Die Sanierung von Bestandsgebäuden stellt Bauherren und Planer vor spezifische Herausforderungen. Neben der energetischen Optimierung von Fenstern und Dämmung gewinnt die Luftqualität und ein gesundes Raumklima zunehmend an Bedeutung. Insbesondere in dicht gebauten Gebäuden nach modernen Energiesparverordnungen ist eine kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) unerlässlich, um Feuchtigkeitsschäden zu vermeiden und ein gesundes Raumklima zu gewährleisten. Der Hersteller Helios Ventilatoren bietet hierfür eine breite Palette an Lösungen, die von zentralen Anlagen bis hin zu dezentralen Geräten reichen. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Grundlagen, Systemkomponenten und Planungsaspekte von Helios KWL-Systemen im Kontext von Sanierungsprojekten.
Anforderungen an Lüftungssysteme im Bestandsbau
Bei der Sanierung älterer Gebäude ist die Nachrüstung einer Lüftungsanlage oft komplexer als im Neubau. Die Energie-Einsparverordnung (EnEV) 2009 verschärft die Mindestanforderungen an die Gebäude-Energieeffizienz, was zu immer dichteren Gebäudehüllen führt. Ohne eine geregelte Lüftung kann sich Feuchtigkeit im Inneren ansammeln, was zu Schimmelbildung und Bauschäden führt. Daher ist der Nachweis eines Lüftungskonzepts nach DIN 1946-6 in der Planung unumgänglich.
Helios bietet Systeme, die speziell für solche Anforderungen konzipiert sind. Das Programm umfasst KWL-Anlagen mit Förderleistungen von 60 bis 1800 m³/h, die sich für Einzelräume, Geschossbau oder das Einfamilienhaus eignen. Ein entscheidender Vorteil von Helios ist die Bereitstellung von Software wie "KWLeasyPlan", die eine DIN-konforme Auslegung kompletter KWL-Anlagen ermöglicht. Dies ist für Planer im Sanierungsbereich von hoher Relevanz, um die korrekte Dimensionierung sicherzustellen.
Zentrale und dezentrale Systemlösungen
Die Wahl zwischen einer zentralen oder dezentralen Lösung hängt von der Gebäudestruktur und den Sanierungszielen ab.
Zentrale Systeme
Zentrale Anlagen, wie die Geräte der AIR1-Serie, sind für größere Gebäudeteile oder ganze Wohnungen konzipiert. Sie zeichnen sich durch hohe Volumenströme und integrierte Wärmerückgewinnung aus. Beispielhaft sei hier das Helios AIR1 XH 7000 genannt, das sich laut Herstellerangaben ideal für eine breite Palette von nicht-residenziellen Anwendungen eignet, aber auch im Wohnbereich Einsatz findet. Diese Geräte verfügen über hocheffiziente Gegenstromwärmeübertrager aus Aluminium, die Wärmerückgewinnungsgrade von bis zu 90 % (nach EN 308) erreichen.
Ein zentrales Merkmal moderner Helios-Geräte sind direktangetriebene EC-Motoren der Klasse IE4. Diese Motoren sind dynamisch gewuchtet, schwingungsgedämpft und weisen niedrige SFP-Werte (Specific Fan Power) auf, was ihren Energieverbrauch minimiert. Für die Integration in bestehende Gebäudehüllen spielen Gehäuseklassen eine Rolle. Die Geräte erfüllen die Klassen T2/TB2/D1 gemäß DIN EN 1886, was eine hohe Stabilität und Dichtigkeit garantiert.
Dezentrale Systeme
Für die Sanierung von Einzelräumen oder Gebäude, in denen eine zentrale Kanalführung nicht möglich oder wirtschaftlich ist, bieten sich dezentrale Lösungen an. Diese werden direkt in die Außenwand integriert. Ein spezifisches Produkt für die Vorarbeit im Sanierungs- oder Neubaubereich ist das Helios KWL 45 RSF-L Rohbauset Fassade. Dieses Set dient der Vormontage und schafft die perfekten baulichen Voraussetzungen für eine spätere Installation des eigentlichen Lüftungsgerätes. Es umfasst Komponenten wie Dichtungen für den Wandabschluss, Bautenschutzdeckel und Fixierkeile zur präzisen Positionierung. Dies unterstreicht, dass Helios nicht nur die Geräte selbst, sondern auch die notwendigen Systemkomponenten für eine fachgerechte Installation bereitstellt.
Systemkomponenten und Zubehör zur Effizienzsteigerung
Eine Lüftungsanlage ist nur so effizient wie ihre Komponenten. Helios bietet modular erweiterbare Systeme, um die Leistung zu maximieren und den Komfort zu steigern.
Wärmerückgewinnung und Bypass
Das Kernstück der Systeme ist die Wärmerückgewinnung (WRG). Dabei wird die Wärme der Abluft genutzt, um die frische Zuluft vorzuwärmen. Helios verwendet hierfür verschiedene Wärmetauschertypen, darunter Enthalpie-, Rotations- und Kreuz-/Gegenstrom-Wärmetauscher. Enthalpietauscher haben den Vorteil, dass sie nicht nur Wärme, sondern auch Feuchtigkeit zurückgewinnen, was zu einer gesunden Raumluftfeuchte beiträgt.
Ein weiteres wichtiges Bauteil ist der Bypass. Er ermöglicht an heißen Tagen die sogenannte "Natur-Kühlung". Ist die Außenluft kühler als die Raumluft, wird die Zuluft direkt durch den Wärmetauscher geleitet, ohne ihn zu erwärmen. Dies verhindert das Aufheizen der Raumluft und reduziert den Bedarf an aktiver Kühlung.
Erdwärmetauscher
Um die Effizienz der Anlage ganzjährig zu maximieren, empfiehlt Helios den Einsatz von Erdwärmetauschern (Sole- und Lufterdwärmetauscher SEWT/LEWT). Diese garantieren, dass die Außenluft stets energetisch optimiert in das Lüftungsgerät strömt. Im Winter wird die Luft vorgewärmt, im Sommer vorgekühlt. Dies senkt die Heizkosten im Winter und reduziert den Kühlbedarf im Sommer erheblich.
Luftfilter und Hygiene
Die Luftqualität hängt maßgeblich von der Filterung ab. Helios-Geräte serienmäßig mit Außenluftfiltern der Klasse ePM1 55% (F7) und Abluftfiltern ePM10 50% (M5) aus. Für einen höheren Schutz, insbesondere bei Allergikern, sind optional Filter bis zur Klasse ePM1 80% (F9) verfügbar. Regelmäßiger Filterwechsel ist entscheidend für die Hygiene und die Erhaltung der Anlageneffizienz.
Feuchteregulierung
Ein gesundes Raumklima erfordert eine optimale Luftfeuchte. Trockene Heizungsluft im Winter kann zu gesundheitlichen Beschwerden führen, während zu hohe Feuchtigkeit Schimmel begünstigt. Die Helios HygroBox ist eine aktive Befeuchtungseinheit als Zubehör für KWL-Geräte. Sie sorgt automatisch für eine konstante Raumluftfeuchte. Laut Herstellerangaben vermeidet sie teure Schäden an Mobiliar und Holzböden und kann Allergiebeschwerden lindern, indem sie die Lebensdauer von Bakterien und Viren verkürzt.
Steuerung und Integration
Moderne Lüftungsanlagen müssen sich nahtlos in die Gebäudeautomation integrieren. Helios setzt hier auf das Steuerungskonzept "Helios easyControls". Die Geräte verfügen über Schnittstellen für BACnet TCP/IP, MS/TP sowie MODBUS TCP/IP (RTU). Dies ermöglicht eine zentrale Steuerung und Überwachung über das Gebäudeleitsystem (GLT). Für die Inbetriebnahme stehen zudem Inbetriebnahme-Assistenten zur Verfügung, die den Prozess für Handwerker vereinfachen.
Planung und Vorbereitung
Wie eingangs erwähnt, ist die Planung das A und O. Für die Sanierung ist es oft notwendig, Wanddurchbrüche für die Lüftungskanäle oder dezentrale Geräte vorzubereiten. Das oben genannte Rohbauset ist hierfür ein Beispiel. Es handelt sich um ein 3-teiliges Lieferset, das den Transport und die Einbringung erleichtert. Die exakte Abmessung der Kanalanschlüsse (z.B. 1055 x 410 mm beim AIR1 XH 7000) muss in der Bauplanung berücksichtigt werden. Auch das Gewicht der Geräte ist relevant – das AIR1 XH 7000 wiegt beispielsweise 1080 kg und erfordert eine entsprechende statische Sicherung.
Fazit
Die Sanierung von Bestandsgebäuden erfordert intelligente Lösungen, um Energieeffizienz und gesundes Raumklima zu vereinen. Helios Ventilatoren bietet hierfür ein umfassendes Ökosystem aus zentralen und dezentralen Lüftungsgeräten, Systemkomponenten und Planungstools. Der Fokus liegt auf hocheffizienter Wärmerückgewinnung (bis zu 90 %), langlebigen EC-Motoren und modularen Erweiterungsmöglichkeiten wie Erdwärmetauschern oder aktiven Befeuchtungssystemen. Für Planer und Handwerker ist die Verfügbarkeit von Rohbausets und die Software KWLeasyPlan entscheidend für eine reibungslose Installation und DIN-konforme Planung. Letztlich tragen diese Systeme dazu bei, die Anforderungen der EnEV zu erfüllen und langfristig Betriebskosten zu senken.