Sanierung und Erweiterung des Josef-Effner-Gymnasiums in Dachau: Eine Bestandsaufnahme für die Baupraxis

Die Modernisierung von Bestandsgebäuden, insbesondere von Schulen, stellt die Bauwirtschaft vor spezifische Herausforderungen. Dabei müssen technische Anforderungen an die Energieeffizienz und Bausubstanz mit den Nutzeransprüchen an Funktionalität und Architektur in Einklang gebracht werden. Der Komplex des Josef-Effner-Gymnasiums in Dachau dient hierbei als exemplarisches Fallbeispiel für eine mehrstufige Sanierungs- und Erweiterungsstrategie, die über einen Zeitraum von mehreren Jahren realisiert wurde. Dieser Artikel beleuchtet die durchgeführten Maßnahmen unter bautechnischen und planerischen Gesichtspunkten, basierend auf den vorliegenden Informationen.

Ausgangslage und Architekturhistorischer Kontext

Das Josef-Effner-Gymnasium (JEG) in Dachau ist ein Gebäudekomplex mit einer spezifischen architektonischen Prägung. Der Bau wurde im Jahr 1974 nach Plänen des Münchner Architekturbüros Behnisch+Partner errichtet. Zu den Architekten dieses Büros zählte unter anderem Fritz Auer. Als Besonderheit gilt der Entwurf des Gymnasiums als der erste Schulbau, der vom Architekten des Münchner Olympiastadions, Günther Behnisch, geplant wurde. Das Gebäude liegt in unmittelbarer Nähe zur Amper und erstreckt sich über eine Bruttogrundfläche von 15.000 m². Das Erscheinungsbild der aus den 1970er Jahren stammenden Gebäudeanlage ist architektonisch signifikant, was bei Sanierungsmaßnahmen berücksichtigt werden muss.

Generalsanierung der Gebäudehülle und Dachsanierung

Ein zentraler Auslöser für die umfassenden Sanierungsarbeiten war der Zustand der Gebäudehülle. In den Jahren vor der Sanierung traten zunehmend Undichtigkeiten der Dachhaut auf, was eine unmittelbare Gefährdung der Bausubstanz und eine Beeinträchtigung der Nutzbarkeit der Räumlichkeiten darstellte. Der Landkreis Dachau als Auftraggeber definierte daher das Ziel, eine Generalsanierung der gesamten Gebäudehülle durchzuführen.

Im Fokus der Sanierung stand die Wiederherstellung der Gebrauchstüchtigkeit des Schulkomplexes. Ein wesentlicher Aspekt war dabei die Verbesserung des Energiehaushalts des Gebäudes. Die Maßnahmen zielten darauf ab, den Energieverbrauch zu senken und die thermische Hülle zu verbessern. Ein besonderes planerisches Ziel war es, das architektonische Erscheinungsbild der Gebäudeanlage zu erhalten. Dies bedeutet für die Baupraxis, dass Modernisierungsmaßnahmen wie beispielsweise ein Vollwärmeschutz nicht im Widerspruch zur denkmalgeschützten oder architektonisch wertvollen Fassadengestaltung stehen durften. Das Ziel war es, den "Reiz des ursprünglichen Baus" zu bewahren, anstatt die Fassade durch Standardlösungen zu verändern.

Erweiterungsbau und Optimierung der Funktionalität

Neben der energetischen und bausubstantiellen Sicherung des Bestandsgebäudes wurde eine Erweiterung des Komplexes notwendig, um den gestiegenen Anforderungen an die Nutzflächen gerecht zu werden. Der Bedarf an Raum für Lehrkräfte und Verwaltung war im Laufe der Zeit gewachsen.

Planung und Umsetzung des Verwaltungstraktes

Die Planung für eine Optimierung und Erweiterung des Lehrer- und Verwaltungsbereichs begann im Jahr 2019, nachdem eine Machbarkeitsstudie abgeschlossen worden war. Die Umsetzung erfolgte im laufenden Schulbetrieb, was eine hohe logistische und organisatorische Herausforderung darstellte. Der Bau wurde pünktlich zum Schulstart fertiggestellt und drei Monate früher als ursprünglich geplant bezogen.

Ziel der Erweiterung war die Schaffung von mehr Platz für die Verwaltung und das Lehrpersonal. Die Maßnahmen umfassten: * Arbeitsplätze: Es wurden feste Arbeitsplätze für alle 130 Lehrkräfte eingeplant. * Lehrerzimmer: Das bestehende Lehrerzimmer wurde um 170 m² vergrößert. * Stillarbeitsräume: Die Integration eines Stillarbeitsraums ermöglichte konzentriertes Arbeiten. * Kommunikationsinfrastruktur: Der Einbau von Telefonkabinen dient der Abwicklung von ungestörten Elterngesprächen. * Schulleitung und IT: Die Flächen für die erweiterte Schulleitung und die IT-Betreuung wurden vergrößert. * Oberstufe: Für die Oberstufe wurde ein eigener Aufenthaltsraum eingerichtet.

Diese baulichen Veränderungen zeigen eine Anpassung des Gebäudes an moderne pädagogische und administrative Anforderungen. Die Notwendigkeit, im laufenden Betrieb zu arbeiten, erfordert zudem spezifische Kenntnisse in der Bauleitung und der Absicherung von Arbeitsbereichen.

Zusammenfassung der Sanierungsdaten

Die folgende Tabelle fasst die relevanten Daten der Sanierungs- und Erweiterungsmaßnahmen zusammen, soweit sie in den vorliegenden Informationen explizit genannt werden:

Maßnahme Zeitraum / Jahr Kosten / Fläche Bemerkungen
Generalsanierung Bestand 2006 - 2010 (laut Quelle 1) / 2006-2009 (laut Quelle 6) 1.200.000 € (laut Quelle 1) / 15.000 m² (Bruttogrundfläche) Fokus auf Gebäudehülle, Dach und Energieeffizienz. Ziel: Erhalt der Architektur.
Erweiterung Lehrer-/Verwaltungstrakt Planung ab 2019, Fertigstellung vor Schulstart (ca. 2023) Nicht explizit genannt Vergrößerung um 170 m² (Lehrerzimmer), Schaffung von 130 Arbeitsplätzen, Stillarbeitsraum, Telefonkabinen, Oberstufenaufenthaltsraum.

Bewertung der Sanierungsstrategie

Die vorliegenden Informationen ermöglichen eine Einschätzung der getroffenen Entscheidungen durch den Landkreis Dachau.

Beibehaltung der Architekturidentität

Ein herausragendes Merkmal der Sanierung war die bewusste Entscheidung, das architektonische Erbe des Baus von Behnisch+Partner zu wahren. Quellen geben an, dass man sich bewusst gegen einen flächendeckenden Vollwärmeschutz entschied, um das "ursprüngliche" Erscheinungsbild nicht zu zerstören. Dies ist in der Baupraxis relevant, da es zeigt, dass energetische Sanierungen auch bei architektonisch sensiblen Bauten durchführbar sind, wenn individuelle Lösungen gegenüber Standardlösungen Priorität haben.

Effizienz im Bauablauf

Die Erweiterung des Lehrer- und Verwaltungstraktes wurde als Optimierungsprozess beschrieben. Die Fertigstellung drei Monate vor Planende und die Einhaltung des Kostenrahmens werden in den Quellen positiv hervorgehoben. Dies unterstreicht die Bedeutung einer präzisen Planung und Durchführung, insbesondere wenn Arbeiten bei laufendem Schulbetrieb anfallen. Die Zusammenarbeit zwischen der Kreisbauverwaltung, dem Landratsamt und der Schulleitung wurde als konstruktiv beschrieben, was für den Erfolg solcher Projekte essenziell ist.

Reaktion auf den Raumbedarf

Die Maßnahmen reagieren direkt auf den gewachsenen Raumbedarf. Die Schaffung von 130 festen Plätzen für Lehrer sowie spezialisierter Bereiche (IT, Schulleitung, Oberstufe) spiegelt den Wandel von der reinen Unterbringung hin zu einer funktionalen Arbeitsumgebung wider. Die Integration von Räumen für Elterngespräche (Telefonkabinen) und konzentriertes Arbeiten (Stillarbeitsraum) sind Indikatoren für eine nutzerzentrierte Planung.

Fazit

Die Sanierung und der Erweiterungsbau des Josef-Effner-Gymnasiums in Dachau illustrieren einen mehrschichtigen Ansatz in der Gebäudemodernisierung. Der Fokus lag nicht nur auf der technischen Sanierung der Gebäudehülle zur Verbesserung der Energieeffizienz, sondern auch auf der architektonischen Wertschätzung des Bestands. Die Erweiterungsbauten zeigen eine Antwort auf den funktionalen Bedarf, der durch den modernen Schulbetrieb und die Verwaltungsanforderungen entsteht. Für die Bauwirtschaft bleibt festzuhalten, dass die Kombination aus Erhalt der Bausubstanz und gezielter Erweiterung unter Einhaltung von Kosten- und Zeitplänen ein erfolgreiches Modell für vergleichbare öffentliche Bauvorhaben darstellen kann. Die Priorisierung des architektonischen Erbes gegenüber standardisierten Sanierungslösungen stellt dabei eine planerische Leistung dar, die den Wert des Gebäudes über die reine Funktionalität hinaus bewahrt.

Quellen

  1. Knab.net - Josef-Effner-Gymnasium
  2. Auer-Weber - Sanierung Josef-Effner-Gymnasium
  3. Süddeutsche Zeitung - Erweiterungsbau JEG
  4. Effner.de - Schule
  5. Landratsamt Dachau - Pressemitteilung
  6. Arcguide - Modernisierung JEG

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