Einleitung
Die Qualität des Grundwassers ist ein zentrales Thema für die Bau- und Immobilienbranche in Berlin. Insbesondere historische industrielle Nutzungen haben zu weit verbreiteten Kontaminationen geführt, die eine sorgfältige Bewertung und gegebenenfalls Sanierung erfordern. Die Berliner Senatsverwaltung hat hierfür mit der „Berliner Liste 2025“ einen aktualisierten rechtlichen und technischen Rahmen geschaffen. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Quellen die rechtlichen Grundlagen, typische Schadstoffprofile sowie die technischen Verfahren zur Grundwassersanierung, wie sie von spezialisierten Ingenieurbüros durchgeführt werden.
Aktuelle Rechtsgrundlagen: Die Berliner Liste 2025
Die Beurteilung stofflicher Belastungen von Grundwasser im Land Berlin erfolgt primär auf Basis der „Berliner Liste 2005“, die jedoch durch die „Berliner Liste 2025“ ersetzt wurde. Diese Neufassung wurde von der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt (SenMVKU) erarbeitet.
Die Aktualisierung basiert auf der novellierten Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV), die seit dem 1. August 2023 in Kraft ist. Die Berliner Liste konkretisiert die materiellen Anforderungen an die Sanierung von Gewässerschäden. Sie nutzt die Geringfügigkeitsschwellenwerte (GFS-Werte) der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaft Wasser (LAWA) als primäres Beurteilungskriterium und definiert die Abgrenzung zur schädlichen und sanierungsbedürftigen Grundwasserverunreinigung.
Zentrale Änderungen in der Version 2025 umfassen: * Die Anpassung der GFS-Werte. * Die Erweiterung des Stoffanalysenspektrums für anorganische und organische Schadstoffparameter. * Die Aktualisierung der spezifischen Bestimmungsmethoden.
Damit stellt die Liste einen dynamischen Standard dar, in den künftige Änderungen eingearbeitet werden, um den aktuellen wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen Rechnung zu tragen.
Typische Schadstoffprofile und Kontaminationsquellen
Die vorliegenden Daten zeigen eine Vielzahl von Schadstoffen, die im Berliner Grundwasser anzutreffen sind. Diese stammen meist aus ehemaligen industriellen Nutzungen.
Organische Schadstoffe
Eine der bekanntesten Kontaminationen betrifft die Gruppe der Per- und polyfluoralkylstoffe (PFAS). Im Fassungsbereich des Wasserwerks Tegel wurden relevante Konzentrationen festgestellt. Die Schadstoffkonzentrationen beliefen sich dort auf bis zu 1.240 ng/L für Σ PFAS, wobei PFOS (ca. 700 ng/L), PFHxS (ca. 500 ng/L) und PFOA (ca. 40 ng/L) dominierten. Neben PFAS sind folgende organische Verbindungen häufig: * Chlorierte Kohlenwasserstoffe (CKW/LHKW/LCKW): Diese traten beispielsweise durch den Betrieb einer Wäscherei auf (Kiefholzstr./Krüllstr.) oder im Bereich des Ernst-Thälmann-Parks. * Aromaten (BTEX): Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylole sind typische Begleiter von Erdölprodukten (MKW) und Teerölen (PAK). * Teeröle (PAK) und PCB: Diese Schadstoffe fanden sich beispielsweise unter den Grundstücken Kanalstr. 43-51 in Berlin-Neukölln. * FCKW: Eine Detektion erfolgte beispielsweise an der Ostendstraße in Berlin-Köpenick.
Anorganische Schadstoffe
Anorganische Kontaminationen stellen ebenfalls ein erhebliches Risiko dar. Dazu gehören: * Schwermetalle: Arsen (As) trat in hohen Konzentrationen am Standort Lacufa und Berlin-Chemie auf. Chrom(VI) wurde im Bereich der Hennekamp in Düsseldorf (Galvanikkontamination) festgestellt. * Zyanide: Diese sind häufig in industriellen Arealen zu finden, oft in Kombination mit Schwermetallen (z.B. am Standort Lacufa).
Biologische und physikalische Parameter
Neben den genannten Schadstoffen werden oft Begleitstoffe wie Eisen und Mangan (im PFAS-Schaden Tegel: ca. 1,4 mg/L bzw. 0,4 mg/L) oder organischer Kohlenstoff (DOC: ca. 4 mg/L) sowie Schwefelwasserstoff (H₂S) erwähnt.
Verfahrenstechniken der Grundwassersanierung
Die Sanierung von Grundwasserverunreinigungen erfordert maßgeschneiderte technische Lösungen. Die dargestellten Projekte der Harbauer GmbH und anderer Unternehmen zeigen ein breites Spektrum an Verfahren, die oft in Kombination eingesetzt werden.
Mechanische und physikalische Verfahren
- Sedimentation: Zur Abscheidung von Ölphasen und Schwebstoffen werden Sedimentationstanks eingesetzt. Ein Beispiel ist das Projekt in Stockholm, wo ein 75 m³ großer Sedimentationstank genutzt wurde.
- Phasenabscheidung und Wellplattenabscheider: Diese dienen der Abtrennung von Feststoffen und Schwebstoffen, wie sie bei der Sanierung von Arsen- und Cyanidbelastungen (Standort Lacufa) zum Einsatz kamen.
- Adsorption: Aktivkohle wird häufig zur Beseitigung organischer Schadstoffe verwendet. Beim PFAS-Schaden im Wasserwerk Tegel wird ein spezieller PFAS-Optima®-Aktivkohletyp in zweistraßigen Filtern (Vges = 2 x 75 m³) eingesetzt.
- Desorption (Stripping): Hierbei werden flüchtige Schadstoffe (z.B. LHKW, FCKW) durch Gas in die Gasphase überführt. Dies geschieht oft in Kolonnen im Gegenstromprinzip.
Chemische und biologische Verfahren
- Katalytische Oxidation: Dieses Verfahren wird zur Zerstörung von Schadstoffen in der Abluft (z.B. bei FCKW-Sanierung an der Ostendstraße) oder direkt im Wasser eingesetzt.
- Biologische Reinigung: Mikroorganismen werden zur Abbau von Schadstoffen (z.B. BTEX, MKW) genutzt. Dies ist ein bewährtes Verfahren bei komplexen organischen Belastungen.
- Enteisenung: Ein notwendiger Vorprozess, um Eisen aus dem Wasser zu entfernen, bevor andere Verfahren folgen (z.B. im PFAS-Projekt Tegel).
- Ionentausch: Dieses Verfahren wird speziell für anorganische Schadstoffe wie Arsen und Zyanide genutzt.
Hydraulische Sicherung
Oft ist eine reine Reinigung des geförderten Wassers nicht ausreichend. Zur Eindämmung der Schadstofffahne werden Brunnenabwehrgalerien betrieben (z.B. Alte Königsheide Süd). Dabei wird Wasser gefördert, gereinigt und wieder versickert oder oberflächig eingeleitet, um den Abstrom zu schützen (z.B. Schutz des Wasserwerks Wuhlheide).
Rolle von Ingenieurbüros und Sachverständigen
Die Planung, der Bau und der Betrieb von Grundwasserreinigungsanlagen erfordern spezialisiertes Know-how. Unternehmen wie die Harbauer GmbH haben sich auf den Bau und Betrieb solcher Anlagen spezialisiert (Standorte Berlin, Düsseldorf, Stockholm). Sie übernehmen oft den kompletten Leistungsumfang von der Konzeption bis zum langfristigen Betrieb.
Ebenso wichtig sind spezialisierte Ingenieur- und Planungsbüros für Schadstoffe, wie die BfU GmbH. Diese Büros verfügen über notwendige Sachkundigkeiten nach TRGS 519 und DGUV 101-004 sowie Fachkunde nach TRGS 521. Sie sind oft mit der Erstellung von Gutachten beauftragt, insbesondere wenn es um die Bewertung von Grundwasserverunreinigungen nach §18 Bundes-Bodenschutzgesetz geht. Öffentlich bestellte Sachverständige, wie Dipl.-Geol. Winfried Rück, spielen hierbei eine zentrale Rolle bei der Begutachtung und Überwachung von Sanierungsmaßnahmen.
Bewertung der Quellenlage
Die Informationen basieren auf einer Kombination aus offiziellen Veröffentlichungen der Berliner Senatsverwaltung und Projektbeschreibungen von Unternehmen. Die „Berliner Liste 2025“ stellt eine hohe Quellenqualität dar, da sie von einer staatlichen Behörde (SenMVKU) herausgegeben und rechtlich verankert ist (BBodSchV). Die Projektbeschreibungen der Harbauer GmbH liefern konkrete technische Daten zu Verfahren und Leistungsumfängen. Diese sind als betriebsinterne Selbstdarstellungen zu werten, aber in Kombination mit den technischen Parametern (Förderströme, Konzentrationen) plausibel und für die Darstellung technischer Möglichkeiten geeignet. Die BfU GmbH liefert Informationen zu den Anforderungen an Gutachter und Planungsbüros, was die fachlichen Voraussetzungen für solche Projekte verdeutlicht.
Fazit
Die Sanierung von Grundwasserverunreinigungen in Berlin ist ein komplexes Feld, das durch die novellierte „Berliner Liste 2025“ klarer reguliert wird. Die Bandbreite der Schadstoffe – von PFAS über Schwermetalle bis hin zu chlorierten Kohlenwasserstoffen – erfordert differenzierte technische Ansätze. Das Spektrum der eingesetzten Verfahren reicht von mechanischen Trennverfahren wie Sedimentation und Adsorption über chemische Verfahren wie katalytische Oxidation bis hin zu biologischen Reinigungsprozessen. Für Bauherren und Investoren bedeutet dies, dass die Prüfung des Grundwasserschutzes und die Bewertung von Altlasten ein unverzichtbarer Bestandteil der Due Diligence bei Grundstückserwerb und Bebauung in Berlin sind.