Die Sanierung des Hamburger Heiligengeistfeldes stellt eines der bedeutendsten Infrastrukturprojekte der Stadt Hamburg dar. Seit Beginn der Arbeiten im Jahr 2012 widmet sich der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) im Auftrag der Finanzbehörde der umfassenden Erneuerung des 150.000 Quadratmeter großen Areals im Stadtteil St. Pauli. Das Ziel des Projekts ist die Schaffung einer modernen, multifunktionalen Veranstaltungsfläche, die den technischen Anforderungen großer Events gewachsen ist und gleichzeitig die städtische Infrastruktur nachhaltig verbessert.
Die Bedeutung des Geländes für Hamburg ist vielfältig: Es ist der traditionelle Standort des Hamburger Doms, beherbergt das Millerntor-Stadion des FC St. Pauli, die Rindermarkthalle und einen historischen Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Herausforderung der Sanierung liegt in der enormen Größe des Geländes, der komplexen Leitungsinfrastruktur sowie der Notwendigkeit, die Arbeiten in engen Zeitfenstern zwischen den großen Veranstaltungen durchzuführen.
Die Herausforderung der Kampfmittelsondierung
Eine der zentralen und aufwändigsten Aufgaben der Sanierung ist die Untersuchung des Geländes auf Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg. Da es sich um ein großflächiges Areal im urbanen Kontext handelt, das historisch stark belastet ist, ist eine gründliche Sondierung unerlässlich für die Sicherheit.
Laut den vorliegenden Informationen musste auf fast der gesamten Fläche mit Kampfmittelfunden gerechnet werden. Der Prozess gestaltet sich äußerst sorgfältig: Die Erde wird vorsichtig und in Lagen herausgetragen, um eine maximale Sicherheit zu gewährleisten. Bis zum Jahr 2019 waren bereits 40.000 Quadratmeter des insgesamt 150.000 Quadratmeter großen Areals auf Kampfmittel untersucht worden. In diesem Zeitraum wurden keine Bomben entdeckt. Die Sondierungsarbeiten, die von spezialisierten Firmen durchgeführt werden, schritten im Zeitplan voran. Laut einem Bericht aus dem Jahr 2019 waren zu diesem Zeitpunkt bereits 70 Prozent der Flächen sondiert und als kampfmittelfrei gemeldet. Andere Quellen geben an, dass die Kampfmitteluntersuchungen zu 85 Prozent abgeschlossen waren. Diese Zahlen belegen den erheblichen logistischen Aufwand, der mit der Sicherung des Baugrundes verbunden ist.
Infrastrukturmodernisierung: Verlegung von Leitungen und Kabeln
Die Erneuerung der unterirdischen Infrastruktur ist ein Kernbestandteil der Sanierung. Die bestehenden Leitungen waren oft veraltet oder wiesen eine massive Dichte auf, was die Bauarbeiten erschwerte. Ziel war es, eine moderne technische Ausstattung zu schaffen, die den Anforderungen von Großveranstaltungen gerecht wird.
Die Dimensionen der Arbeiten sind beeindruckend. Laut offiziellen Angaben wurden insgesamt 60 Kilometer Elektrokabel und Leerrohre verlegt. Für diese Kabeltrassen mussten 16 Kilometer Rohrgräben mit einer Tiefe von bis zu drei Metern ausgehoben werden. Zudem wurden 73 unterirdische Elektroschächte eingebaut und 21 oberirdische Mittelspannungsstationen aufgebaut. Diese Maßnahmen gewährleisten eine stabile Stromversorgung, die für den Betrieb von Fahrgeschäften, Bühnentechnik und Beleuchtung unverzichtbar ist.
Neben der Stromversorgung wurde auch das Trinkwassernetz sukzessive modernisiert. Eine ebenso wichtige Komponente ist die Entwässerung. Um die Fläche auch bei Starkregen nutzbar zu halten und Staubildung zu vermeiden, wurden 10 Kilometer neue Entwässerungsleitungen verlegt. Die Oberflächen sind so gestaltet, dass Regenwasser über Gefälle in Rinnen abgeleitet wird. Insgesamt wurden laut Finanzbehörde 375.000 Kubikmeter Erde bewegt, was 675.000 Tonnen entspricht, um diese umfangreichen Leitungsnetze zu verlegen und die Bodenbeschaffenheit zu optimieren.
Oberflächenmodernisierung und Barrierefreiheit
Die Gestaltung der Oberfläche wurde ebenfalls vollständig erneuert, um die Funktionalität und Ästhetik des Geländes zu verbessern. Ein besonderer Fokus liegt hierbei auf der Barrierefreiheit und der sicheren Leitung von Besuchern und Fahrzeugen.
Seit dem Frühjahr 2019 werden die Oberflächen in Teilabschnitten mit einem neuen Pflasterbelag versehen. Insgesamt wurden 125.000 Quadratmeter neue Pflasterfläche mit Betonpflaster verlegt. Die Wahl der Materialien und Farben ist funktional begründet: Hellgraue Steine dienen als Freiflächen, anthrazitfarbene Steine markieren die Wege, und rote Steine kennzeichnen Feuerwehr- und Rettungswege. Diese klare visuelle Orientierung ist für die Sicherheit auf dem weitläufigen Areal essenziell.
Besondere Aufmerksamkeit wurde den Zugängen zu den U-Bahn-Stationen St. Pauli und Feldstraße gewidmet. Diese wurden farblich hervorgehoben und barrierefrei gestaltet, um einen reibungslosen Besucherstrom zu gewährleisten. Auch die Umlaufwege und Asphaltflächen wurden erneuert. Insgesamt wurden etwa 8.000 Quadratmeter Asphalt der Umlaufwege gegossen. Diese Maßnahmen verbessern nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Wertigkeit des Geländes für die Schausteller und die jährlich etwa eine Million Besucher.
Logistik und Zeitmanagement: Die "Turbo-Baustelle"
Eine der größten Herausforderungen des Projekts ist die strikte Zeitvorgabe. Da das Heiligengeistfeld während des Hamburger Doms und anderer Veranstaltungen genutzt wird, stehen für die Sanierung nur kurze Zeitfenster zur Verfügung. Insgesamt stehen jeweils nur 14 Wochen pro Jahr während der Veranstaltungspausen für die Sanierung zur Verfügung.
Dies erfordert eine extrem präzise Planung und eine hohe Dichte an Arbeitskräften und Maschinen. Die Baustelle wird als "Turbo-Baustelle" beschrieben, auf der in kurzer Zeit sehr viel Erledigt werden muss. Um die Termine einzuhalten, arbeiten bis zu vier Firmen parallel mit 50 bis 60 Arbeitern und bis zu 25 Baumaschinen auf den verschiedenen Baufeldern. In Stoßzeiten sind bis zu 50 LKW, bis zu 7 Großbagger, bis zu 8 Radlader und 6 LKW gleichzeitig im Einsatz.
Ein Beispiel für diese Zeitplanung ist der sechste Bauabschnitt, der im Jahr 2019 rechtzeitig vor dem Sommerdom beendet wurde. Während des Dom-Betriebs ruhen die Bauarbeiten, um die Veranstaltung nicht zu stören. Direkt nach dem Ende des Doms am 3. September werden die Arbeiten wieder aufgenommen. Diese enge Abstimmung zwischen Nutzungsphasen und Bauphasen ist der Schlüssel zum Erfolg des Projekts. Die Herausforderung liegt darin, in diesen kurzen Intervallen Arbeiten abzuschließen, die sonst Monate in Anspruch nehmen würden.
Finanzielle Aspekte und Kostenkontrolle
Die Sanierung des Heiligengeistfeldes ist mit erheblichen finanziellen Mitteln verbunden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 60 Millionen Euro. Diese Summe deckt die reinen Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen ab, aber auch zusätzliche Mittel für das Sicherheitskonzept, die Gefahrenabwehr und die Randbegrünung.
Die Kostenentwicklung wurde trotz schwieriger Rahmenbedingungen stabil gehalten. Laut Finanzsenator Andreas Dressel blieb das Projekt innerhalb des Kostenrahmens und des Zeitplans, auch angesichts von Herausforderungen wie der Corona-Pandemie, Lieferengpässen und gestiegenen Materialkosten. Dies ist ein Zeichen für eine effiziente Projektsteuerung durch den LIG und die beteiligten Firmen. Die Investition von 60 Millionen Euro in die Infrastruktur zeigt das Engagement der Stadt Hamburg, eine langfristig nutzbare Veranstaltungsfläche von hoher technischer Qualität zu schaffen.
Sicherheitskonzept und Verkehrsführung
Neben der technischen Erneuerung spielte auch die Verbesserung der Sicherheit eine große Rolle. Für die geplante Sicherheitstechnik wurden circa 16,5 Kilometer Kabeltrassen und diverse Kabelschächte verlegt. Dies dient der Vernetzung von Sicherheitssystemen, die für den reibungslosen Ablauf von Großveranstaltungen notwendig sind.
Besondere Aufmerksamkeit gilt den Fahr- und Rettungswegen. Diese sind nicht nur farblich gekennzeichnet, sondern auch so dimensioniert, dass sie im Notfall von Rettungsfahrzeugen genutzt werden können. Die Verkehrswege und Flächenbefestigungen wurden modernisiert, um den Belastungen durch schwere Fahrzeuge, wie sie bei Auf- und Abbau von Fahrgeschäften anfallen, standzuhalten. Die provisorische Asphaltdecke, die für den Dom aufgetragen wird, soll später durch das endgültige Pflaster ersetzt werden, um eine dauerhafte Tragfähigkeit zu gewährleisten.
Die Rolle des Landesbetriebs Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG)
Der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) ist als Eigentümer und Projektsteuerer die treibende Kraft hinter der Sanierung. Die Herausforderung für den LIG bestand in der Koordination der komplexen Baumaßnahme unter extrem beengten Bedingungen. Der LIG musst sicherstellen, dass die verschiedenen Gewerke – von der Kampfmittelsondierung über die Verlegung von Elektrokabeln bis hin zur Pflasterung – reibungslos aufeinander abgestimmt werden.
Die Geschäftsführung des LIG betonte die Komplexität der Aufgabe, insbesondere durch die massive Leitungsdichte und die unbekannten Leitungen. Die Sanierung ist ein Paradebeispiel für die Bewältigung von Altlasten in einer dicht besiedelten Metropole. Der LIG steuert das Projekt von der Planung bis zur Ausführung und sorgt dafür, dass die vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmen eingehalten werden.
Ausblick und Bedeutung für die Stadtentwicklung
Mit dem Abschluss der Sanierung Mitte 2023 verfügt Hamburg über eine moderne und multifunktionale Veranstaltungsfläche. Das Heiligengeistfeld ist nun technisch funktionssicher und den stetig wachsenden Anforderungen an Veranstaltungstechnik gewachsen. Die Investitionen in die Infrastruktur sichern die Nutzung als zentralen Ort für Kultur, Sport und Vergnügungen für die nächsten Jahrzehnte.
Die Sanierung geht über eine reine Instandsetzung hinaus. Sie ist ein Teil der städtischen Entwicklung, die eine multifunktionale Nutzung des Geländes ermöglicht. Obwohl die Quellenlage keine detaillierten Angaben zu zukünftigen Nutzungen jenseits des Doms und des Millerntor-Stadions enthält, ist die technische Ausstattung so ausgelegt, dass eine flexible Nutzung möglich ist. Die hohe Wertigkeit der neuen Gestaltung vermittelt einen guten Eindruck auf die künftige Gesamtgestaltung des Areals.
Fazit
Die Sanierung des Heiligengeistfeldes ist ein Mammutprojekt, das seit 2012 die Ressourcen der Stadt Hamburg und ihrer Partner beansprucht. Mit einem Budget von 60 Millionen Euro, dem Einsatz modernster Bautechnik und einer extrem präzisen Zeitplanung wurde eine der größten Bomben-Buddel-Baustellen Hamburgs erfolgreich zur Modernisierung einer Schlüsselinfrastruktur genutzt.
Die Ergebnisse der Sanierung sind vielfältig: Eine neue, sichere Pflasterfläche, ein erneuertes Unterflur-Infrastrukturnetz aus Strom-, Wasser- und Abwasserleitungen, barrierefreie Zugänge und eine verbesserte Sicherheitstechnik. Die Herausforderungen, vor allem die Kampfmittelsondierung und die Arbeit in engen Zeitfenstern, wurden durch eine professionelle Steuerung bewältigt. Das Heiligengeistfeld ist damit zukunftssicher aufgestellt und bleibt ein zentraler Veranstaltungsort im Herzen Hamburgs.