Die Instandhaltung und Modernisierung von kommunaler Infrastruktur stellt Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Dies gilt insbesondere für Hallenbäder, die aufgrund ihrer komplexen Technik und hohen Wassermengen einen hohen Wartungsaufwand erfordern. Der Sanierungsprozess des Hallenbades in Ebersberg bietet Einblicke in die technischen, finanziellen und organisatorischen Aspekte solcher Bauprojekte. Der folgende Artikel analysiert den Ablauf der Sanierung, die dabei aufgetretenen Herausforderungen sowie die getroffenen technischen Entscheidungen, basierend auf den vorliegenden Informationen.
Ausgangslage und Sanierungsbeginn
Das Hallenbad in Ebersberg war ursprünglich ein Produkt der 1970er Jahre, geprägt durch den Geist der Olympischen Spiele 1972 in München. Ein Förderprogramm, das nach diesen Spielen aufgelegt wurde, ermöglichte der Kreisstadt die Eröffnung des Bades am 24. Juni 1974. Nach fast fünf Jahrzehnten Nutzung war eine umfassende Sanierung unumgänglich geworden.
Die Sanierungsarbeiten begannen im April 2021. Ziel war eine Komplettsanierung, die sowohl die Bausubstanz als auch die Technik erneuern sollte. Die ursprünglich geplanten Kosten beliefen sich auf rund acht Millionen Euro. Im Verlauf des Projekts stiegen diese Kosten jedoch auf etwa zwölf Millionen Euro (laut Quelle 2) beziehungsweise rund elf Millionen Euro (laut Quelle 7) an. Als Gründe für die Kostenexplosion und die erheblichen Verzögerungen wurden externe Faktoren wie der Ukrainekrieg und die Corona-Pandemie genannt. Zudem wurden technische Schwierigkeiten und Verzögerungen, die der externen Bauleitung vom Architekturbüro Gollwitzer zugeschrieben wurden, erwähnt.
Eine finanzielle Beteiligung des Freistaats Bayern in Höhe von 1.200.000 € konnte gesichert werden. Ein Antrag auf Förderung aus Bundesmitteln wurde hingegen abgelehnt.
Architektonische und technische Neuerungen
Die Sanierung zielte darauf ab, den Charme der 70er-Jahre zu erhalten und gleichzeitig moderne technische Standards zu setzen. Ein besonderes Augenmerk lag auf der Bewahrung des retro-charmatischen Looks. Dies äußert sich in den restaurierten Mosaiken mit stilisierten Schwimmern an den Wänden der Halle sowie den neu gestrichenen Sportler-Piktogrammen, die an die Arbeiten von Otl Aicher erinnern. Die Farbpalette der Olympischen Spiele 1972 wurde in den Umkleidekabinen wieder aufgenommen und dient zudem als Wegweiser für die Badegäste: Rot steht für den Bereich der Straßenkleidung, Blau- und Grüntöne für die Umkleiden (Herren in Blau, da "die sind ja immer blau" in der Farbgebung).
Die technischen Neuerungen sind substanzieller Natur. Eine der größten Veränderungen ist der Einbau eines Edelstahlbeckens. Verantwortliche wiesen darauf hin, dass diese Variante zwar teurer sei als Fliesen, sich jedoch über die Jahre rechne, da sie langlebiger sei. Ein weiteres Highlight ist das neue Kursbecken. Dieses 120 Zentimeter tiefe Bassin ist eine Neuerung, für die ein Erker in die Fassade gebaut werden musste. Es ersetzt das alte Kinderplanschbecken und ermöglicht neue Angebote. Das Becken lässt sich zudem farbig beleuchten.
Das große Hauptbecken hat ein Fassungsvermögen von 480 Kubikmetern, ein zweites Becken im hinteren Bereich fasst rund 80 Kubikmeter. Insgesamt werden bei einem Vollbad etwa 560.000 Liter Wasser benötigt.
Eröffnung und erste technische Probleme
Nach einer langen Schließungsphase wurde das Hallenbad schließlich am 15. Oktober 2024 für die Öffentlichkeit freigegeben. Die Eröffnung war von den Bürgern, Schulkindern, dem Schwimmverein und der Wasserwacht sehnlichst erwartet worden. Die Öffnungszeiten für den öffentlichen Badebetrieb wurden festgelegt: Dienstag von 16 bis 20 Uhr, Mittwoch von 15 bis 21 Uhr, Freitag von 14.30 bis 21 Uhr und Sonntag von 8.30 bis 13 Uhr. Der Eintritt kostet sechs Euro (ermäßigt vier Euro), Kinder bis sechs Jahre haben freien Eintritt. Es wurden auch Zehner-, Monats- und Saisonkarten angeboten.
Trotz der erfolgreichen Wiedereröffnung traten schnell technische Mängel zutage. Im Januar, nur wenige Monate nach der Eröffnung, musste das Bad erneut für drei Wochen schließen. Grund war ein Leck am Beckenboden. Bürgermeister Ulrich Proske bestätigte, dass es sich um eine Stelle handelte, die bereits im August einmal geflickt werden musste.
Analyse des Lecks und Reparaturmaßnahmen
Das technische Problem war spezifisch und komplex. Das Bad verfügt über vier Hubzylinder, die den absenkbaren Teil des Beckenbodens bewegen und auf einer Betonzwischendecke fußen. Das Leck befand sich am Übergang eines der Zylinder durch die Decke. Es tropfte täglich etwa 30 bis 40 Liter Wasser, die in einem Auffanggefäß landeten und abgepumpt werden mussten.
Obwohl der Wasserverlust angesichts der Gesamtmenge von 480.000 Litern zunächst gering erscheint (es würde über 30 Jahre dauern, bis das Becken leer getropft ist), entschied sich die Stadt für eine sofortige Reparatur. Das Ziel war es, keinen baulichen Schaden am Beton zu riskieren und den Pannenprozess endgültig abzuschließen ("einen Haken hinter die Sache machen").
Die Reparatur selbst gestaltete sich aufwendig. Sie umfasste das Ablassen des Wassers, das Abdichten mit Epoxidharz, das Aushärten und das Wiederbefüllen. Dieser Prozess dauerte laut Bürgermeister eigentlich nur zwei bis drei Tage. Die Gesamtschließungszeit von drei Wochen ergab sich jedoch aus den notwendigen Vorbereitungen und vor allem den nachfolgenden hygienischen Kontrollen.
Da bei einem kompletten Wasseraustausch die Filtersysteme stillstehen, muss die bakteriologische Untersuchung komplett wiederholt werden. Die notwendigen Kulturen benötigen in der Petrischale zwei Wochen, um ein Ergebnis zu liefern. Erst danach kann das Bad wieder öffnen, sofern keine Nachdesinfektion erforderlich ist.
Positiv zu vermerken ist, dass die Nachbessern auf Gewährleistung erfolgt und somit nicht mehr am Steuerzahler hängen bleibt. Lediglich die Kosten für die 480.000 Liter Wasser, die kontrolliert in Richtung Kläranlage abgeleitet werden müssen, werden nicht ersetzt.
Weitere technische Herausforderungen während der Sanierung
Neben dem erwähnten Leck am Hubzylinder gab es während der Endphase der Sanierung weitere technische Schwierigkeiten, die die Fertigstellung verzögerten. Beim Rundgang durch das nahezu fertige Hallenbad vor der Eröffnung wurde festgestellt:
- Wasserschaden in der Fußbodenheizung: Im Eingangsbereich kam es zu einem Wasserschaden. Ein Teil der neu verlegten Fliesen musste entfernt werden.
- Falsche Bohrungen: Im Duschraum konnten die neuen Wandverkleidungen nicht eingebaut werden, da die Bohrungen falsch gesetzt waren. Man musste auf Ersatzteile warten.
- Restaurierungsarbeiten: Die restaurierten Mosaike hingen bei einem Rundgang noch nicht ganz in der richtigen Reihenfolge.
Diese Probleme illustrieren die typischen Herausforderungen bei Sanierungsprojekten, bei denen alte Bausubstanz auf neue Technik trifft und Koordination zwischen verschiedenen Gewerken entscheidend ist.
Betriebswirtschaftliche und gesellschaftliche Aspekte
Die Sanierung des Hallenbades in Ebersberg wird als ein gegen den Trend des "Bädersterbens" gerichtetes Projekt gesehen. Der Vorsitzende der Wasserwacht Ebersberg, Florian Hellmich, äußerte Dankbarkeit darüber, dass die Stadt diesen Weg ging. Die wiedergewonnenen Trainingsmöglichkeiten sollen auch für die Nachwuchsförderung genutzt werden. Geplant ist unter anderem eine Kindergruppe für Acht- bis Zehnjährige, vorausgesetzt die Kinder können 50 Meter sicher schwimmen.
Neben dem öffentlichen Schwimmen wird das Bad auch von Schulen, Vereinen, der VHS und Reha-Sportanbietern genutzt. Die Wasserwacht zeigt Rettungsübungen, und der Schwimmverein (SVGE) bietet kulinarische Angebote und öffentliches Schwimmtraining an.
Für die Zukunft plant Bürgermeister Proske, das Bad regelmäßig selbst zu nutzen, um fit zu bleiben. Die Stadtverwaltung hofft, nach den vielen Verzögerungen und Pannen nun endlich Stabilität im Betriebsablauf erreicht zu haben.
Zusammenfassung der Sanierungskosten und Zeitplanung
| Parameter | Details |
|---|---|
| Sanierungsbeginn | April 2021 |
| Geplante Kosten (ursprünglich) | ca. 8 Millionen Euro |
| Tatsächliche Kosten | ca. 11 bis 12 Millionen Euro |
| Förderung Freistaat Bayern | 1.200.000 € |
| Bundesförderung | Keine Zusage |
| Eröffnung | 15. Oktober 2024 |
| Schließung wegen Leck | Januar (3 Wochen) |
| Kosten der Wasserverluste | Auf Gewährleistung (Steuerzahler geschützt) |
Fazit
Die Sanierung des Hallenbades Ebersberg ist ein Lehrbeispiel für die Komplexität moderner Bauprojekte im öffentlichen Bereich. Die Entscheidung, die architektonische Identität der 1970er Jahre zu wahren (Retro-Charme, Olympiamotive) und gleichzeitig modernste Technik (Edelstahlbecken, Hubtechnik, Beleuchtungssysteme) zu installieren, zeigt einen ressourcenschonenden und zukunftsorientierten Ansatz. Trotz der erheblichen Kostensteigerung und zeitlichen Verzögerungen wurde das Projekt abgeschlossen.
Die kurz nach der Eröffnung aufgetretenen Undichtigkeiten am Hubboden unterstreichen jedoch die hohen Anforderungen an die Qualität der Ausführung, insbesondere bei wasserführenden Systemen. Die schnelle und konsequente Reaktion der Stadtverwaltung, das Problem sofort über Gewährleistung lösen zu lassen und eine vollständige Trocknungs- und Untersuchungsphase einzulegen, ist aus bautechnischer und hygienischer Sicht zu begrüßen. Für Bauherren und Immobilienverwalter bleibt die Erkenntnis, dass bei Sanierungen von Nassbereichen stets mit unvorhergesehenen Schäden an Anschlussstellen und Abdichtungen gerechnet werden muss und eine sorgfältige Nachkontrolle unerlässlich ist.
Quellen
- Merkur: Es tropft: Hallenbad Ebersberg muss frisch saniert schon wieder schließen
- Merkur: Hallenbad Ebersberg: Neuer Glanz mit Retro-Charme
- Radio Gong: Hallenbad Ebersberg nach Sanierung wieder geöffnet
- Süddeutsche Zeitung: Ebersberg: Sanierung Hallenbad Ebersberg - Tag der offenen Tür, Wiedereröffnung
- Wochenanzeiger: Hallenbad Ebersberg
- Süddeutsche Zeitung: Hallenbad Ebersberg: Sanierung abgeschlossen
- Süddeutsche Zeitung: Hallenbad Ebersberg schließt wieder