Umfassende Sanierungsmaßnahmen und Infrastrukturprojekte in Bremen-Vegesack: Ein Überblick für Bauinteressierte

Die maritime Prägung des Bremer Stadtteils Vegesack ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil seiner Identität, sondern auch ein zentraler Faktor für die städtebauliche Entwicklung und die Wertschöpfung der Region. In den letzten Monaten und Jahren hat sich eine Vielzahl von Sanierungs- und Renovierungsprojekten überschnitten, die sowohl die Verkehrsinfrastruktur als auch die Kulturdenkmäler und die städtebauliche Struktur betreffen. Für Bauherren, Investoren und Immobilienbesitzer in der Region ist es von entscheidender Bedeutung, den aktuellen Stand der Arbeiten, die damit verbundenen Einschränkungen und die langfristigen Entwicklungspläne zu kennen. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Informationen die wichtigsten Baumaßnahmen in Vegesack, von der Sanierung der Hafenbrücke bis hin zu den umfassenden Plänen für den Bahnhofsbereich.

Aktuelle Verkehrsführung und Sanierung der Fähranleger

Seit einer Woche legen die Fähren der Reederei Bremen-Stedingen nicht mehr wie gewohnt an der Strandlust an, sondern nutzen die Signalstation. Dieser temporäre Wechsel der Anlegestelle ist Teil umfangreicher Sanierungsarbeiten, die voraussichtlich noch mehrere Wochen andauern werden. Das Amt für Straßen und Verkehr (ASV) nutzt diese Gelegenheit, um parallel dazu die Straße „Zur Vegesacker Fähre“ zu sanieren.

Geplant ist, beginnend am 19. März, die Straßenentwässerung zu überarbeiten und die Fahrbahndecke zu erneuern. Betroffen ist der Abschnitt zwischen der Kreuzung „Zur Vegesacker Fähre/Alte Hafenstraße“ und dem Fähranleger. Zusätzlich wird im Einmündungsbereich der Beilkenstraße die unter der Asphaltdecke liegende Binderschicht saniert. Diese Maßnahme ist notwendig, da die Kurvenbereiche dort besonders stark beansprucht sind.

Für den Verkehrsfluss ergeben sich folgende Änderungen: * Während der Arbeiten sind die Beilkenstraße und die Weserstraße nur über die Schulkenstraße erreichbar. * Eine offizielle Umleitung wird ausgeschildert. * Die Durchfahrtssperre in der Weserstraße wird temporär aufgehoben. * Eine weitere Umleitungsstrecke zur Fähre führt über den Volker-Ernsting-Platz und den Bereich Am Vegesacker Hafen.

Die Planung der Bauarbeiten berücksichtigt die gleichzeitig laufenden Maßnahmen an den Fähranlegern und die Abbrucharbeiten der Strandlust. Um gegenseitige Behinderungen zu vermeiden, finden vorherige Abstimmungsgespräche mit den bauausführenden Firmen statt. Das Amt für Straßen und Verkehr geht davon aus, dass die Sanierungsmaßnahmen bis zum 9. April abgeschlossen sein werden, wobei Witterungsbedingungen zu Verzögerungen führen können.

Ersatzverkehr für Fußgänger und Radfahrer

Ein entscheidender Aspekt der aktuellen Sanierung ist der Erhalt der Mobilität für Pendler und Bewohner. In der zweiten Bauphase der Fähranlegersanierung in Vegesack und Lemwerder, die vom 31. März bis 25. April 2025 dauern wird, bleibt ein Ersatzverkehr für Fußgänger und Radfahrer erhalten. Die Werften Abeking & Rasmussen und Lürssen haben dafür das „Schiff No. 2“ von Hal över gechartert.

Zusätzlich haben der Landkreis und die Gemeinden Lemwerder und Berne in Zusammenarbeit mit dem Zweckverband Verkehrsverbund Bremen-Niedersachsen (ZVBN) sowie Gebken & Gerdes Sonderbusse organisiert, die kostenlos zwischen Lemwerder und Motzen verkehren. Diese Kooperation ist notwendig, da in der zweiten Bauphase, die als kritischer gilt, die Schiffe der Fähren Bremen-Stedingen in Lemwerder keine geeigneten Anlegestellen ansteuern können und somit der bisherige Ersatzverkehr ausgefallen wäre.

Die Brücke am Vegesacker Museumshafen: Zustand und Zukunft

Ein zentraler Diskussionspunkt in Vegesack ist der Zustand der Brücke am Vegesacker Museumshafen. Das Bauwerk, das am 14. Mai 2000 eingeweiht wurde, sorgt seit jeher für Skepsis unter den Anwohnern. Während es einst mit Hoffnung gefeiert wurde, wird es heute von vielen als „kaputt“ und nicht mehr funktionsfähig angesehen.

Technische Defekte und Auswirkungen

Die Mängel der Brücke sind offensichtlich. Das Heben und Senken des Bauwerks ist nicht mehr wie vorgesehen möglich. Dies führt dazu, dass Museumsschiffe mit höheren Aufbauten die Hafenanlage nicht mehr ansteuern oder ablegen können. Nach 26 Jahren Betrieb wurden Schäden an den Verschraubungen an einem der Brückenlager entdeckt. Zudem verzieht sich die Metallbrücke beim Aufklappen, besonders bei Hitze.

Die Konsequenzen sind gravierend: * Größere historische Schiffe wie der Segellogger „BV 2 Vegesack“ mussten sich andere Liegeplätze suchen. * Künftig sind Öffnungen aus technischer Sicht nicht mehr vertretbar. * Nur noch flache Boote mit umgelegtem Mast können den Museumshafen anlaufen.

Politische Reaktionen und Kosten

Der Ausschuss für Stadtentwicklung, Tourismus, Kultur und Wirtschaft sah sich gezwungen, einen Eilantrag für eine kurzfristige Reparatur und notwendige finanzielle Mittel zu stellen. In einer Sondersitzung am 28. Juli wurden weitere Schritte besprochen. Politiker machen sich große Sorgen, dass bald nur noch Börteboote in den Hafen gelangen könnten, und warnen, dass Museumsschiffe bei einem Wechsel des Liegeplatzes nicht mehr zurückkehren könnten. Zudem wird auf die Gefährdung der Attraktivität von Vegesack hingewiesen.

Kritik wird auch an der Instandhaltung geübt. Die Instandhaltungskosten belaufen sich seit 2011 auf über 1,5 Millionen Euro. Beschwerden über die hohen Wartungskosten wurden laut Berichten nie adressiert, was als Versäumnis der Stadtentwicklungsgesellschaft Vegesack gewertet wird, die bei der Planung die finanziellen Belastungen unterschätzte.

Lösungsansätze

Der Beirat Vegesack hat in einer Sondersitzung über die Zukunft der Brücke beraten. Als Lösungen werden diskutiert: 1. Abriss und Neubau: Viele Vegesacker sehen den Abriss als notwendig an, um die Attraktivität des Hafens zu sichern. 2. Betrieb als reine Fußgängerbrücke: Denkbar wäre der Verzicht auf die Klappfunktion. 3. Reparatur: Ein schneller Kurswechsel und Reparaturen werden gefordert.

Interessanterweise äußerten schon die Designer der Brücke Bedenken bezüglich der Konstruktion. Ein Abriss hätte zur Folge, dass Fußgänger das Hafenbecken außen herum umlaufen müssten. Für den Segellogger „BV2 Vegesack“ könnte ein Abriss jedoch bedeuten, dass er wieder anlegen kann.

Der große Plan für Vegesack: Flächensanierung und Neuentwicklung

Neben den akuten Sanierungen an der Infrastruktur läuft ein weitreichendes Projekt zur Neuentwicklung großer Flächen in Vegesack. Der sogenannte „Große Plan“ umfasst inzwischen eine Fläche von fast acht Hektar.

Umfang und Projektbereiche

Ursprünglich war nur die Neuentwicklung des Bahnhofsplatzes und der angrenzenden Grundstücke geplant. Inzwischen sind jedoch weitere Gebiete hinzugekommen: * Die Schönebecker Aue inklusive Bahnbrache. * Die Randbereiche rechts und links vom Hafen. Dies ergibt ein Plus von 10.000 Quadratmetern.

Das Projekt ist komplex und umfasst folgende Themenbereiche: * Hochwasserschutz. * Parkplatzkonzepte. * Sportstätten. * Modernisierung und Renaturierung. * Altbausanierung. * Angelegenheiten der Bahn, der Wirtschaftsförderung und des Deichverbands. * Stadt-, Landschafts- und Verkehrsentwicklung.

Zeitplan und Finanzierung

Ursprünglich wollte das Ressort mit dem Vorhaben weiter sein. Vor anderthalb Jahren wurde ein Berliner Büro beauftragt, einen Rahmenplan für den Bahnhofsplatz zu entwerfen. Aufgrund der Vergrößerung des Gebiets ist jedoch die Zahl der Projekte, Verhandlungspartner und Planungsbüros angewachsen, was den Prozess verlangsamt hat.

Aktuell wird davon ausgegangen, dass der Plan Ende 2020 stehen wird. Eine Bürgerbeteiligung ist für die zweite Jahreshälfte vorgesehen. Momentan stehen 100.000 Euro an Planungs- und zwei Millionen Euro an Fördermitteln bereit. Es wird von einem jahrelangen Prozess und einem Ringen um Geld gesprochen.

Konkrete Maßnahmen und Konzepte

Schönebecker Aue und Hochwasserschutz: Ein zentrales Element ist das Überlaufbecken. Der Plan sieht vor, das Gewässer sichtbarer zu machen und das Gebiet grüner und erlebbarer zu gestalten. Eine Besonderheit ist, dass das Überlaufbecken nur dann durch Sportplätze ersetzt werden kann, wenn es gelingt, das Gelände der Aue als Überflutungsfläche zu nutzen. Studenten der Hochschule haben Konzepte vorgestellt, wie die Fläche naturnah entwickelt werden könnte, indem sie die Gleisbrache der Deutschen Bahn AG einbeziehen. Die Deutsche Bahn AG zeigt grundsätzlich Interesse, die Fläche an die Stadt zu verkaufen und hat bereits zugestimmt, den Boden auf Altlasten überprüfen zu lassen.

Bahnhofsgebäude: Das historische Backsteinbauwerk soll modernisiert werden. Ziel ist mehr Funktionalität und weniger Leerstand. Laut Bauamtschef Donaubauer ist vieles denkbar, auch ein Abriss von Nebengebäuden. Konkret geplant sind: * Neuordnung der Geschäfte im Inneren und der Angebote draußen. * Bike-and-Ride-Plätze. * Zusätzlicher Wetterschutz. * Öffnung des Eingangsbereichs zu den Bahnsteigen.

Um die Konzepte zu entwickeln, haben Planer, Architekten und Verwaltungskräfte den Bahnhof in Kirchweyhe besucht, wo ähnliche Maßnahmen umgesetzt wurden. Zudem wurde eine Agentur beauftragt, eine Studie zu erstellen, und eine Arbeitsgruppe unter Leitung der Wirtschaftsförderung soll Anfang nächsten Jahres tagen.

Vereinsgelände: Die Sportgemeinschaft Aumund-Vegesack ist Nachbar des Bahnhofsplatzes und wird in die Erneuerung einbezogen. Das Umkleidegebäude wird abgerissen; der Ersatzbau ist geplant, der Standort ist jedoch noch nicht final entschieden.

Warnemünder Weg und Erholungsgebiet: Im Konzept der Behörde ist von einem neuen Erholungsgebiet die Rede. Der Warnemünder Weg soll verlegt und entlang des Flusslaufs führen, um das Gebiet erlebbarer zu machen.

Alte Hafenstraße: Denkmalschutz und Fotografie

Ein kurzer Exkurs gilt der Alten Hafenstraße. Hier wird nicht primär über Bauarbeiten berichtet, sondern über den denkmalgeschützten Charakter der Straße. Historische Häuser aus der Alten Hafenstraße sind ein wichtiger Bestandteil des Stadtbildes. Ein Magazin hat sich zum Ziel gesetzt, diese Häuser fotografisch festzuhalten und zu präsentieren. Die Herausforderung liegt dabei in der Aufnahme der gesamten Straße, da oft Mülltonnen oder geparkte Autos die Sicht auf die Häuser behindern. Dies unterstreicht die Bedeutung der Erhaltung dieser Bausubstanz und die Notwendigkeit, solche Bereiche im Rahmen von Sanierungs- und Neuentwicklungsplänen besonders zu schützen.

Fazit

Die Entwicklungen in Bremen-Vegesack zeigen eine Phase intensiver Veränderung, die für Investoren und Eigentümer von Immobilien sowohl Herausforderungen als auch Chancen bietet. Die akuten Sanierungen an der Verkehrsinfrastruktur, insbesondere an den Fähranlegern und der Straße zur Fähre, erfordern aktuell Geduld und Rücksichtnahme im Verkehr. Die Problematik der defekten Klappbrücke am Museumshafen verdeutlicht die hohen Ansprüche an die Instandhaltung von Wasserbauwerken und die wirtschaftlichen Folgen, wenn Infrastruktur versagt. Hier wird deutlich, dass langfristige Instandhaltungspläne und finanzielle Rücklagen unerlässlich sind.

Das große Entwicklungsprojekt für den Bahnhofsbereich und die Schönebecker Aue verspricht eine grundlegende Aufwertung des Stadtteils. Die Integration von Hochwasserschutz, Grünflächen und moderner Infrastruktur ist ein anspruchsvolles Planungsziel. Für Bauherren und Investoren bedeutet dies, sich frühzeitig über die Auswirkungen auf Verkehr, Parkplatzsituation und die Wertentwicklung von Immobilien in diesem Areal zu informieren. Die langfristige Perspektive und die Beteiligung der Bürger werden entscheidend für den Erfolg dieser Projekte sein.

Quellen

  1. Weser-Kurier: Vegesack: Straßenbaustellen während Fährsanierung
  2. Mein-Bremen: Brücke am Vegesacker Hafen: Sanierung dringend nötig – Zeit drängt!
  3. VBN: Faehranleger Vegesack-Lemwerder: Ersatzverkehr mit Sonderbussen
  4. Buten und Binnen: Brücke Vegesack Museumshafen 100
  5. Zeitschrift der Strasse: Alte Hafenstrasse
  6. Weser-Kurier: Was in Vegesack alles umgestaltet werden soll

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