Einleitung
Unternehmen können aus den unterschiedlichsten Gründen in eine finanzielle Schieflage geraten. Dies kann sowohl durch eigene unternehmerische Entscheidungen als auch durch gesamtwirtschaftliche Faktoren hervorgerufen oder begünstigt werden (Source 1). In einer solchen Situation ist es entscheidend, herauszufinden, wie eine finanzielle Krise mit geeigneten Finanzierungsmitteln bewältigt und die Risiken für zukünftige Krisen gemindert werden können. Eine fachgerecht ausgestaltete Sanierungsfinanzierung kann Unternehmen dabei helfen, Engpässe zu überbrücken oder Krisensituationen gänzlich abzuwenden. Wichtige Voraussetzungen hierfür sind eine entsprechende Voraussicht auf Unternehmensseite und eine nachhaltige Finanzierungsstrategie (Source 1).
Die Finanzierung in der Sanierung stellt Unternehmen vor große Herausforderungen, da die klassische Bankfinanzierung sich in der Praxis immer schwieriger gestaltet. Auch für Banken ist die zunehmende Regulatorik nicht leicht zu schultern, und sie können den Kreditnehmer in der Krise oft nicht mehr begleiten. Die Lösung liegt in alternativen Finanzierungsformen, die zum Unternehmen und zur bestehenden Finanzierungsstruktur passen (Source 2). Ziel einer Sanierung ist es primär, die Zahlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten bzw. wiederherzustellen und das Unternehmen finanziell im Sinne eines Sanierungskonzepts zu stabilisieren. Rentabilität ist dabei zunächst sekundär (Source 2). Dieser Artikel beleuchtet die Abläufe, Finanzierungsinstrumente und Fördermöglichkeiten im Rahmen einer Unternehmenssanierung.
Herausforderungen der klassischen Bankfinanzierung in der Krise
Für Unternehmen, die sich in einer akuten Krisensituation befinden, ist die Aufnahme von Liquidität über Banken häufig keine oder nur eine eingeschränkt zugängliche Möglichkeit (Source 1). Die klassische Bankfinanzierung gestaltet sich in der Praxis immer schwieriger (Source 2). Die Zunahme der Regulatorik erschwert die Kreditvergabe der Banken in Sanierungsphasen erheblich. Banken sind oft nicht in der Lage, den Kreditnehmer in der Krise adäquat zu begleiten (Source 2).
Obwohl Banken unter bestimmten Voraussetzungen „Fresh Money“ zur Verfügung stellen können, ist dies nicht immer der Fall. Oftmals erhalten krisengeplagte Unternehmen Bankkredite entweder gar nicht oder nur zu ungünstigen Konditionen (Source 5). Diese Situation zwingt Unternehmen, nach alternativen Wegen zur Liquiditätssicherung zu suchen. Die Aufrechterhaltung der Zahlungsfähigkeit ist dabei das oberste Ziel, da eine Insolvenz im schlimmsten Fall nicht ausgeschlossen werden kann (Source 1).
Ablauf einer Unternehmenssanierung
Eine Unternehmenssanierung ist so individuell wie die Ereignisse, die zur Schieflage des Unternehmens geführt haben. Dennoch lassen sich typische Phasen im Ablauf einer Sanierung skizzieren. Eine beispielhafte Darstellung gliedert sich in vier Hauptphasen (Source 3):
- Liquiditätssicherung: Kurzfristig steht die sofortige Liquiditätssicherung an erster Stelle. Ohne Liquidität kann ein Unternehmen seine Verbindlichkeiten nicht bedienen und den Geschäftsbetrieb nicht aufrechterhalten.
- Vorbereitung und flankierende Maßnahmen: Zweitens folgt die gründliche Vorbereitung der Sanierung, meist begleitet von ersten, flankierenden Sanierungsmaßnahmen.
- Umsetzung: Spätestens nach vier bis acht Wochen – abhängig von der Notwendigkeit und dem Zeitaufwand zur Erarbeitung eines Sanierungsgutachtens mit Sanierungskonzept für Kreditgeber sowie der Sicherstellung der Sanierungsfinanzierung – erfolgt die Umsetzung des Sanierungsplans.
- Langfristige Absicherung: Viertens folgt die langfristige Absicherung der Unternehmenssanierung, um zukünftige Krisen zu vermeiden (Source 3).
Erstellung eines Sanierungskonzepts
Die Basis für alle weiteren Verhandlungen mit Gläubigern und Kreditgebern bildet ein dauerhaftes Sanierungskonzept. Dieses kann durch einen Anwalt oder Sanierungsberater erstellt werden. Der Sanierungsplan kann unter anderem folgende Punkte beinhalten (Source 6): * Bewertung der jeweiligen Handlungsoptionen mit ihren Vor- und Nachteilen. * Wahl von geeigneten Sanierungsmaßnahmen. * Erstellung eines Zeitplanes und einer Kostenübersicht für die Finanzierung der Firmensanierung. * Umsetzung und Controlling der Maßnahmen.
Ein Anwalt kann zudem die vorhandenen Märkte sowie das Geschäftsmodell des Betriebs prüfen und sich Optimierungen im Management, Personalwesen und der Unternehmensstruktur widmen (Source 6).
Alternative Finanzierungsinstrumente und Sanierungsmöglichkeiten
Da die klassische Bankfinanzierung oft nicht ausreicht, müssen alternative Finanzierungsformen genutzt werden. Diese werden oft als „Finanzierungsbausteine“ kombiniert, um die Eigenkapitalbasis zu stärken und die Liquidität zu sichern (Source 2). Im Rahmen einer Sanierungs- oder Turnaround-Finanzierung können verschiedene Instrumente zum Einsatz kommen (Source 1).
Asset-basierte Finanzierungen und Factoring
Für Unternehmen, die keinen Zugang zu traditionellen Krediten haben, sind Finanzierungsinstrumente auf Asset-Basis eine wichtige Option, um die Zahlungsfähigkeit aufrechtzuerhalten (Source 1). Ein Beispiel hierfür ist der Sale-and-Lease-Back. Dabei werden Vermögensgegenstände (z. B. Produktionsanlagen) an einen Investor verkauft und anschließend zurückgemietet. Dies setzt kurzfristig Liquidität frei, die zur Begleitung von Verbindlichkeiten genutzt werden kann (Source 4). Ein konkretes Beispiel zeigt, dass durch ein Sale-and-Lease-Back-Verfahren für Produktionsanlagen kurzfristig 1,8 Millionen Euro Liquidität freigesetzt werden konnten (Source 4).
Auch Factoring wird als alternative Finanzierungsform immer wichtiger. Hierbei werden Forderungen an einen Factoring-Anbieter verkauft, um sofort über Bargeld zu verfügen (Source 2).
Nachrangige Darlehen und Gesellschafterbeiträge
Gesellschafter können durch die Bereitstellung von nachrangigen Darlehen das Vertrauen externer Kapitalgeber, wie z. B. der Hausbank, stärken. Ein nachrangiges Darlehen kommt im Insolvenzfall erst nach der Befriedigung anderer Gläubiger zum Zug, was das Risiko für die Banken senkt. In einem Beispiel stellten Gesellschafter ein nachrangiges Darlehen über 500.000 Euro bereit, um die Basis für ein Sanierungsdarlehen der Hausbank zu schaffen (Source 4).
Fördermittel und staatliche Hilfen
Der Staat stellt spezielle Fördermittel und Förderprogramme zur Verfügung, um Unternehmen in Schwierigkeiten zu unterstützen. Diese Programme sollen helfen, das Unternehmen wieder in die Wachstumskurve zu führen (Source 5). Oft sind für eine Sanierung Fördermittel, Fördergelder und eine ausführliche Beratung unerlässlich (Source 5).
Fördermittel und Fördergelder werden von Bund, Ländern und der Europäischen Union unter bestimmten Voraussetzungen vergeben, um die ansässige Wirtschaft zu unterstützen und zu fördern (Source 5). Eine wichtige Rolle spielen hierbei Bürgschaften. In einem Fall gewährte die Hausbank ein Sanierungsdarlehen über 1 Million Euro, abgesichert durch eine 60-prozentige Bürgschaft der Landesförderbank (Source 4). Solche Bürgschaften reduzieren das Risiko für kreditgebende Institute und öffnen den Zugang zu notwendigem Kapital.
Restrukturierungsvereinbarungen
Neben klassischen Finanzierungsinstrumenten gibt es moderne Sanierungsinstrumente außerhalb des Insolvenzrechts. Eine rechtlich verbindliche Restrukturierungsvereinbarung kann dazu führen, dass die Liquidität stabilisiert und der Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung fortgesetzt werden kann (Source 4). Dies erfordert oft strukturierte Modelle und frühzeitige Maßnahmen.
Strategische Aspekte und Kommunikation
Eine erfolgreiche Sanierungsfinanzierung beginnt lange vor der eigentlichen Kapitalbeschaffung. Entscheidend ist eine vorausschauende Finanzierungs-Roadmap, die nicht nur den kurzfristigen Kapitalbedarf abbildet, sondern auch die operative Stabilisierung und den Übergang in ein tragfähiges Geschäftsmodell berücksichtigt (Source 4).
Offene Kommunikation mit allen Stakeholdern, insbesondere Banken, Gesellschaftern und öffentlichen Förderinstitutionen, ist dabei unerlässlich. Wer frühzeitig Transparenz schafft, realistische Szenarien präsentiert und die eigene Zukunftsfähigkeit glaubhaft belegt, stärkt das Vertrauen der Kapitalgeber und schafft Verhandlungsspielraum (Source 4).
In der aktuellen „Polykrise“ (eine Kombination aus verschiedenen Krisen wie Energiekrise, Lieferkettenproblemen etc.) ist Liquidität wichtiger als Profitabilität. Das kurzfristige Überleben hat Vorrang vor dem mittelfristigen Wachstum (Source 4). Sanierungskonzepte sollten daher zunehmend Aspekte der Nachhaltigkeit und Digitalisierung einbeziehen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben (Source 4).
Ein Beispiel aus der Praxis verdeutlicht dies: Ein mittelständischer Maschinenbauer geriet infolge gestiegener Energiekosten und Materialpreise in eine ernste Liquiditätskrise. Nach Erstellung eines IDW-S6-Gutachtens (ein standardisiertes Sanierungsgutachten) und Umsetzung eines dreistufigen Finanzierungsmodells (Gesellschafterdarlehen, Sale-and-Lease-Back, Sanierungsdarlehen mit Bürgschaft) konnte das Unternehmen die Liquiditätslücke schließen, offene Lieferantenverbindlichkeiten bedienen und in energieeffizientere Maschinen investieren. Nach rund zwölf Monaten war die Produktionsauslastung wieder auf Vor-Krisen-Niveau (Source 4).
Restrukturierung als strategischer Ansatz
Sanierung und Restrukturierung sind große Herausforderungen, können das Unternehmen aber am Ende stärken. Eine Restrukturierung umfasst in der Regel die Umorganisation komplizierter innerbetrieblicher Abläufe, die Ausgliederung von Geschäftsabläufen, die Optimierung von Geschäftsprozessen sowie die Neundefinition von Unternehmenszielen und Marktausrichtungen (Source 5). Solche operativen Veränderungen sind oft notwendig, um die Ursachen der Krise zu beseitigen und die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.
Fazit
Die Finanzierung eines Unternehmens in der Krise erfordert einen strategischen und oft mutigen Ansatz. Die Abhängigkeit von klassischen Bankkrediten ist in Sanierungssituationen ein erhebliches Risiko, da die Zugangsvoraussetzungen durch Regulatorik und Risikoaversion der Banken erschwert werden. Erfolgreiche Sanierungen basieren daher auf einem Mix aus alternativen Finanzierungsinstrumenten.
Zu den Schlüsselelementen einer funktionierenden Sanierungsfinanzierung gehören die Sicherung kurzfristiger Liquidität durch Instrumente wie Sale-and-Lease-Back oder Factoring, die Stärkung der Eigenkapitalbasis durch nachrangige Darlehen der Gesellschafter und die Nutzung staatlicher Fördermittel, insbesondere durch Bürgschaften von Förderbanken. Parallel dazu ist die Erarbeitung eines detaillierten Sanierungskonzepts und die offene Kommunikation mit allen Beteiligten unerlässlich. Langfristiger Erfolg zeigt sich, wenn Unternehmen die Krise nutzen, um ihre Prozesse zu optimieren, innovative Technologien zu integrieren und nachhaltige Geschäftsmodelle zu entwickeln. So kann aus einer existenzbedrohenden Schieflage ein gestärktes, krisenfestes Unternehmen entstehen.