Die Sanierung von Kapellen stellt Eigentümer, Handwerker und Bauherren vor eine Reihe spezifischer Herausforderungen. Diese reichen von der Beschaffung von Finanzmitteln über die Einhaltung strenger Auflagen des Denkmalschutzes bis hin zur Koordination von Handwerksbetrieben und ehrenamtlichen Helfern. Kapellen sind oftmals nicht nur religiöse, sondern auch historische und kulturelle Zentren einer Gemeinde. Ihre Erhaltung ist häufig mit hohen Kosten verbunden, die durch Spenden, öffentliche Zuschüsse oder private Investitionen gedeckt werden müssen. Dieser Artikel beleuchtet anhand konkreter Fallbeispiele aus der Praxis die verschiedenen Aspekte einer Kapellensanierung, von der Fundamentinstandsetzung bis zur Dachreparatur und der Gestaltung der Innenräume.
Finanzierung und Spendenwesen
Ein zentraler Aspekt bei jeder Sanierung ist die Finanzierung. Kapellen, die im Eigentum von Kirchengemeinden stehen, sind oft auf Spenden und Zuschüsse angewiesen, da die Haushalte der Gemeinden oft knapp bemessen sind. Ein Beispiel hierfür ist die Valentinuskapelle in Eppertshausen. Diese 1440 erbaute Kapelle erhielt eine Spende in Höhe von 2.000 Euro vom Energie- und Telekommunikationsversorger Entega. Die Auszahlung erfolgte über den Landkreis Darmstadt-Dieburg, der die Mittel an die Nutznießer weiterleitet. Solche Programme unterstützen gemeinnützige Einrichtungen in Südhessen regelmäßig zu Jahresanfang. Der damalige Landrat Klaus Peter Schellhaas hatte die Spende für diesen Zweck angeregt. Das Geld soll laut Angaben der Pfarrgemeinde St. Sebastian für die Ertüchtigung des Sandsteins im Eingangsbereich verwendet werden. Bevor jedoch Materialien aufgetragen werden, ist eine nähere Untersuchung der Substanz notwendig, und der Denkmalschutz-Aspekt muss beachtet werden.
Ähnlich sieht es bei der Hubertuskapelle in Angermund aus. Hier ist der Förderverein Hubertuskapelle e.V. aktiv, der sich auch nach Abschluss der Sanierung über jede Spende freut, um die Instandhaltung zu erleichtern. Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt und stellt Spendern eine IBAN zur Verfügung. Auch bei der Sanierung der Kapelle auf dem Kalvarienberg (St. Josef in Beigarten) spielten private Mittel eine entscheidende Rolle. Die Familie Hendriock investierte rund 65.000 Euro in die Renovierung. Hier war es kein Mangel an öffentlichen Geldern, sondern der Wille einer Privatperson, die Bausubstanz zu erhalten und gleichzeitig ein Denkmal der Lokalgeschichte zu pflegen.
Neben privaten Spenden und Vereinsmitgliedschaften sind auch öffentliche Mittel ein wichtiger Baustein. Bei der Kapelle in Rietberg (vermutlich Hubertuskapelle) flossen Landesmittel in Höhe von 255.000 Euro, nachdem ein Besuch der zuständigen NRW-Ministerin Ina Scharrenbach im August 2021 und das Engagement des Politikers André Kuper stattgefunden hatten. Obwohl weitere Fördergelder im Jahr 2020 abgelehnt wurden, ermöglichte dieser Zuschuss den Beginn der lang ersehnten Sanierung, deren Kosten auf geschätzt 1,3 Millionen Euro beziffert wurden. Dies zeigt, dass politisches Engagement und die Anerkennung des kulturellen Werts einer Kapelle oft Voraussetzung für die Bewilligung hoher Fördersummen sind.
Planung und Koordination unter Denkmalschutz
Die Sanierung einer denkmalgeschützten Kapelle erfordert eine sorgfältige Planung und enge Abstimmung mit der unteren Denkmalschutzbehörde. Diese prüft die vorgeschlagenen Maßnahmen auf ihre Verträglichkeit mit der historischen Bausubstanz und gibt Auflagen vor. Ein Beispiel für die Notwendigkeit solcher Prüfungen ist die Valentinuskapelle in Eppertshausen. Die Pfarrgemeinde plant die Sanierung des Sandsteins im Eingangsbereich, muss aber zuvor die Substanz untersuchen. Ohne diese Analyse könnten falsche Materialien verwendet werden, die dem historischen Mauerwerk schaden.
Bei der Hubertuskapelle in Angermund wurde die Sanierung in Phasen unterteilt, die eine genaue Planung erforderten. Im August und September wurden zusätzliche Mittel in Höhe von 80.000 Euro durch die Bezirksvertretung beschlossen, was die Fassung der Außenfassade in der zweiten Septemberwoche ermöglichte. Im Oktober folgte die Sanierung des Sockelbereichs. Solche zeitlichen Abläufe sind typisch für Bauprojekte, bei denen die Finanzierung schrittweise gesichert wird. Zudem ist die Kommune als Eigentümerin zur Erhaltung verpflichtet, was eine proaktive Planung erzwingt.
Ein anderes Beispiel für die Zusammenarbeit mit den Denkmalbehörden findet sich in Witterda. Hier begleitete das Amt für Denkmalschutz die Sanierung der Gustav-Adolf-Kapelle strikt. Spezifisch wurde auf die Verwendung der richtigen Materialien geachtet. Eine Analyse des verwendeten Mörtels für Fugen und Putz war notwendig, um die historische Fassung originalgetreu wiederherzustellen. Doch auch hier zeigt sich der Pragmatismus im Denkmalschutz: Als die finanziellen Möglichkeiten des Vereins für einen geforderten Holzfußboden nicht ausreichten, tolerierte das Amt im Jahr 2005 die Verlegung von Laminat. Dieser Kompromiss bewahrt die Substanz des Gebäudes, ohne die finanzielle Existenz des Trägervereins zu gefährden.
Bauliche Maßnahmen: Von der Fundamentinstandsetzung bis zum Dach
Die eigentlichen baulichen Maßnahmen bei einer Kapellensanierung sind vielfältig und betreffen oft das gesamte Bauwerk. Ein fundamentaler Fehlerquell ist oft das Fundament und der Sockelbereich, da hier Feuchtigkeit in das Mauerwerk eindringen kann.
Fundament und Mauerwerk
In Witterda wurden die Grundmauern der Gustav-Adolf-Kapelle außen bis in eine Tiefe von einem Meter ausgeschachtet, mit Beton unterfangen und isoliert. Dieses "Unterfangen" ist eine gängige Methode, um instabile Mauerwerke zu sichern und den Feuchtigkeitseintrag zu stoppen. Parallel dazu wurden über 400 m² Mauerwerksfugen von Vereinsmitgliedern freigelegt und anschließend von spezialisierten Handwerkern neu verpresst. Die Verwendung von speziellem Sanierputz oder die Neufugung ist essenziell, um die Stabilität und Dichtigkeit des Mauerwerks zu gewährleisten. Die Valentinuskapelle in Eppertshausen plant die Ertüchtigung des Sandsteins im Eingangsbereich, was auf die besondere Anfälligkeit dieses Materials für Witterungseinflüsse hinweist.
Dach und Dachstuhl
Das Dach ist die Hülle, die das Bauwerk vor Wetter schützt. Schäden hier haben oft gravierende Folgen für den gesamten Innenraum. In Rietberg begannen nach Fundamentarbeiten im November aufwendige Erneuerungen am Schieferdach. Anfang 2023 wurde das Bauwerk komplett eingerüstet und erhielt einen Wetterschutz. Die Kosten für die Gesamtsanierung wurden hier auf 1,3 Millionen Euro geschätzt, wobei das Dach einen erheblichen Anteil ausmacht.
Bei der Kapelle auf dem Kalvarienberg (Beigarten) ist der Zustand des Dachstuhls prekär. Ein Gutachten und statistische Berechnungen haben ergeben, dass der Dachstuhl nicht mehr aufliegt und die Wände nach außen schiebt. Das Gebälk ist in einem miserablen Zustand. Hier muss in den kommenden Wochen gehandelt werden, um einen Einsturz zu verhindern. In der Corona-Zeit wurde der Dachstuhl "notgesichert". Solche Notverstrebungen sind zwar notwendig, lösen aber nicht das strukturelle Problem.
Interessant ist der Hinweis auf die Altersbestimmungen bei der Hubertuskapelle in Angermund. Eine Untersuchung durch die Fachhochschule Köln ergab, dass der Dachstuhl aus dem Jahre 1789 stammt. Dies unterstreicht den historischen Wert des Bauwerks und erklärt, warum eine Sanierung so komplex und kostspielig ist. Auch die Glocke wurde untersucht und stammt laut Universität Bonn aus dem Jahr 1560. Solche Funde erhöhen den Denkmalwert und rechtfertigen oft höhere Investitionen.
Innenraum und Elektrik
Die Sanierung beschränkt sich nicht auf das Äußere. In Witterda wurden tragende Deckenbalken teilerneuert und eine neue Elektrik installiert. Die Installation einer modernen Elektrik in historischen Gebäuden erfordert viel Fingerspitzengefühl, um Kabelwege unauffällig zu führen und Brandschutzvorschriften einzuhalten. Ebenfalls in Witterda wurden 2003 die Orgel demontiert und eingelagert, um sie vor Schäden zu schützen, und bleiverglaste Fenster restauriert. Die Restaurierung von Bleiglasfenstern ist eine Spezialarbeit, die oft von spezialisierten Glaskünstlern durchgeführt werden muss.
Im Zuge der Sanierung in Beigarten wurde der Boden komplett neu gemacht und mit Solnhofener Platten belegt. Solche Natursteinplatten sind robust und historisch authentisch. Die bereits vorhandenen Figuren wurden fachgerecht restauriert. In Witterda kamen bei der Entfernung von bröckelndem Putz Ornamente eines Deckenfrieses zum Vorschein, die in ihren Fragmenten erhalten blieben. Hier zeigt sich die Bedeutung einer fachgerechten Instandsetzung: Oft verbergen sich unter modernen Schichten historische Kunstwerke, die durch Sanierung freigelegt werden können.
Handwerkliche Herausforderungen und Logistik
Die Umsetzung einer Sanierung beinhaltet oft praktische Herausforderungen, die den Projektleiter vor Kopfzerbrechen stellen. Die Logistik auf engem Raum und der Umgang mit historischen Materialien sind dabei zentrale Themen.
Ein dramatisches Beispiel für Logistikprobleme liefert die Sanierung der Gustav-Adolf-Kapelle in Witterda. Als die letzte Fuhre Beton geliefert wurde, war die Straße vor der Kapelle gerade saniert, aber noch nicht abgenommen. Der LKW war überladen, was die Tragfähigkeit der Straße und die neu gesetzten Bordsteine gefährdete. Aus der Feldseite anzufahren war wegen des leicht angetauten Bodens nicht möglich, sodass der LKW im neu gesetzten Zaun der Firma Sendler hängen blieb. Versuche, ihn mit einem Traktor zu befreien, scheiterten. Die Lösung war pragmatisch: Der Beton wurde vor Ort entladen und mit einem Radlader portionsweise zur Kirche transportiert. Dies zeigt, dass bei Baustellen in ländlichen Gebieten oft improvisiert werden muss.
Ein anderes Beispiel für Improvisation und kreativen Ressourceneinsatz stammt ebenfalls aus Witterda. Für die Gestaltung der Außenanlagen suchte man nach Natursteinen. Durch eine Anfrage bei einem Abrissunternehmen in Erfurt erhielt man die Erlaubnis, Natursteine von einer abgerissenen Bezirksparteileitung selbst zu entfernen. Mit Traktor, Anhänger und Brecheisen machten sich Vereinsmitglieder auf den Weg, mussten aber feststellen, dass das manuelle Herauslösen der Quader nicht zu bewerkstelligen war. Ein freundlicher Baggerfahrer half schließlich maschinell aus. Die Steine wurden für Einfassungen von Hochbeeten, Stützmauern und Stufen der Kapelle verbaut. Dieses Vorgehen sparte Kosten und förderte den Gemeinschaftssinn.
Auch bei der Hubertuskapelle in Angermund wurde in der Bauphase Oktober die Überarbeitung der Eingangstür, die Wiederherstellung der Innendecke, die Überarbeitung der Innenfassung, die Reinigung der Bodenfliesen sowie die Überarbeitung und Verfugung der Außentreppe genannt. Diese Arbeiten erfordern handwerkliches Geschick, insbesondere wenn historische Fliesen oder Stuckaturen erhalten bleiben sollen.
Eigentumsverhältnisse und Trägerschaft
Die Trägerschaft einer Kapelle beeinflusst maßgeblich, wie die Sanierung organisiert und finanziert wird. Es gibt verschiedene Modelle:
- Kirchengemeinde: Die Valentinuskapelle in Eppertshausen gehört der Katholischen Pfarrgemeinde St. Sebastian. Sie ist für den Unterhalt verantwortlich und nutzt die Kapelle für Gottesdienste und Taufen. Durch die Pandemie hat die Nutzung abgenommen, da das Gebäude unbeheizt ist.
- Kommune: Die Kapelle in Rietberg (vermutlich Hubertuskapelle) ist Eigentümerin der Kommune. Diese ist zur Erhaltung verpflichtet und beantragt oft Fördermittel. Die Sanierung erfolgt hier im Auftrag der öffentlichen Hand.
- Privat: Die Kapelle St. Josef in Beigarten ist ein Beispiel für eine rein private Sanierung. Die Familie Hendriock kaufte das Gebäude und investierte 65.000 Euro. Hier entfielen die langen Prozesse der Gemeindearbeit, aber die Verantwortung für die Bausubstanz lag allein bei den neuen Eigentümern.
- Verein (Förderverein): In Witterda und Angermund sind Fördervereine aktiv. Diese organisieren Spenden, koordinieren Ehrenamtliche und führen die Sanierung durch. In Witterda wurde die Sanierung als Vereinsprojekt mit tatkräftiger Unterstützung der Bevölkerung umgesetzt. Die Gustav-Adolf-Kapelle sollte zu einer Begegnungsstätte werden, was über den rein religiösen Zweck hinausgeht. In Angermund ist der Förderverein Hubertuskapelle e.V. nach Abschluss der Sanierung weiterhin für Instandhaltung und Spenden zuständig.
Instandhaltung und Nachhaltigkeit
Eine Sanierung ist keine einmalige Angelegenheit. Die langfristige Erhaltung erfordert regelmäßige Instandhaltung. Der Förderverein Hubertuskapelle e.V. ist auch nach Abschluss der Sanierung für jede Spende dankbar, um die Instandhaltung zu erleichtern. Dies ist ein wichtiger Hinweis für Eigentümer: Die Kosten enden nicht mit der Fertigstellung der Baumaßnahmen.
In Eppertshausen wird die Valentinuskapelle für Werktags-Gottesdienste im Sommer genutzt. Im Winter pausiert die Nutzung wegen fehlender Heizung. Eine energetische Sanierung (z.B. Einbau einer Heizung) würde zwar die Nutzung erweitern, stößt aber in historischen Gebäudehüllen oft auf Grenzen oder ist mit hohen Eingriffen in die Bausubstanz verbunden. Hier muss man sich oft für den Erhalt der Originalsubstanz und gegen moderne Komfortforderungen entscheiden.
In Witterda wurde nach der Sanierung eine Nutzungsordnung erarbeitet. Diese regelt den Umgang der Bevölkerung mit der Kapelle bei gemeinsamen Feiern, Festen und als Ziel für Prozessionen. Eine solche Ordnung ist wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden und die Kapelle als lebendigen Ort der Gemeinschaft zu erhalten.
Fazit
Die Sanierung von Kapellen ist ein komplexes Unterfangen, das weit über das bloße Handwerk hinausgeht. Sie verlangt nach einer Mischung aus finanzieller Planung, diplomatischem Geschick im Umgang mit Behörden, handwerklichem Know-how und oft einem hohen Maß an ehrenamtlichem Engagement.
Die vorgestellten Beispiele – von der Valentinuskapelle in Eppertshausen über die Hubertuskapelle in Angermund und Rietberg bis hin zur Gustav-Adolf-Kapelle in Witterda und der privaten Sanierung von St. Josef in Beigarten – zeigen das breite Spektrum der möglichen Herangehensweisen. Ob durch kleine Spenden von lokalen Unternehmen, große staatliche Zuschüsse, private Stiftungen oder die organisierte Arbeit eines Vereins – der Wille, diese historischen Baudenkmäler zu erhalten, ist allgegenwärtig.
Für Bauherren und Eigentümer bedeutet dies: Die Auseinandersetzung mit dem Denkmalschutz ist unvermeidlich, die Finanzierung muss frühzeitig gesichert werden, und die Wahl der richtigen Handwerker ist entscheidend für den langfristigen Erfolg. Die Sanierung ist eine Investition in die kulturelle und historische Identität einer Region. Sie sichert Werte für die Nachwelt und schafft Orte der Ruhe und Begegnung, die in unserer hektischen Zeit unverzichtbar sind. Die genannten Beispiele belegen, dass trotz aller Schwierigkeiten – ob überladene Beton-LKWs oder marode Dachstühle – die Sanierungen erfolgreich abgeschlossen werden können und die Kapellen als Kleinode der Dorf- und Stadtgeschichte weiterleben.