Einleitung
Die Generalsanierung der Stadthalle Gunzenhausen stellt einen herausragenden Fall für die moderne Bau- und Renovierungspraxis in Deutschland dar. Dieses Projekt zeigt eindrucksvoll, wie ein denkmalgeschützter Bau aus den 1970er-Jahren durch behutsame Sanierung und klare Erweiterung nicht nur erhalten, sondern für die Zukunft neu aufgestellt werden kann. Unter der Leitung einer Arbeitsgemeinschaft aus den Architekturbüros Haindl + Kollegen und Holzinger Eberl Fürhäußer wurde die Stadthalle zwischen April 2017 und Juni 2019 generalsaniert und erweitert. Das Ergebnis ist ein Projekt, das sowohl architektonisch als auch technisch Maßstäbe setzt und 2021 mit dem renommierten Preis „Bauen im Bestand“ der Bayerischen Architektenkammer ausgezeichnet wurde.
Dieser Artikel beleuchtet die strategischen Entscheidungen, die technischen Herausforderungen und die gestalterischen Lösungen, die zu diesem Erfolg führten. Er dient als detaillierter Leitfaden für Bauherren, Immobilienbesitzer und Fachplaner, die sich für qualitative Sanierungsmaßnahmen interessieren. Im Mittelpunkt stehen dabei die Gesamtkonzeption, die Erschließungssituation, die werkstoffliche und strukturelle Weiterentwicklung des Bestands sowie die integrierte Außenraumgestaltung.
Projektchronik und Ausgangslage
Die Stadthalle Gunzenhausen wurde ursprünglich in den 1970er-Jahren als kultureller Leuchtturm am Rande der Innenstadt direkt an den Uferauen der Altmühl errichtet. Der Bau zeichnete sich durch eine charakteristische, wabenförmige Grundstruktur und eine markante Kubatur aus. Im Laufe der Jahrzehnte erfolgten mehrere Umbauten, die jedoch nicht verhinderten, dass eine umfassende Generalsanierung notwendig wurde. Die Notwendigkeit ergab sich aus der baulichen Substanz, der technischen Veraltung sowie einer unklaren Eingangssituation und mangelhaften Anbindung an die Umgebung.
Planungs- und Bauphase
Die Vorbereitungen für die Sanierung begannen bereits 2014 mit einem VOF-Verfahren (Verhandlungsverfahren ohne offene Ausschreibung), im Zuge dessen die Arbeitsgemeinschaft der Architektenbüros beauftragt wurde. Die Entwurfsphase war bis Mai 2016 abgeschlossen, und der Stadtrat genehmigte die Kosten. Der eigentliche Baubeginn verzögerte sich bis April 2017.
Die Bauausführung gliederte sich in zwei Hauptphasen: 1. Rohbauarbeiten: Bis Weihnachten 2017 wurden die wesentlichen Strukturänderungen vorgenommen und die neue Dachkonstruktion fertiggestellt. 2. Fertigstellung: Im Juni 2019 konnte die sanierte Halle feierlich übergeben werden.
Die Projektsteuerung erfolgte durch die ARGE Holzinger Eberl Fürhäußer Architekten GbR mit den Projektleitern Michael Weinbrenner, Javier Trujillo und Frank Fürhäußer.
Architektonisches Leitbild: Tradition trifft auf Moderne
Ein zentrales Erfolgskriterium der Sanierung war der respektvolle Umgang mit der bestehenden Bausubstanz. Die Architekten verfolgten das Ziel, die charakteristische Wabenstruktur des 70er-Jahre-Entwurfs sowohl im Grundriss als auch in der äußeren Kubatur herauszuarbeiten, anstatt sie zu übermalen. Dieser Ansatz ist ein Paradebeispiel für „Bauen im Bestand“, bei dem die Identität eines Gebäudes bewahrt und dennoch modernisiert wird.
Die Erschließungssituation
Vor der Sanierung war die Erschließung der Stadthalle unübersichtlich und wenig repräsentativ. Die Neuordnung war eine der wichtigsten gestalterischen und funktionalen Aufgaben. * Änderung der Haupterschließung: Die Halle wird nun von Süden erschlossen. Diese neue Ausrichtung schafft eine direkte Verbindung zur Innenstadt und öffnet das Gebäude gleichzeitig zum Fluss (Altmühl) und der Natur der Uferauen. * Der Vorplatz: Die gestalterische Ergänzung der Erschließung ist der neu gestaltete Stadthallenvorplatz. Er fungiert nun als städtische Bühne und verbessert die Übersichtlichkeit für Fußgänger, die vom Parkplatz kommen.
Technische und werkstoffliche Innovation
Die Generalsanierung umfasste nicht nur optische Verbesserungen, sondern tiefgreifende technische Erneuerungen. Das Ziel war es, ein modernes Veranstaltungshaus mit höchsten technischen Standards zu schaffen, das dennoch energieeffizient und zukunftssicher betrieben werden kann.
Das Foyer und die Transparenz
Ein entscheidender Schnitt war die Öffnung des Gebäudes zur Natur. Das Foyer wurde mit großen Panoramafenstern ausgestattet. Dieser Eingriff verändert das Nutzererlebnis fundamental: * Licht und Ausblick: Die Natur der Altmühlaue dringt visuell ins Gebäude ein. * Raumqualität: Das Foyer gewinnt an Weite und Transparenz, was die Aufenthaltsqualität für Besucher signifikant steigert.
Werkstoffliche Weiterentwicklung
Obwohl die Quellen keine detaillierten Listen über verwendete Dämmstoffe oder spezifische Fenstersysteme nennen, wird deutlich, dass die Fassaden- und Dachkonstruktion erneuert wurden. Die neue Struktur musste den aktuellen energetischen Anforderungen genügen. Die Arbeiten am Dach waren bereits Ende 2017 weitestgehend abgeschlossen, was auf einen zügigen Austausch der Hülle hindeutet.
Der Außenraum: Nachhaltigkeit und Aufenthaltsqualität
Die Sanierung des Innenraums wurde konsequent durch die Neugestaltung des Außenbereichs fortgeführt. Diese Maßnahmen wurden in mehreren Schritten, teilweise noch bis 2025, realisiert.
Die Neugestaltung des Stadthallenvorplatzes
Am 2. September 2025 stellte die Stadt die Fertigstellung des Vorplatzes vor. Die Planung oblag der Rother Landschaftsarchitektin Lucia Ermisch; die Ausführung erfolgte durch die Firma Wagner Tief- und Pflasterbau. Zentrale Elemente der Gestaltung sind: * Grünflächen: Klimaresiliente Bäume (Feld-Ahorn, Hainbuche, Gleditschie) wurden gepflanzt. * Wassermanagement: Niederschlagswasser wird zur Bewässerung der Grünflächen genutzt (Rückhalt und Wiederverwendung). * Aufenthaltsqualität: Sitzgelegenheiten und ein Trinkbrunnen laden zum Verweilen ein.
Diese Maßnahmen fördern die Lebensqualität und setzen ein Zeichen für nachhaltige Stadtentwicklung.
Finanzierung und Kosten
Die Generalsanierung der Stadthalle war ein finanziell gewaltiges Vorhaben. Während die Gesamtkosten der Halle in den Quellen nicht explizit genannt werden, sind die Kosten für die begleitenden Außenmaßnahmen beziffert: Die Umgestaltung des Vorplatzes kostete 585.000 Euro. Dieser Betrag wurde durch Städtebauförderungsmittel unterstützt. Die Tatsache, dass die Stadt Gunzenhausen solche Summen in die Aufwertung des Areals investierte, unterstreicht den hohen Stellenwert des Projekts.
Rezeption und Auszeichnung
Der Erfolg der Sanierung wurde über die lokale Ebene hinaus wahrgenommen. Beim Wettbewerb „Bauen im Bestand 2021“ der Bayerischen Architektenkammer gewann die Stadthalle Gunzenhausen eine Auszeichnung (Vorzug) und war für den Staatspreis nominiert.
Die Jury-Bewertung
Die Jury, besetzt mit hochkarätigen Persönlichkeiten wie der Präsidentin der Bayerischen Architektenkammer, Lydia Haack, und dem Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Professor Mathias Pfeil, würdigte das Projekt als „vorbildlich“ und „außergewöhnliches Vorzeigeprojekt“. Kriterien waren die Vielfältigkeit der Nutzung, die innovative Herangehensweise und der respektvolle Umgang mit der Bausubstanz.
Statements der Verantwortlichen
Die Verantwortlichen äußerten sich stolz über das Ergebnis: * Bürgermeister Karl-Heinz Fitz: Bezeichnete die Sanierung als „mutigen, aber auch wichtigen Schritt“ und betonte, dass man sich der Bedeutung und Geschichte des Hauses in jeder Phase bewusst war. * Stadtbaumeisterin Simone Teufel: Unterstrich, dass durch die Sanierung „modernes Leben einhauchen“ konnte und der Mut zur Veränderung belohnt wurde. Sie sah die Bewahrung des Charmes für zukünftige Generationen als gesichert an.
Fazit
Die Generalsanierung der Stadthalle Gunzenhausen ist ein Musterbeispiel für die gelungene Transformation einer Bausubstanz aus den 1970er-Jahren in ein zeitgemäßes, multifunktionales Kulturhaus. Der Erfolg basiert auf einer klaren strategischen Linie: Die Arbeit im Bestand wurde als Chance verstanden, durch die Neuausrichtung der Erschließung (Südseite) und die Öffnung des Gebäudes zum Naturraum (Panoramafenster) neue Qualitäten zu schaffen.
Wichtig für die Praxis ist hierbei die Erkenntnis, dass architektonische Qualität und Denkmalschutz keine Gegensätze sein müssen. Durch die Hervorhebung der originalen Wabenstruktur und die behutsame Erweiterung blieb die Identität des Hauses erhalten. Parallel dazu wurde durch die Neugestaltung des Außenraums mit klimaresilienter Begrünung und Wasserrückhalt die Nachhaltigkeit des Gesamtprojekts gesichert. Für Bauherren und Planer lässt sich ableiten, dass eine umfassende Analyse der Erschließungssituation und die Integration des Umfeldes (Stadtraum/Naturraum) wesentliche Hebel für die Aufwertung von Bestandsimmobilien sind. Das Projekt Gunzenhausen beweist, dass Investitionen in Substanz und Gestaltung langfristig Respekt und hohe Nutzungsqualität generieren.
Quellen
- Haindl + Kollegen - Stadthalle Gunzenhausen
- Stadt Gunzenhausen - Auszeichnung Stadthalle
- Stadt Gunzenhausen - Neugestaltung Vorplatz
- HEF Architekten - Portfolio Stadthalle
- NN.de - Umgestaltung Vorplatz 2025
- Bayerische Architektenkammer - Generalsanierung Stadthalle
- Stadthalle Gunzenhausen - Offizielle Website