Sanierung des Freizeitbads Juramare in Gunzenhausen: Eine Bestandsaufnahme aus technischer und betriebswirtschaftlicher Perspektive

Die Generalsanierung von Schwimmbädern stellt eine der komplexesten Aufgaben im modernen Baugewerbe dar. Insbesondere bei Bestandsgebäuden, die gleichzeitig als öffentliche Einrichtung und für den Schulsport dienen, stoßen Planer auf spezifische Herausforderungen. Die Sanierung des Freizeitbads Juramare in Gunzenhausen bietet hierzu ein instruktives Beispiel. Basierend auf den vorliegenden Informationen aus lokalen Berichten und offiziellen Veröffentlichungen beleuchtet dieser Artikel die technischen Maßnahmen, die Kostenstruktur sowie die betrieblichen Auswirkungen dieser umfangreichen Baumaßnahme. Der Fokus liegt dabei auf den Aspekten, die für Bauherren, Immobilienverwalter und Fachplaner von Relevanz sind.

Die Herausforderungen einer Generalsanierung im Bestand

Die Entscheidung, ein bestehendes Schwimmbad zu sanieren, anstatt es durch einen Neubau zu ersetzen, ist oft mit ökonomischen und städtebaulichen Erwägungen verbunden. Die Sanierung des Juramare verdeutlicht jedoch die Risiken, die mit dieser Vorgehensweise verbunden sind. Laut Berichten zog sich die Generalsanierung deutlich länger hin als ursprünglich geplant. Ursprünglich war eine Fertigstellung bereits für Dezember 2017 avisiert, doch die Bauarbeiten im Bestand führten immer wieder zu unerwarteten Komplikationen.

Ein zentraler Faktor für Verzögerungen war die Aufnahme von Arbeiten im vorhandenen Gebäude. Beim vollständigen Entkernen der Umkleidebereiche und der Nassräume (Duschen, WC) zeigten sich "die eine oder andere Überraschung". Solche Überraschungen können von veralteten, nicht mehr normgerechten Installationen über unvorhergesehene statische Mängel bis hin zu Schimmelbefall in nicht sichtbaren Bereichen reichen. Für Bauherren bedeutet dies: Bei Sanierungen im Bestand ist ein erhebliches Contingency-Budget einzuplanen, da der genaue Umfang der Schäden oft erst während der Bauphase erkennbar wird.

Zusätzlich zu den technischen Überraschungen kamen organisatorische Hürden hinzu. Einige Auftragnehmer hielten vereinbarte Termine nicht ein oder mussten Nachbesserungsarbeiten leisten. Zudem gab es Ausschreibungen, auf die keine Angebote eingingen, was zu Neuausschreibungen und weiteren Verzögerungen führte. Dies unterstreicht die Wichtigkeit, in frühen Planungsphasen realistische Zeitpuffer einzubauen und die Lieferanten- und Handwerkerschaft frühzeitig zu binden.

Finanzierung und Kostenmanagement

Die Finanzierung des Projekts belief sich auf insgesamt 3,3 Millionen Euro, die von den Stadtwerken Gunzenhausen aufgebracht wurden. Eine detaillierte Aufschlüsselung zeigt die Gewichtung der Investitionen: Rund 50 Prozent der Gesamtkosten entfielen auf die Technik. Dies verdeutlicht, dass in modernen Schwimmbädern der Großteil des Budgets nicht für sichtbare Bereiche wie Fliesen oder Rutschen, sondern für unsichtbare, aber essenzielle Anlagen wie Lüftung, Wasseraufbereitung und Heizung benötigt wird.

Die verbleibenden Mittel flossen in Rohbau, Ausbau und Ausstattung des Hallenbadbereichs. Eine Besonderheit des Projekts war die Beteiligung öffentlicher Förderungen. Da die Einrichtung auch für den Schulschwimmunterricht genutzt wird, gewährte die Regierung von Mittelfranken einen Zuschuss in Höhe von rund 1,5 Millionen Euro. Die Stadt Gunzenhausen beteiligte sich mit etwa 700.000 Euro. Für Immobilienverwalter und Eigentümer von öffentlich genutzten Objekten zeigt dies die Relevanz von Förderprogrammen. Die Einbindung von Bildungs- oder Gesundheitsaspekten (z. B. Salzwasserbereich) kann die Chancen auf öffentliche Zuschüsse erhöhen.

Der kaufmännische Geschäftsführer der Stadtwerke betonte, dass trotz der zusätzlichen Maßnahmen der Kostenrahmen eingehalten werden konnte. Dies ist bei Bauprojekten mit unvorhergesehenen Hindernissen ein bemerkenswertes Ergebnis und weist auf ein striktes Kostencontrolling hin.

Technische Modernisierung und Energieeffizienz

Die technische Aufrüstung war der Kern der Sanierung. Ziel war es, die Anlage auf den aktuellen Stand der Technik zu bringen, was sowohl die Betriebssicherheit als auch die Energiebilanz verbessert.

Abwasseraufbereitung und Solebad

Ein spezielles Merkmal des Juramare ist der Solebereich, der ein Baden in gesundheitsförderndem Salzwasser wie im Meer ermöglicht. Im Zuge der Sanierung wurde die Abwasseraufbereitungsanlage für dieses Solebad komplett erneuert. Die Aufbereitung von Salzwasser erfordert spezielle Verfahren, um Korrosion zu vermeiden und die Wasserqualität zu gewährleisten. Die Kompletterneuerung stellt sicher, dass die Anlage den aktuellen Umweltauflagen entspricht und effizient betrieben werden kann.

Lüftungstechnik und Gebäudeklima

Ein oft unterschätzter, aber kritischer Faktor in Schwimmbädern ist die Lüftung. Sie muss hohe Luftfeuchtigkeit regulieren und die Bildung von Legionellen verhindern. Im Juramare wurden die alten Lüftungselemente komplett durch neue, energieeffiziente Anlagen ersetzt. Ein bedeutender baulicher Eingriff war dabei, dass die neuen Lüftungsanlagen aufgrund ihrer stattlichen Größe nicht mehr im Gebäude untergebracht werden konnten. Dies führte zu baulichen Veränderungen im Außenbereich oder im Dachgeschoss. Für Planer ist dies ein wichtiger Hinweis: Moderne, effiziente Großgeräte benötigen oft mehr Platz als ihre Vorgänger, was bauliche Anpassungen nach sich zieht.

Statik und Brandschutz

Bei der Durchführung der Baumaßnahmen mussten zusätzlich knifflige statische Aufgaben bewältigt sowie Anforderungen an den Brandschutz erfüllt werden. Dies ist typisch für Umbauten, bei denen neue Trennwände, Deckendurchbrüche für neue Lüftungskanäle oder die Installation schwerer Technikräume im Keller anfallen. Die Koordination von über 20 verschiedenen Gewerken auf der Baustelle unterstreicht die Notwendigkeit einer professionellen Bauleitung.

Raumaufteilung und Nutzerkomfort

Neben der Technik wurde auch der Bereich für die Badegäste grundlegend überarbeitet. Das Ziel war es, ein "modernes, warmes und freundliches Ambiente" zu schaffen.

Umkleide- und Sanitärbereiche

Die Umkleidebereiche wurden vollständig entkernt und neu aufgebaut. Die Stadtwerke haben den Bereich mit neuen Spinden und Umkleidekabinen aufgewertet. Insgesamt stehen den Besuchern 336 Spinde zur Verfügung. Diese Zahl verdeutlicht die Dimension des Bads: An Spitzentagen werden über 1.000 Badegäste gezählt. Für den Betrieb bedeutet das, dass die Spindelkapazität an die Auslastung angepasst sein muss.

Eine gewöhnungsbedürftige Änderung für Stammgäste war das Drehen der WC- und Duschbereiche: Nach der Sanierung befinden sich die Herrenbereiche rechts und die Damenbereiche links. Dies diente vermutlich einer effizienteren Raumnutzung oder einer besseren Erschließung. Ein breiter, heller Flur führt nun direkt in Richtung Solebad oder zum Schwimmer- und Kinderbecken, was die Wegeführung für die Besucher optimiert.

Erlebniswelt und Ausstattung

Die Ausstattung des Bades zielt auf eine Mischung aus Sport, Erholung und Spaß ab. Das Angebot umfasst: * Ein 25-Meter-Schwimmerbecken (Mehrzweckbecken). * Ein Solebereich mit Hot-Whirlpool und Dampfbad. * Ein Außenbecken mit Massagemöglichkeiten und Wasserliegen. * Eine über 100 Meter lange Black-Hole-Riesen-Rutsche. * Ein Kleinkindbereich mit kindgerechter Rutsche.

Diese Aufzählung zeigt eine Breitbandstrategie, die verschiedene Zielgruppen anspricht – vom Leistungsschwimmer über Familien bis hin zu Genießern.

Das angeschlossene Saunadorf

Ein wesentlicher Bestandteil des Komplexes ist das direkt angeschlossene Saunadorf auf einer Fläche von etwa 2.200 m². Es wurde mehrfach mit dem Sauna-Premium-Zertifikat ausgezeichnet und bietet eine Kelo-Erdsauna, ein Biohäusla, einen Saunagarten sowie ein Außenbecken mit Sprudelliegen. Auch der Gastronomiebereich des Saunadorfs wurde in der Sommerpause 2025 modernisiert, um mehr Gemütlichkeit zu schaffen.

Für Betreiber bedeutet die Integration eines Saunadorfs eine Erweiterung des Angebots, die es ermöglicht, ganzjährige Umsätze zu generieren, da der Saunabetrieb unabhängig von der Badesaison (Herbst/Winter) ist. Zudem zieht ein hochwertiges Saunaangebot ein anderes Kundensegment an.

Betriebswirtschaftliche Einordnung und Öffentliche Daseinsvorsorge

Die Sanierung des Juramare geht über eine reine Baumaßnahme hinaus; sie ist auch ein Statement zur öffentlichen Daseinsvorsorge. Der kaufmännische Geschäftsführer betonte, dass die Gunzenhäuser Bäder nicht kostendeckend betrieben werden können, dennoch an den Einrichtungen festgehalten wird. Sie seien "ein Stück Lebensqualität" und Daseinsvorsorge, an der nicht gerüttelt werden sollte.

Öffentliche Schwimmbäder stehen oft in der Diskussion, ihre Wirtschaftlichkeit zu beweisen. Die Argumentation in Gunzenhausen stützt sich auf den Mehrwert für die Stadtgesellschaft: 1. Bildung: Die Nutzung durch Schulen (unterstützt durch Fördergelder). 2. Gesundheit und Tourismus: Anziehungskraft auf Urlaubsgäste und Badefreunde aus der gesamten Region. 3. Stadtökonomie: Badegäste verweilen in der Stadt und gehen einkaufen, was lokale Geschäfte stärkt.

Die Investition von 3,3 Millionen Euro wird somit als Investition in die Aufenthaltsqualität und die Wirtschaftskraft der Stadt Gunzenhausen gesehen.

Betriebseröffnung und Zukunftsplanung

Nach der langen Schließungsphase, die durch Verzögerungen in der Bauphase verlängert wurde, herrscht nun wieder Leben in der Schwimmhalle. Die Wiedereröffnung fiel in den Start der Herbst- und Wintersaison 2025, was den strategischen Zeitpunkt unterstreicht, den Betrieb rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit aufzunehmen.

Die Betreiber haben zudem den Gastrobereich zur Wintersaison 2025/26 komplett neu gestaltet und einen neuen Pächter präsentiert. Auch bei den Preisen gab es Anpassungen. Dies zeigt, dass die Sanierung nicht nur das Gebäude, sondern auch das gesamte Betriebskonzept betraf. Für die Zukunft plant man mit dem Motto "Ab ins Vergnügen" und bietet spezielle Aktionen wie "Sauna-Nächte" an, um die Nutzung in den dunkleren Monaten zu fördern.

Fazit

Die Generalsanierung des Freizeitbads Juramare in Gunzenhausen ist ein Musterbeispiel für die Komplexität von Bauprojekten im öffentlichen Sektor. Die Maßnahme umfasste nicht nur ästhetische Verbesserungen, sondern tiefgreifende technische Modernisierungen in den Bereichen Lüftung, Wasseraufbereitung und Gebäudehülle. Trotz erheblicher Herausforderungen – darunter unvorhergesehene bauliche Gegebenheiten und Terminüberschreitungen – konnte das Projekt innerhalb eines definierten Kostenrahmens von 3,3 Millionen Euro abgeschlossen werden.

Für Bauherren und Projektverantwortliche lassen sich aus dem Juramare-Projekt mehrere Lehren ziehen: 1. Resourcenplanung: Die Technik absorbiert den Löwenanteil der Kosten (ca. 50 %), was eine frühzeitige Priorisierung erfordert. 2. Fördermittel: Die Einbindung von Drittmitteln (Staat, Kommune) ist bei multifunktionaler Nutzung (Schule/Öffentlichkeit) essenziell. 3. Flexibilität: Bauprojekte im Bestand erfordern ein hohes Maß an Flexibilität regarding Termine und Zusatzkosten. 4. Qualität: Investitionen in Energieeffizienz (neue Lüftungsanlagen) und Wasseraufbereitung sind langfristig notwendig, um Betriebskosten zu senken und Normen zu erfüllen.

Das Juramare ist nun wieder eine moderne Einrichtung, die den heutigen Ansprüchen an Komfort, Sicherheit und Erlebniswert gerecht wird und als wichtiger Pfeiler der kommunalen Infrastruktur dient.

Quellen

  1. Nordbayern.de - Gunzenhausen: Wieder Badespaß im Juramare
  2. NN.de - Preise, Liegen und ein neuer Pächter im Juramare
  3. Gunzenhausen.info - Freizeitbad Juramare
  4. SWG Gunzenhausen - Aktuelles
  5. SWG Gunzenhausen - Erlebniswelt

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