Holzfaserdämmplatten für die Fassadensanierung: Ökologische Dämmung von Altbaufassaden

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden stellt Eigentümer und Bauherren vor die Herausforderung, Effizienzsteigerung mit ökologischen Ansprüchen und baulichen Gegebenheiten in Einklang zu bringen. Insbesondere bei Altbauten, die oft über eine stabile Bausubstanz, aber eine unzureichende Wärmedämmung verfügen, gewinnen Holzfaserdämmplatten als Lösung für die Fassadendämmung zunehmend an Bedeutung. Als nachwachsender Rohstoff bietet Holzfaser nicht nur ausgezeichnete Dämmeigenschaften, sondern auch eine hohe Speicherkapazität und Atmungsaktivität, die zu einem angenehmen Raumklima beitragen.

Dieser Artikel beleuchtet die Anwendung von Holzfaserdämmplatten im Zuge einer Fassadensanierung. Basierend auf technischen Daten und Systembeschreibungen von Herstellern und Anwendungsleitfäden werden die spezifischen Eigenschaften, Systemlösungen für WDVS (Wärmedämmverbundsysteme) sowie die diversen Montageverfahren auf verschiedenen Untergründen dargestellt. Ziel ist es, Fachhandwerker, Hausbesitzer und planende Architekten über die Möglichkeiten einer nachhaltigen Fassadendämmung zu informieren.

Eigenschaften und Leistungsmerkmale von Holzfaserdämmplatten

Holzfaserdämmplatten zeichnen sich durch eine Kombination aus ökologischer Verträglichkeit und technischer Leistungsfähigkeit aus. Sie werden aus Holzresten, die in der Sägewirtschaft anfallen, hergestellt und stellen somit einen nachwachsenden Rohstoff dar. Ein entscheidendes Kriterium für die Dämmwirkung ist die Wärmeleitfähigkeit, angegeben durch den Lambda-Wert (λ). Hochwertige Holzfaserdämmplatten erreichen Werte, die sie in die Spitzengruppe der Dämmstoffe einordnen. So weist beispielsweise das System STEICOprotect 037 eine Wärmeleitfähigkeit von λD 0,037 auf.

Diese hohe Dämmleistung ermöglicht es, bei vergleichsweise geringen Aufbauten signifikante Energieeinsparungen zu erzielen. Eine Dämmstärke von lediglich 160 Millimetern kann den U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizient) einer Wand um über 80 Prozent verbessern und somit einen Beitrag zur Erreichung eines zeitgemäßen Energiestandards leisten. Darüber hinaus ermöglichen Dämmstoffdicken von über 30 Millimetern, eine Fassadenertüchtigung bis auf Passivhaus-Niveau zu realisieren.

Neben der Wärmedämmung spielen auch die Schalldämmung und das Feuchteverhalten eine wichtige Rolle. Holzfaserdämmplatten besitzen eine hohe Rohstoffdichte, die sich positiv auf die Schalldämmung auswirkt. Je nach Anwendungsbereich können Außenwände Schalldämmmaße von bis zu 56 Dezibel und Holzbalkendecken Werte von etwa 79 Dezibel erreichen. Zudem sind sie dampfdiffusionsoffen. Diese Eigenschaft beugt der Bildung von Kondensat und dem Befall durch Algen oder Pilzen vor, da Feuchtigkeit aus dem Mauerwerk oder dem Innenraum abtransportiert werden kann.

Ein weiteres Merkmal ist das Brandverhalten. Holzfaserdämmplatten werden in der Baustoffklasse B2 eingeordnet und gelten als normal entflammbar. Sie sind also nicht unbedingt schwer entflammbar wie mineralische Dämmstoffe, aber sie tragen im Brandfall nicht zur raschen Ausbreitung bei, sofern die Systeme fachgerecht ausgeführt werden.

Systemlösungen für die Fassadensanierung: WDVS und hinterlüftete Fassaden

Für die Sanierung von Fassaden kommen Holzfaserdämmplatten in verschiedenen Systemen zum Einsatz. Das klassische Verfahren ist das Wärmedämmverbundsystem (WDVS), bei dem die Dämmplatten vollflächig auf dem Untergrund befestigt und anschließend verputzt werden. Alternativ können hinterlüftete Fassadenkonstruktionen gewählt werden.

Thermowall WDVS (Durio / Gutex)

Ein Beispiel für ein speziell auf die energetische Sanierung zugeschnittenes System ist das Thermowall WDVS, wie es von Durio (Gutex) angeboten wird. Dieses System nutzt tragende Holzkonstruktionen, was den Vorteil hat, dass lose Putzschichten auf älteren Fassaden nicht zwingend abgeschlagen werden müssen. Auch Absätze oder Vorsprünge, die oft in Altbauten zu finden sind, müssen nicht aufwendig ausgeglichen werden. Dies spart Zeit und Kosten. Besonders bei geneigten Wänden lässt sich mit diesem System ein konisch zulaufender Dämmquerschnitt realisieren, was bei herkömmlichen, geklebten Platten oft schwierig ist.

Das System ermöglicht zudem die Integration neuer Installationen außenseitig in der Gefachebene, was eine Sanierung im bewohnten Gebäude erleichtert. Um Wärmebrücken zu vermeiden, werden alle Metall- und Installationsteile mindestens 10 cm überdämmt. Eine Besonderheit des Systems ist die Möglichkeit, die Platten optional mit Dämmelementen aus Kork zu kombinieren, um in feuchtigkeitsbelasteten Bereichen zusätzliche Sicherheit zu schaffen. Die Verputzung erfolgt mit zugelassenen Putzsystemen von zahlreichen Partnern. Sollte keine Verputzung gewünscht sein, können die Platten auch mittels Konterlattung mit einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade versehen werden.

WDVS mit Holzfaser: geklebt und verdübelt (Baumit)

Ein weit verbreitetes Verfahren für WDVS auf mineralischen Untergründen (Mauerwerk) ist das Kleben und Verdübeln. Hierbei werden die Dämmplatten im sogenannten Punkt-Wulst-Verfahren mit einem bauaufsichtlich zugelassenen Kleber (z. B. Baumit Multicontact) auf den tragfähigen Untergrund geklebt. Zusätzlich zur Verklebung ist bei Holzfaserdämmplatten zwingend eine mechanische Sicherung durch Schraubdübel erforderlich (z. B. Baumit Thermotop Schraubdübel S1).

Im Vergleich zu Dämmstoffen aus Mineralwolle oder EPS (Polystyrol) erfordern Holzfaserdämmplatten in der Regel eine dickere Armierungsspachtelung. Eine Schichtdicke von 6 bis 8 mm wird empfohlen, wobei ebenfalls Baumit Multicontact als Armierungsmörtel dient. Abschließend wird ein mineralischer Oberputz aufgetragen. Aufgrund der hohen Festigkeit und robusten Oberfläche eignen sich Holzfaserplatten hervorragend als Putzträger.

Holzunterkonstruktionen und Befestigungstechniken

Bei Sanierungen, die eine Unterkonstruktion erfordern – sei es aufgrund des Untergrunds oder gewünschter Systeme – kommen verschiedene Befestigungsarten zum Tragen.

Befestigung auf Holzuntergründen: Werden Holzfaserdämmplatten auf Holzuntergründe (z. B. in Holzbauweise oder auf bestehende Holzverkleidungen) montiert, kommen häufig Breitrückenklammern zum Einsatz. Für eine fachgerechte Montage sind spezifische Abstände einzuhalten: Der Mindestabstand zwischen Klammer und Rand der Holzunterkonstruktion sollte mindestens das Fünffache des Drahtdurchmessers betragen. Der Abstand zum Plattenrand sollte mindestens das Siebenfache des Durchmessers betragen, um eine sichere Verankerung zu gewährleisten. Die Verarbeitung der Plattenstöße richtet sich nach der Profilierung: Bei Nut- und Feder-Platten werden diese einfach miteinander verbunden. Bei Platten ohne Profilierung müssen die Stöße auf einer Tragkonstruktion aus Holz angebracht werden. Die genaue Anzahl der Klammern pro Quadratmeter ist abhängig von Gebäudehöhe, Windlasten und der Druckfestigkeit der Platte und muss den Herstellerangaben entnommen werden. Für die Verarbeitung werden pneumatisch betriebene Klammergeräte empfohlen.

Mehrlagige Systeme: Für hohe Anforderungen an die Dämmung können mehrlagige Systeme verwendet werden. Hierbei wird eine erste Dämmebene (z. B. mit Holzweichfaserplatten) auf einer Tragkonstruktion befestigt. Zwischen den Traghölzern wird die Dämmung (z. B. mit flexiblen Dämmplatten wie Gutex Thermoflex) vollflächig ausgefüllt. Die zweite Dämmebene (Putzträgerplatte) wird anschließend versetzt über die erste Ebene geschraubt (z. B. mit Schraubdübel STR Holz), um Wärmebrücken zu vermeiden. Darauf folgt die Armierungsspachtelung und der Oberputz.

Anwendungsbereiche und Leistungsdaten im Überblick

Holzfaserdämmplatten sind extrem vielseitig. Neben der Fassadendämmung eignen sie sich für Dachsanierungen, Innenräume und Bodenkonstruktionen. Die folgende Tabelle fasst die typischen Anwendungsbereiche und die dazugehörigen Leistungsdaten basierend auf den vorliegenden Quellen zusammen:

Anwendungsbereich Verlegung / System Dämmstoffdicke Wärmeleitfähigkeit (λ) Schalldämmung / Bemerkungen
Außendämmung (Fassade) WDVS (geklebt/verdübelt oder System Durio) 80–120 mm (Standard)
> 160 mm (hoch)
0.038–0.040 W/m·K
(0.036–0.038 W/m·K bei hoher Dicke)
Außenschalldämmung bis ca. 56 dB. Ermöglicht Passivhaus-Niveau.
Zwischensparrendämmung (Dach) Ein- oder mehrlagig 160–200 mm 0.036–0.038 W/m·K Dient auch als Unterdeckplatte (hydrophobiert).
Aufsparrendämmung Dämmplatten des Typs DAD Variabel - Vollflächige Auflage auf Sparren.
Innendämmung (Wände) Auf Holzständerwerk oder klebend 40–60 mm 0.040–0.045 W/m·K Verbessert Raumklima; hohe Schalldämmung (Innenwände ca. 62 dB).
Trittschalldämmung (Boden) Schwimmend (Typ DES) oder Aufbau 20–30 mm 0.043–0.045 W/m·K Trittschalldämmung bis ca. 34 dB.
Geschossdecken / Decken Hohlraumfüllung oder Auflage Variabel - Luft- und Trittschalldämmung (ca. 79 dB bei Holzbalkendecken).
WDVS (Holzständerbau) Direkt auf Holzständer (Typ WAP) Variabel - Überflüssig macht eine vollflächige Plattenbekleidung.

Preisgestaltung und Wirtschaftlichkeit

Die Kosten für Holzfaserdämmplatten sind variabel und hängen von der Dicke, dem Hersteller und dem Vertriebskanal ab. Grundsätzlich ist festzustellen, dass die Materialpreise mit steigender Dämmstärke und damit verbundener Leistungsfähigkeit ansteigen. Eine 100 mm starke Platte kostet ca. 12 bis 20 €/m² (Netto-Preise für das Material).

Bei einer Betrachtung der Gesamtkosten inklusive Einbau (Material und Handwerkerleistung) ergeben sich folgende Richtwerte, die zeigen, dass die Investition in eine hochwertige Dämmung langfristig lohnenswert ist:

  • 20–30 mm: Anwendung: Trittschalldämmung, Innenwände. Preis: ca. 10–15 €/m².
  • 40–60 mm: Anwendung: Wanddämmung, Decken. Preis: ca. 15–25 €/m².
  • 80–120 mm: Anwendung: Außendämmung, Dach. Preis: ca. 25–35 €/m².
  • 160–200 mm: Anwendung: Zwischensparrendämmung. Preis: ca. 35–50 €/m².
  • >200 mm: Anwendung: Hochleistungsdämmung (Passivhaus). Preis: > 50 €/m².

Diese Preisspannen dienen als Orientierung. Die Verfügbarkeit der Produkte ist in der Regel gut, Lieferzeiten können je nach Region und Anbieter zwischen 2 und 10 Tagen variieren. Die Wirtschaftlichkeit einer Sanierung mit Holzfaserdämmplatten ergibt sich aus der Reduzierung der Heizkosten, der Wertsteigerung der Immobilie und den Fördermöglichkeiten für ökologisches Bauen.

Besonderheiten bei der Sanierung schwieriger Untergründe

Ein häufiges Problem bei der Sanierung von Altbaufassaden sind unebene oder instabile Untergründe, wie sie beispielsweise bei Fachwerkhäusern oder Mischbauweisen vorkommen. Hier bieten Holzfaserdämmplatten, die in Systemen wie Durio auf einer tragenden Holzkonstruktion montiert werden, entscheidende Vorteile. Bewegungen und Setzungen des Mauerwerks oder Fachwerks werden durch die elastische Holzkonstruktion zuverlässig überbrückt, ohne dass Risse im Putz entstehen. Dies verhindert den aufwändigen Abbruch alter Putzschichten und das Ausgleichen von Absätzen.

Zudem erleichtert der modulare Aufbau die Installation neuer Leitungen. Während bei fest verklebten Systemen Leitungen oft in den Innenraum verlegt werden müssen, können sie hier bei Bedarf außenseitig in der Gefachebene untergebracht werden. Dies ist besonders bei einer Sanierung im bewohnten Zustand von Vorteil.

Fazit

Holzfaserdämmplatten stellen eine leistungsfähige und ökologisch sinnvolle Alternative zu konventionellen Dämmstoffen wie EPS oder Mineralwolle dar. Ihre Eigenschaften – hohe Wärmespeicherung, Dampfdiffusionsoffenheit und gute Schalldämmung – prädestinieren sie besonders für die Sanierung von Bestandsgebäuden.

Die Vielseitigkeit der Platten ermöglicht eine ganzheitliche Dämmung des Gebäudes, von der Fassade über das Dach bis hin zu Boden und Innenwänden. Ob als Teil eines WDVS, das auf mineralischen Untergründen geklebt und verdübelt wird, oder als System auf einer Holzunterkonstruktion für schwierige Altbaufassaden – es existieren für fast jede bauliche Situation passende Verarbeitungsmethoden. Trotz der höheren Materialkosten im Vergleich zu reinen Kunststoffdämmungen rechnen sich die Investitionen durch die hervorragenden Dämmwerte, die Langlebigkeit und den Beitrag zum gesunden Wohnklima. Für die energetische Sanierung im Sinne der Nachhaltigkeit sind Holzfaserdämmplatten damit eine zukunftssichere Wahl.

Quellen

  1. Gutex Thermowall Durio
  2. Baumit Selbermachen: Holzfaserdaemmplatten
  3. Steico Sanierung Fassadensanierung
  4. Heimwerk: Holzfaserdaemmplatte Fassade anbringen
  5. Energie-Experten: Holzfaserdaemmplatten

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