Sanierung des Heubergbads Wesel: Analyse von Teilsanierung, Kosten und Zukunftsperspektiven

Einleitung

Die Diskussion um den Zustand und die Zukunft des Heubergbads in Wesel ist ein prägnantes Beispiel für die Herausforderungen, vor denen viele kommunale Badeinfrastrukturen in Deutschland stehen. Das Bad, das 1965 als Stadtbad eröffnet und 1996 als Heubergbad wiedergeöffnet wurde, befindet sich aufgrund seines Alters in einem maroden Zustand. Die Bausubstanz, insbesondere das Technik- und Kellergeschoss aus den 1960er Jahren, weist erhebliche Schäden auf, die einen Weiterbetrieb nur noch begrenzt ermöglichen. Im Zentrum der Betrachtungen stehen zwei Hauptaspekte: die Notwendigkeit kurzfristiger Instandhaltungsmaßnahmen zur Überbrückung bis zum Bau eines neuen Kombibads und die langfristige Planung eines Neubaus. Dieser Artikel beleuchtet basierend auf den vorliegenden Informationen die Sanierungsmaßnahmen des Jahres 2018, die aufgetretenen technischen Probleme, die Kostenentwicklung sowie die Perspektiven für die Badeversorgung in Wesel.

Der marode Zustand der Bausubstanz

Das Heubergbad weist altersbedingte Schäden auf, die auf die historische Bausubstanz zurückzuführen sind. Besonders kritisch ist die Situation im Kellergeschoss, das noch aus der Erbauungszeit der 1960er Jahre stammt. Fachleute schätzten den Zustand derartig kritisch ein, dass eine grundlegende Sanierung angesichts der zu erwartenden Kosten von bis zu zehn Millionen Euro verworfen wurde. Stattdessen wurde ein Neubau als sinnvollere Alternative erachtet.

Die Schäden manifestieren sich in diversen Formen. Feuchtigkeit dringt durch das mehr als 50 Jahre alte Mauerwerk des am Rand undichten Betonbeckens. Dies führt zu einer Schädigung der Technik und zu sichtbaren Verfallserscheinungen in der Bausubstanz. An den Wänden bilden sich weiße Kalkwölkchen, die an eine Tropfsteinhöhle erinnern. Der Beton an der Kellerdecke ist teilweise abgeplatzt, wodurch rostige Stahlmatten sichtbar werden. Auch Armaturen und Stahlträger weisen Ansätze von Rost auf. Diese Schäden sind das Ergebnis jahrelanger Exposition gegenüber chlorhaltiger Luft, die in früheren Jahren aufgrund unzureichender Belüftung im Untergeschoss geherrscht hat und den Beton stark beansprucht hat. Aufgrund dieser Befunde wurde der Zustand als so eingestuft, dass eine grundlegende Sanierung nicht mehr wirtschaftlich erscheint.

Die Teilsanierung 2018 als Übergangslösung

Um eine mehrjährige „bäderlose Zeit“ in Wesel zu vermeiden, suchte die Städtische Bäder Wesel GmbH nach einer Übergangslösung. Eine kurzfristig erwogene Option, eine Traglufthalle über das Becken des Freibades zu spannen, wurde verworfen. Gründe hierfür waren die Lage im Überschwemmungsgebiet sowie die Befürchtung, dass damit nicht der Bedarf aller Zielgruppen (Schulen, Gruppen, Kindergärten, Vereine, Kurse) befriedigt werden könnte.

Als Alternative wurde eine Teilsanierung beschlossen, die einen Weiterbetrieb für die nächsten fünf Jahre sichern soll. In der Sitzung des Aufsichtsrats der Bäder GmbH wurde ein Konzept vorgelegt und beschlossen, für das rund 700.000 Euro investiert werden sollten. Diese Maßnahme wurde als „Sanierungsarbeiten light“ bezeichnet.

Die Arbeiten begannen im Mai 2018 und sollten bis September 2018 abgeschlossen sein, was eine Schließung des Bades für vier bis fünf Monate in der Sommersaison bedeutete. Die Sanierung konzentrierte sich auf genau festgelegte Bereiche:

  1. Betonkonstruktion des Kellergeschosses: Gezielte Maßnahmen zur Stabilisierung und Abdichtung.
  2. Technik und Rohrleitungen: Ein Rückbau, der teilweise Ersatz und die Wiederinbetriebnahme umfasste.
  3. Schwimmhalle: Arbeiten an Fliesen, der Alufassade, den Lichtkuppeln und der Blitzschutzanlage.
  4. Sauna: Eine temporäre Schließung für einige Monate war ebenfalls notwendig.

Ziel dieser Investition war es, die Zeit bis zur Realisierung des neuen Kombibads zu überbrücken und den Betrieb von Schulschwimmen, Schwimmunterricht, Vereinssport und Kursen aufrechtzuerhalten.

Kritische Ereignisse nach der Teilsanierung: Das Lehrschwimmbecken

Trotz der durchgeführten Teilsanierung traten bereits kurz nach Abschluss der Arbeiten erneut gravierende Probleme auf, die die wirtschaftliche und technische Situation des Bades erneut in den Fokus rückten.

Anfang Mai wurde ein stetiger Wasserverlust im viel genutzten Lehrschwimmbecken festgestellt. Ein beauftragter Sachverständiger legte ein Gutachten vor, das besagte, dass sich pro Tag rund 30 Kubikmeter Wasser aufgrund mangelnder Abdichtung im Bereich des Beckenkopfes (oberer Rand) verflüchtigen. Dieser massive Wasserverlust machte eine erneute Renovierung unumgänglich. Das Lehrschwimmbecken wird von rund 20 Schulklassen, zahlreichen Vereinen sowie für viele Kurse genutzt, weshalb dessen Funktionalität für die Badeversorgung in Wesel essenziell ist.

Eine Renovierung zur Behebung dieses Schadens wurde mit geschätzten 200.000 Euro kalkuliert. Diese Kosten kamen obendrauf auf die bereits 2018 investierten 700.000 Euro. Die Gesamtsituation spiegelt die prekäre Lage wider: Selbst gezielte Teilsanierungen führen nicht zu einer dauerhaften Stabilität, da die zugrundeliegende Bausubstanz zu stark geschwächt ist.

Die Zukunft: Das Kombibad am Rhein

Langfristige Perspektive für die Badeversorgung in Wesel ist der Bau eines neuen Kombibads am Rhein. Dieses Projekt ist jedoch mit erheblichen planerischen und finanziellen Herausforderungen verbunden.

Kosten und Finanzierung: Die Kosten für den Neubau des Kombibads wurden 2023 auf 47,2 Millionen Euro beziffert. Davon müssen rund 45 Millionen Euro durch die Bädergesellschaft selbst getragen werden. Diese Summe steht im Kontrast zu den Kosten einer Komplettsanierung des Heubergbads, die 2017 auf ca. 10 Millionen Euro geschätzt wurden, jedoch aufgrund der fortgeschrittenen Schäden und der mangelnden Wirtschaftlichkeit nicht realisiert wurde.

Zeitplan und Genehmigungen: Die Eröffnung des neuen Bads ist für den Sommer 2025 angesetzt, um zumindest noch von einem Teil der Badesaison profitieren zu können. Allerdings bestehen Unsicherheiten bezüglich der Genehmigung. Die Bezirksregierung Düsseldorf und der Regionalverband Ruhr (RVR) können durch Auflagen das Projekt gefährden. Sollte das Projekt am Rhein scheitern, wurde als Alternative ein neues Hallenbad im Heubergpark erwogen.

Planungsrechtliche Probleme: Bei der Realisierung des Kombibads am Rhein kam es zu unverhofften planungsrechtlichen Problemen. Experten schätzen, dass es, falls das Projekt überhaupt realisiert wird, schätzungsweise fünf Jahre dauern könnte, bis dort ein Bad eröffnet werden könnte. Diese Zeitspanne unterstreicht die Notwendigkeit der Überbrückungslösung im Heubergbad.

Politische und gesellschaftliche Dimensionen

Die Entscheidungen um das Heubergbad und das Kombibad sind nicht nur technischer, sondern auch politischer und gesellschaftlicher Natur.

Abriss und Wohnraum: Ein im Stadtrat vorliegender Beschluss sieht vor, dass nach der Schließung des Heubergbads auf dem Grundstück neue Wohnbauten entstehen sollen. Dies rückt den lang angekündigten Abriss des Heubergbads in greifbare Nähe.

Bürgerbeteiligung und Opposition: Trotz des Beschlusses mehren sich jedoch die Stimmen in der Lokalpolitik, die Alternativen einfordern. Im Jahr 2024 forderten Grüne und FDP in einer Petition eine stärkere Bürgerbeteiligung in die Planungen, bisher jedoch ohne Erfolg. Diese Entwicklung zeigt, dass die Zukunft des Standorts und die Art der Nachnutzung kontrovers diskutiert werden.

Wirtschaftliche Aspekte: Die Schließung des Heubergbads für mehrere Monate führt zu Einnahmeverlusten für die Bäder GmbH. Diese sind, wie von den Verantwortlichen einkalkuliert, in der Kalkulation der Sanierungskosten berücksichtigt. Die Entscheidung, die Sommerpause 2018 für die Arbeiten zu nutzen, zielte darauf ab, die Auswirkungen auf die Badegäste so gering wie möglich zu halten.

Die Übergangsregelung während der Schließung

Während der Sanierungsarbeiten im Heubergbad im Jahr 2018 mussten Lösungen für die Nutzer gefunden werden. Die Badegäste, Schulen und Vereine wichen auf das Rheinbad aus, das am 13. Mai mit dem Kindertrödelmarkt eröffnete.

Um die Kapazitäten im Freibad optimal zu nutzen, wurden Anpassungen bei der Beleuchtung vorgenommen, sodass das Bad ab 6 Uhr morgens für Frühschwimmer nutzbar war und bis 20 Uhr schloss. Die Verteilung der Nutzergruppen wurde wie folgt geregelt: * Schulschwimmen: Wochentags von 8 bis 10 Uhr komplett reserviert. * Vereine: Ab 18 Uhr stehen wochentags drei Bahnen zur Verfügung. * Öffentlichkeit: Ab 10 Uhr stehen drei Bahnen zur Verfügung (nach dem Schulschwimmen) sowie drei Bahnen ab 18 Uhr (neben den Vereinsbahnen). * Kinderschwimmen: Wurde teilweise ins Bislichbad verlegt. * Vereinstermine: Samstags und sonntags im Bislichbad verfügbar.

Diese Regelungen wurden mit Vereinen und Schulen abgesprochen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Auch die Sauna wurde während der Hallenbadschließung geschlossen, sollte aber teilweise früher als das Hallenbad wieder öffnen können.

Fazit

Die Situation des Heubergbads in Wesel verdeutlicht die Schwierigkeiten des Managements alternder kommunaler Infrastrukturen. Trotz einer Teilsanierung im Jahr 2018 in Höhe von rund 700.000 Euro zeigten sich schnell erneut massive technische Defizite, insbesondere im Bereich des Lehrschwimmbeckens, wo Wasserverluste von 30 Kubikmetern pro Tag festgestellt wurden und Reparaturen von 200.000 Euro erforderlich machten.

Die Analyse der Quellen ergibt, dass eine grundlegende Sanierung des bestehenden Bauwerks aufgrund der historischen Bausubstanz (Beton, Rost, Feuchtigkeitsschäden) nicht mehr wirtschaftlich ist. Die Alternative, ein neues Kombibad am Rhein, ist mit immensen Kosten von über 47 Millionen Euro und planerischen Risiken verbunden. Bis zur Fertigstellung dieses Neubaus (Ziel 2025) bleibt das Heubergbad als Übergangslösung notwendig, befindet sich aber in einem Zustand, der ständige Instandhaltung erfordert. Gleichzeitig steht die Entscheidung über die Nachnutzung des Areals (Wohnbebauung) zur Diskussion, wobei gesellschaftliche und politische Interessen aufeinandertreffen. Die Badeversorgung in Wesel befindet sich somit in einer Phase des Übergangs, die durch hohe Kosten, technische Notwendigkeiten und politische Abwägungsprozesse geprägt ist.

Quellen

  1. Lokalkompass: Teilsanierung des Heubergbades
  2. Lokalkompass: Lehrschwimmbecken muss kostspielig repariert werden
  3. Moderne Regional: Wohnen statt Baden
  4. RP Online: Heubergbad bleibt ab Mai halbes Jahr zu
  5. BISp: Das HeubergBad in Wesel - eine Totalsanierung
  6. NRZ: Heubergbad in Wesel schließt wegen Sanierung
  7. DGFDB: Das HeubergBad in Wesel - eine Totalsanierung

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