Sanierung des Zeughauses in Berlin: Herausforderungen bei der Restaurierung eines historischen Barockbaus

Einführung

Das Zeughaus in Berlin, ein über 300 Jahre alter Barockbau und das älteste Gebäude an der Straße Unter den Linden, befindet sich derzeit in einer umfassenden Sanierungsphase. Als bedeutendster erhaltener Barockbau Berlins und Sitz des Deutschen Historischen Museums (DHM) stellt die Denkmalpflege vor besondere Herausforderungen. Seit 2018 laufen die Arbeiten an der Fassade, doch massive Mängel im Innenbereich, insbesondere an der Klimaanlage und der IT-Infrastruktur, haben zu erheblichen Verzögerungen bei der Wiedereröffnung geführt. Ursprünglich war eine Rückkehr des Museumsbetriebs für Ende 2025 geplant, doch diese Frist wird nach aktuellen Erkenntnissen nicht eingehalten. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen Details und die Komplexität des Sanierungsvorhabens aus bautechnischer Sicht.

Die historische und bauliche Bedeutung des Zeughauses

Das Zeughaus ist ein architektonisches Juwel. Es wurde zwischen 1695 und 1729 errichtet und ist das älteste erhaltene Gebäude am Boulevard Unter den Linden. Vier namhafte Architekten prägten seine Entstehung: Johann Arnold Nering, Martin Grünberg, Andreas Schlüter und Jean de Bodt. Besonders bekannt sind die bildhauerischen Arbeiten, insbesondere die 22 als Masken gestalteten Schlusssteine im Innenhof, die Andreas Schlüter zugeschrieben werden.

Zwischen 1994 und 2004 wurde das Gebäude durch das Büro Brennecke Architekten restauriert und zu einem Museum umgebaut. Ziel war es, den ursprünglichen baulichen Charakter weitestgehend wiederherzustellen. Trotz dieser umfangreichen Restaurierung vor knapp zwei Jahrzehnten zeigten sich bereits wieder gravierende Mängel, die eine erneute, tiefgreifende Sanierung notwendig machten.

Aktueller Sanierungsstand und Projektverantwortung

Die aktuellen Sanierungsmaßnahmen werden seit 2018 durchgeführt. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) leitet die Baumaßnahmen im Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA), der Eigentümerin des Gebäudes. Das Projekt ist Teil des „Gesamtprojekts Funktionserhalt Deutsches Historisches Museum“.

Ein Großteil der Arbeiten an den denkmalgeschützten Innen- und Außenfassaden ist bereits abgeschlossen. Der restauratorische Ansatz legt dabei den Fokus auf den Erhalt der Bausubstanz. Es werden vorrangig Bauteile und Oberflächen gesichert, um ein einheitliches Fassadenbild wiederherzestellen. Die Planung erfolgt in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt und wird durch das Planungsbüro ProDenkmal betreut.

Technische Herausforderungen: Die Klimakatastrophe

Der entscheidende Grund für die Verzögerung der Wiedereröffnung liegt in der technischen Infrastruktur des Gebäudes. Im Zuge der vorbereitenden Arbeiten wurde festgestellt, dass die Kaltwasserleitungen der Klimaanlage erheblich korrodiert sind. Diese Korrosion ist ein gravierender Mangel, der den vollständigen Austausch der Leitungen erfordert.

Die Sanierung der Klimatechnik ist komplex: * Es müssen zwei im Fußboden verlaufende Ringleitungen freigelegt werden. * Steigleitungen in den Wänden müssen ausgetauscht werden. * Die Anschlüsse an die Klimageräte müssen erneuert werden.

Diese Arbeiten lassen sich aufgrund der entstehenden Schmutz- und Lärmbelastung nicht im laufenden Museumsbetrieb durchführen. Aus diesem Grund beschloss das Kuratorium des Deutschen Historischen Museums, das Zeughaus ab Ende Juni 2021 bis zum Abschluss der Arbeiten vollständig zu schließen.

Für die künftige Klimatisierung der Ausstellungsbereiche wurden bereits im Auftrag des BBR innovative Nischenklimageräte entwickelt. Diese werden in Einbaukästen in den Fensternischen positioniert.

Erweiterung des Sanierungsumfangs

Die Sanierung hat sich im Laufe der Zeit als deutlich aufwendiger erwiesen als ursprünglich angenommen. Neben der Erneuerung der Klimaanlage kamen weitere notwendige Maßnahmen hinzu: * Fensterüberwachungen * Erneuerung der Foyerbeleuchtung mit LED-Technik * Eine neue IT-Infrastruktur für die Ausstellungsräume

Eine Machbarkeitsstudie ergab, dass die bauliche Implementierung einer komplett neuen IT-Infrastruktur unerlässlich ist, um einen zeitgemäßen Museumsbetrieb zu gewährleisten. Aufgrund des großen Aufwands und Umfangs der Baumaßnahmen im Inneren des denkmalgeschützten Zeughauses wurde das Gebäude vollständig beräumt. Die rund 6.000 Objekte der bisherigen Dauerausstellung sind in angemieteten Depotflächen untergebracht.

Die Notwendigkeit einer neuen IT-Infrastruktur führt dazu, dass die Maßnahmen nicht mehr im Rahmen des „Funktionserhalts“ durchgeführt werden können. Vielmehr ist aufgrund der Komplexität und des Volumens ein eigenständiges Bauprojekt Grundlage für die Planung und Durchführung.

Auswirkungen auf den Museumsbetrieb

Während das Zeughaus geschlossen bleibt, steht der sogenannte Pei-Bau (der Erweiterungsbau des DHM) weiterhin für Wechselausstellungen und Veranstaltungen zur Verfügung. Die bisherige Überblicksausstellung „Deutsche Geschichte vom Mittelalter bis zum Mauerfall“ ist jedoch nicht zu sehen.

Parallel zur Sanierung arbeitet das Deutsche Historische Museum intensiv an einer neuen Dauerausstellung. Diese soll szenografisch völlig neu konzipiert werden und voraussichtlich rund 12,5 Millionen Euro kosten. Der Zeitplan für diese neue Ausstellung ist eng mit dem Baufortschritt verknüpft.

Fazit

Die Sanierung des Zeughauses in Berlin ist ein hochkomplexes Bauvorhaben, das die Grenzen der ursprünglichen Planung sprengte. Während die Fassadensanierung erfolgreich abgeschlossen werden konnte, offenbarten die vorbereitenden Arbeiten im Innenbereich gravierende Mängel an der Klima- und Elektrotechnik. Die Notwendigkeit, die korrodierten Kaltwasserleitungen vollständig auszutauschen und eine neue IT-Infrastruktur zu schaffen, hat zu einer erheblichen Verzögerung der Wiedereröffnung geführt. Ein konkreter Termin für die Wiedereröffnung ist derzeit nicht absehbar. Das Projekt verdeutlicht die Herausforderungen, die bei der Sanierung historischer Bauten entstehen können, wenn die technische Infrastruktur trotz vorheriger Renovierungen den modernen Anforderungen nicht mehr genügt.

Quellen

  1. Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung - Zeughaus
  2. Entwicklungsstadt - Sanierung Zeughaus
  3. Tagesspiegel - Verzögerung Eröffnung Zeughaus
  4. Visit Berlin - Zeughaus
  5. Deutsches Historisches Museum - Wiedereröffnung verzögert sich

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