Risse in Hohlsteindecken und Ziegeldecken: Ursachen, Diagnose und Sanierungsmöglichkeiten im Altbau

Die Bausubstanz aus vergangenen Jahrzehnten birgt oft Herausforderungen, die bei modernen Neubauten kaum vorstellbar sind. Besonders Hohlsteindecken, die in vielen Gebäuden aus der Gründerzeit bis in die 1960er Jahre verbaut wurden, und Ziegeldecken in Kellern zeigen im Laufe der Zeit oft Risse. Diese Rissbildung kann vielfältige Ursachen haben – von statischen Veränderungen über Feuchtigkeitseinflüsse bis hin zu Materialermüdung. Für Eigentümer, Bauinteressierte und Handwerker ist es entscheidend, die Art des Risses zu erkennen, die Ursache zu analysieren und die richtigen Sanierungsmaßnahmen einzuleiten.

Dieser Artikel beleuchtet auf Basis vorliegender Fachinformationen die Konstruktion dieser Deckensysteme, mögliche Schadensbilder und die verschiedenen Verfahren zur Risssanierung. Das Spektrum reicht von der optischen Überarbeitung im Putzbereich bis hin zu technischen Verfahren wie dem Verpressen oder der Verankerung von Mauerwerk.

Die Konstruktion von Hohlsteindecken und Ziegeldecken

Um Risse effektiv zu saniert, ist das Verständnis der zugrundeliegenden Bauweise unerlässlich. Im Altbaubereich sind zwei Systeme besonders verbreitet, die strukturelle Unterschiede aufweisen.

Hohlsteindecken (Betonstein- oder Handmontagedecken)

Hohlsteindecken, teilweise auch als Betonsteindecken bezeichnet, sind ein vorgefertigtes Deckensystem. Laut den vorliegenden Informationen werden diese Decken seit 1950 von Firmen wie der Lothar Lange GmbH hergestellt. Anfangs kamen noch Spannbetonbalken zum Einsatz, später erfolgte die Umstellung auf Stahlbetonbalken mit Filigranträgern (Source 3).

Die Konstruktion setzt sich aus drei wesentlichen Elementen zusammen: 1. Betonfußleisten mit Filigran-Gitterträgern: Diese bilden das tragende Element und fassen die Bewehrung im Abstand von 62,5 cm zusammen. 2. Deckensteine: Diese werden zusammen mit den Trägern geliefert und verlegt. 3. Ortbeton: Dieser wird bauseits eingebracht.

Ein wesentlicher Vorteil dieses Systems ist der entfallene Aufwand für das Einschalen auf der Baustelle. Zudem können die Deckenträger werksseitig mit Holzleisten versehen werden, um untergehängte Decken einfach zu befestigen (Source 3).

Ziegeldecken (Stahlsteindecken)

Eine weitere typische Deckenkonstruktion in Altbauten ist die Ziegeldecke, oft auch als Stahlsteindecke bezeichnet. Hierbei handelt es sich um eine Kombination aus einer Stahlkonstruktion und Ziegelsteinen. Die tragenden Elemente sind Stahl- oder Eisenträger, in deren Zwischenflächen Ziegelsteine vermauert wurden (Source 2). Diese Bauweise war bis in die ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts weit verbreitet.

Ursachen und Diagnose von Rissen

Risse sind selten ein Zufall, sondern oft ein Symptom für tieferliegende Probleme. Die Beurteilung der Rissursache sollte grundsätzlich einem Fachmann überlassen werden, da die Ausbildung, Länge und Weite des Risses Rückschlüsse auf die Gefährdung zulassen (Source 6).

Statische und konstruktive Ursachen

Bei Hohlsteindecken können Risse auftreten, die auf statische Veränderungen hindeuten. In einem Fachforum wurde der Fall einer Gebäude aus den späten 50er Jahren beschrieben, bei dem Risse in der Hohlsteindecke auftraten. Die Decken waren als Einfeldträger über etwa 4,5 bis 5 Meter Spannweite ausgebildet. Parallel zur Spannrichtung zeigten sich Risse im Abstand von 2 bis 2,5 Metern. Eine mögliche Erklärung war die Verlegung von Spanneisen in diesem Abstand, wodurch sich die Decken dazwischen mit der Zeit durchgebogen haben (Source 4).

Besonders auffällig war jedoch, dass sich diese Risse auch in den Außenwänden vom Dachgeschoss bis zur Kellerdecke fortsetzten. Eine Diskussion unter Experten deutet darauf hin, dass dies auf ein verändertes Kräfteverhältnis hindeuten könnte. Ähnlich wie bei Kappendecken könnte eine Druckkraft nach außen bestehen, der die Wände durch Nachgeben begegnen. Dies würde auch die Risse in den Decken erklären, da der sogenannte Gewölbedruck reduziert wurde (Source 4). Solche Risse können auch durch Bergsenkungen oder Bauarbeiten im Umfeld entstehen (Source 2).

Feuchtigkeit und Materialermüdung

Bei Ziegeldecken im Kellerbereich ist die Hauptursache für Schäden in 99 Prozent der Fälle Feuchtigkeit oder eine mangelnde Abdichtung (Source 2). Feuchtigkeit führt zur Korrosion der Eisenträger (Rostbildung) und kann das Mauerwerk schädigen. Dies äußert sich durch Risse, Löcher oder beschädigte Hohlräume.

Für die Beurteilung, ob ein Riss in der Decke gefährlich ist, gibt es eine Checkliste. Folgende Indikatoren sprechen für eine erhöhte Gefährdung, die eine Überprüfung durch einen Experten erfordert (Source 7): * Plötzliches Auftreten der Risse. * Allmähliche Verbreiterung der Risse. * Sehr viele Risse oder sehr breite Risse (größer als 0,6 mm). * Roststellen im Bereich des Risses. * Betroffenheit anderer Bauteile.

Methoden zur Risssanierung

Je nach Zustand der Risse (aktiv oder nicht aktiv) und deren Ursache kommen unterschiedliche Sanierungsverfahren zum Einsatz. Die Auswahl der Methode sollte idealerweise nach einer Musterarbeit und einer fachlichen Begutachtung erfolgen (Source 5).

Sanierung von Rissen im Putz und Mauerwerk

Für die Sanierung von Rissen, die bereits zum Stillstand gekommen sind (nicht aktiv), bieten sich putztechnische Verfahren an.

1. Anstrichtechnische Sanierung (für Risse bis 0,2 mm) Ist die Rissbildung abgeschlossen und die Rissweite maximal 0,2 mm, kann eine optische Sanierung durch Anstrich erfolgen. Hierbei wird eine hydrophobierende (wasserabweisende) Grundierung aufgetragen, gefolgt von einer oder mehreren rissfüllenden Anstrichschichten. Um die Rissüberbrückung zu erhöhen, kann ein feinmaschiges Polyestervlies (Armierungsvlies) in die Grundbeschichtung eingebettet werden (Source 6). Vorgehen: * Untergrund reinigen und von losen Substanzen befreien. * Bei stark saugenden Flächen eine Tiefengrundierung auftragen. * Grundanstrich auftragen und ggf. das Vlies einbetten. * Deckanstrich auftragen.

2. Putztechnische Sanierung (für Risse über 0,2 mm) Bei größeren Rissweiten oder wenn der Putz nicht mehr vollständig tragfähig ist, ist eine aufwändigere Sanierung notwendig. Dies umfasst den Einsatz von kunststoffmodifiziertem Armierungsmörtel und die vollflächige Einbettung eines Armierungsgewebes (Source 6). Vorgehen: * Prüfung der Tragfähigkeit des Altputzes (z. B. durch Abrissprobe). * Reinigung des Untergrunds. * Auftrag des Armierungsmörtels und Einbettung des Gewebes. * Auftrag von Oberputz und abschließendem Deckanstrich. Dieses Verfahren ist für statisch abgeschlossene Risse geeignet (Source 5).

Technische Verfahren für Mauerwerk und Deckenstrukturen

Wenn Risse im Mauerwerk auftreten oder die Statik beeinträchtigt ist, sind technische Verfahren wie das Verpressen oder Verankern notwendig.

1. Verfüllen und Verpressen Das Verfüllen von Rissen und Hohlräumen dient der Verbesserung des Gefüges und der Erhöhung der Drucktragfähigkeit. * Tränken/Tränkung: Bei waagrechten oder wenig geneigten Flächen und oberflächennahen Rissen wird flüssiges Füllmaterial ohne Druck (< 1 N/mm²) auf den Riss gegossen. Dies eignet sich für Risse, die mindestens 5 mm tief sind (Source 5). * Kraftschlüssiges Verpressen: Dieses Verfahren wird bei aktiver Rissbildung eingesetzt. Spezielle Injektionsleime (z. B. vom Ruberstein® System) werden genutzt, um Rissverläufe und Hohlräume im Mauerwerk zu verfüllen und zu verpressen (Source 1, Source 5).

2. Verankerung und Vernadelung Zur Steigerung der Zugtragfähigkeit des Mauerwerks, insbesondere bei Fassaden- und Mauerwerksrissen, kommen Verankerungssysteme zum Einsatz. * Spiralankersystem: Dieses System dient zur kraftschlüssigen Flankenverbindung von Rissen. Es ermöglicht eine dauerhafte Rissbreitenbeschränkung und steigert die Zugtragfähigkeit wirkungsvoll, ohne die Bausubstanz zu stark zu belasten (Source 1). * Vernadelung: Auch dies ist ein Verfahren zur Steigerung der Zugfestigkeit bei aktiver Rissbildung (Source 5).

Sanierung von Ziegeldecken (Stahlsteindecken)

Bei der Sanierung von Ziegeldecken im Keller, die durch Feuchtigkeit geschädigt wurden, ist oft eine vollständige Sanierung notwendig. Das Vorgehen umfasst typischerweise (Source 2): 1. Anbringen von Stahlbeton. 2. Ergänzung einer Bewehrungsmatte. 3. Aufspritz von Spritzbeton.

Ist die Trägerkonstruktion stark korrodiert, arbeitet man mit Statikern zusammen, um die Belastung zu prüfen und die erforderliche Bewehrung zu berechnen. Geschädigte Stahlträger werden mit weiteren Trägern verstärkt. Nur bei extrem starker Schädigung werden einzelne Stäbe ersetzt und im Mauerwerk verankert (Source 2). Wichtig ist immer, zuerst die Ursache (meist Feuchtigkeit) zu beseitigen.

Fazit

Risse in Hohlstein- und Ziegeldecken sind in der Bausanierung ein häufiges Phänomen, das nicht unterschätzt werden darf. Eine fundierte Diagnose ist der entscheidende erste Schritt. Während kleine, statische Risse im Putzbereich oft durch anstrich- oder putztechnische Maßnahmen behoben werden können, erfordern strukturelle Risse oder solche, die durch Feuchtigkeit und Korrosion verursacht wurden, tiefgreifende Eingriffe.

Für Hohlsteindecken sind Verfahren wie das Verpressen von Hohlräumen und die Verankerung mittels Spiralankersystemen zielführend, um die Tragfähigkeit wiederherzustellen. Bei Ziegeldecken im Keller steht die Beseitigung der Feuchtigkeitsursache im Vordergrund, gefolgt von einer Verstärkung der Stahlträger und dem Aufbringen von Spritzbeton. In jedem Fall ist die Begleitung durch einen Statiker und die Ausführung durch Fachkräfte empfehlenswert, um die Sicherheit und Dauerhaftigkeit der Sanierung zu gewährleisten.

Quellen

  1. Ruberstein.de - Risssanierung Mauerwerk
  2. KK-ingbau.de - Ziegeldecke sanieren
  3. Lothar-lange.de - Hohlsteindecken
  4. Diestatiker.de - Risse in Hohlsteindecken
  5. Forum-verlag.com - Risse im Mauerwerk sanieren
  6. Sakret.de - Risssanierung Altbausanierung
  7. Baumigo.de - Risse in der Decke

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