Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden stellt eine der zentralen Aufgaben der modernen Bauwirtschaft dar. Sie dient nicht nur der Reduzierung von Heizkosten und CO2-Emissionen, sondern auch der Erhaltung der Bausubstanz und der Sicherung bezahlbaren Wohnraums. Ein prominentes Beispiel für eine umfassende und strategisch geplante Sanierungsoffensive liefert die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) in Halle (Saale). Die Gesellschaft hat sich zum Ziel gesetzt, ihren Wohnungsbestand bis zum Jahr 2026 technisch und energetisch auf einen modernen Stand zu bringen. Dieser Artikel beleuchtet die von der HWG angewandten Methoden, Investitionsschwerpunkte und die daraus resultierenden Effizienzsteigerungen, basierend auf den vorliegenden Presseberichten und Unternehmensinformationen.
Strategische Ausrichtung und Zielsetzung
Die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) verfolgt eine klare Strategie zur Modernisierung ihres Wohnungsbestands. Laut Aussagen des Geschäftsführers im Jahr 2018 plant die Gesellschaft, alle noch nicht sanierten Objekte bis 2026 technisch und energetisch auf Vordermann zu bringen (vgl. Quelle 7). Das Ziel ist es, den Leerstand weiter zu reduzieren und den Hallensern bezahlbare Wohnungen anzubieten. Die wirtschaftliche Aufstellung der HWG ermöglichte es, nach schwierigen Phasen mit hohem Leerstand gigantische Investitionsprogramme zu stemmen. Für das Jahr 2018 wurden beispielsweise 35 Millionen Euro für Instandhaltungen und Investitionen geplant (Quelle 7).
Neben der energetischen Sanierung setzt die HWG auf zwei weitere Schwerpunkte: die Schaffung barrierearmer Wohnungen und die Reaktion auf die Nachfrage nach größeren Wohnungen, insbesondere für Familien (Quelle 7). Diese strategische Ausrichtung zeigt, dass Modernisierung nicht nur technisch, sondern auch sozial und marktorientiert gedacht wird.
Energetische Sanierung: Methoden und Ergebnisse
Ein Kernstück der HWG-Strategie ist die energetische Ertüchtigung von Gebäuden aus den 1960er und 1970er Jahren. Ein spezifisches Beispiel ist die Sanierung von acht Mehrfamilienhäusern in der Heideallee, Voßstraße und am Florentiner Bogen, die in den Jahren 2018 bis 2021 durchgeführt wurde (Quelle 1, 3, 4, 5).
Angewandte Sanierungsmaßnahmen
Um die Energieeffizienz zu steigern, wurden umfangreiche bauliche Veränderungen vorgenommen. Die Maßnahmen umfassten: * Dämmung der Fassaden: Eine umfassende Wärmedämmung der Außenhaut der Gebäude. * Dämmung der Kellerdecken: Um den Wärmeverlust nach unten zu reduzieren. * Einbau neuer Fenster: Austausch der alten Fenster durch moderne, dämmende Fensterkonstruktionen. * Erneuerung der Heizungsanlagen: Einbau neuer, effizienter Heizsysteme. * Anschluss an moderne Fernwärme: Installation deutlich effizienterer Fernwärmeanschlüsse (Quelle 1, 3, 4, 5).
Erreichte Effizienzsteigerungen
Durch diese Investitionen konnten signifikante Einsparungen erzielt werden. Die Wärmebedarfe in den sanieren Mehrfamilienhäusern aus den Baujahren 1963 und 1978 wurden um über 50 Prozent gesenkt. Dieser massive Rückgang des Energiebedarfs führte zu einer Aufwertung der Energieeffizienzklasse der Gebäude: Während sie zuvor den Klassen F bzw. E zugeordnet waren, erreichten sie nach der Sanierung die Klasse B. Zudem erfüllten alle acht Gebäude nach Abschluss der Arbeiten den KfW 100-Standard (Quelle 1, 3, 4, 5).
Die Vorteile dieser Sanierung liegen auf der Hand: Neben dem sichtbaren Beitrag zum Klimaschutz profitieren die Mieter direkt durch sinkende Wärmeverbräuche und damit verbundene niedrigere Nebenkosten. Zudem schützt die Fassadendämmung die Gebäudesubstanz vor äußeren Einflüssen und verlängert so die Lebensdauer der Gebäude (Quelle 5).
Auszeichnung: Grüne Hausnummer Sachsen-Anhalt
Die Qualität dieser Sanierungsarbeiten wurde durch eine Fachjury gewürdigt. Die HWG wurde als erstes hallesches Wohnungsunternehmen mit der „Grünen Hausnummer Sachsen-Anhalt“ ausgezeichnet. Diese Auszeichnung, initiiert von der Landesenergieagentur Sachsen-Anhalt (LENA), würdigt innovatives, energieeffizientes und nachhaltiges Bauen und Sanieren. Die Verleihung fand im Rahmen der Messe SaaleBAU statt, wobei der Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt sowie der Geschäftsführer der Landesenergieagentur der Geschäftsführerin der HWG gratulierten (Quelle 1, 3, 4, 5).
Fallbeispiele: Sanierung von Einzelobjekten
Neben der strategischen Sanierung von Gebäudekomplexen bearbeitet die HWG auch einzelne, spezifische Objekte, die besondere Herausforderungen oder Potenziale bieten.
Das Hochhaus Vogelweide 76
Das Gebäude Vogelweide 76 gilt als ältestes Hochhaus der Stadt Halle und wurde 1963 errichtet. Die HWG begann im Juli 2018 mit einer kompletten Sanierung, in die rund vier Millionen Euro investiert wurden (Quelle 2, 6).
Umfang der Sanierung: Die Sanierung war umfassend und veränderte die Struktur des Gebäudes grundlegend. * Grundrissänderung: Ursprünglich befanden sich im Haus 88 Ein-Raum-Wohnungen und vier Zwei-Raum-Wohnungen. Nach der Sanierung entstanden 32 Ein-Raum-Wohnungen (ca. 30 m²) und 36 Zwei-Raum-Wohnungen (ca. 60 m²). Diese Reduzierung der Wohnungsanzahl bei Vergrößerung der durchschnittlichen Wohnfläche reagierte auf die Nachfrage nach größeren Wohnungen. * Technische Erneuerung: In allen Wohnungen wurden die gesamte elektrische Installation sowie Bäder und Küchen erneuert. Die vorhandenen Balkone wurden saniert. * Brandschutz und Barrierefreiheit: Das Gebäude wurde brandschutztechnisch umfangreich saniert. Alle Etagen wurden mit einem Aufzug erreichbar gemacht. * Fassade und Energie: Die Fassade des neungeschossigen Hochhauses wurde farblich erneuert, und Dach- und Kellerdecken wurden energetisch ertüchtigt. Zudem wurde das Haus an das Fernwärmenetz der EVH angeschlossen. * Wohnumfeld: Eine Stellplatzanlage mit ca. 40 Pkw-Plätzen wurde errichtet und das Wohnumfeld aufgewertet.
Die Arbeiten sollten nach einem Zeitraum von zehn Monaten, also im Mai 2018, abgeschlossen sein. Die Kaltmiete wurde auf ab sechs Euro pro Quadratmeter festgelegt (Quelle 2, 6).
Modernisierung in der Otto-Hue-Straße
Ein weiteres Beispiel für moderne Sanierungstechniken ist die energetische Modernisierung von Gebäuden an der Otto-Hue-Straße. Hier hat die HWG den ersten Teil einer umfangreichen Sanierung abgeschlossen. Die Besonderheit dieser Maßnahme liegt in der Integration erneuerbarer Energien in die Bausubstanz. * Balkonkraftwerke: In die neu errichteten Balkonbrüstungen wurden kleine Photovoltaikanlagen integriert. Insgesamt wurden 72 Module an 36 Balkonen installiert, jeweils mit einer Leistung von 600 Watt. * Vorteile für Mieter: Diese „Balkonkraftwerke“ ermöglichen es den Mietern, einen Teil ihres Strombedarfs selbst zu decken. Laut Projektleiter Marco Rogge können je nach Verbrauch bis zu 30 % des Strombedarfs selbst erzeugt werden. Ein entscheidender Aspekt dieser Sanierung war die Planung, die Arbeiten im bewohnten Zustand durchzuführen, sodass kein Umzug der Mieter erforderlich war (Quelle 8).
Modernisierung von Wohnraumstruktur und Infrastruktur
Die Sanierungstätigkeit der HWG beschränkt sich nicht nur auf die energetische Hülle, sondern umfasst auch die Anpassung der Wohnraumstruktur an aktuelle Bedürfnisse und die Verbesserung der Infrastruktur.
Wohnraumstruktur
Die HWG reagiert auf Veränderungen im Wohnungsmarkt. Während in der Vergangenheit viele Kleinwohnungen (Einraumwohnungen) vorhanden waren, steigt die Nachfrage nach größeren Wohnungen für Familien. Dies zeigte sich nicht nur bei der Umstrukturierung des Hochhauses Vogelweide 76, sondern auch bei der Sanierung von Altbauten in der Innenstadt (Großer Berlin, Große Märkerstraße) und dem Neubau am Riebeckplatz. Am Riebeckplatz entsteht ein Wohn- und Geschäftshaus, das die Innenstadtlage aufwertet (Quelle 7).
Wohnumfeld und Infrastruktur
Zur Aufwertung des Wohnumfelds gehört auch die Bereitstellung von Stellplätzen, wie im Fall Vogelweide 76 geplant. Die HWG investiert gezielt in die Verbesserung der Infrastruktur rund um die Wohngebäude, um die Lebensqualität der Mieter zu steigern.
Fazit
Die Hallesche Wohnungsgesellschaft (HWG) bietet ein umfassendes Beispiel für eine professionelle und zukunftsorientierte Sanierungsstrategie im Wohnungsbestand. Die Maßnahmen zeigen sich in einer klaren Priorisierung: Energetische Sanierung zur Senkung des Wärmebedarfs um über 50 % und Erreichen des KfW 100-Standards, strukturelle Anpassung der Wohnungsgrößen an die Nachfrage sowie die Integration moderner Technologien wie Balkonkraftwerke.
Die Erfolge dieser Strategie manifestieren sich nicht nur in den verbesserten Energieeffizienzklassen (von F/E auf B) und den erzielten Mietersparnissen, sondern auch in der Anerkennung durch externe Fachgremien, symbolisiert durch die Auszeichnung mit der „Grünen Hausnummer Sachsen-Anhalt“. Die Investitionen von rund vier Millionen Euro in einzelne Hochhäuser und mehrere Millionen Euro in Gebäudekomplexe unterstreichen den ernsthaften Willen, den Bestand bis 2026 vollständig zu modernisieren. Für Bauherren und Wohnungseigentümer liefert der Ansatz der HWG wichtige Anhaltspunkte: Umfassende Dämmung (Fassade, Kellerdecken), der Austausch von Fenstern und Heizsystemen sowie die Nutzung von Fernwärme sind effektive Hebel zur Steigerung der Energieeffizienz. Zudem zeigt die Integration von Photovoltaik direkt in die Bausubstanz einen Weg auf, wie Mieter in die Energieerzeugung einbezogen und Nebenkosten weiter gesenkt werden können.
Quellen
- Auszeichnung für energetische Sanierung: HWG bekommt als erstes Wohnungsunternehmen in Halle „Grüne Hausnummern“
- Halle (Saale) - Die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) hat mit der Sanierung des ältesten Hochhauses der Stadt, des Gebäudes Vogelweide 76, begonnen
- Als erstes hallesches Wohnungsunternehmen wurde die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) mit der „Grünen Hausnummer Sachsen-Anhalt“ ausgezeichnet
- Als erstes hallesches Wohnungsunternehmen wurde die Hallesche Wohnungsgesellschaft mbH (HWG) mit der Grünen Hausnummer Sachsen-Anhalt ausgezeichnet
- Dank der Investitionen in die energetische Ertüchtigung konnten die Wärmebedarfe in den 1963 und 1978 gebauten Mehrfamilienhäusern um über 50 Prozent gesenkt werden
- Ältestes Hochhaus Halles an der Vogelweide wird saniert
- Wie ist es um den Wohnungsbestand der HWG bestellt?
- An der Otto-Hue-Straße hat die hwg den ersten Teil einer umfangreichen energetischen Modernisierung abgeschlossen