Modernisierung von Schulgebäuden: Sanierung und Erweiterung am Beispiel der Gymnasien in Stein und Münster

Die Modernisierung von Bildungseinrichtungen stellt die Bauwirtschaft vor besondere Herausforderungen. Neben strengen energetischen Vorgaben und Brandschutznormen muss der Betrieb oft während der Bauphase aufrechterhalten werden. Zwei aktuelle Projekte, die Generalsanierung des Gymnasiums in Stein und der Erweiterungsbau am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Münster, bieten Einblicke in moderne Sanierungsstrategien, nachhaltige Bauplanung und die Umsetzung von Anforderungen an die Raumakustik, Barrierefreiheit und Energieeffizienz. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Maßnahmen und Planungsgrundlagen dieser Vorhaben.

Generalsanierung des Gymnasiums Stein: Energetische und brandschutztechnische Optimierung

Die Sanierung des Gymnasiums in Stein, eines Gebäudes aus den 1980er Jahren, dient als Beispiel für eine umfassende Instandsetzung unter laufendem Betrieb. Die Maßnahme, die nach rund 40 Jahren Bestand der Schule notwendig wurde, umfasst eine Investitionssumme von rund 20 Millionen Euro. Ziel war es, das Gebäude an die aktuellen Erfordernisse der heutigen Zeit anzupassen, wobei der Fokus auf energetischen Verbesserungen und der Einhaltung moderner Brandschutzstandards lag.

Energieeffizienz und Fassadentechnik

Ein Kernstück der Sanierung war die Kompletterneuerung der Gebäudehülle. Die Fassade wurde nach dem aktuellen Energiestandard erneuert, was den Einbau einer neuen Außendämmung sowie eine Holzlamellenverkleidung beinhaltete. Diese Maßnahme ist entscheidend, um den Energieverbrauch für Heizung und Kühlung signifikant zu senken. Ergänzt wurde dies durch den Einbau neuer Oberlichter in allen drei Flügeln des Gebäudes, was für eine verbesserte Tageslichtnutzung sorgt und somit den Bedarf an künstlicher Beleuchtung reduziert. Besondere Beachtung fand auch der sommerliche Wärmeschutz, der durch die neue Fassadenkonstruktion und die Oberlichter gewährleistet wird.

Haustechnische Installation und Wärmeversorgung

Die haustechnische Installation wurde vollständig erneuert. Dies umfasst die Trinkwasserinstallation, die Heizungsinstallation und die zentrale Energieversorgung. Die Wärmeversorgung erfolgt über ein bivalentes Heizsystem mit Kraft-Wärmekopplung (KWK). Ein gasbetriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer elektrischen Leistung von ca. 33 kW und einer Wärmeleistung von 73 kW dient zur Abdeckung der Grundlast. Diese Technologie ermöglicht eine hohe Energieeffizienz durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme. Für die Verteilung der Wärme wurden ca. 4.600 Meter neue Rohrleitungen verlegt und 65 neue Heizkörper installiert.

Brandschutz und Rettungswege

Ein zentraler Aspekt der Sanierung war die Umsetzung der Brandschutzanforderungen, die auf einem Brandschutzkonzept aus dem Jahr 2014 basieren. Ziel ist die Sicherstellung des 1. und 2. Rettungsweges. Um diese Anforderungen zu erfüllen, wurden zusätzliche Stahlaußentreppen am Übergang zwischen Aula und Nordflügel sowie am Südflügel zum Pausenhof installiert. Weiterhin wurden Flurtüren als offenstehende Glastüren ausgeführt und Treppen in T-30-Ausführung verbreitert. Die T-30-Ausführung bezieht sich auf die Feuerwiderstandsdauer von 30 Minuten, die für Bauteile in Rettungswegen oft vorgeschrieben ist.

Innenraumgestaltung und Akustik

Neben den technischen Aspekten wurden auch die Innenräume saniert. In den Klassenräumen wurden neue Teppichbodenbeläge verlegt, während in den Werkräumen im Südflügel ein neuer Parkettbelag installiert wurde. Zudem wurden Verbesserungen der Raumakustik vorgenommen, was für einen gestörungsfreien Unterricht von großer Bedeutung ist.

Erweiterung des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Münster: Nachhaltiger Neubau

Während das Gymnasium in Stein eine Bestandssanierung darstellt, konzentriert sich das Projekt in Münster auf einen Erweiterungsbau. Der Auslöser für das Projekt ist der Strukturwandel im Schulsystem, konkret die Umstellung von der achtjährigen (G8) auf die neunjährige Gymnasialzeit (G9). Dieser Wechsel führt zu einem erhöhten Raumbedarf, den das bestehende Gebäude nicht mehr allein decken kann.

Planung und Architektur

Das Projekt umfasst den Bau eines dreigeschossigen Erweiterungsgebäudes auf der Südostseite des Schulgeländes an der Dieckmannstraße. Der Entwurf stammt vom Architekturbüro Kresings aus Münster. Der Neubau wird direkt mit dem Bestandsgebäude verbunden; zwei Brücken sorgen für eine funktionale Erschließung. Die Investitionssumme beläuft sich auf rund 17 Millionen Euro, und die Fertigstellung ist für das Schuljahr 2026/27 geplant. Ein besonderer Planungsvorgang ist die Auslegung der Infrastruktur auf eine mögliche spätere Sechszügigkeit, was eine langfristige Flexibilität sicherstellt.

Nachhaltigkeitskonzept und Energieeffizienz

Bei der Planung des Erweiterungsbaus wurde, wie in Quelle 7 erwähnt, besonderer Wert auf Nachhaltigkeit gelegt. Das Gebäude erhält ein begrüntes Dach, eine Photovoltaikanlage und eine Wärmepumpe. Die Wärmeverteilung erfolgt über eine energieeffiziente Fußbodenheizung. Diese Kombination aus erneuerbaren Energien und effizienter Technik soll höchste Standards moderner Energieeffizienz erfüllen. Zudem wird der Neubau vollständig barrierefrei gestaltet, ausgestattet mit einem Aufzug, einem taktilen Leitsystem und behindertengerechten Sanitäranlagen.

Funktionalität und Nutzungsangebot

Das Erweiterungsgebäude bietet Platz für moderne Fachräume. Geplant sind Musikräume, eine Lehrküche, ein Werk- und Maschinenraum im Erdgeschoss sowie neue Kursräume in den Obergeschossen. Parallel zum Neubau erfolgt im Altbau die Umfunktionierung ehemaliger Musikräume zu modernen Biologieräumen, um die Fachbereiche zu bündeln. Ein zentraler Bestandteil der Gesamtanlage ist der Innenhof zwischen Neu- und Bestandsbau, der als Begegnungs- und Aufenthaltsfläche gestaltet wird. Dieses Konzept wurde durch die Verlegung und Erweiterung des Schulgartens mit neuen Hochbeeten, einem Hühnerhaus und Bienenstöcken bereits vorbereitet.

Vergleich der Sanierungsstrategien

Beide Projekte, obwohl unterschiedlich in ihrer Zielsetzung (Bestandssanierung vs. Erweiterung), folgen modernen bautechnischen Prinzipien.

Energetische Standards

Im Gymnasium Stein wurde eine neue Fassade nach dem Energiestandard mit Außendämmung realisiert. In Münster wird beim Neubau auf eine Kombination aus Photovoltaik, Wärmepumpe und begrüntem Dach gesetzt. Beide Ansätze zielen auf eine deutliche Reduzierung des CO2-Fußabdrucks ab. Das Projekt in Stein nutzt zudem Kraft-Wärmekopplung, ein bewährtes Verfahren zur effizienten Energieerzeugung in Bestandsgebäuden, während Münster auf dezentrale Wärmepumpentechnologie setzt, was für Neubauten moderner ist.

Brandschutz und Sicherheit

Im Gymnasium Stein war die Anpassung der Rettungswege ein zentrales Element, realisiert durch den Einbau von Stahlaußentreppen und T-30-Türen. Beim Neubau in Münster wird die Sicherheit durch die barrierefreie Erschließung und moderne Fluchtwegekonzepte sichergestellt, die in modernen Neubauten oft standardmäßig integriert sind.

Soziale und pädagogische Aspekte

In Münster wird durch den Innenhof und die neuen Aufenthaltsflächen explizit der soziale Aspekt der Schule gestärkt. Im Gymnasium Stein lag der Fokus eher auf der technischen Modernisierung, wobei die Verbesserung der Raumakustik und der Belagsmaterialien (Teppichboden, Parkett) den Komfort für Schüler und Lehrer erhöhen.

Fazit

Die Sanierung des Gymnasiums in Stein und der Erweiterungsbau am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Münster zeigen zwei facettenreiche Ansätze der Bauwirtschaft im Bildungssektor. Das Projekt in Stein demonstriert, wie durch eine umfassende energetische und brandschutztechnische Sanierung eine Bestandsimmobilie auf einen modernen Stand gebracht werden kann, ohne den Betrieb zu unterbrechen. Die Maßnahmen zur Außendämmung, der Einbau einer hocheffizienten KWK-Anlage und die Optimierung der Rettungswege stellen hohe technische Anforderungen an die Planung und Ausführung.

Das Projekt in Münster hingegen illustriert, wie durch einen modernen, nachhaltigen Neubau auf Strukturveränderungen reagiert wird. Die Integration von Photovoltaik, Wärmepumpe und barrierefreier Gestaltung setzt Maßstäbe in der Neubauplanung. Zudem wird durch die Gestaltung des Außenbereichs und die Schaffung neuer Begegnungszonen die Bedeutung des sozialen Miteinanders in der Schule hervorgehoben.

Für Bauherren, Immobilienverwalter und Planer bieten beide Projekte wertvolle Erkenntnisse: Energetische Sanierung erfordert eine ganzheitliche Betrachtung von Gebäudehülle und Haustechnik, während Neubauprojekte verstärkt auf flexible Infrastrukturen und Nachhaltigkeitszertifizierungen achten müssen. Die Umsetzung unter laufendem Betrieb, wie in Stein praktiziert, bleibt dabei eine besondere logistische und organisatorische Leistung.

Quellen

  1. Marktspiegel: Gymnasium Stein generalsaniert
  2. Bayer Architekten: Gymnasium Stein
  3. Stadt Hamm: Nachhaltige Sanierung Freiherr-vom-Stein-Gymnasium
  4. Stadt Münster: Spatenstich Freiherr-vom-Stein-Gymnasium
  5. Freiherr-vom-Stein-Gymnasium Münster: Aktuelle Infos
  6. WN.de: Erweiterung Freiherr-vom-Stein-Gymnasium
  7. MS-Aktuell: Erweiterung Freiherr-vom-Stein-Gymnasium

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