Die Sanierung und Weiterentwicklung historischer Gebäudeensembles stellt eine besondere Herausforderung für die Bauwirtschaft dar. Insbesondere wenn es sich um denkmalgeschützte Hofmarken handelt, müssen moderne Nutzungsanforderungen mit dem Erhalt bauhistorischer Substanz in Einklang gebracht werden. Die Hofmark Eggenfelden, speziell das Ensemble „Gern“, dient hierbei als herausragendes Beispiel für eine gelungene Symbiose aus Denkmalpflege, nachhaltigem Städtebau und moderner Wirtschaftsförderung. Der vorliegende Artikel beleuchtet die vielschichtigen Aspekte der Sanierungsmaßnahmen in diesem Gebiet, basierend auf den zur Verfügung gestellten Informationen.
Die Hofmark Gern: Ein städtebauliches Denkmal
Die historische Hofmark Gern in Eggenfelden ist ein architektonisches Juwel, dessen Wurzeln bis ins Mittelalter zurückreichen. Die „Schlossökonomie Gern“ zählt zu den wenigen Ensembles, in denen sich die bayerische Hofmark, wie sie seit dem Mittelalter weit verbreitet war, heute noch vollständig ablesen lässt. Dieser Umstand verleiht dem Standort eine enorme kulturelle und historische Bedeutung.
Im Zuge der städtebaulichen Weiterentwicklung wurde das Ziel verfolgt, diesen einzigartigen Charakter nicht nur zu erhalten, sondern ihn durch gezielte Sanierung und neue Nutzung aufzuwerten. Die Informationen belegen, dass das gesamte Ensemble der ehemaligen Hofmark Gern im Laufe der Zeit kontinuierlich weiterentwickelt und fast vollständig saniert wurde. Diese flächendeckende Revitalisierung ist ein wesentlicher Bestandteil der Strategie, die Identität der Region zu stärken und den historischen Bestand für zukünftige Generationen zu sichern.
Das Projekt COPLAN AG: Denkmalpflege trifft modernes Büro
Ein zentraler Baustein der Sanierungsbemühungen war das Vorhaben der COPLAN AG. Das Unternehmen entschied sich für den Neubau einer Firmenzentrale für 120 Mitarbeiter innerhalb des städtebaulich und denkmalpflegerisch geschützten Ensembles. Die Herausforderung bestand darin, ein modernes Arbeitsumfeld in ein als Einzeldenkmal eingetragenes Stadelgebäude, den sogenannten „Bullenstall“, zu integrieren.
Denkmalgerechte Sanierung des Stadelgebäudes
Die Sanierung des „Bullenstalls“ erfolgte unter strenger Aufsicht der Denkmalbehörden. Ein besonderes Augenmerk lag hierbei auf dem 300 Jahre alten Holzdachstuhl. Die Maßnahme zeigte, dass es möglich ist, solche historischen Konstruktionen gemäß den ursprünglichen Plänen zu sanieren und wiederherzustellen. Dies ist ein Beweis dafür, dass Erhalt und Modernisierung nicht im Widerspruch stehen müssen.
Architektonische Umsetzung und Neubau
Neben der Sanierung des Bestandsgebäudes umfasste das Projekt auch einen Neubau. Dieser wurde so konzipiert, dass er sich harmonisch in das geschützte Ensemble „Gern“ einfügt. Die Architektur orientiert sich an der historischen Umgebung, wobei moderne Elemente bewusst eingesetzt werden, um eine zeitgemäße Nutzung zu ermöglichen.
Besonders hervorzuheben ist das Berliner Dach, ein asymmetrisches Pultdach, das im Neubau zum Einsatz kam. Dieses architektonische Highlight maximiert die Nutzfläche im Dachgeschoss und minimiert Schrägen, was die Funktionalität der Arbeitsbereiche erheblich steigert. Die Außenfassade des Neubaus wurde dem ursprünglichen Gebäude an gleicher Stelle nachempfunden, um die visuelle Kontinuität zu wahren. Auf vier Geschoßen mit insgesamt 700 m² Nutzfläche entstand Platz für 31 Arbeitsplätze.
Nachhaltigkeit und Zertifizierung: Der DGNB-Goldstandard
Ein entscheidendes Kriterium für die Bewertung moderner Sanierungs- und Neubauprojekte ist die Nachhaltigkeit. Das Projekt der COPLAN AG wurde nach den Richtlinien des Deutschen Gesellschafts für Nachhaltige Gebäude (DGNB) mit dem Goldstandard zertifiziert. Diese Zertifizierung belegt, dass nicht nur der Denkmalschutz, sondern auch ökologische und ökonomische Aspekte eine zentrale Rolle spielten.
Die Zertifizierung umfasst verschiedene Leistungsbereiche. Laut den vorliegenden Daten liegt der Schwerpunkt auf dem Einsatz erneuerbarer Energien. Es wird angegeben, dass 65 % der genutzten Energien aus erneuerbaren Quellen stammen. Weiterhin wurde ein hoher Wert auf Energieeffizienz gelegt. Das Projekt ist als Nichtwohngebäude klassifiziert und zeigt auf, wie durch Sanierung und Smart-Digital-Lösungen eine hohe Effizienz erreicht werden kann.
Wirtschaftliche und technische Kennzahlen des Projekts
Für Bauherren und Investoren sind die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entscheidend. Die vorliegenden Informationen zu dem Projekt liefern hierzu konkrete Daten, die als Orientierung dienen können.
Bauvolumen und Kosten
Das Bauvolumen des Vorhabens wird mit einer Bruttogrundfläche (BGF) von 3.285 m² und einer Bruttorauminhalt (BRI) von 12.066 m³ angegeben. Die Nettogrundfläche (NF) beträgt 2.392 m². Die Baukosten beliefen sich auf insgesamt 5 Millionen Euro brutto (nach KGR 200-700), was einem Nettobetrag von 4,05 Millionen Euro entspricht.
Zeitplanung
Die Planungsphase erstreckte sich von Juni 2008 bis Dezember 2015. Die Bauzeit war in zwei Abschnitte unterteilt: 1. Juli 2010 bis Dezember 2011 2. Oktober 2014 bis Dezember 2014 (Einbau einer Galerie)
Diese Zeitspannen verdeutlichen, dass Sanierungsprojekte in Denkmalbereichen oft langfristig geplant und umgesetzt werden müssen.
Das RegioLab: Revitalisierung durch Innovation
Ein weiteres großes Vorhaben in der Hofmark Gern ist die Revitalisierung der historischen Alten Brauerei mit Mälzerei aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Ziel ist die Einrichtung des Innovationszentrums „RegioLab“.
Förderung und Finanzierung
Das Projekt ist ein Leitprojekt der „Rottaler Hofmarken“, einem Gemeinschaftsvorhaben der Stadt Eggenfelden mit neun weiteren Kommunen, gefördert durch den Europäischen Strukturfonds. Die förderfähigen Kosten belaufen sich auf 2.777.778 €. Davon entfallen 2.500.000 € auf Bundesmittel und 277.778 € auf kommunale Mittel. Die Laufzeit des Projekts ist von 2016 bis 2020 angesetzt.
Konzept und Nutzung
Das RegioLab soll als räumlicher Kristallisationspunkt und Impulsgeber für Innovationsprojekte der lokalen Betriebe dienen. Die Nutzungskonzepte sind neuartig und umfassen: * Angebote im digitalen Kreativbereich. * MiniLabs einer 3D-Erlebniswelt. * Ein 3D-LAB zur Vermittlung, Erprobung und Forschung von Prototypen und Planungen aus unterschiedlichen Anwendungsbereichen und Fachdisziplinen.
Die Sanierung der ehemaligen Mälzerei im ersten Bauabschnitt schafft die Grundvoraussetzung für diese innovative Nutzung. Durch den Erhalt und die Entwicklung des historischen Ensembles wird nicht nur die bauliche Substanz gesichert, sondern auch die regionale Identität gestärkt.
Bedeutung für die Region und Handwerksbetriebe
Die umfangreichen Sanierungs- und Renovierungsmaßnahmen in Eggenfelden haben eine hohe wirtschaftliche Relevanz für die Region. Sie schaffen nicht nur direkte Arbeitsplätze im Bereich der Bauwirtschaft, sondern generieren auch langfristigen Nutzen durch energetische Optimierung und moderne Infrastruktur.
Für Handwerksbetriebe und Dienstleister im Bereich Sanierung und Renovierung ergeben sich vielfältige Aufträge. Die Quellenlage zeigt, dass in Eggenfelden ein Bedarf an Fachfirmen besteht, die sich auf die unterschiedlichsten Aspekte der Bauinstandhaltung spezialisiert haben. Dazu gehören:
- Heizung, Solar und Wärmepumpen: Angesichts der Zielvorgaben für erneuerbare Energien (wie im COPLAN-Projekt mit 65 %) ist die Nachfrage nach modernen Heizungs- und Klimatisierungslösungen hoch.
- Sanitärinstallationen und Haustechnik: Diese Gewerke sind essenziell für die Funktionalität modernisierter Gebäude.
- Verputz- und Pflasterarbeiten: Diese Arbeiten sind notwendig, um die Bausubstanz zu erhalten und die Außenanlagen denkmalgerecht zu gestalten.
- Fenster, Türen und Markisen: Der Austausch oder die Sanierung von Fenstern ist ein zentraler Hebel zur Verbesserung der Energieeffizienz.
Die Auswahl der richtigen Anbieter ist entscheidend. Die Informationen verweisen auf Plattformen, die geprüfte Anbieter für Renovierungen und Sanierungen in Eggenfelden sammeln und vermitteln. Für Bauherren bedeutet dies, dass eine sorgfältige Anfrage und Preiseinholung unerlässlich sind, um Kosten für das eigene Projekt realistisch einzuschätzen.
Fazit
Die Sanierungs- und Neubauprojekte in der Hofmark Eggenfelden, insbesondere im Ensemble Gern, demonstrieren eindrucksvoll, wie historische Bausubstanz unter denkmalpflegerischen Auflagen modern und nachhaltig genutzt werden kann. Die Projekte COPLAN AG und RegioLab setzen Maßstäbe in Bezug auf Energieeffizienz, Architektur und wirtschaftliche Verwertbarkeit.
Die Verbindung von Erhalt des 300 Jahre alten Holzdachstuhls, architektonischen Highlights wie dem Berliner Dach und der Zertifizierung nach DGNB Gold zeigt einen zukunftsweisenden Weg auf. Gleichzeitig fördert die Revitalisierung der Alten Brauerei als Innovationszentrum die regionale Wirtschaftsförderung. Für Eigentümer vergleichbarer Bauten in der Region und für Bauinteressierte allgemein bieten diese Projekte wertvolle Einblicke in die Machbarkeit und die Vorteile einer denkmalgerechten und zugleich modernen Bauweise.