Energetische Quartierssanierung: Förderprogramm KfW 432 startet neu – Zuschüsse bis zu 90 Prozent für kommunale Projekte

Einleitung

Die energetische Stadtsanierung auf Quartiersebene gewinnt angesichts der nationalen Klimaziele bis 2045 eine immer größere Bedeutung. Ein zentrales Instrument zur Unterstützung von Kommunen, Wohnungswirtschaft und Stadtwerken ist das Förderprogramm „Energetische Stadtsanierung“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB). Nach einem Förderstopp Ende 2023 wurde das Programm im November 2025 neu aufgelegt. Der Fokus liegt dabei nicht mehr nur auf dem einzelnen Gebäude, sondern auf dem Quartier als Handlungsebene. Dies ermöglicht die Nutzung von Synergieeffekten, die im Alleingang nicht realisierbar sind. Ziel des Programms ist es, den Gebäudebestand dekarbonisierbar zu machen und die Wärmeplanung voranzutreiben. Dieser Artikel beleuchtet die technischen und wirtschaftlichen Aspekte des Förderprogramms KfW 432, erläutert die förderfähigen Maßnahmen und zeigt auf, wie durch integrierte Quartierskonzepte eine nachhaltige Stadtentwicklung realisiert werden kann.

Das Quartier als zentraler Handlungsraum

In der Stadtentwicklung hat sich der Quartiersansatz als effizienter Weg etabliert, um Klimaschutzziele zu erreichen. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, diesen Ansatz gezielt zu stärken, um die Dekarbonisierung des Gebäudebestands voranzubringen. Die Handlungsebene „Quartier“ bietet die Möglichkeit, Potenziale zur effizienten Sanierung der bestehenden Bausubstanz zu bündeln und gleichzeitig den klimafreundlichen Umbau der Energiesysteme voranzutreiben.

Im Vordergrund steht die Minderung von CO2-Ausstoß. Darüber hinaus werden jedoch auch städtebauliche, denkmalpflegerische, wohnungswirtschaftliche und soziale Aspekte in die Planung integriert. Dieser ganzheitliche Ansatz ermöglicht innovative Lösungen, die Energie sparen, erneuerbare Quellen stärken und die Lebensqualität in den Stadtquartieren erhöhen. Auch Maßnahmen zur Klimaanpassung, der Ausbau von Stadtgrün und der Einsatz digitaler Technologien können berücksichtigt werden. Die Bundesregierung sieht in der Neuauflage des Förderprogramms einen wichtigen Baustein, um die Umsetzung der Wärmeplanung in den kommenden Jahren effektiv voranzubringen.

Technische Ansätze und Synergieeffekte in der Quartiersanierung

Die energetische Sanierung auf Quartiersebene unterscheidet sich grundlegend von der Sanierung einzelner Gebäude. Durch die Betrachtung von Verbünden und Infrastrukturen können technische und wirtschaftliche Synergieeffekte genutzt werden, die bei Einzelmaßnahmen ungenutzt bleiben.

Wärmewende im Quartier

Ein Kernbereik der Quartiersanierung ist die Wärmewende. In vielen Fällen lassen sich Effizienzsteigerungen erzielen, wenn nicht nur ein Gebäude, sondern ein ganzes Quartier saniert und die Wärmeversorgung klimafreundlich gestaltet wird. Beispiele für solche Quartierslösungen sind:

  • Erschließung von Nahwärmelösungen: Anstelle dezentraler Heizungsanlagen in jedem Gebäude kann ein Nahwärmenetz die Versorgung übernehmen. Dies ermöglicht den Einsatz hocheffizienter Wärmeerzeuger und die Einbindung erneuerbarer Energien auf Quartiersebene.
  • Nutzung von Abwärme: Abwärme, die im Gewerbe oder im Abwasser in der Nachbarschaft anfällt, kann als Wärmequelle erschlossen und in das Quartiersenergiesystem integriert werden. Dies erhöht die Gesamteffizienz und reduziert den Bedarf an Primärenergie.
  • Lasten- und Spitzenausgleich: Durch unterschiedliche Nutzer im Quartier (z. B. Wohnen, Gewerbe, öffentliche Einrichtungen) können Profile für Strom- und Wärmebedarf geglättet werden. Dies optimiert den Betrieb von Energiesystemen und reduziert die notwendige installierte Leistung.

Serielle Sanierung und Gebäudehülle

Die Bundesregierung fördert Ansätze zur seriellen energetischen Sanierung. Diese Methode beinhaltet die Fertigung von Bauteilen (z. B. Fassadenelemente, Fenster) in Serie und deren montagegerechte Anlieferung auf die Baustelle. Dies senkt die Kosten und verkürzt die Sanierungszeit auf der Baustelle erheblich. Im Kontext des Quartiers können durch standardisierte Sanierungslösungen für mehrere Gebäude gleichzeitig Skaleneffekte realisiert werden.

Integration von Klimaanpassung und Stadtgrün

Neben der reinen Energieeinsparung rücken auch Maßnahmen zur Klimaanpassung in den Fokus. Der Ausbau von Stadtgrün (z. B. begrünte Fassaden, Dachbegrünungen) im Quartier trägt zur Kühlung bei Hitzeperioden bei und verbessert das Mikroklima. Diese Maßnahmen werden im Förderprogramm berücksichtigt und unterstützen die Wärmeplanung der Kommunen.

Das Förderprogramm KfW 432: Inhalt und Neustart

Das Programm „Energetische Stadtsanierung – Klimaschutz und Klimaanpassung im Quartier“ (Programmnummer 432) wurde im November 2025 wieder aufgenommen. Es gliedert sich in verschiedene Programmteile, die unterschiedliche Aspekte der Quartierssanierung abdecken.

Programmteile und Fördergegenstand

Das Programm fördert integrierte energetische Quartierskonzepte und Sanierungsmanagement (Teil 432). Zudem werden mit den Programmteilen 201 und 202 gebäudeübergreifende und infrastrukturelle Versorgungssysteme investiv unterstützt. Die Fördermittel werden vom BMWSB aus dem Energie- und Klimafonds (EKF) bereitgestellt.

Das Programm zielt darauf ab, Kommunen und ihre Partner (kommunale Unternehmen, Stadtwerke, Wohnungsunternehmen) beim klimagerechten Umbau von Stadtquartieren zu unterstützen. Ein besonderer Fokus liegt darauf, die kommunale Wärmeplanung schnell und effektiv in konkrete Maßnahmen zu überführen.

Zuschuss Höhe und Finanzierung

Für das Jahr 2025 stehen 75 Millionen Euro zur Verfügung. Für das Jahr 2026 ist die Bereitstellung weiterer 75 Millionen Euro geplant, vorbehaltlich des Beschlusses des Haushaltes 2026. Die Förderung erfolgt als Zuschuss.

Geförderte Kommunen erhalten Zuschüsse von bis zu 75 Prozent der zuwendungsfähigen Ausgaben. In Haushaltsnotlagen ist eine Förderung von bis zu 90 Prozent möglich. Dies ermöglicht es auch finanzschwachen Kommunen, umfangreiche Sanierungsprojekte in Angriff zu nehmen.

Zielgruppen und Umsetzung

Die Förderung richtet sich primär an Kommunen, kommunale Unternehmen und weitere Akteure, die in die Quartiersentwicklung eingebunden sind. Das Programm sieht vor, nicht nur die Planung zu fördern, sondern auch qualifiziertes Personal zu engagieren, um die Lösungen zügig umzusetzen. Bisher wurden im Rahmen des Programms bereits 1.800 Quartiere gefördert, was die etablierte Praxisrelevanz unterstreicht.

Bestandsaufnahme: Bisherige Förderung und Ausblick

Seit der Einführung des Programms „Energetische Stadtsanierung“ wurden umfangreiche, aufeinander abgestimmte lokale Investitionen in die Dekarbonisierung des Gebäudebestandes, in den Ausbau und die Modernisierung der Energieversorgung sowie in den Einsatz erneuerbarer Energien angestoßen. Die Wiederaufnahme der Förderung im November 2025 schafft die nötige Planungssicherheit, um die begonnenen Transformationen fortzuführen und neue Projekte zu starten.

Die Integration von Aspekten wie Denkmalschutz und sozialen Aspekten in das Programm unterscheidet es von reinen Energieeffizienzprogrammen. Es ermöglicht eine stadtsanierende Komponente, die über die reine energetische Optimierung hinausgeht und die Gesamtstruktur der Quartiere stärkt.

Fazit

Die energetische Sanierung auf Quartiersebene stellt einen entscheidenden Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität im Gebäudebereich dar. Durch die gebäudeübergreifende Betrachtung von Energieversorgung, Wärmesenken und Synergien lassen sich Effizienzsteigerungen erzielen, die bei Einzelgebäuden nicht realisierbar sind. Das KfW-Programm 432 bietet hierfür die notwendige finanzielle Unterstützung durch hohe Zuschüsse. Der Neustart im November 2025 signalisiert das Festhalten an der Strategie, den Quartiersansatz zu stärken. Für Kommunen und Eigentümer ist es nun entscheidend, integrierte Konzepte zu entwickeln, die nicht nur Energie einsparen, sondern auch die Lebensqualität im Quartier nachhaltig verbessern und die kommunale Wärmeplanung umsetzen.

Quellen

  1. Energetische Stadtsanierung
  2. BMWSB - Energetische Stadtsanierung
  3. BMWSB Pressemitteilung
  4. Architekturblatt - Neustart der energetischen Stadtsanierung
  5. BBU - Neustart der energetischen Stadtsanierung
  6. KfW Pressemitteilung

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