Einleitung
Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) stellt im klinischen Umfeld eine erhebliche Herausforderung dar, insbesondere im Kontext der Schwangerschaft und Geburt. Die vorliegenden Informationen basieren auf Daten des Robert Koch-Instituts (RKI), der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) sowie medizinischen Fachportalen. Der Fokus liegt auf der Risikoeinschätzung für Mutter und Kind, der Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen und den Schutzprotokollen, um eine Übertragung zu verhindern.
Während einer Schwangerschaft ist das Hauptaugenmerk auf die Vermeidung einer Besiedlung des Neugeborenen und von Wundinfektionen während der Entbindung gelegt. Die Datenlage zeigt, dass eine MRSA-Besiedlung der Mutter per se keine Gefahr für die Entwicklung des ungeborenen Kindes darstellt, da die Bakterien die Plazentaschranke nicht passieren. Dennoch sind spezifische hygienische Maßnahmen und gegebenenfalls therapeutische Interventionen vor der Entbindung erforderlich, um das Infektionsrisiko zu minimieren.
MRSA-Besiedlung und Schwangerschaftsverlauf
Risiko für Mutter und Kind
Die Besiedlung (Kolonisation) mit MRSA bei gesunden Schwangeren ist ein häufiges Phänomen. Quellen geben an, dass 20 bis 30 % der Schwangeren MRSA in der Nase, auf der Haut, im Darm oder in der Scheide tragen können, ohne dass dies eine Erkrankung darstellt. Für das ungeborene Kind besteht laut den vorliegenden Daten keine Gefahr, da die Erreger die Plazenta nicht passieren. Auch Fehlgeburten werden durch die Kolonisation nicht häufiger ausgelöst.
Dennoch gibt es Risiken bezüglich der Geburt selbst. Sollte sich der Erreger im Geburtskanal befinden, besteht die Gefahr, dass das Kind bei der Passage besiedelt wird. Zudem kann es zu Wundinfektionen bei der Mutter kommen, insbesondere bei einem Kaiserschnitt, wenn Staphylokokken über die Wunde in den Körper eindringen. Eine systemische Infektion oder schwere Lokalinfektionen sind gefürchtete Komplikationen.
Antibiotikatherapie während der Schwangerschaft
Tritt dennoch eine durch MRSA bedingte Infektion auf (z. B. Hautinfektion, Wundinfektion, Mastitis), ist eine Behandlung mit geeigneten Antibiotika zwingend erforderlich. Die Therapie muss unter strenger Berücksichtigung der Schwangerschaft erfolgen, da einige Antibiotika schädliche Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben können.
Ein Beispiel für ein Antibiotikum, das bei MRSA-Infektionen zum Einsatz kommt, aber in der Schwangerschaft kritisch zu betrachten ist, ist Linezolid. Es darf laut den Quellen nur bei unbedingter Notwendigkeit verabreicht werden. Ebenso wird Vancomycin als Glykopeptid-Antibiotikum in der Schwangerschaft als kontraindiziert beschrieben. Die Therapiemöglichkeiten sind aufgrund der Antibiotikaresistenz und der schwangerschaftsbedingten Kontraindikationen begrenzt. Die Auswahl der Medikamente obliegt dem behandelnden Arzt unter Abwägung von Nutzen und Risiko. Wirksame Antibiotika, die für Schwangere sicher sind, können die Infektion normalerweise rasch beseitigen.
Sanierung von MRSA vor der Entbindung
Indikation und Zeitpunkt
Eine Sanierung, also die Beseitigung der Bakterien von den Körperstellen, wird empfohlen, um das Risiko einer Übertragung auf das Kind oder eine Wundinfektion während der Geburt zu senken. Es empfiehlt sich, bei bekanntem MRSA-Trägerstatus der Schwangeren nach Eintritt des Mutterschutzes Abstriche aus dem Genitalbereich zu entnehmen.
Wird MRSA im Genitalbereich oder Nasen-Rachenraum nachgewiesen, ist eine Sanierung noch vor der Entbindung ratsam. Die Entscheidung, ob eine Sanierung durchgeführt wird, hängt vom individuellen Fall ab, aber bei Nachweis im Geburtskanal ist das Vorgehen dringend empfohlen.
Durchführung der Sanierung (Dekolonisierung)
Das Standardverfahren zur Sanierung einer nasalen MRSA-Besiedlung ist die Verwendung von Mupirocin-Nasensalbe. Diese wird in die Nasenschleimhaut eingebracht.
Zusätzlich müssen weitere Besiedlungsstellen adressiert werden: * Rachen: Einsatz von desinfizierenden Mundspülungen. * Haut: Ganzkörperwaschungen der intakten Haut unter Einschluss der Haare mit antiseptischen Seifen und Lösungen.
Die Dauer und exakte Anwendung richten sich nach den medizinischen Leitlinien, die von den Fachgesellschaften (AWMF) veröffentlicht werden. Nach Abschluss der Sanierungsmaßnahmen sollten frühestens 3 Tage später Kontrollabstriche (Nase, Rachen, Leiste, perineal) entnommen werden, um den Erfolg zu überprüfen.
Maßnahmen während der Geburt und postpartal
Entbindungsmodus
Der Nachweis einer MRSA-Kolonisation bei einer Schwangeren bildet ohne andere medizinische Gründe keine Indikation für einen Kaiserschnitt (Sectio). Eine vaginale Geburt ist in der Regel möglich und wird bevorzugt, da das Risiko für das Kind durch die Kolonisation per se nicht erhöht ist. Bei gesunden Säuglingen besteht kein erhöhtes Risiko für schwerwiegende Erkrankungen.
Während der Geburt tragen medizinisches Personal Handschuhe und Kittel als Standardhygienemaßnahmen. Besondere Schutzmaßnahmen sind im Regelfall nicht notwendig, es sei denn, es liegen offene Wunden oder andere Risikofaktoren vor.
Postpartale Isolation und Rooming-in
Nach der Geburt wird empfohlen, Mutter und Kind gemeinsam in einem Einzelzimmer unterzubringen (Rooming-in). Dies dient dem Schutz anderer Patienten vor einer möglichen Übertragung. Es handelt sich hierbei um eine isolierte Unterbringung, nicht um eine Trennung von Mutter und Kind. Eine Trennung ist aufgrund der MRSA-Besiedlung nicht gerechtfertigt. Die Mutter soll im Umgang mit dem Neugeborenen auf eine gute Basishygiene achten.
Stillen und Brustdrüsenentzündungen
Das Stillen wird grundsätzlich empfohlen und motiviert, auch bei MRSA-Besiedlung. Eine Übertragung von MRSA auf das Neugeborene über die Muttermilch ist möglich, wird aber in Kauf genommen, da das Kind ohnehin oft besiedelt wird und eine Erkrankung meist nicht zu befürchten ist. Zudem kann das Baby die Bakterien auch auf die Mutter zurückübertragen, was zu einer Mastitis puerperalis (Brustdrüsenentzündung) führen kann.
Um das Risiko einer Übertragung von der Haut/Brustwarze der Mutter auf das Neugeborene zu senken, werden folgende Hygienemaßnahmen vor und nach dem Stillen empfohlen: * Sorgfältige Händehygiene. * Desinfektion der Brustwarze mit 0,1% Octenidin-Lösung.
Das Aufbewahren von abgepumpter Muttermilch wird nicht empfohlen, da es durch die Lagerung zu einer Keimvermehrung kommen kann. Zudem können Antibiotika, die die Mutter einnimmt, in die Muttermilch übergehen und den Säugling beeinflussen.
Hygiene und Arbeitsschutz im Krankenhaus
Gefährdung für Schwangere im Beruf
Schwangere, die im Gesundheitswesen arbeiten (z. B. auf Intensivstationen), sind einer besonderen Gefährdung ausgesetzt. Das Mutterschutzgesetz verbietet es, Schwangere Tätigkeiten ausüben zu lassen, bei denen sie mit Biostoffen der Risikogruppe 2, 3 oder 4 in Kontakt kommen, wenn dies eine unverantwortbare Gefährdung darstellt.
Aufgrund der begrenzten Therapiemöglichkeiten bei manifesten MRSA-Infektionen (Kontraindikationen von Vancomycin etc.) wird empfohlen, dass Schwangere keine intensiv pflegerischen Tätigkeiten bei Patienten mit MRSA-Infektion oder -Besiedlung durchführen. Insbesondere Patienten mit prädisponierenden Faktoren (offene Wunden, liegende Katheter, Immunsuppression) sollten nicht von Schwangeren versorgt werden. Die Übertragung von MRSA erfolgt fast immer durch Kontakt, die Wahrscheinlichkeit steigt bei häufigem und intensivem Kontakt.
Schutzmaßnahmen für Angehörige und Besucher
Für gesunde Schwangere, die einen MRSA-Träger besuchen, besteht normalerweise kein erhöhtes Risiko. Dennoch sollte unnötiger Kontakt vermieden werden, besonders wenn die Schwangere ein geschwächtes Immunsystem oder offene Wunden hat. Als Vorsorgemaßnahme kann das Tragen einer Atemmaske und von Handschuhen sinnvoll sein, gefolgt von einer gründlichen Reinigung nach dem Aufenthalt.
Ausbruchsmanagement
Bei gehäuftem Nachweis von MRSA bei mehreren Patienten in einem räumlichen und zeitlichen Zusammenhang ist eine Genotypisierung zur Verifizierung der Klonalität (Identität der Stämme) anzustreben. Ausbrüche von MRSA-Infektionen stellen ein ernstes krankenhaushygienisches Problem dar und unterliegen der Meldepflicht. Es sind besondere Schutzmaßnahmen und Flächendesinfektionsmaßnahmen notwendig.
Fazit
Die Präsenz von MRSA in der Schwangerschaft erfordert ein strukturiertes hygienisches Vorgehen, ist aber beherrschbar. Das Risiko für das ungeborene Kind ist gering, solange die Plazentaschranke intakt ist. Das Hauptaugenmerk liegt auf der Verhinderung einer Übertragung während und nach der Geburt.
Schwangere mit bekanntem MRSA-Status sollten frühzeitig auf Besiedlungen im Genitalbereich untersucht und gegebenenfalls mittels Nasensalbe (Mupirocin) und antiseptischen Waschungen saniert werden. Die Entbindung erfolgt vaginal, sofern keine anderen Risiken vorliegen. Nach der Geburt ist die isolierte Unterbringung von Mutter und Kind (Rooming-in) der Standard, um andere Patienten zu schützen.
Stillen ist weiterhin möglich und erwünscht, erfordert aber eine strikte Händehygiene und Desinfektion der Brustwarzen. Für Schwangere im medizinischen Bereich gilt ein besonderes Arbeitsschutzrecht: Die intensive Pflege von MRSA-Patienten sollte vermieden werden, um die Gesundheit von Mutter und Kind nicht zu gefährden. Die Zusammenarbeit mit dem behandelnden Arzt und dem Krankenhaushygieniker ist entscheidend für die korrekte Umsetzung dieser Maßnahmen.