Sanierung des Kollegiengebäudes II in Freiburg: Denkmalpflege, Technik und Investitionen im Überblick

Die Generalsanierung des Kollegiengebäudes II (KG II) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg stellt ein herausragendes Beispiel für die denkmalgerechte Revitalisierung von Bauten der 1950er Jahre dar. Seit 2021 wird an diesem zentralen Gebäude gearbeitet, dessen Bedeutung für das Universitätsleben und die städtebauliche Identität Freiburgs kaum zu überschätzen ist. Das Vorhaben ist nicht nur eine technische und energetische Aufwertung, sondern auch eine historische und architektonische Bewahrung eines Kulturdenkmals. Für Bauinteressierte, Immobilienverwalter und Architekten bietet der Sanierungsprozess wertvolle Einblicke in moderne Sanierungsstrategien, die Anwendung von Bauverordnungen und den Umgang mit historischen Bausubstanzen.

Der folgende Artikel beleuchtet die Hintergründe, die technische Durchführung und die zukünftige Nutzung des Gebäudes basierend auf den vorliegenden Informationen.

Historischer Hintergrund und architektonische Bedeutung

Das Kollegiengebäude II wurde anlässlich der 500-Jahr-Feier der Albert-Ludwigs-Universität als Geschenk des Landes Baden-Württemberg errichtet. Die Grundsteinlegung fand 1957 statt, und der Bau wurde zwischen 1958 und 1961 realisiert. Der Entwurf stammt vom Schweizer Architekt Otto Ernst Schweizer, dessen Vision einen hellen und leichten Stil zum Ausdruck brachte. Dieser Stil sollte auch nach der umfangreichen Generalsanierung bewahrt werden.

Das Gebäude gilt als bedeutendes Beispiel der 50er-Jahre-Architektur und prägt gemeinsam mit der Universitätsbibliothek den Platz der Alten Synagoge. Es handelt sich um eines der größten Universitätsgebäude in Freiburg. Architektonisch basiert der Bau auf einem Stahlbetonskelett mit einer definierten Rasterstruktur, die eine hohe Grundrissflexibilität ermöglichte. Diese konstruktive Anlage war für universitäre Nutzungen vorausschauend und ist ein zentrales Merkmal, das bei der Sanierung berücksichtigt werden muss.

Die Notwendigkeit der Sanierung

Die Entscheidung zur Generalsanierung fiel vor dem Hintergrund eines erheblichen Sanierungsstaus und der Notwendigkeit, die energetischen und technischen Standards an moderne Anforderungen anzupassen. Das Gebäude war in die Jahre gekommen und erfüllte nicht mehr die aktuellen Anforderungen an Brandschutz, Energieeffizienz und Haustechnik.

Ein spezifisches Problem, das während der Sanierung zutage trat, verdeutlichte den Sanierungsbedarf: Im zweiten Untergeschoss der Tiefgarage wurde eine carbonatisierte Bodenplatte festgestellt. Durch Salze, die von Autos in die Garage eingebracht wurden, war die Platte angegriffen und sanierungsbedürftig geworden. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, bei der Sanierung von Tiefgaragen die chemischen und physikalischen Belastungen genau zu untersuchen und in die Planung einzubeziehen.

Projektmanagement und Finanzierung

Die Sanierung ist ein Großprojekt, das in zwei Bauabschnitte unterteilt wurde. Das Land Baden-Württemberg investiert massiv in die Erhaltung und Modernisierung des Bauwerks.

  • Erster Bauabschnitt: Hier wurden bereits die technischen Einrichtungen im Untergeschoss für rund 8,6 Millionen Euro erneuert.
  • Zweiter Bauabschnitt: Das Ministerium für Finanzen hat die Baufreigabe für diesen Abschnitt erteilt. Die Investitionssumme beläuft sich hier auf rund 102 Millionen Euro.

Gesteuert wird das Projekt vom Amt Freiburg des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg. Die Gesamtkosten der Generalsanierung werden auf über 100 Millionen Euro beziffert. Ziel der Politik ist es, durch diese Investition die Chancen der Universität Freiburg im nationalen und internationalen Wettbewerb zu stärken. Die Anpassung der Infrastruktur an sich ändernde Anforderungen in Lehre und Forschung ist hierbei ein zentraler Motivationsfaktor.

Denkmalgerechte Sanierung: Erhalt der Fassade

Ein Kernaspekt der Sanierung ist die Einhaltung denkmalpflegerischer Vorgaben. Das Gebäude steht unter Denkmalschutz. Ein zentrales Ziel ist der Erhalt der charakteristischen Außenhülle. Wie in den Planungen festgelegt, bleibt die Außenfassade "quasi heilig". Sie wird weitestgehend erhalten und saniert, anstatt durch einen Neubau ersetzt zu werden.

Im Innenraum hingegen ist ein radikalerer Ansatz vorgesehen: Bis auf die Tragstruktur (das Stahlbetonskelett) wird der Innenraum zurückgebaut. Dies ermöglicht eine Neugestaltung der Funktionalität unter Beibehaltung der statischen Substanz. Diese Vorgehensweise – Erhalt der Fassade, Rückbau im Inneren – ist eine gängige Strategie bei der Sanierung von Büro- und Verwaltungsgebäuden aus dem Modernismus, um energetische und funktionale Defizite zu schließen, ohne das äußere Erscheinungsbild zu verändern.

Technische und energetische Maßnahmen

Die technische Aufwertung ist umfangreich und stützt sich auf aktuelle Standards des Gebäudeenergiegesetzes (GEG).

Energie und Klima: Ein Hauptziel ist die deutliche Reduzierung des Primärenergiebedarfs. Laut den Planungen wird der Bedarf gegenüber den Anforderungen des GEG um 40 Prozent unterschritten. Dies erfordert eine Optimierung der Wärmedämmung und eine hochwertige Haustechnik. Zur Erreichung dieses Ziels kommen moderne Heiz- und Kühldecken sowie eine lüftungstechnische Ausrüstung in den Seminarräumen zum Einsatz, die für ein angenehmes Raumklima sorgen sollen.

Haustechnik und Medien: Im Inneren werden neben dem Mobiliar die gesamte Haustechnik, Medientechnik und das Datennetz erneuert. Diese werden energetischen und technischen Standards entsprechend neu installiert. Für die Arbeit in den Büros und Hörsälen ist eine moderne digitale Infrastruktur essenziell.

Brandschutz: Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Brandschutzertüchtigung. Da das Gebäude bis auf die Tragstruktur zurückgebaut wird, bietet sich die Gelegenheit, den Brandschutz im gesamten Gebäude auf den aktuellen Stand zu bringen.

Änderungen in der Raumnutzung und Funktionalität

Die Sanierung dient nicht nur der Erhaltung, sondern auch der Optimierung der Nutzung. Die Wissenschaftsministerin Theresia Bauer betonte, dass eine kontinuierliche Anpassung der Infrastruktur notwendig ist, um die Exzellenz der Hochschule zu sichern.

Zusammenführung der Rechtswissenschaften: Eine der wesentlichen inhaltlichen Änderungen ist die künftige Unterbringung der Rechtswissenschaften. Bisher auf mehrere Standorte im Stadtgebiet verteilt, werden sie im sanierten KG II zusammengeführt. Dies umfasst auch die Fachbereichsbibliotheken. Eine neue Forschungsbibliothek der Rechtswissenschaften entsteht durch Umstrukturierungen der Raumanordnung aus den ehemaligen Handbibliotheken der Lehrstühle.

Gestaltung von Hörsälen: Die Hörsäle 2004 und 2006 werden in Teilen neu gestaltet. Eine konkrete Maßnahme ist die Installation einer schallreduzierenden Decke. Diese Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege, um die denkmalgerechte Ästhetik nicht zu gefährden.

Nutzung im Erdgeschoss und Untergeschoss: Im Erdgeschoss sind der Audimax (mit 788 Plätzen der größte Hörsaal der Uni), eine Cafeteria und Ladengeschäfte geplant. Im Untergeschoss entsteht eine Tiefgarage. Diese Verteilung sichert die barrierefreie Erschließung und die Anbindung an das städtische Leben.

Ablauf und Zeitplan

Das Projekt begann im Jahr 2021. Die Bauarbeiten am KG II werden voraussichtlich bis Ende 2027 andauern. Ein unvorhergesehenes Ereignis – der Fund einer Zeitkapsel aus den Fünfzigerjahren im Mauerwerk – zeigte während der Arbeiten die historische Verbundenheit der Erbauer mit dem Gebäude. Die Kapsel enthielt ein Stück Pergament mit einer Botschaft der Architekten und Handwerker von damals.

Trotz solcher Zwischenfälle verlaufen die Bauarbeiten laut Projektleiter Benjamin Bert nach Plan. Die Bauarbeiten führen zu Einschränkungen im Uni-Innenhof, der seit Ende 2019 teilweise gesperrt ist.

Vergabe und Bauausführung

Für die Durchführung der Sanierung werden spezialisierte Firmen beauftragt. Aus den vorliegenden Ausschreibungen geht hervor, dass Metallbauarbeiten im Wert von über 2,8 Millionen Euro (Ganzglaswände im Atrium und Türen) ausgeschrieben wurden. Hierbei wird ein offenes Verfahren genutzt. Voraussetzung für die Vergabe ist oft der Nachweis der Eignung durch Eintrag in das Präqualifikationsverzeichnis des Vereins für die Präqualifikation von Bauunternehmen e.V. Dies unterstreicht den hohen Qualitätsanspruch und die Notwendigkeit, präzise und qualifizierte Angebote für solche Großprojekte einzuholen.

Fazit

Die Sanierung des Kollegiengebäudes II in Freiburg ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Verbindung von Denkmalschutz, moderner Technik und funktionaler Weiterentwicklung. Mit einem Investitionsvolumen von über 100 Millionen Euro sichert das Land Baden-Württemberg nicht nur ein architektonisches Juwel der 1950er Jahre, sondern schafft auch eine zeitgemäße Hochschulinfrastruktur. Die Strategie, die markante Außenfassade zu erhalten und den Innenraum funktional neu zu erschließen, ist für vergleichbare Sanierungsvorhaben von hoher Relevanz. Die energetischen Ziele, die weit über den gesetzlichen Mindestanforderungen liegen, zeigen zudem, dass Nachhaltigkeit im Bestandsmanagement eine zentrale Rolle spielt. Für die Universität Freiburg bedeutet das Projekt die Sicherung ihrer Wettbewerbsfähigkeit durch optimierte Arbeits- und Studienbedingungen.

Quellen

  1. Kulturjoker - Uni ohne Campus?
  2. Architekturforum Freiburg - Sanierung des KG II
  3. Ausschreibungen Deutschland - KG II Sanierung 2025
  4. Badische Zeitung - Zeitkapsel gefunden
  5. Videoportal Uni Freiburg - Aussenfassade
  6. Pressemitteilung BW - Sanierung KG II
  7. Unicross - Die Aussenfassade ist quasi heilig
  8. FM Baden-Württemberg - Sanierung KG II
  9. MWK Baden-Württemberg - Sanierung KG II

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