Die Stadt Heiligenhafen befindet sich in einem tiefgreifenden strukturellen Wandel, der durch die Aufnahme in das Städtebauförderprogramm „Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ im Jahr 2017 eingeleitet wurde. Ziel dieses langfristigen Engagements ist die umfassende Aufwertung der Innenstadt sowie die kreative Neugestaltung des Hafens, um den Standort zukunftssicher zu machen. Der Wandel vom traditionellen Fischerhafen hin zu einem modernen Tourismusstandort erfordert strategische Planung und erhebliche Investitionen in die städtebauliche und technische Infrastruktur. Die Maßnahmen umfassen die Sanierung historischer Bereiche, die energetische Modernisierung der öffentlichen Beleuchtung und die Neugestaltung zentraler Grünflächen wie des Stadtparks.
Die Städtebauförderung als Katalysator für die Innenstadtentwicklung
Im Jahr 2017 erfolgte die offizielle Aufnahme Heiligenhafens in das Städtebauförderprogramm. Dieser Schritt bildet die finanzielle und planerische Grundlage für eine Vielzahl von Sanierungsprojekten. Nach ersten vorbereitenden Untersuchungen und der Erstellung eines Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts (IEK) beschloss die Stadtvertretung im Mai 2021 die formliche Festlegung des Sanierungsgebiets „Innenstadt“ durch den Rechtskraft der Sanierungssatzung.
Das primäre Ziel der Sanierung ist es, das gesamte Gebiet in den kommenden 15 Jahren umfassend aufzuwerten. Es soll eine lebendige, vielfältig genutzte Innenstadt entstehen, die sowohl für Einwohner als auch für Touristen attraktiv ist. Die Maßnahmen zielen darauf ab, die städtebaulichen und funktionalen Missstände zu beheben und die Qualität vor Ort nachhaltig zu stärken. Laut einem Bericht der Lokalpresse sind für die Umsetzung der Sanierungspläne bis zum Jahr 2036 Investitionen in Höhe von mindestens 30 Millionen Euro geplant.
Ein zentraler Bestandteil der Planung ist die Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur. Das Konzept sieht vor, die Altstadt- und Hafenbereiche von belastenden Durchgangs- und Parksuchverkehren des motorisierten Individualverkehrs (MIV) zu befreien. Durch eine infrastrukturelle Neuordnung soll eine bessere fußläufige Vernetzung der verschiedenen Quartiere ermöglicht werden. Gleichzeitig wird an der barrierefreien Sanierung und Aufwertung der öffentlichen Räume gearbeitet, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen.
Das städtebauliche Rahmenkonzept und die Hafenentwicklung
Eine entscheidende planerische Grundlage für die Innenstadtentwicklung stellt der städtebauliche Rahmenplan dar, der in Arbeitsgemeinschaft mit den Planungsbüros cappel + kranzhoff (federführend für den städtebaulichen Rahmenplan) und arbos Freiraumplanung GmbH (für das Material- und Gestaltungshandbuch) erstellt wurde. Dieser Plan, der zwischen 2022 und 2023 bearbeitet wurde, definiert die Gestaltungsgrundsätze für öffentliche Erschließungs- und Freiräume. Er stellt sicher, dass die funktionalen und gestalterischen Zusammenhänge der Innenstadt im Einklang mit der historischen Baukultur klar erkennbar bleiben. Der Fokus liegt dabei auf dem Potenzial der Hafenbereiche in direkter Nachbarschaft zur Altstadt, die als Chance zur Innenstadterweiterung genutzt werden soll.
Der Strukturwandel des Fischereihafens
Der Wandel des Hafens ist eine Reaktion auf massive Veränderungen in der Fischereiindustrie. Die Berufs- und Nebenerwerbsfischerei geht aufgrund starker EU-Restriktionen beständig zurück, was zu einem Mangel an Perspektiven und Nachwuchs führt. Auch die in Heiligenhafen beheimateten Hochseeangelbetriebe sehen sich zunehmenden Schwierigkeiten bei der Genehmigung ihrer Fahrzeuge ausgesetzt.
Um diesen Strukturwandel zu bewältigen, wurde ein touristisches und städtebauliches Entwicklungskonzept für den Fischereihafen erarbeitet. Dieses Projekt entstand in Zusammenarbeit der SWUP GmbH Landschaftsarchitektur Stadtplanung und Mediation mit der inspektour GmbH Tourismus- und Regionalentwicklung unter Beteiligung der Bürger. Das Ziel ist es, den gewerblich genutzten Teil des Kommunalhafens neu zu definieren und dauerhaft zu erhalten, indem er sowohl gewerblich als auch touristisch genutzt wird. Das Konzept sieht die Schaffung von Quartieren, Gastronomie und Einzelhandel an der Hafenkante vor.
Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem lokalen Landhandel LEV, der erheblichen Erneuerungs- bzw. Entwicklungsbedarf angekündigt hatte, um den Standort langfristig zu sichern. Das städtebauliche Entwicklungskonzept mündet in einen Masterplan für die Handlungsoptionen am Hafen. Dieser Masterplan dient als Grundlage für die Änderung des Flächennutzungsplanes und die Aufstellung eines verbindlichen Bebauungsplanes, um die rechtlichen Voraussetzungen für die Neugestaltung zu schaffen.
Konkrete Umgestaltungsmaßnahmen: Der Stadtpark
Ein konkretes Projekt innerhalb der Städtebauförderung ist die Umgestaltung des Heiligenhafener Stadtparks. Der Landschaftsarchitekt Johann Laudan von der Firma Landschaftsarchitekten tBL präsentierte Pläne im Stadtentwicklungsausschuss, die eine Investition von einer Million Euro vorsehen. Der Park wird als „wichtiger Trittstein zwischen Nord und Süd“ beschrieben, weist aber derzeit gravierende Mängel auf. Es fehlen klare Eingangsbereiche und Abtrennungen, und zu viele dunkle und schwer einsehbare Ecken beeinträchtigen das Sicherheitsgefühl am Abend.
Diese Kritikpunkte wurden auch im Bürgerbeteiligungsprozess, an dem rund 80 Heiligenhafener teilnahmen, deutlich. Ziel der Neugestaltung ist es, den Park attraktiver zu gestalten, um die Verweildauer zu verlängern. Besonders für Kinder soll das Angebot deutlich verbessert werden. Sollte die Stadtvertretung dem Projekt zustimmen, könnte mit den Arbeiten bereits Ende des Jahres begonnen werden.
Energieeffizienz: Sanierung der Straßenbeleuchtung
Parallel zu den städtebaulichen Maßnahmen investiert die Stadt Heiligenhafen in die technische Infrastruktur, insbesondere in die Energieeffizienz. Im August erhielt die Stadtverwaltung den positiven Zuwendungsbescheid des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit für den ersten Bauabschnitt der energetischen Sanierung der städtischen Straßenbeleuchtung.
Im Stadtgebiet stehen rund 3.000 Straßenlampen mit veralteter Technik, die einen unnötig hohen Energiebedarf verursachen. Im ersten Schritt werden die größten „Stromfresser“ modernisiert. Insgesamt 1.158 Straßenlampen sollen auf moderne LED-Technik umgerüstet werden. Diese Maßnahme ermöglicht eine Reduzierung der Stromkosten um bis zu 80 Prozent.
Die Investitionskosten für den ersten Bauabschnitt belaufen sich auf rund 1.160.000 Euro. Da Bundesmittel in Höhe von ca. 290.000 Euro zugesagt wurden, verbleibt ein Eigenanteil von circa 870.000 Euro für die Stadt. Trotz der hohen Anfangsinvestition amortisieren sich die Kosten bereits nach sieben Jahren durch das große Energiesparpotenzial. Dies unterstreicht die wirtschaftliche Nachhaltigkeit des Vorhabens.
Herausforderungen und Bürgerbeteiligung
Die Umsetzung der umfangreichen Sanierungspläne ist komplex und erfordert die Zustimmung verschiedener Gremien sowie die aktive Einbindung der Bevölkerung. Bei der Vorlage der Pläne für den Stadtpark im Stadtentwicklungsausschuss stimmten vier Ausschussmitglieder für das Projekt, während sich drei enthielten, da sie noch Diskussionsbedarf innerhalb ihrer Fraktionen sahen. Dies zeigt, dass auch bei grundsätzlich positiver Haltung Detailfragen und Prioritäten abgestimmt werden müssen.
Ein wiederkehrendes Thema in den Bürgerworkshops und Ausschusssitzungen ist das Parken. Die Bürger nutzen die Gelegenheit, sich aktiv einzubringen und ihre Bedenken zu äußern. Das Parkhaus am Jachthafen und die Verlegung von Straßen sind Beispiele für Maßnahmen, die in der Bevölkerung diskutiert werden. Die Planer versuchen, durch integrierte Konzepte einen Kompromiss zwischen den Bedürfnissen der Anwohner, der Gewerbetreibenden und der Touristen zu finden.
Fazit
Die Stadt Heiligenhafen befindet sich mit der Unterstützung der Städtebauförderung auf einem ambitionierten Weg, der die Innenstadt und den Hafen grundlegend erneuern soll. Durch strategische Investitionen in die Infrastruktur, die energetische Sanierung der Beleuchtung und die kreative Umgestaltung von Freiräumen wie dem Stadtpark werden die Weichen für eine lebenswerte Zukunft gestellt. Der Wandel des Fischerhafens zum Tourismus- und Erlebnisstandort ist dabei eine zentrale Säule, die wirtschaftliche Perspektiven für den Handel und das Gewerbe eröffnet. Die langfristige Planung bis 2036 und die Einbindung der Bürger zeigen das Engagement, Heiligenhafen als attraktiven Standort an der Ostsee zu etablieren.