Die energetische Sanierung von Bestandsimmobilien gewinnt angesichts steigender Energiepreise und strengerer gesetzlicher Vorgaben zunehmend an Bedeutung. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Standard des KfW Effizienzhauses 70. Dieser Standard definiert einen energetischen Zustand eines Gebäudes, der weit über den gesetzlichen Mindestanforderungen liegt, aber weniger streng ist als die höheren Stufen wie KfW 55. Für Eigentümer alter Häuser stellt sich oft die Frage, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, um diesen Standard zu erreichen, welche Sanierungsmaßnahmen sinnvoll sind und welche Förderungen aktuell verfügbar sind.
Dieser Artikel beleuchtet detailliert die Anforderungen an ein KfW Effizienzhaus 70, die technischen Maßnahmen zur Erreichung des Standards sowie die damit verbundenen finanziellen Förderungen durch die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Dabei stützen wir uns ausschließlich auf die bereitgestellten Quellendaten, um fundierte und präzise Informationen für Hausbesitzer, Bauinteressierte und Handwerksprofis zu liefern.
Das Konzept des KfW Effizienzhauses 70
Das Grundprinzip eines Effizienzhauses basiert auf dem Vergleich eines Gebäudes mit einem fiktiven Referenzgebäude. Dieses Referenzgebäude definiert die gesetzlichen Mindestanforderungen an einen Neubau gemäß dem Gebäudeenergiegesetz (GEG). Ein Effizienzhaus 70 verbraucht lediglich 70 Prozent der Primärenergie, die dieses Referenzgebäude benötigt (Source [2]). Zudem muss der Transmissionswärmeverlust (Wärmeverlust durch die Gebäudehülle) niedriger sein als beim Referenzgebäude. Konkret bedeutet ein KfW 70 Standard, dass der Primärenergiebedarf des Gebäudes 30 Prozent niedriger ist als beim KfW-Effizienzhaus 100 (dem Referenzgebäude) und der Transmissionswärmeverlust 15 Prozent niedriger (Source [1]). Ein KfW-Effizienzhaus 55 verbraucht im Vergleich dazu 45 Prozent weniger Primärenergie als das Standardhaus (Source [1]).
Es ist wichtig zu verstehen, dass der Standard KfW 70 primär für die Sanierung von Bestandsgebäuden relevant ist. Im Neubau ist dieser Standard mittlerweile veraltet. Für Neubauten gelten strengere Vorgaben; hier werden Standardisierungen wie KfW 55 oder KfW 40 EE gefördert. Das KfW 70 Haus war früher ein weit verbreiteter Standard, wird im Neubau aber nicht mehr staatlich gefördert (Source [6], Source [2]).
Unterscheidung: KfW 70, 70 EE und 70 NH
In der aktuellen Förderlandschaft (seit 2022/2023) wird unterschieden, ob erneuerbare Energien (EE) oder Nachhaltigkeitskriterien (NH) integriert werden. Ein reines KfW 70 Haus ohne diese Zusatzkriterien ist technisch erreichbar, aber für eine maximale Förderung ist oft die Integration von erneuerbaren Energien erforderlich.
- KfW 70: Erreicht den Standard durch reine Effizienzmaßnahmen (Dämmung, Fenster, Heizungstausch).
- KfW 70 EE (Erneuerbare Energien): Beinhaltet zusätzlich die Nutzung erneuerbarer Energien, z. B. durch den Einbau einer Wärmepumpe oder Solarthermie.
- KfW 70 NH (Nachhaltigkeit): Bezieht sich auf ein Zertifizierungsverfahren, das den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes bewertet (QNG-Siegel).
Technische Voraussetzungen und Sanierungsmaßnahmen
Um den Standard KfW 70 zu erreichen, müssen spezifische Kennzahlen bezüglich des Energiebedarfs eingehalten werden. Die Ermittlung dieser Werte – Jahres-Primärenergiebedarf und Transmissionswärmeverlust – erfolgt durch einen zertifizierten Energieberater (Source [7]). Es gibt keine pauschale Vorschrift, welche Dicke eine Dämmung haben muss oder welche Heizung exakt einzubauen ist. Stattdessen wird das Gesamtkonzept betrachtet. Dennoch haben sich in der Praxis bewährte Maßnahmen herauskristallisiert.
1. Optimierung der Gebäudehülle
Ein wesentlicher Faktor zur Reduzierung des Transmissionswärmeverlustes ist die Dämmung der Gebäudehülle. Eine abgedichtete Gebäudehülle sorgt dafür, dass nur ein Minimum an Energie unkontrolliert an die Außenwelt verloren geht (Source [6]).
- Außendämmung: Üblicherweise werden Dämmstärken von 12 bis 16 cm für Außenwände verwendet, je nach gewähltem Dämmmaterial (Source [2]). Dies minimiert den Transmissionswärmeverlust erheblich.
- Dachdämmung: Das Dach stellt eine große Fläche dar, über die Wärme entweichen kann. Eine dichte Dämmung ist hier unerlässlich.
- Bodenplatte: Auch der Boden Kontakt zum Erdreich muss gedämmt werden, um den Wärmeverlust zu stoppen.
- Fenster und Türen: Alte, wärmedurchlässige Fenster sollten zwingend gegen moderne Fenster mit Wärmeschutzverglasung (Mehrfachverglasung) ausgetauscht werden. Fenster und Türen müssen entsprechend wärmeisolieren, um die Anforderungen zu erfüllen (Source [6]).
2. Effiziente Heizsysteme und Lüftung
Neben der Dämmung ist die Art der Wärmeerzeugung entscheidend für den Primärenergiebedarf.
- Heizungstausch: Der Einsatz effizienter Heizsysteme ist eine gängige Maßnahme. Dies kann der Umstieg auf eine Wärmepumpe, den Einbau von Solarthermie (zur Warmwasserbereitung und Heizungsunterstützung) oder den Anschluss an ein Wärmenetz sein. Die Kombination aus Wärmepumpe und Photovoltaik wird häufig empfohlen (Source [6], Source [7]).
- Hydraulischer Abgleich: Um die Effizienz der neuen Heizanlage zu gewährleisten, ist ein hydraulischer Abgleich der Heizungsanlage oft notwendig. Dies sorgt für einen optimalen Durchfluss im System.
- Lüftungsanlagen: Eine Lüftungsanlage ist für das Erreichen des KfW 70 Standards nicht zwingend vorgeschrieben. Sie wird jedoch dringend empfohlen, um den Energieverbrauch weiter zu senken und ein gesundes Raumklima zu gewährleisten. Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung minimieren den Energieverlust durch notwendige Frischluftzufuhr (Source [2]).
3. Die Rolle des Energieberaters
Ein zentraler Baustein für die Sanierung auf KfW 70 ist die Beauftragung eines Energieeffizienz-Experten. Dieser Experte ist nicht nur Pflicht, um die Förderung zu erhalten, sondern unterstützt auch bei der Planung und Umsetzung. * Er erstellt das notwendige Sanierungskonzept. * Er berechnet die energetischen Kennwerte. * Er begleitet die Baumaßnahmen (Baubegleitung). * Er stellt die notwendigen Bestätigungen für die KfW aus (Bestätigung zum Antrag BzA und Bestätigung nach Durchführung BnD).
Die KfW übernimmt übrigens 50 Prozent der Kosten für die Baubegleitung durch den Energieberater (Source [2]).
Förderung durch die KfW: Kredite und Tilgungszuschüsse
Die finanzielle Unterstützung durch die KfW ist für viele Eigentümer der entscheidende Anreiz für eine Sanierung. Seit 2022 gibt es keine Förderungen mehr für den Neubau von KfW 70 Häusern, jedoch attraktive Angebote für die Sanierung bestehender Gebäude (Source [2]). Das zentrale Förderprogramm für Sanierungen ist derzeit das Programm 261.
Kreditprogramm 261 im Detail
Das Programm 261 ermöglicht die Finanzierung von Sanierungen zum KfW Effizienzhaus 70 (sowie 55 und 40). Die Konditionen und Voraussetzungen sind wie folgt (Source [3]):
- Art der Förderung: Kredit.
- Zweck: Sanierung eines Effizienzhauses.
- Voraussetzungen: Der Förderantrag muss vor Baubeginn gestellt werden. Bei Bestandsimmobilien muss der Bauantrag (für das Gebäude) mindestens 5 Jahre zurückliegen.
- Kredithöhe: Bis zu 120.000 Euro oder 150.000 Euro je Wohneinheit (die Angaben variieren leicht in den Quellen, 120.000 Euro ist die gängige Obergrenze für Standardmaßnahmen, 150.000 Euro kann in Kombination mit anderen Programmen oder höheren Standards gelten). Source [4] nennt explizit 120.000 Euro als Maximum, das ausschließlich für energetisch wirksame Maßnahmen eingesetzt werden darf.
- Zinsen: Abhängig vom aktuellen Zinsniveau (laut Source [3] ab ca. 2,29 % eff. Jahreszins, wobei Zinsen schwanken).
Tilgungszuschuss: Das "Geschenk" der KfW
Ein Tilgungszuschuss reduziert die Kreditsumme, ohne dass der Kreditnehmer diese Summe zurückzahlen muss. Er wird direkt von der Restschuld abgezogen. Die Höhe des Zuschusses ist vom erreichten Effizienzhausstandard abhängig.
Für ein KfW Effizienzhaus 70 beträgt der Tilgungszuschuss in der Regel bis zu 15 Prozent der Kreditsumme. Bei einem Kredit von 150.000 Euro wären das maximal 22.500 Euro Zuschuss (Source [3]). Bei einem Kredit von 120.000 Euro wären es 18.000 Euro. Die genaue Höhe kann je nach Programmvariante (EE oder NH) variieren. Source [5] nennt für die Sanierung bis zu 120.000 Euro Kredit und nennt die Tilgungszuschüsse als attraktiv. Source [3] nennt für den Standard 70 EE maximal 37.500 Euro, was jedoch auf einem höheren Kreditvolumen oder einer anderen Kombination basieren könnte. Sicher ist: Der Zuschuss macht die Sanierung deutlich günstiger.
Antragsprozess in vier Schritten
Der Weg zur Förderung ist standardisiert und erfordert eine genaue Reihenfolge:
- Experte beauftragen: Einen Energieeffizienz-Experten (in der dena-Expertenliste) beauftragen. Dieser erstellt die Bestätigung zum Antrag (BzA).
- Finanzierungspartner & Antrag: Einen Finanzierungspartner (z. B. die Hausbank) beauftragen, der den Kreditantrag bei der KfW stellt – bevor mit der Sanierung begonnen wird.
- Kreditvertrag & Start: Nach der Kreditzusage werden Verträge geschlossen und die Handwerksaufträge erteilt. Die Sanierung beginnt.
- Bestätigung & Auszahlung: Nach Abschluss der Arbeiten stellt der Energieberater die Bestätigung nach Durchführung (BnD) aus. Diese wird bei der Bank eingereicht, woraufhin der Tilgungszuschuss gewährt und die Restschuld reduziert wird (Source [2]).
Kritische Bewertung und Sonderformen
Es ist wichtig, die aktuellen Entwicklungen in der Förderpolitik kritisch zu betrachten. Die Quellenlage (Stand der Daten in den Quellen) zeigt, dass sich die Anforderungen ständig ändern. So fiel im Sommer 2022 im Altbaubereich die Förderstufe Effizienzhaus 100 weg, da sie keinen zukunftsfähigen energetischen Standard mehr darstellte (Source [6]). Das bedeutet, dass Eigentümer, die sich über die Förderung informieren, immer auf die Aktualität der Informationen achten müssen.
Das QNG-Siegel (Nachhaltigkeit)
Eine besondere Form ist die Sanierung mit dem Ziel des QNG-Siegels (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude). Dieses Siegel bewertet nicht nur die Energieeffizienz, sondern auch ökologische, ökonomische und soziokulturelle Aspekte (Source [5]). Es stellt sicher, dass nachhaltige Materialien verwendet und umweltfreundliche Bauprozesse eingehalten werden. Für das Erreichen eines Standards wie KfW 70 NH kann eine erhöhte Förderung gelten.
Häufige Fragen und Klarstellungen
- Ist KfW 70 ein Passivhaus? Nein. Ein Passivhaus hat einen deutlich niedrigeren Energiebedarf (ca. 15 kWh/m²a Heizwärmebedarf). KfW 70 ist ein Niedrigenergiehaus-Standard, aber kein Passivhaus.
- Was passiert, wenn der Standard nicht erreicht wird? Wird der berechnete Primärenergiebedarf oder Transmissionswärmeverlust nicht unterschritten, entfällt die Förderung für das Effizienzhaus. Es könnten allenfalls Einzelmaßnahmen (BEG EM) gefördert werden, was aber weniger lukrativ ist.
- Wie hoch sind die Nebenkosten? Die Quellen geben hierzu keine spezifischen Zahlen an. Es ist jedoch klar, dass durch die Sanierung die Heizkosten deutlich sinken, was die höheren Nebenkosten (z. B. für einen Kredit) langfristig ausgleicht.
Vergleich der Effizienzhaus-Stufen
Um die Bedeutung des Standards KfW 70 einzuordnen, hilft ein Vergleich mit anderen Stufen, die in den Quellen genannt werden:
| Standard | Primärenergiebedarf (relativ zum Referenzgebäude GEG) | Bemerkung |
|---|---|---|
| Referenzgebäude (GEG) | 100 % | Gesetzlicher Mindeststandard für Neubauten. |
| KfW Effizienzhaus 100 | 100 % | Wurde als Förderstandard eingeführt, aber 2022 für Neubauten und 2022 im Altbau (BEG) eingestellt, da nicht mehr zukunftsfähig (Source [6]). |
| KfW Effizienzhaus 70 | 70 % | Ziel der Sanierung: 30 % weniger Primärenergie als das Referenzgebäude (Source [1]). Gilt als gut erreichbarer Standard für Bestandsgebäude. |
| KfW Effizienzhaus 55 | 55 % | Strenger Standard, oft mit höheren Kosten verbunden. Verbraucht 45 % weniger Primärenergie als das Standardhaus (Source [1]). |
Fazit
Die Sanierung auf ein KfW Effizienzhaus 70 stellt eine sinnvolle Investition für Eigentümer von Bestandsimmobilien dar. Sie senkt Energiekosten, steigert den Immobilienwert und leistet einen Beitrag zum Klimaschutz. Die technischen Voraussetzungen sind erreichbar: Eine umfassende Dämmung (Wände, Dach, Boden), der Austausch von Fenstern und der Einsatz effizienter Heizsysteme (z. B. Wärmepumpe) sind die Kernmaßnahmen.
Ein entscheidender Faktor für den Erfolg ist die professionelle Begleitung durch einen Energieberater, der nicht nur die Berechnungen liefert, sondern auch den Zugang zur staatlichen Förderung ermöglicht. Die finanzielle Unterstützung durch die KfW (Programm 261) mit Krediten bis zu 120.000 Euro und Tilgungszuschüssen von bis zu 15 % macht das Vorhaben finanzierbar. Auch wenn die Zinskonditionen schwanken und die Förderpolitik Anpassungen unterliegt, bleibt das KfW 70 Ziel eine valide und zukunftssichere Option zur energetischen Aufwertung von Gebäuden.
Für Hausbesitzer bedeutet dies: Nicht warten, bis die Heizkosten explodieren, sondern frühzeitig einen Energieberater konsultieren, ein Sanierungskonzept erstellen lassen und die Förderung rechtzeitig vor Baubeginn beantragen. Nur so wird das Potenzial der Sanierung voll ausgeschöpft.