Einleitung
Das Intercontinental Frankfurt, ein markantes Hochhaus am nördlichen Mainufer und einst größtes Hotel Frankfurts, befindet sich derzeit in einer tiefgreifenden Transformationsphase. Der Komplex, der ursprünglich in den frühen 1960er Jahren erbaut wurde und seitdem mehrfach renoviert und umgebaut wurde, unterzieht sich einer umfassenden Kernsanierung, die weit über ein einfaches Facelift hinausgeht. Die Notwendigkeit dieser Maßnahmen ergibt sich aus dem verfallenen Zustand der Bausubstanz und dem Nicht-Erfüllen aktueller bautechnischer Vorschriften, insbesondere im Brandschutz. Ohne diese grundlegende Sanierung drohte dem traditionsreichen Betrieb mit seinen 467 Zimmern die Schließung.
Neben der reinen Instandsetzung umfasst das Vorhaben eine städtebauliche Aufwertung durch den Zubau von Büro- und Wohngebäuden. Ziel ist es, das Hotel in ein bedeutendes Ensemble für das Bahnhofsviertel zu überführen. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen Herausforderungen, die geplanten Baumethoden und die wirtschaftlichen Aspekte dieses Großprojekts, basierend auf verfügbaren Fachinformationen.
1. Ausgangslage: Baulicher Zustand und Sanierungsbedarf
Das Hotelgebäude präsentiert sich als 21-stöckige Hochhausscheibe, die auf einem zweigeschossigen Sockel steht. Das Grundstück umfasst ca. 10.000 m² und wird von der Wilhelm-Leuschner-Straße und dem Untermainkai begrenzt.
Die Fassade und Statik
Ein dringendes Problem stellte die äußere Hülle dar. Die städtische Bauaufsicht identifizierte erhebliche Mängel an der Natursteinfassade. Teile des alten Natursteins bröckelten, was eine unmittelbare Gefahr darstellte. Um diese Gefahr zu bannen, mussten kurzfristig Sicherungsmaßnahmen ergriffen werden. Der alte Naturstein wurde komplett abgebaut und durch eine Zwischenlösung mit anderem Material ersetzt. Für diese „Notsanierung“ wurden rund eine Million Euro aufgewendet.
Darüber hinaus ist die Statik des Hauses sanierungsbedürftig. Fachleute planen, das Gebäude „bis auf Stahl und Beton zu entkernen“. Die komplette Sanierung des Interconti wird voraussichtlich eine dreistellige Millionensumme kosten. Die Statik soll dabei ganz neu aufgebaut werden, um den aktuellen Anforderungen zu genügen.
Brandschutz und Normen
Laut der Stadt Frankfurt entsprechen der Brandschutz und zahlreiche andere Bereiche längst nicht mehr den aktuellen Vorschriften. Ein Vertreter der Sweco Deutschland, die sich für die Sanierung beworben hat, betonte, dass die Alternative zur Sanierung die Schließung des Hauses wäre. Die Normen haben sich seit der Eröffnung 1963 stark verändert, und ein Weiterbetrieb ohne grundlegende Erneuerung ist rechtlich nicht mehr möglich.
2. Das Sanierungskonzept: Vom Hotel zum Mixed-Use-Ensemble
Das Projekt ist in drei Bauabschnitte unterteilt und zielt auf eine weitreichende Modernisierung ab, die auch die Nutzung ändert.
Innensanierung und Raumstruktur
Im Inneren des Gebäudes sind tiefgreifende Veränderungen geplant: * Zimmer und Korridore: Diese sollen optisch wie technisch in einen zeitgemäßen Zustand versetzt werden. Die heutigen hohen Betonbrüstungen vor jedem Raum sollen verschwinden, was zu größeren Zimmern führen wird. * Lobby: Es ist vorgesehen, einen Durchstich der Lobby zur Mainseite zu schaffen. Bisher erfolgte die Erschließung des Hotels über die Wilhelm-Leuschner-Straße (Rückseite), während die dem Main zugewandte Seite nicht genutzt wurde. Dies soll sich ändern, um die bessere Seite des Hotels, den Main, zu erschließen. * Konferenzräume: Die Spezialisten schlagen vor, die Konferenzräume zu vergrößern. * Wellnessbereich: Das Hotel verfügte bisher über keinen Spa-Bereich mit Pool. Es gibt Wünsche, diesen in das bestehende Gebäude oder einen Anbau zu integrieren. Das stillgelegte Poolgebäude ist zum Abriss vorgesehen. * Technikbereich: Der als Sockel ausgebildete neue Technikbereich soll die neue Terrasse bilden.
Erweiterungsbauten (Zubau)
Die Erweiterung des Bestandsgebäudes um rund 20.000 m² Bruttogeschossfläche ist geplant. Dies geschieht durch einen neuen Bürotrakt zur City hin und einen Wohnteil in Richtung Main. * Bürogebäude: Ein neuer Bürotrakt ist vorgesehen, der auch Co-Working-Spaces beherbergen soll. * Wohngebäude: In Richtung Main soll ein Wohntrakt entstehen.
Diese Erweiterung erfolgt im Rahmen eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans. Ziel ist es, die städtebauliche Figur des Hotels zu neutralisieren und es in eine Blockrandstruktur einzubinden. Das Hotel aus den 60er Jahren gilt als Relikt des stadtauflösenden Bauens, das den Maßstab des Kontexts ignorierte. Die Erweiterung soll diese Problematik mindern.
3. Bauausführung und Logistik
Die zentrale Innenstadtlage des Grundstücks stellt die Bauausführung vor besondere Herausforderungen.
Baustellenlogistik
Die verkehrstechnischen Gegebenheiten am Mainufer und im Bahnhofsviertel erschweren die Baustellenlogistik erheblich. Der Transport von Material und die Entsorgung von Aushub müssen extrem präzise geplant werden, um den städtischen Verkehrsfluss nicht übermäßig zu stören.
Verwaltungsverfahren
Für die Erweiterung ist ein Verfahren nach der Verordnung über die Umweltverträglichkeitsprüfung (VEP) erforderlich. Dieses Verfahren wird parallel zur Hochbauplanung vorangetrieben. Eine enge Abstimmung zwischen den Planern und den Behörden ist notwendig, um den Baufortschritt trotz der komplexen Rahmenbedingungen reibungslos zu gestalten.
4. Zeitplan und Projektmanagement
Das Projekt ist langfristig angelegt. Die Sanierung wurde offiziell als „vorgezogene Renovierung“ angekündigt, die ursprünglich bis Ende 2024 dauern sollte. Andere Quellen sprechen von einer Gesamtdauer von drei bis vier Jahren.
Das Projektmanagement umfasst die Erbringung der vollständigen Generalplanungsleistungen, inklusive vollständiger Projektsteuerungsleistungen. Die Entscheidung über die komplette Sanierung sollte ursprünglich im August des laufenden Jahres (Stand der Quelle) durch den Immobilienkonzern Aroundtown, den Besitzer des Hotels, gefällt werden.
5. Städtebauliche Einbettung und Kritik
Das Vorhaben stößt nicht nur auf Zustimmung. Es gibt breite Kritik aus der Bevölkerung und von Fachleuten.
Kritik an der Architektur
In einem Leserbrief der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kritisiert Stefan Forster (Architekturbüro Forster) die geplanten Neubauten. Während die Absicht, das Hotel in eine Blockrandstruktur einzubinden, nachvollziehbar ist, hält er die Architektur der Neubauten für unverständlich. Er bemängelt, dass die Neubauten Fehler vieler Neubaugebiete der letzten Jahre wiederholen. Zudem kritisiert er das Vergabeverfahren.
Bürgerbeteiligung
Trotz der Kritik hält die Stadt Frankfurt am Bebauungsplan fest. Es ist üblich, dass im Bebauungsplanverfahren Einwände geltend gemacht werden, die anschließend bewertet werden. Einladungen zur Mitbestimmung für Anwohner erreichten jedoch nicht alle Interessierten, was zu Unmut führte.
Das Umfeld: Riverside Suites und Union Investment
Das Intercontinental-Projekt ist Teil eines größeren städtebaulichen Kontextes. Gleich nebenan plant Sweco (für die German Estate Group) die „Riverside Suites“: Ein Wohnkomplex aus bis zu siebengeschossigen Blöcken mit rund 100 Wohnungen (Mischung aus Eigentum und geförderten Einheiten). Zudem wird das nahegelegene Union-Hochhaus (ca. 95 Meter hoch) zum „Riverside Tower“ umgebaut. Dieses Gebäude wird entkernt, erhält eine neue Fassade (Architekt Ole Scheeren) und soll 220 Wohnungen beherbergen. Diese parallelen Projekte verstärken die Bautätigkeit am Mainufer erheblich.
Fazit
Die Sanierung des Intercontinental Frankfurt ist ein Paradebeispiel für die Komplexität moderner Stadtsanierung. Es handelt sich nicht nur um eine reine Instandhaltung eines in die Jahre gekommenen Hotels, sondern um eine städtebauliche Neuordnung eines ganzen Abschnitts des Frankfurter Mainufers. Die technischen Herausforderungen – von der statischen Entkernung über die Sicherung der Fassade bis hin zur komplexen Logistik in der Innenstadt – sind enorm.
Die Maßnahmen sind aus baurechtlicher Sicht zwingend erforderlich, um den Fortbestand des Hauses zu sichern. Die Investitionssumme im dreistelligen Millionenbereich unterstreicht den Wert des Objekts und die Notwendigkeit der Modernisierung. Gleichzeitig zeigt die öffentliche Debatte um die Architektur der Erweiterungsbauten, dass solche Großprojekte immer auch eine Diskussion über den Charakter einer Stadt und die Gestaltung von Wohn- und Arbeitsräumen nach sich ziehen. Für Bauinteressenten und Immobilienexperten bleibt das Interconti-Projekt ein spannendes Feld, um die Entwicklung von Hotelimmobilien und gemischten Nutzungskonzepten in metropolitanen Zentren zu verfolgen.