Die Sanierung und Umnutzung von denkmalgeschützten Bauten stellt eine besondere Herausforderung für die Bauwirtschaft dar. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Transformation ist das ehemalige Kaufhaus Jandorf in der Brunnenstraße in Berlin-Mitte. Nach jahrzehntelangem Leerstand und diversen Zwischennutzungen wurde das imposante Jugendstilgebäude in den Jahren 2018 bis 2020 generalsaniert und zu einer modernen Firmenzentrale umgebaut. Dieser Prozess vereinte historische Bausubstanz mit zeitgemäßen Anforderungen an Energieeffizienz, Brandschutz und Arbeitsplatzgestaltung. Der folgende Artikel beleuchtet die technischen und planerischen Aspekte dieses Vorhabens, basierend auf den verfügbaren Quellen.
Historischer Kontext und Bedeutung des Gebäudes
Das Kaufhaus Jandorf ist mehr als nur ein Bauwerk; es ist ein Stück Berliner Geschichte. Errichtet wurde es in den Jahren 1903 bis 1904 als Universalkaufhaus für das „kleine und mittlere“ Publikum. Die Architekten Lachmann & Zauber entwarfen einen Mauerpfeilerbau in flexibler Stahlskelettbauweise. Das Gebäude verfügte über fünf Etagen und bot ursprünglich eine Verkaufsfläche von etwa 10.000 Quadratmetern. Die Fassaden an den Straßenfronten sind im Erdgeschoss mit Muschelkalk verblendet, darüber in Tuffstein ausgeführt. Besonders markant sind die beiden Pfeiler an den ursprünglichen Eingängen, die mit Kartuschen mit Bienen als Symbolen des Fleißes verziert sind. Die oberen Fenster ziert Maßwerk im geometrischen Jugendstil, und die Turmhaube ist auffällig verkupfert.
Adolf Jandorf, der Gründer des KaDeWe, ließ dieses Haus errichten. Bis 1945 war das Warenhaus in Betrieb und überstand den Zweiten Weltkrieg weitgehend unbeschadet. Nach einer Phase des Leerstands diente es ab 1953 bis zur Wende in der DDR als Institut für Modegestaltung, oft als „Haus der Mode“ bezeichnet. Nach der Wende wurde das Gebäude von der Treuhand übernommen und an den Hotelier Jacob Schultz verkauft. Fast 30 Jahre stand es danach meist leer, wurde aber gelegentlich für Kunstprojekte, Messen und als Eventlocation genutzt. Der morbide Charme mit rohen Wänden und schmucklosen Stützen machte es zu einem begehrten Ort für kulturelle Zwischennutzungen, wie eine Ausstellung mit dem Fotografen Sven Marquardt zeigt.
Planung und Vorbereitung der Sanierung
Ende 2017 erhielt das Architekturbüro AUKETT + HEESE den Auftrag, das denkmalgeschützte Gebäude auf Basis eines erweiterten Vorentwurfs (Leistungsphase 5, teilweise 3, 6 und 7) im Bereich der Kostenbereiche (KG) 300 zu beplanen. Das Gebäude war durch den langen Leerstand und verschiedene nicht vollendete Umbaumaßnahmen, darunter eine halbfertige Tiefgarage, stark in Mitleidenschaft gezogen.
Eine entscheidende Weichenstellung war die Anmietung des Gebäudes durch Mercedes Benz (später im Kontext des Joint-Ventures YOUR NOW, einem Verbund von Daimler und BMW). Dieser neue Mieter nutzte die Räume als globales Headquarter für rund 500 Mitarbeiter. Die Mieterplanung des Nutzers wurde durch AUKETT + HEESE in die integrale Planung integriert. Die Bauzeit belief sich auf mehr als zwei Jahre intensiver Planungs- und Bauarbeiten.
Rechtlich begleitet wurde der Umbau durch die Kanzlei Leinemann Partner, die den Eigentümer Jacob Schultz bei der kompletten Maßnahme beriet. Dies umfasste die Vertragsgestaltung für Planungs- und Bauverträge sowie baubegleitende Beratung im privaten und öffentlichen Baurecht.
Herausforderungen und technische Lösungen
Die Sanierung des Jandorfs war mit komplexen Herausforderungen verbunden, die umfangreiche Lösungen im Bereich der Statik, des Brandschutzes und der Haustechnik erforderten.
Keller und Tiefgarage
Ein besonderes Problem stellte der Kellerbereich dar. Hier befand sich eine halbfertige Tiefgarage. Für diesen Bereich mussten komplexe Lösungen gefunden werden, um die Bausubstanz zu sichern und die Nutzung als Fundament für den Neubau zu ermöglichen.
Dach und Lichthof
Der Flachdachbereich wurde saniert und um eine große neue Dachterrasse erweitert. Ein zentrales gestalterisches Element war der ehemalige Lichthof. Im Dachbereich wurde ein altes Glasdach rekonstruiert, allerdings angepasst an moderne Anforderungen, da es nun eine darunter liegende Konferenzzone überspannt. Im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss wurde dieser Lichthof zu einem repräsentativen Foyer umgestaltet. Um die hohen Brandschutzanforderungen zu erfüllen, kamen Brandschutzverglasungen und verdeckt integrierte Brandschutzvorhänge zum Einsatz.
Fassade und Fenster
Die Erhaltung der historischen Fassade war ein Kernanliegen des Denkmalschutzes. Die Natursteinfassade zur Straße wurde saniert. Ebenso wurden die alten Stahlfenster saniert. Um die energetischen Anforderungen der heutigen Zeit zu erfüllen, wurden diese durch neue, innenliegende Holzfenster ergänzt oder ersetzt, was eine energetische Aufwertung (Ertüchtigung) ermöglichte, ohne die historische Optik von außen zu verändern. Für die Restaurierungsarbeiten an der Naturwerkstein- und Putzfassade wurde die GEBAUER Steinmetzarbeiten GmbH beauftragt. Diese erstellte eine detaillierte Restaurierungsdokumentation inklusive digitaler Schadens- und Maßnahmenkartierungen.
Innenräume und Treppenhäuser
Die Treppenhäuser, die teilweise noch über alte Holzvertäfelungen verfügten, wurden nach den Auflagen des Denkmalschutzes saniert. Auch verschiedene erhaltene Türen, Stuckelemente und Holzvertäfelungen wurden aufgearbeitet. Im Bereich der Stützen im 1. Obergeschoss wurde die alte Stuckverkleidung exemplarisch rekonstruiert.
Moderner Ausbau und Arbeitsplatzgestaltung
Die Umwandlung in eine moderne Firmenzentrale erforderte weitreichende Anpassungen im Inneren des Gebäudes. Der Ausbau zu modernen Büroflächen stellte hohe Anforderungen an die Planer, insbesondere in den Bereichen Raumtiefen, Raumakustik und Elektroversorgung der Arbeitsplätze. Es wurden anspruchsvolle und individuelle Lösungen entwickelt, um den historischen Raum mit modernen Arbeitsanforderungen zu vereinbaren.
Ein spezifischer Bereich war der Bodenausbau. Die Firma Freese Fußbodentechnik erhielt den Auftrag für eine Fläche von 5600 m². Hierbei wurde das System „Pavinodis® fondo CMP Designspachtel + Unterestrich als Verbund- bzw. Estrich auf Trennlage“ verlegt. Dieses System ermöglicht eine hohe Belastbarkeit und Eignung für Büronutzung, wobei es auf die bestehende Substanz oder eine Trennlage aufgebracht wurde.
Fazit
Die Sanierung des ehemaligen Kaufhauses Jandorf in Berlin-Mitte ist ein Musterbeispiel für die gelungene Verbindung von Denkmalschutz und moderner Nutzung. Der langjährige Leerstand und die teils desolate Bausubstanz, inklusive einer halbfertigen Tiefgarage, erforderten mutige und komplexe planerische Entscheidungen. Durch die Integration der Bedürfnisse des neuen Mieters, eines großen Mobilitätsunternehmens, konnte das Gebäude revitalisiert werden.
Wesentliche technische Leistungen umfassten die Sanierung der Natursteinfassade, die energetische Aufwertung der Fenster durch innenliegende Holzkonstruktionen, die Rekonstruktion des Glasdachs über dem Lichthof und die brandschutztechnische Ausrüstung des Foyers. Der Bodenausbau auf einer Fläche von über 5000 Quadratmetern mit modernen Systemen rundete den Ausbau ab. Das Projekt zeigt, dass historische Bausubstanz durch gezielte Sanierung und kreative Integrationslösungen nachhaltig gewinnbringend genutzt werden kann, ohne ihre historische Identität zu verlieren.