Nachhaltiger Schulneubau in Holzhybridbauweise: Planung, Ausstattung und Energiestandards des Gymnasiums am Neandertal in Erkrath

Einleitung

Der Neubau des Gymnasiums am Neandertal in Erkrath stellt ein zentrales Infrastrukturprojekt für die Stadt und den Kreis Mettmann dar. Vor dem Hintergrund der Rückkehr zum neunjährigen Gymnasium (G9) und der damit verbundenen steigenden Schülerzahlen wurde eine umfassende Neuplanung notwendig. Das Vorhaben zeichnet sich durch eine moderne pädagogische Konzeption, eine nachhaltige Bauweise sowie eine hohe Energieeffizienz aus. Der Bauvorhaben gliedert sich in mehrere Gewerke, darunter der Rohbau, die Errichtung einer neuen Dreifeld-Sporthalle sowie der Innenausbau, der im Rahmen eines Generalunternehmerpakets vergeben wurde. Ziel des Projekts ist es, den rund 950 Schülerinnen und Schülern ein zukunftsfähiges Lernumfeld zu bieten und gleichzeitig die Bildungsqualität langfristig zu sichern. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und planerischen Aspekte des Baus, basierend auf den verfügbaren Informationen der Projektdokumentationen.

Bauausführung und Architektur

Das neue Schulgebäude entsteht auf einem Areal in Alt-Erkrath, in unmittelbarer Nähe zum Nordbahnhof. Die Erschließung des Geländes stellt eine logistische Herausforderung dar. Während die Baustellenzufahrt vorübergehend über die Friedrichstraße und den Heiderweg erfolgt, ist die spätere Anbindung der Schule über eine neue Brücke über die Düssel von der Bachstraße aus geplant. Beginn der Bauarbeiten an dieser Zufahrtsstraße ist für März 2025 vorgesehen.

Architektonisch und konstruktiv setzt das Projekt auf eine moderne Bauweise. Das Schulgebäude wird als Bauwerk mit fünf Geschossen realisiert. Es besteht aus einem Untergeschoss, das teilweise in den Hang geschoben ist, sowie einem nördlichen, viergeschossigen Bauteil. Der südlich gelegene Baukörper ist zweigeschossig und wird aufgeständert. Diese beiden Bereiche sind durch ein Zwischenbauteil verbunden, in dem die zentrale Erschließung sowie Sondernutzungen wie Aula und Schüler-Café untergebracht sind. Die Gesamtfläche des Schulgebäudes beträgt ca. 4.300 m² Grundrissfläche, wobei das gesamte Bauprojekt eine Fläche von rund 14.000 Quadratmetern umfasst.

Besonders hervorzuheben ist die gewählte Bauweise: Der Neubau erfolgt in nachhaltiger Holzhybridbauweise. Diese Methode kombiniert die Vorteile von Holz als erneuerbarem Baustoff mit der Stabilität von Beton- oder Stahlkonstruktionen. Ein weiteres Merkmal des Baus ist die sogenannte Pfahlbauweise, die laut Projektdokumentationen dazu beiträgt, im Winter Wärme zu speichern und im Sommer für Kühlung zu sorgen.

Pädagogisches Konzept: Dalton-Prinzip und Lernlandschaften

Das Raumkonzept des neuen Gymnasiums orientiert sich strikt an den pädagogischen Anforderungen der Schule. Die Planung folgt dem Prinzip „form follows function“, wobei der Fokus auf selbstbestimmtem Lernen und kooperativen Arbeitsformen liegt. Das Schulgebäude wird nach dem Dalton-Prinzip gestaltet. Dieses Konzept setzt auf die Organisation von Unterricht in Fächern, in denen Schüler eigenverantwortlich an Lernzielen arbeiten.

Um dies zu ermöglichen, werden klassische Klassenzimmer durch flexible Lernlandschaften und Cluster ersetzt. Diese Räume sollen Begegnungen ermöglichen und integrative Lernbereiche schaffen. Die Ausgestaltung der Innenräume erfolgt in enger Abstimmung mit Lehrkräften, Eltern und Schülern, um ein Konzept zu realisieren, das als „neue Heimat“ für die Schulgemeinschaft dienen soll.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Ein Kernanliegen des Projekts ist die Nachhaltigkeit. Das Gebäude hat laut Quellenlage bereits einen Preis für energieeffiziente Nachhaltigkeit gewonnen. Die Energieversorgung soll durch ein modernes Geothermie-System sichergestellt werden, das im Zusammenspiel mit einer Photovoltaik-Anlage zukünftig Wärme- und Kälteversorgung vor Ort bereitstellt. Ziel ist es, ein klimafreundliches Schulgebäude zu errichten, das hohe Energiestandards erfüllt.

Auch die Dreifeld-Sporthalle, die auf dem Gelände des Schulzentrums errichtet wird, ist größtenteils aus Holz gebaut und wird klimaneutral geplant und betrieben. Besonderes Augenmerk liegt hier auf der Barrierefreiheit und der speziellen Ausrichtung auf den Rollstuhlsport.

Vergabe und Gewerke des Innenausbaus

Die Vergabe der Bauleistungen erfolgt in sogenannten Generalunternehmerpaketen. Während der Rohbau von einer Firma (Züblin) ausgeführt wird, wurde der Innenausbau als Generalunternehmerpaket 2 vergeben. Gegenstand dieses Pakets sind die Leistungen im Bereich Innenausbau, TGA (Technische Gebäudeausrüstung) und Geothermie.

Der Auftrag für diesen Bereich wurde an die Lindner SE aus Arnstorf vergeben. Das international tätige Familienunternehmen übernimmt den strukturellen Ausbau der Räume (Decken, Böden), die Einrichtung der Lüftungs-, Sanitär- und Elektroanlagen sowie die Installation des Geothermie-Systems. Die Arbeiten umfassen folgende Gewerke:

  • Innenputz, Trockenbau und Malerarbeiten
  • Schlosserarbeiten
  • Estricharbeiten
  • Bodenbelagsarbeiten
  • Fliesen-, Platten- und Betonwerksteinarbeiten
  • Rohrrahmentüren
  • Tischlerarbeiten
  • WC-Trennwände
  • Heizung, Lüftung

Der Vertrag für den Innenausbau wurde im November 2025 unterzeichnet. Die Arbeiten sollen voraussichtlich im März 2026 beginnen.

Zeitplan und Fertigstellung

Das Projekt durchläuft mehrere Phasen. Nach einer intensiven Planungsphase von sieben Jahren fand am 21. und 22. Februar 2025 der symbolische Spatenstich statt, der den Baustoff offiziell einläutete. Parallel dazu wurde das Richtfest für die Dreifeld-Sporthalle gefeiert, die voraussichtlich im Frühsommer 2026 fertiggestellt wird und danach nicht nur für den Schulsport, sondern auch für die Erkrather Sportvereine nutzbar sein soll.

Für das Schulgebäude selbst gelten folgende Zeitpläne: * Beginn der Bauarbeiten in der Bachstraße: März 2025 * Beginn Innenausbau (Lindner SE): März 2026 * Geplante Fertigstellung / Bezugsfertigkeit: Herbstferien 2027

Die Fertigstellung des gesamten Projekts ist somit für den Sommer 2027 geplant, sodass die Schule voraussichtlich zu Beginn des Schuljahres 2027/2028 bezogen werden kann.

Logistik und Verkehrsführung

Ein wesentlicher Aspekt der Bauplanung ist die Verkehrsführung. Da das Schulgelände durch eine Düsselbrücke erschlossen werden muss, sind entsprechende Bauarbeiten notwendig. Die Anbindung des Gebiets von der Heiderstraße aus gestaltete sich schwierig, weshalb die Zufahrt zunächst über Friedrichstraße und Heiderweg erfolgt. Eine Klage einer Anwohnerin gegen die Baustellenzufahrt war in erster Instanz abgelehnt worden, was den Fortgang der Arbeiten sicherte.

Zusammenfassung der Bauinvestitionen

Der Neubau des Gymnasiums am Neandertal ist Teil eines umfassenden Maßnahmenpakets zur Modernisierung der Schullandschaft in Erkrath. Neben diesem Neubau (Campus Neandertal) umfasst das Paket auch den Campus Sandheide, die Sanierung des Schulzentrums Rankestraße und anschließend der Realschule Erkrath. Diese Investitionen sind notwendig, um moderne Lernbedingungen zu schaffen und die Bildungsinfrastruktur langfristig zu sichern. Die Stadt Erkrath investiert hiermit in die Zukunft der Bildung, wobei der Fokus auf Klimaschutz, Nachhaltigkeit und modernen pädagogischen Konzepten liegt.

Fazit

Der Bau des neuen Gymnasiums am Neandertal in Erkrath ist ein Musterbeispiel für modernen, nachhaltigen Schulbau in Deutschland. Durch die Kombination von Holzhybridbauweise, Geothermie und Photovoltaik wird ein hoher energetischer Standard erreicht, der Vorbildfunktion für weitere Projekte haben kann. Die Integration des Dalton-Prinzips in die Architektur zeigt, dass Bauweise und Pädagogik Hand in Hand gehen müssen, um zeitgemäße Lernumgebungen zu schaffen. Trotz logistischer Herausforderungen, wie der Notwendigkeit eines Brückenbaus zur Erschließung, schreitet das Projekt planmäßig voran. Mit der Vergabe des Innenausbaus an ein spezialisiertes Unternehmen ist sichergestellt, dass die komplexen technischen Anlagen (TGA) fachgerecht installiert werden. Für Bauherren und Planer bietet das Projekt wertvolle Einblicke in die Planung und Umsetzung von Großprojekten im öffentlichen Bereich, insbesondere im Hinblick auf die Kriterien Nachhaltigkeit und Energieeffizienz.

Quellen

  1. Erkrath-SPD: Neubau Gymnasium am Neandertal
  2. Supertipp Online: Generalunternehmen übernimmt Gymnasium Innenausbau
  3. Ausschreibungen Deutschland: Bauleistungen im Hochbau Neubau Gymnasium am Neandertal
  4. Lokal-Anzeiger Erkrath: Spatenstich und Richtfest am Gymnasium am Neandertal
  5. Erkrath.jetzt: Gymnasium am Neandertal Spatenstich und Richtfest
  6. Gymnasium am Neandertal: Es ist soweit

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