Die Sanierung von Schulgebäuden stellt eine der zentralen Aufgaben der kommunalen Bauverwaltung dar, insbesondere wenn es sich um großformatige Integrierte Gesamtschulen (IGS) mit erheblichem Sanierungsstau handelt. Der Gebäudekomplex der IGS Roderbruch in Hannover steht exemplarisch für die Herausforderungen, die sich aus der Sanierung von Bauten aus den 1970er Jahren ergeben. Dieser Artikel beleuchtet auf Basis der vorliegenden Verwaltungsdokumente und politischen Drucksachen den aktuellen Stand der Sanierungsmaßnahmen, die spezifischen Defizite des Baukörpers, die finanziellen Rahmenbedingungen sowie die strategische Planung der Stadt Hannover. Besonderes Augenmerk liegt dabei auf der Sporthalle und der Fassadensanierung, die sowohl technische als auch wirtschaftliche Aspekte für die Bauwirtschaft relevant machen.
Bauliche Ausgangssituation und Defizite
Die IGS Roderbruch ist ein typischer Vertreter der Schularchitektur der frühen 1970er Jahre. Das Hauptgebäude wurde in den Jahren 1972 bis 1973 errichtet. Solche Gebäude weisen häufig spezifische Baumängel auf, die im Laufe der Jahrzehnte zu erheblichen Substanzschäden führen können.
Dach- und Fassadendefekte
Ein zentrales Problem, das in den vorliegenden Dokumenten immer wieder thematisiert wird, ist die Undichtigkeit der Gebäudehülle. In Zeitungsberichten wird explizit darauf hingewiesen, dass es in der IGS Roderbruch „durchs Dach regnet“. Diese Feuchtigkeitseinträge sind nicht nur störend für den Schulbetrieb, sondern stellen eine akute Gefahr für die Bausubstanz und die Gesundheit der Nutzer dar.
Eine im Jahr 2021 in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie zur Sanierung der Fassaden und Dächer hat die Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen bestätigt. Die Untersuchung ergab, dass insbesondere die sechs Glasoberlichter der Schulstraße sowie zwei Schrägfassaden in einem ersten Bauabschnitt saniert werden müssen. Diese Pultglasdächer sind oft technisch veraltet und weisen hohe Wärmeverluste sowie Undichtigkeiten auf.
Sporthalle: Brandschutz und Substanzerhalt
Die Sporthalle der IGS Roderbruch, ebenfalls in den 1970er Jahren errichtet, weist massive Mängel auf. Neben den undichten Dächern und Fenstern ist vor allem der Brandschutz ein kritisches Thema. Der aktuelle Brandschutzstandard entspricht nicht mehr den heutigen Sicherheitsanforderungen. In einem umfassenden Brandschutzkonzept vom 10. Dezember 2015 wurden die notwendigen Maßnahmen zwar festgelegt, deren Umsetzung verzögerte sich jedoch.
Konkret sind in der Sporthalle folgende Sanierungsarbeiten notwendig: * Anpassung des Brandschutzes an aktuelle Sicherheits- und Brandschutzstandards. * Erneuerung der Prallwände. * Erneuerung der Bodenbeläge. * Erneuerung der Zuschauertribüne.
Zusätzlich wurden im Zuge der Barrierefreiheit die Belange der Beauftragten für Menschen mit Behinderungen berücksichtigt. So werden im Bereich der Zuschauerbühne fünf barrierefreie Zuschauerplätze geschaffen, und sämtliche Rettungswege werden barrierefrei eingerichtet.
Finanzierung und Kostenstruktur
Die Sanierung der IGS Roderbruch ist mit erheblichen finanziellen Mitteln verbunden, die im Haushalt der Landeshauptstadt Hannover (LHH) verplant werden müssen. Die Dokumente geben detaillierte Einblicke in die Kostenrechnung und die Finanzierungslogik kommunaler Investitionen.
Investitionskosten für die Sporthalle
Für die Sanierung der Sporthalle der IGS Roderbruch wurde ein Antrag auf Zustimmung zu den Sanierungsmaßnahmen in Höhe von insgesamt 1.770.000 € gestellt. Dieser Betrag umfasst die Gesamtkosten der Baumaßnahme.
Die Finanzierung erfolgt über den Teilfinanzhaushalt des Fachbereichs Gebäudemanagement. Die Mittel werden in der Investitionsmaßnahme 21801800 (IGS Rod., Sanierung Sporthalle) bereitgestellt.
Laufende Aufwendungen und Abschreibungen
Neben den einmaligen Investitionskosten entstehen durch die Sanierung jährliche zusätzliche Aufwendungen in Höhe von 118.700 €. Diese ergeben sich aus der internen Leistungsverrechnung und Nutzungsentgelte und setzen sich wie folgt zusammen:
- Bauliche Unterhaltung: Gemäß Richtwert der Kommunalen Gemeinschaftsstelle für Verwaltungsmanagement (KGSt) werden 1,2 % der Investitionssumme (1.770.000 €) angesetzt.
- Abschreibungen: Es erfolgt eine Abschreibung von 3 % der Investitionssumme.
- Kalkulatorische Zinsen: Es werden 5 % Zinsen auf die durchschnittlich (zu 50 %) gebundene Investitionssumme berechnet.
Diese Kostenbelastung zeigt, dass Sanierungen nicht nur die Investitionsbudgets belasten, sondern auch die laufenden Betriebskosten der Schule dauerhaft erhöhen.
Kosten für die Fassadensanierung
Für die Sanierung der Fassaden und Dächer (erster Bauabschnitt) sind gesonderte Kosten zu veranschlagen. In der Machbarkeitsstudie von 2021 wurden die Maßnahmen beschrieben, jedoch sind die exakten Summen für diese Teilsanierung in den vorliegenden Ausschnitten nicht explizit beziffert. Es ist jedoch von vergleichbaren Größenordnungen auszugehen, da es sich um umfangreiche Arbeiten an sechs Pultglasdächern und Schrägfassaden handelt.
Terminplanung und Projektablauf
Die Planung und Durchführung von Baumaßnahmen im kommunalen Bereich unterliegen strengen Verfahren und sind oft langfristig angelegt. Bei der IGS Roderbruch zeigt sich eine Diskrepanz zwischen dem akuten Sanierungsbedarf und der tatsächlichen Umsetzung.
Chronologie der Verzögerungen
Ursprünglich war vorgesehen, die Sanierungsmaßnahmen bereits in den Jahren 2014 bis 2016 durchzuführen. Aufgrund der temporären Unterbringung von Flüchtlingen in mehreren Sporthallen der LHH wurden diese Pläne jedoch aufgeschoben, um die Hallenkapazitäten nicht weiter zu reduzieren. Erst als im Laufe des Jahres 2016 die Hallenkapazitäten wieder uneingeschränkt zur Verfügung standen, konnte die Umsetzung beginnen – wobei es sich hierbei oft nur um vorbereitende Maßnahmen oder erste Abschnitte der Schadstoffsanierung handelte.
In einem Zeitungsbericht aus der HAZ vom Jahr 2023 wird kritisiert, dass die Bauverwaltung die Drucksache im Haushaltspoker bewusst verschleppt habe, um Argumente für eine Verschiebung der Bauarbeiten ins übernächste Jahr zu haben. Konkret wurde beanstandet, dass der Bezirksrat erst nach massiver Intervention der SPD klarstellte, dass es in Hannover keine Schulen geben darf, in denen Wasser durch die Decke läuft. Trotzdem wurde der Start der Sanierungsarbeiten für die Dach- und Fassadensanierung auf den Sommer 2024 terminiert.
Zukünftige Planung
Die Stadtverwaltung hat im Jahr 2022 eine neue Machbarkeitsstudie zur Sanierung der gesamten IGS Roderbruch in Auftrag gegeben. Im Sommer 2023 wurden die Ergebnisse vorgestellt, die bestätigten, dass die Schule sanierungsfähig ist. Das Ingenieurbüro präsentierte einen Sanierungsplan, der in sechs Phasen unterteilt ist.
Der Bezirksrat Buchholz-Kleefeld fordert nun transparente Informationen über die Umsetzung dieser Phasen. Konkrete Fragen an die Verwaltung sind: * Wie werden die Sanierungsphasen unterteilt, um eine Umsetzung in den nächsten Jahren zu gewährleisten? * In welcher Reihenfolge werden die verschiedenen Gebäudeteile saniert? * Wann wird eine Informationsdrucksache mit dem Zeitplan vorgelegt, und sind Gelder für die Planung bereits im Haushalt 2025/2026 eingeplant?
Es ist zu vermerken, dass zum Zeitpunkt der vorliegenden Dokumente (Stand Ende 2023 / Anfang 2024) noch kein verbindlicher Zeitplan für die vollständige Sanierung vorlag.
Nutzungsaspekte und Schulbetrieb
Die Sanierung muss unter Berücksichtigung des laufenden Schulbetriebs erfolgen. Die IGS Roderbruch ist eine der größten Schulen in Hannover und für die Bedarfsdeckung unverzichtbar.
Kapazitäten und Einzugsbereich
Die IGS Roderbruch ist eine gebundene Ganztagsschule mit einem Primarbereich (4-zügig, ca. 395 Schüler) sowie einem Sekundarbereich I und II (je 6-zügig). Im Schuljahr 2022/23 besuchten insgesamt 1.894 Schülerinnen und Schüler die Schule. Der Einzugsbereich erstreckt sich über das gesamte Stadtgebiet Hannover. Aufgrund der anhaltend hohen Schulplatzbedarfe wird die Schule dauerhaft zur Bedarfsdeckung benötigt, was eine vollständige Schließung oder längere Unterbrechungen des Betriebs ausschließt.
Sportangebot und Infrastruktur
Neben dem Unterricht spielt Sport eine große Rolle. Die Schule verfügt über eine großflächige Sportanlage mit mehreren Hallen und einem umfangreichen Außengelände. Das Angebot umfasst sowohl den Schulsport als auch außerunterrichtliche Aktivitäten und Kooperationen mit Partnern wie Hannover 96 oder den Hannover Indians. Die Sanierung der Sporthalle ist daher essenziell, um diesen hohen Standard aufrechtzuerhalten.
Ein spezieller Aspekt der städtebaulichen Entwicklung ist die geplante Trainingseishalle am Pferdeturm. Ein Antrag aus dem Bezirksrat Buchholz-Kleefeld zielt darauf ab, eine solche Halle zu errichten, um den Trainingsaufwand für Eishockey-Teams zu reduzieren und Schulungen familienfreundlicher zu gestalten. Zwar betrifft dies nicht direkt die IGS Roderbruch, zeigt aber den strategischen Ausbau der Sportinfrastruktur im Stadtbezirk.
Zusammenfassung der Sanierungsmaßnahmen
Die Sanierung der IGS Roderbruch lässt sich in zwei Hauptstränge unterteilen: die sofortige Instandsetzung von Undichtigkeiten (Dach/Fassade) und die grundlegende Modernisierung der Sporthalle.
Tabelle: Sanierungsmaßnahmen und Status
| Bereich | Maßnahme | Kosten (ca.) | Zeitplanung | Status laut Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Sporthalle | Brandschutzanpassung, Erneuerung Prallwände, Bodenbeläge, Tribüne, Barrierefreiheit | 1.770.000 € | Ursprünglich 2014-2016, verschoben | Antrag gestellt, Mittel bereitgestellt, Start Sommer 2024 (kritisch) |
| Fassade/Dach | Sanierung 6 Glasoberlichter, 2 Schrägfassaden | Nicht explizit beziffert | Ursprünglich 2014-2016, verschoben | Machbarkeitsstudie 2021/2023, Start Sommer 2024 geplant |
| Gesamtgebäude | Sechsphasiger Sanierungsplan (Machbarkeitsstudie 2022/23) | Offen | Noch nicht terminiert | Laufende Planung, Drucksache angefordert |
Fazit
Die Sanierung der IGS Roderbruch in Hannover ist ein Paradebeispiel für die Komplexität von Baumaßnahmen im kommunalen Bereich. Die Gebäude aus den 1970er Jahren weisen gravierende Mängel auf, die von undichten Dächern über veraltete Brandschutzkonzepte bis hin zu fehlender Barrierefreiheit reichen. Die Stadt Hannover hat mit der Machbarkeitsstudie 2021/2023 die Weichen für eine langfristige Sanierung gestellt, doch die unmittelbare Umsetzung der dringendsten Maßnahmen – insbesondere in der Sporthalle – war jahrelang Gegenstand politischer Auseinandersetzungen.
Finanziell bewegt sich das Projekt im Bereich von 1,77 Millionen Euro für die Sporthalle, was mit jährlichen Folgekosten von rund 118.700 Euro verbunden ist. Für Bauinteressenten und Planungsbüros zeigt der Fall Roderbruch die Bedeutung von Vorstudien (Machbarkeitsprüfungen) und die Notwendigkeit, Sanierungspläne flexibel genug zu halten, um auf externe Einflüsse (wie die Flüchtlingsunterbringung) reagieren zu können. Die weitere Entwicklung hängt nun davon ab, wie die Verwaltung den sechsphasigen Sanierungsplan in den Haushaltsplanungen 2025/2026 verankert und die Arbeiten tatsächlich umsetzt.