Denkmalgerechte Sanierung von Bergbau-Industriekultur: Best Practices am Beispiel der Grube Itzenplitz

Die Sanierung und revitalisierung von Industriedenkmälern stellt Bauherren, Handwerker und Planer vor besondere Herausforderungen. Die Verbindung von historischer Bausubstanz mit modernen Nutzungen erfordert tiefgehendes Fachwissen über Baustoffe, Konstruktionen und denkmalpflegerische Grundsätze. Am Beispiel der ehemaligen Steinkohlen-Grube Itzenplitz im Saarland lässt sich eindrucksvoll aufzeigen, wie durch behutsame Sanierung und innovative Nutzungskonzepte industriehistorisches Erbe für die Zukunft bewahrt und gleichzeitig wertvolle Naherholungsgebiete geschaffen werden. Die Maßnahmen vor Ort bieten wertvolle Erkenntnisse für die Bestandserschließung, die energetische Sanierung von Baudenkmalen und die Planung von Wohn- und Gewerbeimmobilien im Kontext historischer Bebauung.

Die Grube Itzenplitz: Historischer Kontext und Bausubstanz

Die Bedeutung des Standorts Itzenplitz für die saarländische Industriekultur ist eng mit der Entwicklung des Steinkohlenbergbaus verbunden. Die Grube Itzenplitz wurde nach dem preußischen Handelsminister und obersten Leiter des Berg-, Hütten- und Salinenwesens, Graf Heinrich August von Itzenplitz (1799-1883), benannt. Die Einweihung der Grube fand 1863 unter Anwesenheit des Namensgebers statt. Diese historische Einbettung ist entscheidend für das Verständnis des Denkmalwertes der Anlage.

Im Zuge der Expansion des Bergbaus entstand eine technisch hochwertige Tagesanlage. Der Itzenplitzschacht III wurde 1882 bis zur Saarsohle angehauen, wobei seine zum Teil noch heute erhaltene Förderanlage mit ihrem eisernen Seilscheibengerüst erst 1886 den Betrieb aufnahm. Das Maschinenhaus dieses Schachtes besteht aus hellen glasierten Backsteinen mit vier Rundbogenfenstern in den Längswänden. Da es aufgrund seiner Hanglage auf einem hohen Sockel aus roten Sandsteinquadern errichtet wurde, prägt diese architektonische Charakteristik das Erscheinungsbild. Solche Gestaltungsmerkmale wurden bei späteren Neubauten im Bergbau immer wieder aufgegriffen.

Die technische Infrastruktur wurde kontinuierlich ausgebaut. Im Jahr 1900 entstand das erste, über einen Steg mit dem Ufer verbundene Pumpenhaus im Weiher. Weitere technische Innovationen, darunter die 1915 durch Erweiterungen der Schaltanlage miteinander verbundenen Gebäude der elektrischen Unterstation und der Luftverdichtungsanlage aus den Jahren 1907/1908, machten die Grube Itzenplitz vor dem Ersten Weltkrieg zu einer hochmodernen Tagesanlage.

Eine zentrale Komponente der Anlage ist der Itzenplitzer Weiher. Er wurde 1878/1879 angelegt und diente ursprünglich als „Rußhütter Weiher“. Sein nördlicher Damm (Wemmetsweiler Bann) fungierte gleichzeitig als Staumauer. Das dort angestaute Wasser des Klinkenbach- und Kallenbaches diente dem Betrieb der Dampfmaschinen und zur Einleitung der untertägig gehobenen Grubenwässer. Diese historische Wasserwirtschaft ist ein prägendes Element der Landschaft.

In den 1950er Jahren erlebte die Grube Itzenplitz einen letzten Aufschwung. Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm am 1. Januar 1948 die französische Saarbergbaubehörde „Régie des Mines de la Sarre“ die Tätigkeit und gliederte einen neuen Kauenanbau dem südlichen Kauentrakt an. Dies war die letzte große infrastrukturelle Erweiterung der Anlage.

Die Stilllegung erfolgte in mehreren Schritten. Mit den rückbauenden und fusionierenden Umstrukturierungen der Grube Reden ab 1958 wurde Itzenplitz als selbstständiges Bergwerk stillgelegt. Es wurde Reden zunächst angegliedert und diente nur noch für Zwecke der Seilfahrt und des Materialtransports als Außenanlage. Als 1996 auch das Verbundbergwerk Ost (bestehend aus den Standorten Reden, Göttelborn und den ihnen angegliederten Saargruben) geschlossen wurde, fand die endgültige Niederlegung des Betriebs der Grube Itzenplitz statt.

Sanierung der Waschkaue: Handwerkliche Präzision und Denkmalschutz

Ein zentrales Projekt der Revitalisierung ist die Sanierung der historischen Waschkaue. Die Waschkaue (oder Kau) war das Belegschaftsbad, in dem sich die Bergleute nach der Schicht den Steinkohlenstaub abwaschen konnten. Die denkmalgeschützten Gebäude aus Sand- und Backstein aus dem Jahr 1910, die 1950 erweitert wurden, verfielen nach der Stilllegung zusehends. Decken und Wände stürzten ein, und die einst prächtigen Gebäude verkamen zur Schutt- und Müllhalde.

Eine Privatperson, Eric Kleer, erwarb die Gebäude für 20.000 Euro und begann mit einer aufwendigen Sanierung. Ziel war es, die historische Bausubstanz denkmalgerecht wiederherzustellen. Der Umfang des Vorhabens war immens: Laut Angaben mussten zunächst 50 Tonnen Schutt und Müll aus den Gebäuden entfernt werden.

Die Sanierung umfasste mehrere Gewerke: * Abbruch und Vorbereitung: Das Entfernen von Eternit-Platten und das Sandstrahlen der Oberflächen. * Bodensanierung: Einbringen von neuem Estrich. * Fensterersatz: Einbau neuer Bogen-Fenster, die den historischen Charakter widerspiegeln.

Die größte Herausforderung stellte die Dachkonstruktion dar. Fachmann Kleer und seine Familie bauten die Dachstühle, komplexe Holz-Konstruktionen, originalgetreu wieder auf. Als Deckung wurden Doppelfalz-Ziegel und Schiefer wie im Original verwendet. Dabei wurde auf „Schummeln“ verzichtet. Wie der Bauherr erklärte, ist sein Ziel als Zimmermann höher angesetzt als die Vorgaben des Denkmalschutzes. Dies unterstreicht das Engagement, die Substanz nicht nur zu erhalten, sondern in hoher handwerklicher Qualität zu sichern.

Die Sanierung der Waschkaue wird von offizieller Seite als vorbildlich angesehen. In der Veranstaltungsreihe „Hände hoch fürs Handwerk“ wurde die sanierte Waschkaue als Praxisbeispiel genutzt. Ein Vortrag von Delf Slotta, Regierungsdirektor im Ministerium für Bildung und Kultur sowie Leiter Referat „Industriekultur“, behandelte die Bedeutung der historischen Heiligenwalder Waschkaue für die zukünftige Entwicklung des Bergbau-Denkmalstandortes Itzenplitz. Die Veranstaltung bot Teilnehmern die Möglichkeit, Einblick in die verschiedenen Bauabschnitte und umgesetzten Maßnahmen durch den Bauherrn und das beteiligte Handwerk zu erhalten und wurde von der Deutschen Akademie für Sachverständige und Fachgutachter (dena) und der WTA (Wissenschaftlich-Technische Arbeitsgemeinschaft für Bauwerkserhaltung und Denkmalpflege) anerkannt.

Das Pumpenhaus: Technische Rarität und neuer Nutzungszweck

Neben der Waschkaue stellt das Pumpenhaus eine technische Rarität im deutschen Bergbau dar. Der im Bergbau einmalige Wasserturm am Itzenplitzer Weiher wurde 1907-1908 erbaut und als Pumpenhaus zur Speisung der Dampfmaschinen auf den Gruben Reden und Itzenplitz genutzt. Seine Funktion war essenziell für die Wasserwirtschaft der Grube.

Die Sanierung des Pumpenhauses wurde federführend vom „Förderverein Historische Grubenanlage Itzenplitz e.V.“ in Handarbeit durchgeführt. Zahlreiche Sponsoren sowie das Land, die Gemeinde und die RAG-Stiftung unterstützten das Projekt. 2017 wurde das sanierte Pumpenhaus symbolisch der Bevölkerung und der Gemeinde übergeben.

Heute dient das Pumpenhaus neuen Zwecken. Es wird unter anderem als Trauzimmer und für weitere Veranstaltungen genutzt. Diese nutzerorientierte Aufwertung zeigt, wie historische Bausubstanz durch innovative Konzepte für die Allgemeinheit zugänglich und nutzbar gemacht werden kann.

Rahmenplanung und Sanierungsgebiet: Städtebauliche Entwicklung

Die Sanierung einzelner Gebäude ist Teil einer übergeordneten städtebaulichen Entwicklung. Der Itzenplitzer Weiher und die ehemalige Grube Itzenplitz stehen im Mittelpunkt einer umfassenden Aufwertung des gesamten Bereiches. Ziel ist die Ausweisung als Sanierungsgebiet, um gezielt „städtebauliche Missstände“ beheben zu können.

Vor der Ausweisung eines Sanierungsgebietes sind gesetzlich Vorbereitende Untersuchungen (VU) vorgeschrieben. Diese wurden im Juli 2009 vom Gemeinderat Schiffweiler beschlossen. Mit der Vorlage einer Rahmenplanung und eines Kataloges mit empfohlenen Maßnahmen durch das beauftragte Planungsbüro AgstaUmwelt aus Völklingen wurde die VU abgeschlossen. Das Untersuchungsgebiet umfasste ursprünglich auch den Bereich nordöstlich der Itzenplitzstraße (L 129) inklusive der Schulstraße. Auf Anregung der Landesplanungsbehörde wurde jedoch beschlossen, sich zunächst auf den Bereich im direkten Umfeld des Weihers und der ehemaligen Grube zu konzentrieren.

Die Rahmenplanung beinhaltet folgende zentrale Aspekte: * Aufwertung des Denkmalensembles: Erhalt und Sanierung der historischen Gebäude. * Nutzungskonzept: Stärkung der Naherholungsfunktion, beispielsweise durch Gastronomie. * Verkehrsentflechtung: Wesentliche Veränderung im Bereich der Zufahrt. Diese soll verbreitert werden, um den Knotenpunkt an der Einfahrt zu entflechten.

Diese Planungen zeigen, dass die Sanierung nicht isoliert betrachtet wird, sondern in einen städtebaulichen Gesamtzweck integriert ist. Die Kombination aus Denkmalschutz, Naherholung und verkehrstechnischer Optimierung ist ein Musterbeispiel für die Revitalisierung von Brachflächen.

Politische Unterstützung und regionale Bedeutung

Die Sanierung der Grube Itzenplitz genießt hohe politische Priorität. Ein Termin der Reihe „Bergbau im Wandel – Dialog vor Ort“ wurde von Anke Rehlinger, Ministerin für Wirtschaft, Arbeit, Energie und Verkehr, gemeinsam mit Cornelia Hoffmann-Bethscheider, Landrätin des Landkreises Neunkirchen, und dem Bürgermeister der Gemeinde Schiffweiler, Markus Fuchs, organisiert. Ziel war der Austausch mit Vertretern aus Kommunen, Politik und Vereinen über die aktuelle Entwicklung auf dem Gelände.

Die Ministerin betonte, dass Itzenplitz davon geprägt sei, dass viele Akteure sich um eine standortverträgliche Weiterentwicklung bemühen. Dies sei ein Ansporn, die Ideen zusammenzuführen und gemeinsam eine hochwertige Bergbaufolgelandschaft zu entwickeln. Konkrete Ideen für touristische Zwecke sind die Nutzung des alten Schalthauses oder des alten Fördermaschinenhauses von Schacht III.

Erschließung des Geländes und touristische Nutzung

Die Bestandteile der Grube Itzenplitz sind heute Teil eines Naherholungsgebiets mit dem Itzenplitzer Weiher im Zentrum. Neben dem Pumpenhaus und der sanierten Waschkaue sind weitere landschaftliche Zeugnisse des Bergbaus erhalten.

Zur Erschließung des Geländes dienen die drei Redener Bergbaupfade: * Redener Panorama Pfad * Höfertaler Wald Pfad * Itzenplitzer Pingen Pfad

Diese Wege erschließen die landschaftlichen Zeugen der Bergbautätigkeit zwischen den beiden ehemaligen Gruben Reden und Itzenplitz. Sie ermöglichen Besuchern einen historischen und naturbezogenen Zugang zum Gelände.

Fazit

Die Sanierung der Grube Itzenplitz verdeutlicht die Komplexität und den Wert der denkmalgerechten Bestandssanierung. Von der Enttrümmerung bis zur originalgetreuen Wiederherstellung von Dachstühlen aus Holz erfordern solche Projekte handwerkliche Exzellenz und ein tiefes Verständnis für historische Bautechniken. Die Zusammenarbeit zwischen privaten Bauherren, Fördervereinen, Kommunen und Landesbehörden zeigt ein funktionierendes Modell für die Revitalisierung industrieller Kulturdenkmäler.

Für Bauherren und Planer in der Region Saarland und darüber hinaus liefert das Beispiel Itzenplitz wichtige Impulse: 1. Potenzial von Industriedenkmalen: Verfallene Bauten bieten oft ungenutztes Potenzial für neue Nutzungen, sei es für Wohnen, Gewerbe oder Kultur. 2. Qualität der Handwerkskunst: Die Sanierung der Waschkaue durch Eric Kleer beweist, dass hohe handwerkliche Qualität (Verwendung von Doppelfalz-Ziegeln und Schiefer) den Denkmalschutzvorgaben übertrifft und dauerhaften Wert schafft. 3. Städtebauliche Integration: Die Maßnahmen sind in eine übergeordnete Rahmenplanung eingebunden, die Naherholung und Verkehrssicherheit gleichermaßen berücksichtigt. 4. Finanzierung und Förderung: Die Sanierung des Pumpenhauses zeigt, dass durch Stiftungen (RAG-Stiftung), öffentliche Mittel und ehrenamtliches Engagement große Projekte realisierbar sind.

Die Weiterentwicklung des Standorts Itzenplitz zu einem hochwertigen Bergbaufolgelandschaft bleibt ein spannendes Feld für Bauwirtschaft und Denkmalpflege.

Quellen

  1. Saarbrücker Zeitung
  2. Landesnachrichtenportal
  3. Kuladig
  4. Tag des offenen Denkmals
  5. AK Saarland
  6. Bild

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