Die Sanierung von öffentlichen Gebäudekomplexen stellt für Kommunen eine erhebliche Herausforderung dar, die technische, finanzielle und planerische Aspekte gleichermaßen betrifft. Insbesondere bei Hallenbädern handelt es sich um hochkomplexe Bauwerke mit spezifischen Anforderungen an die Tragwerksstatik, die Abdichtungstechnik und die Haustechnik. Die vorliegende Analyse beleuchtet die Sanierung des Hallenbads in Dossenheim, die über mehrere Jahre hinweg ein zentrales Thema der kommunalen Politik und Bauverwaltung war. Basierend auf den vorliegenden Informationen aus Presseberichten und offiziellen Veröffentlichungen wird ein detaillierter Überblick über die Bauarbeiten, Kostenentwicklungen und technischen Besonderheiten gegeben.
Ausgangslage und Sanierungsbedarf
Das Hallenbad in Dossenheim ist ein Gebäude aus den 1970er-Jahren. Wie bei vielen Bauten dieser Ära war der Zustand der Haustechnik und der Bausubstanz nach Jahrzehnten des Betriebs deutlich verschlissen. Laut den vorliegenden Informationen war eine "längst überfällige Erneuerung der Technik" notwendig (Quelle 2). Solche Sanierungen umfassen in der Regel die Erneuerung von Heizungs-, Lüftungs- und Sanitäranlagen sowie die Prüfung und Instandsetzung der Betonsubstanz und Abdichtungen.
Ein entscheidender Schritt vor Beginn der eigentlichen Großsanierung war die Erfassung des Sanierungsbedarfs. Hierzu ist festzuhalten, dass die Gemeinde Dossenheim die Nutzer befragte, um die Ausrichtung der zukünftigen Nutzung zu bestimmen. In einer Bürgerbefragung wurde unter anderem die Frage nach einer "Rutsche" oder "Haken für Handtüchern" diskutiert (Quelle 8). Diese Maßnahme zeigt den Versuch, die Sanierung nicht nur technisch, sondern auch nutzerorientiert zu gestalten. Allerdings war die Teilnahme an dieser Befragung laut dem Bericht eher gering.
Die erste Sanierungsphase: Planungen und Kosten
Ursprünglich wurde eine Sanierung mit einem Volumen von einer Million Euro für das Jahr 2019 diskutiert. Diese sollte eine Schließung von etwa drei Monaten zur Folge haben (Quelle 3). Ziel war es, die Technik des 70er-Jahre-Gebäudes zu erneuern. Doch schon bald zeigte sich, dass die Kosten deutlich höher ausfallen würden.
Im Verlauf der Planung stiegen die Kosten auf drei Millionen Euro. Die Sanierung umfasste nun Arbeiten, die eine vollständige Schließung des Bades erforderten. Der Baubeginn war für den Herbst 2019 vorgesehen (Quelle 2). Zu diesem Zeitpunkt war geplant, die Sanierung in einem Jahr abzuschließen.
Einbeziehung der Energieeffizienz
Ein wichtiger Aspekt der Sanierung war die Einbettung in die kommunale Klimaschutzstrategie. Die Sanierung des Hallenbads wurde in Zusammenhang mit der Erneuerung des Heizsystems und des BHKW (Blockheizkraftwerks) des Schul- und Sportzentrums gesehen. Eine Neuverhandlung des Contracting-Vertrages für das BHKW war notwendig, um die Energielieferung für das Bad und die angeschlossene Sauna sicherzustellen (Quelle 9). Dies unterstreicht die Komplexität der energetischen Verflechtungen in kommunalen Gebäudekomplexen.
Die Umsetzung: Sanierung der Nassbereiche
Ein Kernstück der Sanierung betraf die Nassbereiche des Bades. Hierfür beauftragte die Gemeinde das Unternehmen Heinrich Schmid. Die Arbeiten umfassten die umfangreiche Sanierung der sanitären Räumlichkeiten.
Technische Details der Ausführung: - Abdichtungstechnik: Vor der Verlegung der Fliesen wurden die Dusch- und Sanitärräume gründlich abgedichtet. Dies ist ein kritischer Arbeitsschritt zur Vermeidung von Feuchtigkeitsschäden im Mauerwerk und in darunterliegenden Geschossen. - Fliesenlegerarbeiten: Sowohl an den Wänden als auch an den Böden wurden neue Fliesen verlegt. Dies betraf die Umkleideräume, Sanitärräume, Duschanlagen, Fußbecken, das Foyer, die WC-Anlagen im Foyer und das Bistro (Quelle 1). - Reparaturarbeiten: Zusätzlich zu den Verkleidungsarbeiten wurden Reparaturen an der Schwimmhalle, dem Schwimmbecken und im Keller ausgeführt.
Diese Maßnahmen waren essenziell, um die Bausubstanz zu schützen und die Hygienevorschriften einzuhalten.
Verzögerungen und Hindernisse im Bauprozess
Trotz präziser Planung kam es im Bauprozess zu erheblichen Verzögerungen. Ursprünglich war eine Wiedereröffnung für den Sommer 2020 geplant. Doch Probleme mit Ersatzteilen verzögerten den Abschluss der Arbeiten maßgeblich.
Laut einem Bericht aus dem Juli 2020 rechnete man erst "Mitte bis Ende August" mit der Wiedereröffnung (Quelle 6). Der Grund hier waren Engpässe bei der Beschaffung von Ersatzteilen. Dies ist ein häufiges Problem in der Bauwirtschaft, insbesondere wenn spezifische Komponenten für veraltete Technik oder im Zuge von Lieferkettenproblemen beschafft werden müssen.
Die Gesamtkosten
Die ursprünglich veranschlagten drei Millionen Euro stiegen im Laufe des Projekts deutlich. Nach Abschluss der Sanierung beliefen sich die Gesamtkosten auf 3,5 Millionen Euro (Quelle 5). Diese Kostensteigerung von 500.000 Euro über die ursprüngliche Planung hinaus ist ein typisches Phänomen bei Bauprojekten dieser Größenordnung, oft begründet in unvorhergesehenen technischen Notwendigkeiten oder Nachtragsforderungen.
Die Wiedereröffnung nach insgesamt 17 Monaten Sanierungsdauer erfolgte schließlich im August 2020. Der Bürgermeister David Faulhaber öffnete die Türen persönlich (Quelle 5).
Die Sauna als zusätzlicher Kostenfaktor
Ein besonderer Vorfall während der Sanierung betraf den geplanten Anbau einer Sauna. Dieser Punkt sorgte für Diskussionen im Gemeinderat. Die Kosten für den Saunabau waren in der ursprünglichen Drei-Millionen-Sanierung nicht vorgesehen. Es ging hier um zusätzliche Kosten in Höhe von 700.000 Euro (Quelle 7).
Die Diskussion darüber, ob diese Kosten in dieser Höhe notwendig seien oder ob man die Sauna "in einer Wellness-Oase" integrieren solle, trieb einigen Gemeinderäten "die Schweißperlen auf die Stirn". Hier zeigte sich der Konflikt zwischen dem Wunsch nach einem hochwertigen Wellness-Angebot und der strengen kommunalen Haushaltsdisziplin.
Die neue Ausstattung nach der Sanierung
Nach Abschluss der Arbeiten präsentiert sich das Hallenbad in Dossenheim modernisiert. Laut der offiziellen Webseite (Stand nach der Sanierung) verfügt das Bad über folgende Ausstattung:
- Ein großes Schwimmbecken mit einer Wassertemperatur von 28 Grad Celsius, unterteilt in Schwimmer- und Nichtschwimmerbereich.
- Ein großer Sprungturm.
- Ein Babybecken mit 32 Grad Celsius für kleinste Kinder (Quelle 4).
Diese Ausstattung entspricht den modernen Anforderungen an ein öffentliches Hallenbad und bietet Familien sowie Sportlern geeignete Bedingungen.
Einordnung in den kommunalen Klimaschutz
Die Sanierung des Hallenbads ist kein isoliertes Ereignis, sondern Teil einer umfassenden Strategie zur energetischen Sanierung kommunaler Gebäude in Dossenheim. Die Gemeinde hat sich verpflichtet, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und die Energieeffizienz zu steigern.
In den Jahren 2019 bis 2024 wurden diverse Maßnahmen geplant und umgesetzt. Dazu gehören: - Die Sanierung der Heizung des Bauhofs (Einbau einer Luft-Wasser-Wärmepumpe). - Die Installation von Photovoltaikanlagen auf der Schauenburghalle und der Mühlbachhalle. - Die Planung einer PV-Überdachung auf Teilen des Parkplatzes der Feuerwehr (Quelle 9).
Auch wenn die Sanierung des Hallenbads selbst vor allem die Haustechnik und die Nassbereiche betraf, so ist sie doch eingebunden in eine langfristige Strategie zur Ressourcenschonung. Die Erneuerung des BHKWs und des Leitungsnetzes, die für die Energieversorgung des Hallenbads und der Sauna zuständig sind, ist hierfür ein Beleg (Quelle 9).
Analyse der Bautechnik und Materialien
Ein genauerer Blick auf die in Quelle 1 beschriebenen Arbeiten offenbart wichtige bautechnische Details, die für Fachleute von Interesse sind:
Abdichtung (Schutzschichten)
Die Erwähnung der "Abdichtungstechnik" vor dem Verlegen von Fliesen ist entscheidend. In Nassbereichen müssen die Boden- und Wandflächen gemäß den anerkannten Regeln der Technik (z. B. DIN 18534) abgedichtet werden. Die Aussage, dass die Duschräume "vor der Fliesenverlegung nochmal gründlich abgedichtet" wurden, deutet auf eine sorgfältige handwerkliche Ausführung hin. Dies verhindert das Eindringen von Wasser in das Mauerwerk und die darunterliegenden Stockwerke, was zu Schimmelbildung und Bauschäden führen kann.
Fliesenlegerarbeiten
Die Verlegung neuer Wand- und Bodenfliesen in Umkleide- und Sanitärräumen dient nicht nur der Ästhetik, sondern auch der Hygiene und der Erhöhung der Lebensdauer der Bausubstanz. Fliesen sind in diesen Bereichen das Standardmaterial aufgrund ihrer Wasserresistenz und Reinigungsfähigkeit. Die Arbeiten im Foyer und Bistro zeigen, dass auch die trockenen Bereiche des Bades optisch aufgewertet wurden.
Reparaturen an Schwimmhalle und Becken
Reparaturen an der Schwimmhalle und dem Becken sind komplexe Angelegenheiten. Hierbei geht es oft um die Instandsetzung von Betonrissen, die Erneuerung der Beckenabdichtung (Schwimmbeckenfolie oder Betondichtungsschlemmung) und die Prüfung der Stahlbetonkonstruktion auf Korrosion. Da das Bad aus den 70er Jahren stammt, ist davon auszugehen, dass hier Instandsetzungsarbeiten an der Tragstruktur notwendig waren.
Herausforderungen in der Projektsteuerung
Die Sanierung des Dossenheimer Hallenbads verdeutlicht die typischen Herausforderungen bei der Projektsteuerung im öffentlichen Bauwesen:
- Kostensteigerung: Der Anstieg von 1 Mio. € (Planung 2019) über 3 Mio. € (Genehmigung) auf 3,5 Mio. € (Endabrechnung) zeigt die Notwendigkeit von Pufferposten im Haushalt.
- Terminverzug: Die Verzögerung durch fehlende Ersatzteile (Quelle 6) ist ein Risiko, das bei der Terminplanung oft unterschätzt wird. In Zeiten globaler Lieferengpässe gewinnt diese Thematik an Bedeutung.
- Politische Diskussionen: Der Konflikt um die Sauna (Quelle 7) zeigt, dass technische Notwendigkeiten und politische Mehrheiten nicht immer parallel laufen. Die Entscheidung für oder gegen eine Erweiterung (wie eine Rutsche oder eine Sauna) beeinflusst den Umfang und die Kosten der Sanierung erheblich.
Fazit
Die Sanierung des Hallenbads in Dossenheim ist ein Paradebeispiel für die Modernisierung einer kommunalen Infrastruktur, die aus den 1970er Jahren stammt. Der Prozess umfasste eine grundlegende Erneuerung der technischen Anlagen, insbesondere der Nassbereiche durch umfangreiche Abdichtungs- und Fliesenarbeiten, sowie die Instandsetzung der Schwimmhalle.
Mit einem Endkostenvolumen von 3,5 Millionen Euro und einer Laufzeit von 17 Monaten übertraf das Projekt die ursprünglichen Schätzungen in Bezug auf Finanzen und Dauer. Verzögerungen durch Ersatzteilmangel und politische Diskussionen über den Umfang des Baus (Sauna) prägten den Ablauf. Dennoch konnte das Bad 2020 mit moderner Ausstattung, inklusive beheiztem Babybecken und Sprungturm, wiedereröffnet werden. Die Maßnahmen sind zudem in die übergeordnete kommunale Klimaschutzstrategie eingebunden, die auf energetische Sanierungen und den Ausbau erneuerbarer Energien setzt. Für Bauherren und Immobilienbesitzer bietet der Fall Beispiele für die typische Kostenentwicklung und die technischen Anforderungen bei der Sanierung von Feuchträumen und Großgebäuden.
Quellen
- Heinrich Schmid Referenzen Hallenbad Dossenheim
- RNZ: Mehrere Jahre Verspätung - Sanierung des Dossenheimer Hallenbads beginnt
- RNZ: Region Heidelberg Dossenheim Hallenbad Sanierung soll im Herbst beginnen
- Gemeinde Dossenheim: Unser Hallenbad
- RNZ: Dossenheim 35 Millionen Euro hat die Hallenbad-Sanierung gekostet
- RNZ: Dossenheim Sanierung des Hallenbads verzögert sich
- RNZ: Region Heidelberg Hallenbadsanierung Dossenheim Die Sauna bringt die Räte ins Schwitzen
- RNZ: Region Heidelberg Sanierung des Dossenheimer Hallenbades Spaßbad mit Rutsche oder Wellness-Oase
- Gemeinde Dossenheim: Maßnahmen & Vereinbarungen