Die Sanierung und Modernisierung von Hochschulgebäuden stellt eine komplexe Herausforderung für Immobilienverwaltung und Bauwesen dar. Diese Gebäude sind oft Jahrzehnte alt, weisen spezifische Schadstoffbelastungen auf und erfordern eine Anpassung an modernste technische und energetische Standards. Am Beispiel der Heinrich-Heine-Universität (HHU) Düsseldorf lassen sich zentrale Aspekte solcher Großprojekte analysieren: von der Sanierung von Laborkomplexen im laufenden Betrieb bis zur Renovierung historischer Fassaden und der Restaurierung von Kunstwerken. Dieser Artikel beleuchtet die technischen, organisatorischen und finanziellen Dimensionen, die für Bauherren, Immobilienverwalter und Handwerker relevant sind.
Die Herausforderung: Altbauten aus den 1970er Jahren
Viele Universitätsgebäude in Deutschland stammen aus den 1970er Jahren. Auch an der HHU Düsseldorf prägen Gebäude aus dieser Ära das Campusgelände. Die Quellenlage bestätigt, dass die „23-er Gebäude“, insgesamt zehn Stück, die durch Übergänge verbunden sind, in den 70er Jahren errichtet wurden (Source 3). Diese Bausubstanz ist heute oft sanierungsbedürftig.
Schadstoffbelastung und Brandschutz
Ein zentrales Problem älterer Gebäude ist die Belastung mit Schadstoffen sowie Mängel im Brandschutz. Die Sanierungsmaßnahmen an der HHU zielten darauf ab, diese Defizite zu beheben. Laut einem Bericht von „ddorf-aktuell“ (Source 3) sind zahlreiche Gebäude der HHU PCB-belastet und genügen den Anforderungen des Brandschutzes nicht mehr. PCB (Polychlorierte Biphenyle) wurden früher in Baustoffen wie Dichtungen, Fugenmassen oder Farben eingesetzt und stellen heute ein erhebliches Gesundheitsrisiko dar, das eine fachgerechte Entsorgung und Sanierung erfordert.
Ein akutes Beispiel für die Dringlichkeit solcher Maßnahmen ist die Einschränkung der Nutzung von Gebäuden 23.31 und 23.32 im Juni 2019 aufgrund festgestellter Brandschutzmängel (Source 3). Für Immobilienverwalter unterstreicht dies die Notwendigkeit regelmäßiger Brandschutzaudits und die Planung von Sanierungen, um Betriebsunterbrechungen zu minimieren.
Strategische Sanierung: Das Beispiel Gebäude 22.03 und 22.01
Ein Kernstück der Modernisierung an der HHU ist der Komplex der Vorklinischen Institute (Gebäude 22.01 bis 22.05). Besonders das Gebäude 22.03, ein Laborhochhaus, und die umliegenden Gebäude wie 22.01 (Roy-Lichtenstein-Halle) standen im Fokus.
Sanierung im laufenden Betrieb
Eine der größten Herausforderungen im Baumanagement ist die Sanierung von Funktionsgebäuden ohne vollständige Schließung. Für die Vorklinischen Institute galt es, den Betrieb aufrechtzuerhalten. Die Sanierung des Gebäudes 22.03 erfolgte in zwei Bauabschnitten und umfasste eine Komplettmodernisierung der Fassadenhülle und der technischen Gebäudeausrüstung (TGA).
Die Quellen (Source 2) berichten explizit, dass die alten technischen Versorgungsstrukturen aus dem Gesamtensemble – konkret die Heizung und Kältezentrale in Gebäude 22.01 – im Zuge der Maßnahme komplett und im laufenden Betrieb saniert wurden. Dabei musste die Versorgung der zu versorgenden Gebäude sichergestellt bleiben. Auch die elektrotechnische Versorgung für die kompletten Vorklinischen Institute wurde erneuert, ebenfalls im laufenden Betrieb.
Für Bauingenieure und Projektmanager bedeutet dies: * Phasenplanung: Die Sanierung muss in sorgfältig abgestimmte Abschnitte unterteilt werden. * Notstromversorgung: Bei der Erneuerung der Elektrotechnik sind redundante Systeme erforderlich. * Kommunikation: Eine enge Abstimmung mit den Nutzern (Forschungsinstituten) ist essenziell, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Innovation durch Dachtechnikzentralen (Technik-Penthäuser)
Ein interessanter Ansatz zur Effizienzsteigerung war die Umstrukturierung der Technikzentralen. Um nach der Sanierung mehr Laborflächen zur Verfügung stellen zu können, schlug die KMG (Klinikmanagementgesellschaft) vor, die Technikzentrale, die zuvor teilweise im Untergeschoss und in der obersten Ebene untergebracht war, in Technik-Penthäusern auf dem Dach zu zentralisieren (Source 2).
Dieser Ansatz bietet zwei wesentliche Vorteile: 1. Gewinnung von Nutzfläche: Durch die Verlagerung der Technik auf das Dach werden wertvolle Innenflächen für die Kernfunktion – also Labore – frei. 2. Zentrale Steuerung: Die Konzentration der Technik an einem Ort vereinfacht die Wartung und Überwachung.
Dies ist eine wertvolle Lektion für städtische Bauprojekte, bei denen Platz oft knapp und teuer ist.
Fassadenmodernisierung und Denkmalschutzaspekte
Neben der Technik spielt die äußere Hülle eine entscheidende Rolle. Die Gebäude 22.01 und 22.03 sind nicht nur funktionale Einheiten, sondern Teil des Campusbildes.
Die Roy-Lichtenstein-Wandbilder
Ein besonderes Merkmal des Gebäudeensembles sind die Wandbilder des Künstlers Roy Lichtenstein, die sich rund um die Hörsäle in Gebäude 22.01 befinden. Diese entstanden 1970 und sind mittlerweile zu einem „Verborgenen Meisterwerk“ (Source 1) geworden.
Im Kontext von Renovierung stellt sich hier die Frage: Wie geht man mit Kunst am Bau um? Die Wandbilder waren 2015 in die Jahre gekommen. Eine Sanierung war notwendig, fiel aber aus dem Rahmen normaler Instandhaltungskosten. Hier kam ein wichtiges Instrument der Immobilienfinanzierung ins Spiel: Sponsoring und Stiftungen.
Die Gesellschaft von Freunden und Förderern der Universität (GGFU) stiftete 50.000 Euro zur Restauration der Wandbilder (Source 1). Dies zeigt, dass bei Sanierungen von denkmalgeschützten oder kunsthistorisch wertvollen Immobilien zusätzliche Finanzierungsquellen genutzt werden können, um den Erhalt spezieller Gestaltungen zu sichern, die über die reine Bausubstanz hinausgehen.
Modernisierung der Innenräume: Hörsäle und Barrierefreiheit
Die Sanierung umfasste auch die Innenräume, insbesondere die Lehrräume. Hier verschieben sich die Anforderungen von den 70er Jahren zu heute massiv.
Technische Ausstattung und Medien
Ein Blick auf die Spezifikationen der Hörsäle (Source 4) zeigt die technische Entwicklung. Während früher Kreidetafeln Standard waren, sind heute digitale Anschlüsse essenziell. Der Hörsaal 2D im Gebäude 22.01 verfügt über: * Beamer (2 Stück) * Anschlüsse: HDMI und VGA * Internetanschluss * Umhängemikrofone (2 Stück) * Audioausgang
Dies spiegelt den Wandel zur digitalen Lehre wider, wie er auch in der Philosophischen Fakultät (Source 3) beschrieben wird, wo die Rückkehr zur Präsenzlehre durch moderne Technik unterstützt werden soll.
Barrierefreiheit: Ein kritischer Blick
Ein wichtiges Thema in der modernen Bauwirtschaft ist die Barrierefreiheit. Hier liefert die Quellenlage (Source 4) für das Gebäude 22.01 ein differenziertes Bild, das für Bauherren wichtig ist, um den aktuellen Standard zu verstehen.
Der Hörsaal 2D ist zwar barrierefrei erreichbar, jedoch mit Einschränkungen: * Zugang: Die Tür des Hörsaales hat keinen elektrischen Türöffner. Der Zugang erfolgt über eine Hebebühne, die mit einem Euro-Schlüssel bedient wird. * Sanitäranlagen: Die nächstgelegene Behindertentoilette ist in U1.02/03. * Plätze: Es gibt keine speziell markierten Plätze für Rollstuhlfahrer an normalen Tischen. Stattdessen gibt es 3 höhenverstellbare Tische, die sich „unten“ befinden. * Orientierung: Es fehlen Bodenmarkierungen (Leitlinien) und Raumbezeichnungen in Braille.
Dies zeigt, dass Sanierungen oft Kompromisse eingehen. Während der physische Zugang gewährleistet ist, entspricht die Ausstattung (insbesondere fehlende elektrische Türoffner und spezifische Sitzplätze) möglicherweise nicht den neuesten, strengsten Normen der Barrierefreiheit, wie sie heute für Neubauten galten würden. Für die Praxis bedeutet das: Bestandsgebäude zu sanieren, bedeutet oft, das Maximum an Barrierereduktion im gegebenen Rahmen zu erreichen, ohne den gesamten Baukomplex neu zu strukturieren.
Organisatorische Aspekte: Wer steuert das Ganze?
Die Sanierung einer Universität erfordert ein komplexes Netzwerk aus Akteuren. An der HHU Düsseldorf sind folgende Strukturen relevant (Source 6):
- Dezernat Gebäudemanagement (HHU): Es ist für den Betrieb, Wartung und Reparaturen zuständig. Rund 150 Mitarbeiter kümmern sich um den reibungslosen Ablauf auf dem Campus. Das Technische Gebäudemanagement stellt den Betrieb der Anlagen sicher.
- Planen und Bauen (HHU): Diese Abteilung realisiert Baumaßnahmen, oft in Zusammenarbeit mit externen Partnern.
- Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB NRW): Als Eigentümer der Gebäude (Source 3) ist der BLB NRW für die Finanzierung und Durchführung von Sanierungen verantwortlich. Er ist der entscheidende Partner, wenn es um die Freigabe von Mitteln für Großprojekte geht.
Für die Sanierung der Gebäude 22.01/03 arbeiteten diese Instanzen zusammen. Die Leiterin der Niederlassung Düsseldorf des BLB NRW, Elke Kolfen, betonte die Schaffung einer „schadstofffreien, modernen und farbenfrohen Lern- und Arbeitsumgebung“ (Source 3). Dies unterstreicht, dass Sanierung nicht nur technische Notwendigkeit ist, sondern auch ein Statement zur Attraktivität der Immobilie für die Nutzer.
Fazit
Die Sanierungsmaßnahmen an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, speziell an den Gebäuden 22.01 und 22.03, exemplifizieren die hohen Anforderungen an die Modernisierung von Hochschulimmobilien. Zentrale Erkenntnisse für Bau- und Immobilienprofis sind:
- Technische Komplexität: Die Sanierung von Laborkomplexen erfordert die Erneuerung von TGA und Elektrotechnik oft im laufenden Betrieb. Innovative Lösungen wie die Verlagerung von Technikzentralen auf das Dach (Penthouse-Lösung) helfen, wertvolle Nutzflächen zu gewinnen.
- Schadstoffmanagement: Gebäude aus den 70er Jahren weisen häufig PCB-Belastungen auf, die eine fachgerechte Sanierung zwingend erforderlich machen.
- Brandschutz als Kritischer Faktor: Mängel im Brandschutz können zur sofortigen Nutzungsuntersagung führen, was eine proaktive Instandhaltung erfordert.
- Finanzierung durch Stiftungen: Spezielle Projekte, wie die Restaurierung von Kunstwerken (Roy-Lichtenstein-Wandbilder), können durch Sponsoring ergänzt werden, wenn öffentliche Mittel nicht ausreichen.
- Barrierefreiheit im Bestand: Die Sanierung von Altbauten führt oft zu Kompromissen bei der Barrierefreiheit. Zwar wird der Zugang ermöglicht (z.B. über Hebebühnen), aber die volle Normerfüllung wie im Neubau ist oft nicht realisierbar.
Zusammenfassend zeigt das Projekt HHU, dass erfolgreiche Sanierung eine Mischung aus technischer Innovation, organisatorischer Abstimmung zwischen Eigentümer und Betreiber sowie der Integration von Sonderinteressen (Kunst, Denkmalschutz) erfordert.
Quellen
- Projekt Renovierung rund um die HHU "Roy Lichtenstein Hörsäle"
- UKD 22-03 Laborgebäude Sanierung
- Düsseldorf: Philosophische Fakultät der HHU nimmt modernisiertes Gebäude in Betrieb
- HHU Wiki: Hörsaal 2D - 339 Plätze
- Anfahrt Institut für Herz- und Kreislaufphysiologie
- Dezernat 6 - Gebäudemanagement der HHU