Denkmalgeschütztes Hallenbad Feuerbach: Moderne Sanierung und Energieeffizienz im Einklang mit Baudenkmalen

Einleitung

Die Generalsanierung des Hallenbads Feuerbach in Stuttgart stellt ein herausragendes Beispiel für die denkmalgerechte Sanierung von Bauten der Nachkriegsmoderne dar. Das Schwimmbad, das zwischen 1959 und 1964 nach Plänen des Architekten Manfred Lehmbruck errichtet wurde, ist Teil eines architektonisch bedeutenden Ensembles, zu dem auch die benachbarte Louis-Leitz-Schule gehört. Seit dem Jahr 2000 steht der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz. Die Sanierung, die im September 2019 abgeschlossen und wiedereröffnet wurde, zielte darauf ab, die historische Substanz zu sichern und gleichzeitig moderne Anforderungen an Energieeffizienz, Barrierefreiheit und Nutzerfreundlichkeit zu erfüllen. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen und planerischen Aspekte dieses Projekts, das den Spagat zwischen Denkmalschutz und moderner Gebäudetechnik meisterte.

Historische und architektonische Bedeutung

Das Hallenbad Feuerbach ist ein architektonisches Kleinod, dessen besondere Gestaltung durch das sphärisch geschwungene Dach der Schwimmhalle geprägt wird. Charakteristisch ist die vorgespannte Stahlbetonhängeschale mit Stahlbetonrandträgern auf Stahlstützen. Das Gebäude wurde als gestalterische Einheit mit der Schule konzipiert, wobei Lehmbruck großen Wert darauf legte, über die reine Zweckerfüllung hinaus einen "baulichen Ausdruck für den sportlichen Geist" zu finden.

Ein wesentliches gestalterisches Element sind die an drei Seiten verglasten Schwimmhallenwände. Die dort verbauten Kunstglasscheiben mit dem Titel "O Du mein Neckar" stammen vom Künstler HAP Grieshaber. Diese Glasmalereien sind Unikate und ebenfalls denkmalgeschützt. Ihre Erhaltung und Restaurierung war ein zentraler Pfeiler der Sanierungsmaßnahmen.

Herausforderungen der Sanierung im Denkmalschutz

Die Sanierung eines unter Denkmalschutz stehenden Gebäudes dieser Größenordnung stellt Bauherren und Handwerker vor besondere Herausforderungen. Ziel war es, den Erhalt der historischen Bausubstanz mit aktuellen gesetzlichen Normen und Nutzeransprüchen in Einklang zu bringen. Die planerische Aufgabe umfasste dabei die Sicherung und Instandsetzung des Gebäudebestands sowie die Erneuerung sämtlicher Haustechnik.

Ein zentrales Anliegen war die enge Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege und dem Internationalen Zentrum für Kulturgüterschutz und Konservierungsforschung (IZKK). Diese Zusammenarbeit war entscheidend, um die Balance zwischen energetischen, bauphysikalischen und konstruktiven Aspekten der Sanierung und dem Erhalt der architektonischen Haltung Lehmbrucks zu wahren.

Restaurierung der Kunstglasscheiben

Besonders aufwendig gestaltete sich die Restaurierung der Glasmalereien von HAP Grieshaber. Die über 200 Kilogramm schweren Scheiben mussten mit größter Sorgfalt behandelt werden. Der Einbau dieser Sonderkonstruktion erfolgte per Hand und erforderte ein hohes Maß an Genauigkeit, Geduld und Können. Diese Arbeiten führten zu einer Verzögerung des ursprünglich für den 29. April 2019 geplanten Wiedereröffnungstermins. Die Scheiben wurden in Abstimmung mit der Denkmalpflege restauriert und in die neue Fassadenkonstruktion integriert.

Technische und bauliche Verbesserungen

Die Generalsanierung umfasste umfassende technische und bauliche Verbesserungen. Im Vordergrund standen die Sicherung des aus den 1960er Jahren stammenden Gebäudebestands und die Anpassung an aktuelle Normen.

Statik und Baukonstruktion

Ein spezieller Fokus lag auf der konstruktiv aufwendigen Spannbetondachkonstruktion. Die sphärisch geschwungene Form mit der vorgespannten Stahlbetonhängeschale erforderte sorgfältige Sanierungsarbeiten. Ziel war es, die Tragfähigkeit zu erhalten und die Bausubstanz zu sichern.

Barrierefreiheit und Sicherheit

Um das Hallenbad für alle Nutzergruppen zugänglich zu machen, wurden umfangreiche Maßnahmen zur Barrierefreiheit umgesetzt: * Einbau eines Aufzuges und eines Treppenliftes. * Schaffung behindertengerechter Sanitärräume und Umkleiden. * Anpassung der Flucht- und Rettungswege (Ausweisung eines zweiten Fluchtwegs). * Einbau einer flächendeckenden Brandmeldeanlage im Umkleide- und Technikbereich.

Erneuerung der Nassbereiche und Funktionsräume

Die Nutzungsanforderungen an ein Hallenbad haben sich über die Jahrzehnte verändert. Um diese zu erfüllen, wurden folgende Maßnahmen durchgeführt: * Erneuerung der Fliesenbeläge und Abdichtungen in den Nassräumen und der Schwimmhalle. * Renovierung und Umstrukturierung bestehender Umkleiden und Sanitäranlagen. * Erneuerung der technischen Installationen. * Rückbau eines Teils der nicht mehr betriebenen Wannen- und Duschbäder zur Schaffung eines Gymnastikraums im Erdgeschoss (wobei ein Teil der Wannen- und Duschbäder aus Denkmalschutzgründen erhalten blieb). * Erneuerung der Fliesen und Einbau zusätzlicher Abdichtungen im Mehrzweck- und Lehrschwimmbecken.

Energieeffizienz und Nachhaltigkeit

Ein wesentlicher Aspekt der Sanierung war die Reduzierung des Energieverbrauchs. Durch die Modernisierung der technischen Anlagen, die Verbesserung der Gebäudehülle und die Optimierung der Gebäudetechnik konnte der Energieverbrauch des Hallenbads deutlich gesenkt werden. Ziel war es, die Energiekosten zu reduzieren und das Bad wirtschaftlicher zu betreiben, was auch die städtischen Finanzen entlastet. Diese Maßnahmen tragen zur Nachhaltigkeit im kommunalen Bauwesen bei.

Kosten und Finanzierung

Die Sanierungskosten beliefen sich auf rund 15,2 Millionen Euro. Der Großteil der Kosten wurde von der Stadt Stuttgart getragen. Bund und Land gewährten im Rahmen des Denkmalschutzes Zuschüsse in Höhe von 796.000 Euro.

Neues Nutzungskonzept und Betrieb

Mit der Wiedereröffnung im September 2019 wurde nicht nur das Gebäude, sondern auch das Nutzungskonzept überarbeitet. Durch eine betriebliche Umorganisation im Bereich der Grundreinigung konnten zusätzliche Zeiten für den Schulschwimmbetrieb gewonnen werden.

Nutzungszeiten für die Öffentlichkeit

Vor der Sanierung war das Bad nur an zwei Tagen für die Öffentlichkeit nutzbar. Nach der Modernisierung stehen drei Öffnungstage pro Woche zur Verfügung: * Dienstags: 14:00 Uhr bis 19:00 Uhr * Freitags: 06:30 Uhr bis 22:00 Uhr (besonders hervorzuheben: Angebot für Frühschwimmer ab 06:30 Uhr) * Sonntags: 08:00 Uhr bis 13:00 Uhr

Diese Erweiterung entspricht dem Wunsch des Bezirksbeirats und der Bürgerschaft nach mehr Wasserzeiten. Zudem wurde das Bad an Schultagen mittwochs von 08:00 Uhr bis 13:00 Uhr für Schulklassen reserviert. Kinder bis einschließlich 9 Jahren haben nur Zutritt mit einer volljährigen Begleitperson.

Fazit

Die Generalsanierung des Hallenbads Feuerbach ist ein gelungenes Beispiel für den Umgang mit denkmalgeschütztem Bestand im kommunalen Bauwesen. Es gelang, die einzigartige architektonische Qualität des Gebäudes von Manfred Lehmbruck zu erhalten und gleichzeitig moderne Anforderungen an Nutzerfreundlichkeit, Energieeffizienz und Barrierefreiheit zu erfüllen. Die enge Zusammenarbeit mit Denkmalbehörden und spezialisierten Fachfirmen war dabei entscheidend. Besonders hervorzuheben ist die sorgfältige Restaurierung der Kunstglasscheiben von HAP Grieshaber. Die Erweiterung der Öffnungszeiten macht das Bad für ein breites Publikum zugänglich und erhöht seine soziale Funktion im Stadtteil. Die Möglichkeit, in einem Denkmal zu schwimmen, ist in dieser Form einzigartig.

Quellen

  1. Stuttgart-Feuerbach Hallenbad Feuerbach Generalsanierung
  2. Baulicher Ausdruck für sportlichen Geist Sanierung des Hallenbades Stuttgart-Feuerbach
  3. Die Sanierung des Hallenbads Feuerbach Denkmalschutz trifft moderne Schwimmkultur
  4. Bürgerhaushalt Stuttgart Vorschlag 2825

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