Die Betrachtung von Hallenbädern aus der Perspektive von Bauwesen, Renovierung und Immobilienmanagement offenbart eine komplexe Gemengelage aus technischer Bausubstanz, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und kommunaler Daseinsvorsorge. Die vorliegenden Informationen aus verschiedenen deutschen und schweizerischen Quellen beleuchten den Lebenszyklus solcher Infrastrukturobjekte, von der Entscheidung über Sanierungsmaßnahmen bis hin zur Umnutzung oder dem vollständigen Rückbau. Im Mittelpunkt stehen dabei die Herausforderungen, die sich aus dem Alter von Bausubstanz ergeben, sowie die Notwendigkeit, technische und finanzielle Rahmenbedingungen zu bewerten.
Analyse der Bausubstanz und technischer Mängel
Ein zentrales Thema bei der Bewertung von Hallenbädern ist der Erhaltungszustand der Tragwerke und der technischen Ausstattung. Die Quellen zeigen auf, dass die Lebensdauer von Hallenbädern, die oft in den 1970er oder 1980er Jahren errichtet wurden, an ihre Grenzen stößt.
Tragwerksicherheit und Dachkonstruktionen
Ein prägnantes Beispiel für die Notwendigkeit von statischen Eingriffen liefert das Hallenbad Hirschengraben in Bern. Hier wurde eine Sanierung notwendig, um die Stabilität der Gebäudehülle zu gewährleisten. Die Maßnahmen umfassten die Verstärkung der Dachkonstruktion und der Deckenverkleidung über dem Lehrschwimmbecken. Konkret wurden das Dach mit seitlichen Stützen und einem Querträger versehen (Source 1). Solche Maßnahmen sind typisch für Gebäude, bei denen die ursprüngliche Traglast nicht mehr den aktuellen Anforderungen entspricht oder Materialermüdung einsetzt.
Die Gefahr eines strukturellen Versagens wurde in Bern bereits 2021 deutlich, als Deckenteile im Ruhebereich der kleinen Schwimmhalle abstürzten. Dieser Vorfall führte dazu, dass der betroffene Bereich abgesperrt und nicht mehr nutzbar war. Bereits im Sommer 2020 war eine Sicherungskonstruktion in die kleine Schwimmhalle eingebaut worden, um die Dachkonstruktion im Falle eines Einbruchs abzufangen (Source 3). Diese Vorfälle unterstreichen die Bedeutung einer kontinuierlichen Zustandsüberwachung, wie sie in Bern über Jahre hinweg betrieben wurde.
Technische Anlagen und Wasser Aufbereitung
Neben der Statik sind die technischen Anlagen, insbesondere die Wasseraufbereitung, ein Indikator für den Modernisierungsbedarf. Die Quellen erwähnen für das Hallenbad Hirschengraben eine Sandfilteranlage, die nach einem Umbau Anfang der 90er Jahre noch in Betrieb war und als einer der ältesten noch genutzten Sandfilter in der Schweiz galt (Source 2). Solche Anlagen erfüllen oft nicht mehr die aktuellen Standards in Bezug auf Energieeffizienz und Hygiene, was Sanierungen oder den Neubau erforderlich macht.
Wirtschaftliche Bewertung und Sanierungsentscheidungen
Die Entscheidung, ein Hallenbad zu sanieren oder zu schließen, ist primär eine wirtschaftliche. Die Betriebskosten, Unterhaltskosten und die amortisierten Kosten für notwendige Reparaturen bestimmen die Tragfähigkeit des Projekts.
Kostenintensität und Betriebsunterhalt
In Bern wurden die Entscheidungen zur Schließung des Hirschengrabens durch das Haushaltentlastungspaket „FIT II“ im Jahr 2021 bestätigt. Der Grund war die zu hohe Kostenaufwendung für Betriebs-, Revisions- und Unterhaltsarbeiten in den vorangegangenen Jahren (Source 3). Die Notwendigkeit dauernder Zustandsüberwachung machte den Weiterbetrieb unwirtschaftlich. Dieses Szenario ist typisch für kommunale Bäder am Ende ihrer technischen Lebensdauer.
Ein vergleichbares Bild zeichnet sich in Burghausen ab. Hier plant die Stadt eine Sanierung des Hallenbades für 25,56 Millionen Euro brutto. Ein technisches Gutachten kam zu dem Ergebnis, dass eine weitere Verschiebung der Sanierung nicht möglich ist (Source 5). Dies impliziert, dass das Gebäude oder die Anlagen einen Zustand erreicht haben, der den Fortbetrieb ohne massive Eingriffe gefährdet. Die Stadt Burghausen befindet sich in einer finanziell angespannten Lage, was die Dringlichkeit der Entscheidung erhöht.
Investitionssummen und Finanzierung
Die Höhe der Sanierungskosten variiert stark. Während in Burghausen Investitionen im zweistelligen Millionenbereich anstehen, wurde in Beilstein eine Machbarkeitsstudie für das Mineralhallenbad in Auftrag gegeben, deren Kosten auf 56.168 Euro veranschlagt sind (Source 6). Diese Studie dient dazu, die Notwendigkeit und das Ausmaß einer Sanierung zu klären, bevor größere Mittel bewilligt werden. In Hambergen wurde ein Konzept für eine schrittweise Sanierung entwickelt, wobei die Nutzung von Förderprogrammen eine entscheidende Rolle spielt (Source 7). Die Verwaltung in Hambergen geht davon aus, dass ein Neubau als freiwillige Leistung nicht genehmigt würde, eine Sanierung jedoch als Pflichtleistung zum Bad erhalten kann (Source 7). Diese Unterscheidung ist für die kommunale Haushaltsplanung von grosser Bedeutung.
Strategische Alternativen: Neubau, Zwischennutzung und Umnutzung
Wenn eine Sanierung wirtschaftlich nicht tragbar oder technisch nicht sinnvoll ist, ergeben sich Alternativen, die von Neubauten über Zwischennutzungen bis hin zur vollständigen Aufgabe der Liegenschaft reichen.
Der Ersatzneubau als strategische Antwort
Die Schließung des Hallenbad Hirschengraben in Bern war direkt an den Bau einer neuen Schwimmhalle gekoppelt. Bereits 2011 hatte der Gemeinderat entschieden, die Anlage nach dem Bau eines neuen Hallenbads zu schließen (Source 3). Im November 2015 wurde eine Volksinitiative für ein zusätzliches Hallenbad angenommen, was zum Bau der 50-Meter-Schwimmhalle Neufeld führte. Die Eröffnung dieser neuen Anlage im September 2023 markierte das Ende für das Traditionsbad Hirschengraben (Source 2). Dies zeigt, dass die Schließung oft nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern Teil einer langfristigen Strategie zur Sicherung des Badangebots ist.
Zwischennutzung als Übergangslösung
Ein interessanter Aspekt aus dem Baumanagement ist die temporäre Umnutzung von stillgelegten Immobilien. Für die Räumlichkeiten des Hallenbad Hirschengraben wurde eine Zwischennutzung bis zur Entscheidung über die langfristige Nutzung konzipiert. Von insgesamt 25 eingereichten Projektideen wurde die Einrichtung einer Boulderanlage ausgewählt (Source 4). Die O’BLOC AG, ein Betreiber aus Ostermundigen, richtet die Halle für den Breitensport ein (Source 3). Diese Lösung sichert einerseits die Substanz durch Nutzung, generiert andererseits Mieteinnahmen und vermeidet Stillstandsschäden. Die Zwischennutzung ist auf die Jahre 2024 bis 2026 befristet (Source 2).
Sonderfall Saunabetrieb und Wellness
Ein spezifischer Aspekt der Renovierung betrifft den Saunabetrieb. In Bern wurde im Zuge der Wasserstrategie 2018 festgelegt, dass bei künftigen Sanierungen von Hallenbädern der Saunabetrieb eingestellt wird. Der Bedarf an Wellnessanlagen soll künftig durch private Anbieter gedeckt werden (Source 4). Dies spiegelt einen Trend wider, die kommunale Daseinsvorsorge in spezialisierten Bereichen zurückzufahren und auf den Privatsektor zu verlagern. Im Falle des Hirschengrabens wurde die Sauna bereits vor der Schließung des Hallenbades im April 2023 geschlossen (Source 3).
Bestandsaufnahme der spezifischen Fallbeispiele
Die folgende Tabelle fasst die zentralen Informationen der analysierten Fallbeispiele zusammen, um eine schnelle Übersicht über die technischen und strategischen Entscheidungen zu geben.
| Objekt / Standort | Status / Entscheidung | Zentrale technische/wirtschaftliche Faktoren | Strategische Maßnahmen |
|---|---|---|---|
| Hallenbad Hirschengraben (Bern, CH) | Schließung am 30.06.2023, Wiedereröffnung nach kleinerer Sanierung (Dach) im Sept. 2023, jedoch endgültige Schließung. | Altersbedingte Mängel, Absturz von Deckenteilen (2021), hohe Unterhaltskosten, Sandfilteranlage (alt). | Bau der neuen Schwimmhalle Neufeld (50m), Zwischennutzung als Boulderanlage (bis 2026). |
| Hallenbad Burghausen (DE) | Sanierung erforderlich (Stand Gutachten). | Finanziell angespannte Lage der Stadt, Sanierungskosten: 25,56 Mio. Euro brutto. | Aufschiebung der Sanierung abgelehnt, Durchführung zwingend notwendig. |
| Mineralhallenbad Beilstein (DE) | Sanierung und Attraktivitätssteigerung in Prüfung. | Baujahr 1978, kaum Sanierungen seit 1978, ca. 16.000 Einritte jährlich. | Beauftragung einer Machbarkeitsstudie (Kosten ca. 56.000 Euro). |
| Hallenbad Hambergen (DE) | Schrittweise Sanierung geplant. | Konzept für schrittweise Sanierung, Nutzung von Förderprogrammen. | Unterscheidung: Sanierung (Pflichtleistung) vs. Neubau (freiwillige Leistung). |
Fazit
Die Analyse der verschiedenen Hallenbadsanierungen und -schließungen verdeutlicht, dass Renovierungen im öffentlichen Bauwesen selten nur technische Eingriffe sind, sondern stets eine wirtschaftliche und strategische Gesamtbetrachtung erfordern. Die Bausubstanz von Hallenbädern, die oft aus dem frühen 20. Jahrhundert oder der Nachkriegszeit stammen, erreicht zunehmend kritische Altersgrenzen. Wie am Beispiel Bern zu sehen, führen statische Mängel, wie undichte Dächer oder abstürzende Deckenelemente, oft zu punktuellen Sanierungen, langfristig aber zur Entscheidung für einen vollständigen Neubau, wenn die Betriebskosten explodieren.
Für Bauherren, Investoren und Kommunalverwaltungen bedeuten diese Erkenntnisse: Eine detaillierte technische Bestandsaufnahme, vergleichbar mit den Gutachten in Burghausen oder der Machbarkeitsstudie in Beilstein, ist unerlässlich, um die wirtschaftliche Tragfähigkeit zu bewahren. Zudem zeigen die Beispiele, dass die Umnutzung von Immobilien (z. B. zur Boulderhalle) eine valide Strategie sein kann, um Leerstand zu vermeiden und Übergangsphasen zu überbrücken. Die Entscheidung zwischen Sanierung und Neubau muss dabei immer im Kontext der aktuellen Kosten für Unterhalt, Energie und Betrieb bewertet werden.
Quellen
- nau.ch - Hallenbad Hirschengraben öffnet nach Sanierung wieder
- badi-info.ch - Hallenbad Hirschengraben
- bern.ch - Das Traditionsbad Hirschengraben schliesst Ende Monat
- sportamt-bern.ch - Fragen und Antworten Schliessung Hirschengraben
- pnp.de - Gutachten zeigt: Burghauser Hallenbad muss saniert werden oder ganz schliessen
- stimme.de - Machbarkeitsstudie Mineralhallenbad Kannewischer Barbara Schoenfeld
- weser-kurier.de - Hallenbad in Hambergen: Konzept für eine schrittweise Sanierung