngleisen geplant, die zu einer einspurigen Sperrung führen werden.

Fazit

Die Sanierung der L 3309 in Großkrotzenburg ist ein notwendiges und dringliches Projekt, um die Verkehrssicherheit und die Substanz der Infrastruktur zu gewährleisten. Die Maßnahmen sind logistisch komplex und erfordern eine Vollsperrung, die erhebliche Auswirkungen auf den lokalen Einzelhandel hat. Parallel zur technischen Erneuerung laufen politische und planerische Diskussionen über eine mögliche Herabstufung der Straße, um der Gemeinde mehr Gestaltungsfreiheit für die Verkehrsberuhigung zu geben. Diese Option ist jedoch eng verknüpft mit übergeordneten Verkehrsplanungen im bayerisch-hessischen Grenzraum und birgt für die Gemeinde erhebliche finanzielle Risiken bezüglich der zukünftigen Unterhaltungskosten. Die Zusammenarbeit zwischen Behörden, Politik und Gewerbe ist entscheidend, um die Belastungen während der Bauphase so gering wie möglich zu halten.

Quellen

  1. L3309 wird ab Juni saniert
  2. Schlechter Zustand: Landesstraße 3309 wird früher saniert
  3. Vollsperrung Landesstraße: Einzelhändlern fehlt Laufkundschaft
  4. Brücke endlich saniert
  5. Baustelle am Preagberg
  6. Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung der Ortsdurchfahrt Großkrotzenburg

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