Die Entwicklung und Instandhaltung von Sportinfrastruktur stellt kommunale Verwaltungen, Planer und Bauunternehmen vor komplexe Herausforderungen. In Iserlohn werden aktuell zwei zentrale Aspekte des Sportsachenbaus sichtbar: die energetische und technische Sanierung bestehender Gebäude sowie der Neubau moderner, multifunktionaler Anlagen. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Maßnahmen der Sanierung einer RLT-Anlage in der Sporthalle Wiesengrund und den Bau einer neuen Zweifachturnhalle in Hennen. Zudem wird der politische und administrative Rahmen durch ein aktuelles Bundesförderprogramm dargestellt, der für die Finanzierung solcher Projekte entscheidend ist.
Sanierung der RLT-Anlage in der Sporthalle Wiesengrund
Die Modernisierung von Bestandsgebäuden erfordert oft präzise Planung, um neue Technik in bestehende Bausubstanz zu integrieren. Die Sanierung der Sporthalle Wiesengrund in Iserlohn ist ein Beispiel für eine umfassende technische Erneuerung im Bestand.
Zielsetzung und Umfang der Maßnahme
Das Hauptziel der Sanierung war der Austausch der alten, abgängigen Lüftungsanlage im Bereich der Sporthalle und der Nebenräume (Umkleiden, Waschräume, Duschräume). Parallel zu den Lüftungsarbeiten erfolgte eine Umstellung der Beheizung für die Nebenräume auf statische Heizflächen. Die Steuerung beider Anlagen – Lüftung und Heizung – wird über einen zentralen Schaltschrank realisiert, der zudem an die vorhandene Gebäudeleittechnik (GLT) angeschlossen ist. Ein besonderer Platzmangel auf der Aufstellfläche machte den Einsatz aktueller, kompakter Technik notwendig.
Technische Lösungen für die Sporthalle
Für die Belüftung der Sporthalle kommt ein Umluftprinzip zur Anwendung. Die Außenluft wird gemeinsam über das Dach angesaugt. Ein CO2-Sensor regelt die Zuführung der Luft über ein bestehendes Kanalsystem in die Halle. Dieses System ist auf einen Luftvolumenstrom von 8.300 m³/h ausgelegt. Über eine zentrale Regelung wird die Funktion des Lüftungsgerätes sowie der motorisch betriebenen Brandschutzklappen im Zu- und Abluftsystem überwacht.
Lüftungstechnik für Nebenräume
Ein separates Lüftungsgerät mit einer Kapazität von 1.750 m³/h versorgt die Umkleiden, Wasch- und Duschräume. Dieses Gerät verfügt über eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung und nutzt ein neues Kanalsystem. Es ist ebenfalls in der Lüftungszentrale aufgestellt und wird zentral gesteuert.
Hydraulische Entkopplung der Heizung
Die Beheizung der Nebenräume wurde vollständig auf statische Heizflächen umgestellt. Dabei wurde der ehemals direkte Anschluss an das Fernwärmesystem der Stadt hydraulisch durch eine Kompaktstation entkoppelt. Diese Maßnahme ermöglicht eine effizientere und regelbare Wärmeversorgung.
Neubau einer Zweifachturnhalle in Hennen
Neben der Sanierung von Bestandsanlagen entstehen in Iserlohn auch komplett neue Sportstätten. Der Neubau einer Zweifachturnhalle im Stadtteil Hennen ist ein wesentlicher Teil einer größeren Gebietsentwicklungsmaßnahme auf dem Areal der ehemaligen Hauptschule Hennen.
Rahmenbedingungen und Beteiligte
Das Projekt umfasst den Bau einer Zweifachturnhalle und eines neuen Lehrschwimmbeckens. Die Planung erfolgte unter enger Beteiligung der lokalen Vereine. Für die Umsetzung ist ein Verbund aus verschiedenen Firmen und Büros verantwortlich: Das Architekturbüro Quittmann aus Unna, die Ingenieurbau Gnuschke GmbH aus Sulingen sowie die Ing. Büro Kombiplan GmbH & Co. KG aus Warstein. Die Stadt Iserlohn ist als Bauherr über ihr Kommunales Immobilien Management und die Abteilung Grünflächen und Friedhöfe beteiligt. Das Baubudget beläuft sich auf mehr als sechs Millionen Euro (ohne Außenanlagen).
Gebäudekonzeption und Ausstattung
Die neue Halle wird eine Hallenhöhe von sieben Metern aufweisen und durch einen Trennvorhang in zwei separate Nutzungsflächen unterteilt werden können. Jeder Hallenteil ist zwei Umkleideräumen mit Sanitärbereich sowie einem Lagerraum zugeordnet. Ein dritter Lagerbereich dient der Aufnahme eines Schutzoberbodens, um außersportliche Aktivitäten zu ermöglichen. Eine Teleskoptribüne bietet 120 Personen Sitzplätze; die Gesamtnutzung ist auf 199 Personen begrenzt.
Multifunktion und Barrierefreiheit
Das Gebäudekonzept beinhaltet einen Multifunktionsraum mit Teeküche, einen allgemeinen Lagerbereich und ein Stuhllager. Der Multifunktionsbereich und eine zusätzliche Toilettenanlage sind barrierefrei und sowohl von innen als auch von außen begehbar. Auch ein separates WC im Erdgeschoss ist von außen zugänglich.
Nachhaltigkeit und Außenanlagen
Die neue Turnhalle wird durch eine Photovoltaikanlage auf dem Hallendach energetisch unterstützt. An der Nordaußenwand entsteht zudem eine sieben Meter hohe Boulder- und Klettermöglichkeit mit drei verschiedenen Schwierigkeitsgraden.
Bauablauf und Einweihung
Die Grundsteinlegung für die neue Sportstätte fand in Anwesenheit von Bürgermeister Michael Joithe, Stadtbaurat Thorsten Grote und dem Beigeordneten Martin Stolte sowie Vertretern der Hennener Vereine statt. In eine Zeitkapsel wurden tagesaktuelle Gegenstände eingelassen, um die Nachwelt an diesen Meilenstein zu erinnern. Das Projekt ist Teil der Umwandlung des ehemaligen Schulgeländes.
Politischer Rahmen: Bundesförderprogramm „Sanierung kommunaler Sportstätten“
Die Finanzierung von Baumaßnahmen im kommunalen Bereich ist oft komplex. Aktuell bietet das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) ein Förderprogramm an, das für Iserlohn relevant ist.
Ziele und Voraussetzungen des Programms
Das Programm „Sanierung kommunaler Sportstätten“ stellt bundesweit 333 Millionen Euro bereit. Es zielt auf die Unterstützung von Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen an öffentlich zugänglichen und nachhaltig betriebenen Sportstätten. Eine wesentliche Voraussetzung für eine Antragstellung ist ein Ratsbeschluss, der die Teilnahme der Kommune und die Bestätigung der Finanzierung beinhaltet.
Iserlohner Strategie und Prioritäten
Die SPD-Fraktion im Iserlohner Rat hat die Verwaltung beauftragt, die Chancen dieses Programms zu nutzen. Ziel ist es, ein überzeugendes Gesamtpaket zusammenzustellen, das den Breitensport stärkt und Bewegung für alle Generationen ermöglicht. Konkret geprüft werden sollen Projekte wie das Lehrschwimmbecken Hennen, Anbauten am Seilerseebad und am Aquamathe sowie der Neu- oder Erweiterungsbau einer Sporthalle an der Grundschule Sümmern.
Administrative Schritte
Die Verwaltung ist beauftragt, die erforderlichen Unterlagen so vorzubereiten, dass eine Projektskizze fristgerecht beim BBSR eingereicht werden kann. Weiterhin soll eine Prioritätenliste förderfähiger Sportstätten erarbeitet werden, insbesondere im Bereich des Breitensports (Kunstrasen- und Naturrasenplätze, Hallen, Freiflächen). Der notwendige Ratsbeschluss soll in der Sitzung am 9. Dezember 2025 vorliegen. Zudem wird geprüft, ob zusätzliche Mittel aus dem NRW-Plan in Anspruch genommen werden können.
Fazit
Die Maßnahmen in Iserlohn verdeutlichen die Bandbreite modernen Sportsachenbaus. Die Sanierung der Sporthalle Wiesengrund zeigt, wie durch den Einsatz effizienter Lüftungstechnik mit Wärmerückgewinnung und CO2-Regelung sowie durch die hydraulische Entkopplung von Fernwärme bestehende Gebäude energetisch aufgewertet werden können. Gleichzeitig steht mit dem Neubau in Hennen ein modernes, multifunktionales und barrierefreies Gebäude im Fokus, das durch Photovoltaik und Kletterwand auch an Nachhaltigkeits- und Freizeitaspekte anknüpft. Für die Umsetzung solcher Projekte ist die Einbindung der Bürgerschaft und Vereine ebenso entscheidend wie die Nutzung von Förderprogrammen, wie das aktuelle Bundesprogramm zur Sanierung kommunaler Sportstätten es vorgibt.