Die JORDAHL® Sanierungskonsole JMK-S+: Technische Grundlagen und Anwendung in der energetischen Altbausanierung

Die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden stellt die Bauindustrie vor wachsende Herausforderungen. Insbesondere wenn die charakteristische Klinkerarchitektur erhalten bleiben soll oder neue hochwertige Verblendfassaden realisiert werden müssen, stoßen herkömmliche Abfangsysteme häufig an ihre Grenzen. Dies gilt besonders bei Sanierungsmaßnahmen, bei denen die tragenden Mauerwerkswände eine geringe Qualität oder Tragfähigkeit aufweisen. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat Jordahl, eine Marke der Pohlcon GmbH, die Einmörtelkonsole JMK+ weiterentwickelt und eine spezielle Variante für die Sanierung von alten Fassaden auf den Markt gebracht: die JORDAHL® Sanierungskonsole JMK-S+. Dieser Artikel beleuchtet die technischen Eigenschaften, Anwendungsmöglichkeiten und Vorteile dieses Systems basierend auf den technischen Datenblättern und Herstellerangaben.

Einführung in die Sanierungstechnologie

Die nachträgliche Befestigung von Verblendmauerwerk an bestehenden Gebäuden erfordert hohe Sicherheitsstandards und technische Präzision. Die JMK-S+ Konsole ist speziell für die Anforderungen bei der Sanierung alter Fassaden konzipiert. Das System ermöglicht es, hohe Lasten auch bei wenig tragfähigem Rohbau-Mauerwerk sicher abzufangen. Ein Kernaspekt der Technologie ist die Montage: Die Konsolen werden in zuvor gebohrte oder gestemmte Auflagertaschen des tragenden Mauerwerks eingebracht und mit Quellbeton eingemörtelt. Dieses Verfahren gewährleistet eine stabile Verankerung und die sichere Übertragung von Lasten auf das bestehende Bauwerk.

Das System ist darauf ausgelegt, die Aufmauerungshöhe von mehreren Metern, bis hin zu zwei Etagen, sicher zu tragen. Dies ist ein entscheidender Faktor bei der Sanierung von Hochhäusern oder mehrgeschossigen Wohnbauten, bei denen eine Verblendfassade aus Ziegeln oder anderen schweren Materialien hinzugefügt wird.

Technische Spezifikationen und Materialien

Die Wahl des Materials ist für die Langlebigkeit und Stabilität von Sanierungskonsolen entscheidend. Die JMK-S+ und die JMK+ Serien werden aus hochwertigem Edelstahl gefertigt.

Materialbeschaffenheit

  • Werkstoff: Lean Duplex Edelstahl, Werkstoff-Nummer 1.4362.
  • Korrosionsschutz: Der Einsatz von Edelstahl der Korrosionswiderstandsklasse III (nach DIN EN ISO 3506) sorgt für eine hohe Beständigkeit gegen Umwelteinflüsse, was für die Dauerhaftigkeit von Fassadenkonstruktionen essenziell ist.
  • Effizienz: Durch den spezifischen Werkstoff wird eine größere Materialeffizienz erreicht, was das Verhältnis von Masse zu Tragfähigkeit optimiert.

Laststufen und Bemessungswiderstände

Die Einmörtelkonsolen sind in verschiedenen Laststufen erhältlich, um unterschiedliche statische Anforderungen abzudecken. Die technischen Datenblätter unterscheiden dabei zwischen den Serien JMK+ und der speziellen Sanierungsausführung JMK-S+.

Für die JMK+ Serie gelten folgende Werte: - Laststufe 3,5: Bemessungswiderstand FRd = 4,7 kN. - Laststufe 7,0: Bemessungswiderstand FRd = 9,5 kN.

Die JMK-S+ Konsole ist für hohe Lasten ausgelegt, auch bei geringer Tragfähigkeit des Untergrunds. Die exakten Bemessungswiderstände der JMK-S+ sind in den bereitgestellten Daten nicht explizit aufgeführt, jedoch wird hervorgehoben, dass sie für hohe Lasten bei geringer Qualität des Bestandsmauerwerks geeignet ist.

Geometrische Abmessungen

Die Konsolen sind in variablen Längen erhältlich, um flexibel auf unterschiedliche Fassadentiefen reagieren zu können. - Kraglängen: Bei der JMK+ F Variante sind Längen von 110 mm bis 330 mm verfügbar. - Winkel: Die Standardausführung hat einen Winkel von 90°. - Gewicht: Das Gewicht je Lagermengeneinheit beträgt beispielsweise bei der JMK+250 F/7.0 (Länge 250 mm) 4,216 kg.

Anforderungen an den Untergrund

Für eine sichere Verankerung müssen die Gegebenheiten des Bestandsmauerwerks vor der Montage überprüft werden. Die Herstellerangaben geben hierzu klare Mindestvoraussetzungen vor: - Druckfestigkeit: Das vorhandene Mauerwerk muss eine Druckfestigkeit von mindestens 2,1 N/mm² aufweisen. - Wanddicke: Die minimale Wanddicke beträgt 240 mm.

Sollten diese Werte (Druckfestigkeit oder Wanddicke) unterschritten werden, muss laut Hersteller eine Sonderlösung erarbeitet werden.

Anwendungsbereiche und Systemvarianten

Ein entscheidender Vorteil des JMK-S+ Systems ist die modularität und die spezifischen Ausführungen für verschiedene bauliche Situationen. Die Konsolen können individuell an die Gegebenheiten des Gebäudes angepasst werden. Es stehen verschiedene Typen zur Verfügung, die unterschiedliche Bereiche der Fassade abdecken.

Übersicht der Systemtypen

Die folgende Tabelle fasst die verschiedenen Varianten und ihre primären Anwendungszwecke zusammen, basierend auf den Informationen aus den Quellen:

Typbezeichnung Anwendungsbereich Beschreibung
JMK-S+ N / NA / NU Geschlossene Wandflächen Geeignet zum Abfangen von durchgehenden Wandbereichen ohne Öffnungen.
JMK-S+ P / PAR Normalwandbereiche / Dehnfugen Speziell für normale Wandabschnitte und Bereiche in der Nähe von Dehnfugen.
JMK-S+ F / FAR Gebäudeöffnungen / Außenecken Zum Abfangen von Fenstern, Türen (sichtbar oder unsichtbar) sowie für den Einsatz an Außenecken.
JMK-S+ E / EA Endbereiche / Dehnfugenbereiche Optimiert für den Einsatz an Enden von Wandbereichen und in Dehnfugenzonen.
JMK-S+ NFT / NAFT Öffnungen mit Fertigteilstürzen Spezialisiert auf Bereiche, in denen Fertigteilstürze verbaut sind.

Diese Differenzierung ermöglicht eine präzise Planung. Beispielsweise erfordern Ecken oft spezielle Verstärkungen (FAR/EA), während Dehnfugen eine flexible Ausführung (PAR) erfordern, um Spannungen aus Temperaturschwankungen aufzunehmen.

Montage und Verarbeitung

Die Montage der JMK-S+ Konsolen ist ein mehrstufiger Prozess, der Sorgfalt erfordert. Das System ist für eine schnelle und wirtschaftliche Montage konzipiert, was die Kosten für die Sanierung senken kann.

  1. Vorbereitung: Die Positionierung der Konsolen muss exakt geplant werden.
  2. Bohren/Stecken: Es werden Auflagertaschen in das tragende Mauerwerk gebohrt oder gestemmt. Die Tiefe muss ausreichend sein, um die Lasten sicher in das Mauerwerk einzuleiten.
  3. Einmörteln: Die Konsolen werden mit Quellbeton in die Taschen eingemörtelt. Quellbeton dehnt sich nach dem Anmischen aus und füllt die Tasche vollständig aus, was eine hochverdichtete und lastübertragende Verbindung zum Mauerwerk schafft.
  4. Verblendmauerwerk: Auf den Konsolen kann anschließend das neue Verblendmauerwerk aufgemauert werden.

Die Flexibilität des Systems erlaubt zudem den Ausgleich von Bautoleranzen, die bei alten Gebäuden fast immer auftreten.

Vorteile des Sanierungssystems

Basierend auf den Herstellerangaben ergeben sich mehrere zentrale Vorteile für die Anwendung der JORDAHL® Sanierungskonsole JMK-S+:

  • Energetische und denkmalgerechte Sanierung: Das System ermöglicht den Einbau von hochwertigen Verblendfassaden, die zur energetischen Aufwertung des Gebäudes beitragen (z.B. durch Wärmedämmverbundsysteme hinter der Verblendung), ohne die denkmalgeschützte Optik zu zerstören.
  • Sicherheit bei schwierigem Untergrund: Die Möglichkeit, hohe Lasten auch bei geringer Tragfähigkeit des alten Mauerwerks einzuleiten, ist ein Hauptargument für die Sanierungskonsole.
  • Wirtschaftlichkeit: Durch die schnelle Montage und das umfangreiche Zubehör wird die Bauzeit verkürzt.
  • Langlebigkeit: Der Einsatz von korrosionsbeständigem Edelstahl (Werkstoff 1.4362) gewährleistet eine lange Lebensdauer der Fassadenbefestigung ohne Wartungsintervalle.
  • Vielseitigkeit: Das System deckt nahezu alle denkbaren Situationen an einer Fassade ab – von glazen Wandflächen über Fensteröffnungen bis hin zu Ecken und Dehnfugen.

Vergleich der JMK-S+ mit der Standard-JMK+

Die Quellen erwähnen, dass die JMK-S+ eine Weiterentwicklung der JMK+ ist. Während die JMK+ bereits eine bewährte Einmörtelkonsole für die nachträgliche Befestigung von Verblendmauerwerk ist, liegt der Fokus der JMK-S+ speziell auf den Anforderungen der Sanierung. Dies umfasst: * Spezielle Anpassung für "alte Fassaden". * Optimierung für "wenig tragfähiges Rohbau-Mauerwerk". * Fokus auf den Erhalt charakteristischer Klinkerarchitektur.

Die technischen Grunddaten (Material, Laststufen) sind jedoch vergleichbar, was eine nahtlose Integration in bestehende Planungsprozesse ermöglicht.

Fazit

Die JORDAHL® Sanierungskonsole JMK-S+ stellt eine hochspezialisierte Lösung für die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden dar. Sie adressiert spezifisch die Problematik von Fassadensanierungen, bei denen die statischen Voraussetzungen des alten Mauerwerks (Druckfestigkeit ≥ 2,1 N/mm², Wanddicke ≥ 240 mm) eingeschränkt sind. Durch den Einsatz von hochwertigem Lean Duplex Edelstahl und ein modulares System aus verschiedenen Typen (N, P, F, E, NFT) bietet das System Sicherheit, Flexibilität und Langlebigkeit.

Für Bauherren, Architekten und Handwerker ist die JMK-S+ eine effiziente Möglichkeit, historische Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig moderne energetische Standards zu erfüllen. Die Möglichkeit, hohe Lasten sicher abzufangen und dabei die Optik denkmalgeschützter Klinkerfassaden zu ermöglichen, macht das System zu einem wertvollen Werkzeug im modernen Renovierungs- und Sanierungsbau. Die explizite Vorgabe zur Überprüfung der Mauerwerksfestigkeit unterstreicht dabei die Notwendigkeit einer professionellen statischen Begleitung vor Beginn der Arbeiten.

Quellen

  1. Jordahl - Produkte - Fassadentechnik - Jordahl Sanierungskonsolen JMK-S
  2. Pohlcon - Produkte - JMK-F - Jordahl Einmörtelkonsole JMK-250-F-70
  3. Pohlcon - Rohbau - Fassadenbefestigung - Einmörtelkonsole JMK
  4. Jordahl - Produkte - Fassadentechnik - Jordahl Einmörtelkonsolen JMK
  5. Baukobox - Jordahl Einmörtelkonsole JMK

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