Die Stadt Bad Liebenstein, ein traditionsreicher Kurort in Thüringen, steht vor bedeutenden Investitionen in ihre kulturelle und städtebauliche Infrastruktur. Im Fokus dieser Entwicklungen steht das historische Comödienhaus, ein Gebäude mit einer wechselvollen Geschichte und aktuell dringendem Sanierungsbedarf. Dieser Artikel beleuchtet den Umfang der geplanten Maßnahmen, die finanziellen Rahmenbedingungen, die rechtlichen Vergabeverfahren und die technischen Herausforderungen, die mit der Revitalisierung eines denkmalgeschützten Kulturdenkmals verbunden sind.
Die Bedeutung des Comödienhauses für Bad Liebenstein
Das Comödienhaus in Bad Liebenstein ist mehr als nur ein Gebäude; es ist ein zentraler Bestandteil der städtischen Identität und ein wichtiger Ort für Kultur und Begegnung. Die Wurzeln des Hauses reichen zurück bis ins Jahr 1800, als es am 10. August, dem Geburtstag der Herzogin Mutter Charlotte Amalie, eingeweiht wurde. Diese historische Bedeutung unterstreicht die Notwendigkeit einer sensiblen und respektvollen Behandlung des Bauwerks im Rahmen der Sanierung.
Das Gebäudeensemble besteht aus den Bereichen Badehaus, Foyer und Theater. Eine wesentliche bauliche Veränderung erfolgte im Jahr 1936, als durch Umbaumaßnahmen der Badeanlagen eine gemeinsame Empfangshalle geschaffen wurde, die das Badehaus und das Kurtheater verband. Diese historischen Schichtungen und die funktionalen Unzulänglichkeiten, die sich über die Jahre angesammelt haben, stellen besondere Herausforderungen für die moderne Planung dar.
Ziel der Stadt Bad Liebenstein ist es, das Comödienhaus zu einem täglich öffentlich zugänglichen Ort der Kultur und Begegnung zu entwickeln. Neben der Sanierung und Modernisierung des Theaters ist die Einrichtung von Bibliotheksräumen und ein Heilwasserausschank geplant. Diese multifunktionale Nutzung soll das Gebäude für einen breiteren Nutzerkreis öffnen und seine Rolle als Herzstück der Kurstadt stärken.
Finanzieller Rahmen und Förderung
Ein entscheidender Faktor für die Realisierung des ambitionierten Projekts ist die umfangreiche Finanzierung durch öffentliche Fördermittel. Die Stadt Bad Liebenstein ist es gelungen, in das Förderprogramm des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) aufgenommen zu werden. Dieser Erfolg ist das Ergebnis einer gezielten Bewerbung, die die Stadt gemeinsam mit zwei weiteren Großprojekten eingereicht hat.
Für die Sanierung des Comödienhauses plant die Stadt Bad Liebenstein eine Investition von acht Millionen Euro. Die Förderquote liegt bei beeindruckenden 80 Prozent. Diese setzt sich zusammen aus 60 Prozent aus dem EFRE und 20 Prozent aus Städtebaufördermitteln. Die hohen Förderanteile ermöglichen es der Kommune, trotz der angespannten Haushaltslage weitreichende Modernisierungen durchzuführen, die andernfalls nicht möglich wären.
Die geplanten Investitionen sind Teil eines umfassenderen Entwicklungskonzepts. Neben dem Comödienhaus umfasst das Förderpaket die Neugestaltung der Esplanade im Historischen Kurpark und den Aufbau einer Wärmeversorgung im ehemaligen Industriequartier „Pfeifen und Holz“ in Schweina. Insgesamt investiert die Kurstadt bis 2027 über 16 Millionen Euro in diese drei Projekte, was eine massive Aufwertung der städtischen Infrastruktur und des Tourismuspotenzials bedeutet.
Projektphasen und Zeitplanung
Die Umsetzung des Projekts unterliegt einem straffen Zeitplan, der sich über mehrere Jahre erstreckt. Nachdem die langwierigen europäischen Planerauswahlverfahren erfolgreich abgeschlossen wurden, konnte die Stadt sofort mit den weiteren Planungen und Vorarbeiten beginnen.
Die Baukosten für das Comödienhaus werden zum Zeitpunkt der Vergabe auf insgesamt 4,96 Millionen Euro geschätzt. Diese Schätzung bezieht sich auf die Kostenarten KG 300 (Außenanlagen) und KG 400 (Baumaßnahmen), wobei KG 300 mit 3,26 Millionen Euro und KG 400 mit 1,70 Millionen Euro veranschlagt sind. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Schätzung im Planungsprozess liegt und auf den Ergebnissen der detaillierten Objektplanung basieren wird.
Die Baukosten für die Sanierung des Comödienhauses werden auf 4,96 Mio. EUR geschätzt (KG 300+400). Die Baukosten für die Neugestaltung der Esplanade werden auf ca. 6,5 Mio. EUR geschätzt.
Eine ursprüngliche Planung sah eine zweijährige Bauphase vor, die sich voraussichtlich auf die Jahre 2025 und 2026 erstrecken sollte. Jedoch gab es Verzögerungen in der Projektentwicklung. Laut einem Bericht vom August 2024 wurde der Start der Sanierungsmaßnahmen auf das Jahr 2025 verschoben. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Stadt Bad Liebenstein noch keinen offiziellen Fördermittelbescheid für die beiden Großprojekte erhalten. Die Verzögerungen bei der Auszahlung der Mittel aus dem EFRE-Programm, das vom Bund über das Land zu den Städten fließt, haben den Projektbeginn verzögert.
Vergabe von Planungsleistungen
Ein zentraler Schritt in der Projektvorbereitung war die Vergabe von Planungsleistungen. Die Stadtverwaltung Bad Liebenstein hat als öffentlicher Auftraggeber ein Verhandlungsverfahren durchgeführt, um qualifizierte Architekten und Ingenieure zu finden. Am 7. Dezember 2022 wurde der Auftrag an die Firma reich.architekten bda aus Weimar vergeben. Die Auftragssumme für diese Planungsleistungen betrug 591.152,00 EUR.
Die Vergabe unterteilt sich in verschiedene Fachbereiche, die den komplexen Anforderungen des Projekts gerecht werden:
Objektplanung Gebäude
Für die Objektplanung nach der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) Teil 3, Abschnitt 1 (Gebäude), wurden die Leistungsphasen 2 bis 4 ausgeschrieben. Dies umfasst die Vorplanung, Entwurfsplanung und die Genehmigungsplanung. Eine optionale Weiterbeauftragung der Leistungsphasen 5 bis 9 (Ausführungsplanung, Objektüberwachung) ist beabsichtigt.
Tragwerksplanung
Die Tragwerksplanung (HOAI Teil 4, Abschnitt 1) wurde ebenfalls separat vergeben. Hierbei handelt es sich um die statische Berechnung und die Bemessung der Tragkonstruktion. Gegenstand des Verfahrens waren die Leistungsphasen 1 bis 6, wobei der Umfang der Leistungsphasen 2 bis 4 vergeben wurde und eine Weiterbeauftragung der Phasen 5 und 6 vorgesehen ist. Die BGF (Bruttogrundfläche) des Ensembles beträgt ca. 1.500 m².
Planung Technische Ausrüstung
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Planung der Technischen Ausrüstung (HOAI Teil 4, Abschnitt 2). Dies umfasst die Planung von Heizung, Lüftung, Sanitär und Elektro. Auch hier wurden die Leistungsphasen 2 bis 4 ausgeschrieben, mit einer Option auf Weiterbeauftragung bis zur Phase 8 (Objektüberwachung).
Dieses mehrstufige Vergabeverfahren stellt sicher, dass alle relevanten technischen und baulichen Aspekte des Komplexen Projekts von spezialisierten Fachplanern bearbeitet werden.
Technische und gestalterische Herausforderungen
Die Sanierung des Comödienhauses ist mit erheblichen technischen und gestalterischen Herausforderungen verbunden, die im Planungsprozess bewältigt werden müssen.
Denkmalschutz und historische Bausubstanz
Das Gebäudeensemble ist als historisches Kulturdenkmal eingestuft. Die im Jahr 1936 durchgeführten Umbaumaßnahmen der Badeanlagen sind im Rahmen der aktuellen Planung zu bewerten. Eine funktionelle und gestalterische Lösung muss entwickelt werden, die sowohl den modernen Nutzungsanforderungen gerecht wird als auch im Dialog mit dem zuständigen Landesamt für Denkmalpflege Bestand hat. Die Herausforderung besteht darin, die historische Substanz zu erhalten und gleichzeitig die notwendigen technischen Standards für einen modernen Theater- und Kulturbetrieb zu schaffen.
Funktionale und gestalterische Unzulänglichkeiten
Neben den baulichen Mängeln bestehen im Inneren des Ensembles funktionelle und gestalterische Unzulänglichkeiten. Das Ziel der Sanierung ist es, die internen funktionalen Bezüge zu optimieren. Das Gebäude soll durch bauliche und technische Maßnahmen der Sanierung und Erneuerung einen regelmäßigen Theaterbetrieb entsprechend den heutigen Anforderungen ermöglichen. Gleichzeitig soll das kulturelle Erbe bewahrt werden.
Multifunktionale Nutzung des Foyers
Ein zentraler Aspekt der Modernisierung ist die Entwicklung des Foyers für eine multifunktionale Nutzung. Geplant ist beispielsweise eine Nutzung als Konferenz- und Tagungsraum. Diese Flexibilisierung der Raumstruktur ist entscheidend, um die Wirtschaftlichkeit des Gebäudes zu sichern und es für verschiedene Veranstaltungsformate zu öffnen. Die Planung muss hier Lösungen für eine variable Raumaufteilung und eine hochwertige technische Ausstattung finden.
Weitere städtebauliche Maßnahmen in Bad Liebenstein
Die Sanierung des Comödienhauses ist Teil einer umfassenderen städtebaulichen Aufwertung Bad Liebensteins. Weitere Projekte, die im selben Förderzeitraum realisiert werden, sind:
Neugestaltung der Esplanade im Historischen Kurpark
Die Esplanade, die von der Musikmuschel bis zur historischen Post reicht, ist Teil eines einzigartigen Denkmalensembles von nationaler Bedeutung. Ihr aktueller Zustand bietet den Kurgästen nur noch teilweise den Flaniercharakter, den sie einst besaß. Die Neugestaltung mit Anlehnungen an historische Vorbilder wird voraussichtlich 6,5 Millionen Euro kosten. Auch hier liegt die Förderung voraussichtlich bei 80 Prozent. Erste Gestaltungsentwürfe existieren bereits, die Planungen müssen nun zügig konkretisiert werden.
Wärmeversorgung im Industriequartier „Pfeifen und Holz“
Die Stadt Bad Liebenstein hat das ehemalige Industrieareal „Pfeifen und Holz“ im Ortskern von Schweina gekauft und arbeitet kontinuierlich daran, das Gelände wiederzubeleben. Ein zentraler Grundbaustein für die Entwicklung ist die Energieversorgung. Dazu hat die Stadt 2022 ein Integriertes energetisches Quartierskonzept in Auftrag gegeben. Der Aufbau einer zukunftsfähigen Wärmeversorgung ist ein wesentlicher Schritt zur Revitalisierung dieses Areals.
Rolle von Hotelbetrieben und lokaler Infrastruktur
Obwohl die vorliegenden Informationen keine direkte Sanierung eines Hotels in Bad Liebenstein betreffen, unterstreichen die Angaben zum Hotel Herzog Georg die Bedeutung einer intakten touristischen Infrastruktur für die Kurstadt. Das Hotel Herzog Georg zählt seit den 1930er Jahren zu den traditionsreichsten und beliebtesten Hotels in Bad Liebenstein. Es verfügt über 36 Zimmer im Haupthaus und 21 moderne Zimmer im direkt benachbarten Neubau.
Die zentrale Lage des Hotels im historischen Stadtkern, in unmittelbarer Nähe zu Theater, Brunnentempel und Kurkliniken, zeigt die Synergien zwischen den kulturellen Einrichtungen und der Hotellerie. Die Sanierung des Comödienhauses wird die Attraktivität des Standorts für Hotelgäste und Kurgäste weiter erhöhen. Die Bereitstellung von modernen Kultur- und Begegnungsstätten ist ein wesentlicher Faktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Tourismusstandorts Bad Liebenstein.
Projektmanagement und städtische Verwaltung
Die erfolgreiche Einwerbung der Fördermittel und die Koordination der komplexen Baumaßnahmen erfordern ein hohes Maß an Fachkompetenz vonseiten der städtischen Verwaltung. Der Stadtplaner Dr. Wilke und die Mitarbeiter der Stadtverwaltung haben laut Bürgermeister Brodführer fachlich eine sehr gute Vorarbeit geleistet. Die Bewerbung zur Landesgartenschau hat bewiesen, dass es sich um eine schlagkräftige und dynamische Kommune handelt.
Die Koordination der Projekte erfolgt durch das Bauamt unter der Leitung von Oliver Schröder. Die Verzögerungen bei der Bewilligung der Fördermittel haben zwar für Unruhe gesorgt, zeigen aber auch die Abhängigkeit von übergeordneten Verwaltungsprozessen. Die Stadt wartet auf den offiziellen Bescheid, um die Projekte planungssicher fortzuführen.
Fazit
Die Sanierung des Comödienhauses in Bad Liebenstein stellt ein bedeutendes Bauprojekt für die thüringische Kurstadt dar. Mit einer geplanten Investitionssumme von acht Millionen Euro, finanziert zu 80 Prozent durch EFRE- und Städtebaufördermittel, handelt es sich um eine der größten kulturellen Investitionen der Region in den kommenden Jahren.
Das Projekt ist technisch und gestalterisch anspruchsvoll, da es die denkmalgeschützte Bausubstanz aus dem 19. Jahrhundert mit modernen Nutzungsanforderungen verbinden muss. Die Herausforderungen liegen in der Optimierung der funktionalen Bezüge, der Entwicklung einer multifunktionalen Nutzung des Foyers und der sensiblen Behandlung der historischen Bausubstanz im Dialog mit der Denkmalpflege.
Die Vergabe von Planungsleistungen an spezialisierte Architekten und Ingenieure ist ein zentraler Schritt zur Sicherung der Qualität und Umsetzbarkeit des Projekts. Trotz aktueller Verzögerungen bei der Mittelvergabe bleibt die Zielsetzung der Stadt Bad Liebenstein klar: Die Schaffung eines lebendigen, täglich öffentlich zugänglichen Ortes der Kultur und Begegnung, der das historische Erbe bewahrt und für die Zukunft öffnet. Die erfolgreiche Umsetzung wird nicht nur das kulturelle Leben in Bad Liebenstein beleben, sondern auch den Tourismusstandort nachhaltig stärken.
Quellen
- Dank Fördermittel: Bad Liebenstein kann über 16 Millionen Euro in 3 große Projekte investieren
- Umbau Sanierung Comödienhaus in Bad Liebenstein
- Das Hotel Herzog Georg
- Umbau / Sanierung Comödienhaus in Bad Liebenstein Referenznummer der Bekanntmachung 2022 Bad Liebenstein
- Bad Liebenstein: Comödienhaus - Baustart verzögert sich
- Sanierung 2025: Tschüss Comödienhaus Bad Liebenstein