Kirche St. Marien in Stelzen: Historische Baudenkmalpflege und Sanierung eines sakralen Erbes

Die Sanierung historischer Kirchen stellt Bauherren und Gemeinden vor besondere Herausforderungen. Es handelt sich hierbei nicht nur um die Instandsetzung von Gebäuden, sondern um die Bewahrung kulturellen Erbes und die Sicherung von Bauwerken, die über Jahrhunderte hinweg das Ortsbild prägen. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche umfassende Baumaßnahme ist die Sanierung der Kirche St. Marien im thüringischen Stelzen. Dieser Fall verdeutlicht die Komplexität von Denkmalsanierung, die Notwendigkeit von Fördermitteln und die handwerkliche Kunstfertigkeit, die für die Wiederherstellung historischer Bausubstanz erforderlich ist.

Im Folgenden wird detailliert auf die Sanierungsarbeiten an der Kirche St. Marien in Stelzen eingegangen, wobei der Fokus auf den technischen Aspekten, der historischen Bedeutung des Bauwerks und den organisatorischen Rahmenbedingungen für solche Projekte liegt.

Die historische und architektonische Bedeutung der Kirche St. Marien

Die Kirche St. Marien in Stelzen ist ein historisches Juwel mit einer wechselvollen Geschichte, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Laut Überlieferungen ist die Entstehung der Kirche eng mit einem Wallfahrtsort verbunden. Eine Sage berichtet von einem vermögenden Kaufmann aus Würzburg, der an der Itzquelle von einer schweren Krankheit geheilt wurde und daraufhin Geld für den Bau einer Kapelle spendete. Diese Kapelle erhielt den Namen "Mariahilf". Auf dem Grundstück dieser ersten Kapelle wurde später die jetzige Kirche errichtet. Der Baubeginn für das heutige Gotteshaus fiel auf den Tag nach Walpurgis, den 1. Mai 1467.

Das Bauwerk besitzt eine wechselvolle Geschichte, die für die Bauanalyse von Bedeutung ist. Im Laufe der Zeit erlitt die Kirche erhebliche Schäden. Am 15. Dezember 1647 wurde die Kirche ein Raub der Flammen. Der Wiederaufbau dauerte bis zum Jahr 1649. Renovierungen fanden in den folgenden Jahrhunderten in den Jahren 1853, 1911 und 1966 statt. Diese Daten sind für die Bestandsaufnahme und die Planung von Sanierungsmaßnahmen entscheidend, da sie auf verschiedene Bauphasen und damals verwendete Materialien hinweisen.

Neben der architektonischen Substanz ist auch die innere Ausstattung von historischem Wert. Die Orgel der Kirche ist ein bedeutendes Element. Die letzte umfassende Restaurierung der Orgel fand im Jahr 2012 statt. Die Errichtung der Orgel war ursprünglich nur durch die finanzielle Unterstützung des Herzogs Georg II. von Sachsen-Meiningen möglich. Auch der Taufstein der Kirche besitzt eine lange Geschichte; seine Weihe fand im Jahr 1640 statt.

Ein weiteres historisches Detail ist die Grabstätte eines hochverehrten Geistlichen, der fast 30 Jahre in Stelzen wirkte und nach seinem Tod im Jahr 1706 vor dem Altar der Kirche beerdigt wurde. Die Kirchenbücher, die Aufzeichnungen über die Gemeinde und das Bauwerk führen, beginnen im Jahr 1609.

Die Kirche St. Marien ist nicht nur ein religiöses Zentrum, sondern auch ein prägendes Ensemble für den Ortsteil Stelzen, der knapp 90 Einwohner zählt. Sie wurde als "unverzichtbares und prägendes Ensemble" bezeichnet. Im Jahr 2018 feierte die Gemeinde das Jubiläum "550 Jahre Kirche St. Marien".

Herausforderungen bei der Sanierung von Baudenkmälern

Die Sanierung eines Bauwerks, das mehrere Jahrhunderte alt ist, erfordert besondere Pflege und eine detaillierte Bestandsaufnahme. Solche Projekte sind oft finanziell und logistisch sehr komplex. Für die Kirchengemeinde Sachsenbrunn-Stelzen war die Finanzierung der dringend benötigten Sanierungsarbeiten eine große Herausforderung.

Fördermöglichkeiten und Finanzierung

Da das Geld für notwendige Sanierungen oft knapp ist, sind externe Förderungen für Kirchengemeinden essenziell. Ein wichtiger Ansprechpartner für solche Vorhaben ist die Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa). Diese Stiftung, gegründet von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), bietet Fördergelder für die Sicherung und Sanierung von Kirchen an.

Im Januar 2019 wurde ein Antragsverfahren für die Jahre 2020 und 2021 eröffnet. Eine wesentliche Änderung gegenüber den Vorjahren war die Verlängerung des Förderzeitraums. Während zuvor nur ein Jahr zur Verfügung stand, konnten die Fördergelder nun für zwei Jahre beantragt werden. Dieser Schritt wurde unternommen, um den Bedürfnissen der Kirchengemeinden gerecht zu werden, da die Finanzierung von Großprojekten sehr komplex ist und oft Monate in Anspruch nimmt. Zudem ist es für Antragsteller oft schwierig, zeitnah Gewerke zu finden, die die notwendigen Arbeiten ausführen können.

Die Stiftung KiBa fördert in der Regel Arbeiten an: * Dächern * Dach- und Glockenstühlen * Außenwänden * Gewölben

Zudem werden Maßnahmen gefördert, durch die der Innenraum einer Kirche wieder nutzbar gemacht wird. In besonders begründeten Fällen ist auch die Sicherung bedeutender Ausstellungsstücke und Wandmalereien förderfähig.

Neben der Stiftung KiBa gibt es auch andere Förderprogramme. Für den Außenbereich der Kirche St. Marien spielte das Programm "Städtebauförderung" eine Rolle, obwohl hier noch keine Ergebnisse erzielt werden konnten. Regelmäßige Antragstellungen auf Fördermittel waren Teil der Strategie der Gemeinde. Auch politische Unterstützung war zu verzeichnen; so übergab der CDU-Landtagsabgeordnete Stefan Gruhner Lottomittel in Höhe von 5000 Euro an den Kirchenvorstand.

Die konkreten Sanierungsmaßnahmen in Stelzen

Die Sanierung der Kirche St. Marien in Stelzen war ein Großprojekt, das sich über mehrere Phasen erstreckte. Ein Schwerpunkt lag auf der umfassenden Dachsanierung.

Die Dachsanierung

Die Notwendigkeit einer Dachsanierung war gegeben, da das Dachgeschoss in den vergangenen Jahren stark gelitten hatte. Der Zustand des Daches beeinflusst maßgeblich den Erhalt des gesamten Baukörpers, da eindringende Feuchtigkeit zu Bauschäden an Decken, Wänden und dem Mauerwerk führen kann.

Nach einem letzten Gottesdienst am 17. Mai 2020 begannen die Reparaturarbeiten. Aufgrund der Pandemie und der Baumaßnahmen verging mehr als ein Jahr, bis die Mitglieder der Kirchgemeinde und ihre Gäste wieder in das Gotteshaus einkehren konnten. Der Abschluss der Dachsanierung wurde mit einem Gemeindefest gefeiert.

Restaurierung des Turms und der Turmspitze

Ein sichtbares Zeichen für den Fortschritt der Sanierungsarbeiten war im ersten Sanierungsabschnitt das Anbringen des Turmknopfes mit der Wetterfahne. Die Arbeiten am Turm erforderten spezialisierte Handwerkskunst.

Die Firma Blaurock Metallrestauration und Schmiedearbeiten aus Hinternah war für die Restaurierung der metallenen Turmbestandteile verantwortlich. Die Arbeiten umfassten: * Die Aufarbeitung und Vergoldung des Turmknopfes. * Die Anfertigung einer Neuanfertigung. * Die Restaurierung der drehbaren Wetterfahne. * Die Fertigung eines Schafts und eines Kaiserstiels.

Der Kaiserstiel ist ein spitzenartiges Gebilde, an dessen Spitze die drehbare Wetterfahne angebracht wird. In die Turmspitze wurde traditionsgemäß eine Dokumentenhülse eingebracht. Diese enthielt neben der alten, aufgearbeiteten Hülse auch eine Neuanfertigung. Solche Hülsen enthalten meist Dokumente, die den Zustand des Bauwerks und die durchgeführten Arbeiten für zukünftige Generationen festhalten.

Instandsetzung des Turminneren und weiterer Bereiche

Nicht nur die äußere Hülle, auch das Innere des Turmes bedurfte umfangreicher Instandsetzungsarbeiten. Die Turmuhr, die zeitweise nicht korrekt funktionierte, schlägt nach den Arbeiten wieder die richtige Stunde. Auch an der Orgel wurde umfangreich gearbeitet; die letzte größere Restaurierung fand, wie erwähnt, 2012 statt.

Ein weiterer Sanierungspunkt, der in den Quellen genannt wird, ist die Kirchenmauer. In den Jahren 2010-2011 wurde die Kirchenmauer in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Sachsenbrunn saniert. Diese Maßnahme war notwendig, um die Statik und die Hülle des Kirchenvorplatzes zu sichern.

Handwerkliche Umsetzung und Bedeutung für die Region

Die Sanierung historischer Bauten ist eine Nische im Bauwesen, die hohe Anforderungen an die Handwerker stellt. Die Verwendung von Materialien und Techniken, die den ursprünglichen Baustilen entsprechen, ist oft notwendig, um die Denkmaleigenschaften zu wahren.

Die Firma Blaurock Metallrestauration und Schmiedearbeiten aus Hinternah zeigt, dass spezialisierte Betriebe notwendig sind, um Arbeiten wie die Vergoldung von Turmknöpfen oder die Fertigung von Schmiedeteilen für Wetterfahnen fachgerecht auszuführen. Solche Arbeiten gehen über Standardbauleistungen hinaus und erfordern handwerkliches Können, das über Generationen weitergegeben wird.

Für den kleinen Ortsteil Stelzen mit seinen rund 90 Einwohnern ist die Kirche mehr als nur ein Gebäude. Sie ist ein kulturelles Zentrum. Die Kirche wird im Rahmen der "Stelzenfestspiele" genutzt, bei denen Konzerte veranstaltet werden, die meist bis auf den letzten Platz ausverkauft sind. Auch regelmäßige Gottesdienste im 14-tägigen Rhythmus finden statt. Der Erhalt der Bausubstanz ist somit auch essentiell für das kulturelle Leben der Gemeinde.

Organisation und Verwaltung der Kirchengemeinde

Die Verwaltung der Kirchengemeinde Stelzen hat ebenfalls eine historische Dimension. Bis 1833 gehörte die Kirchgemeinde Stelzen zur sächsischen Parochie Reuth. Nach dem Wechsel zum Fürstentum Reuß-Schleiz wurde die Kirchgemeinde von Pfarrern aus Reuth oder Unterkoskau verwaltet. Heute sind die Strukturen klar geregelt; die Gemeinde wird vom Pfarramt Sachsenbrunn verwaltet, nachdem Stelzen von 1528 bis 1905 eine eigene Pfarrei war.

Die Kirchgemeinde Sachsenbrunn-Stelzen ist für die Organisation und Durchführung der Sanierungsprojekte verantwortlich. Dies umfasst die Antragstellung für Fördermittel, die Beauftragung von Handwerksfirmen und die Öffentlichkeitsarbeit. Die Koordination zwischen den verschiedenen Gewerken und den Förderinstitutionen ist eine anspruchsvolle Aufgabe für das Kirchenvorstand.

Fazit

Die Sanierung der Kirche St. Marien in Stelzen ist ein lehrreiches Beispiel für die Denkmalpflege in Deutschland. Sie zeigt, wie historische Bauten, die oft über Jahrhunderte alt sind, durch gezielte Maßnahmen erhalten werden können. Der Fokus lag hierbei auf der Dachsanierung und der Restaurierung der Turmspitze, wobei handwerkliche Präzision und die Nutzung spezialisierter Firmen entscheidend waren.

Finanziert werden solche Projekte oft durch einen Mix aus Eigenmitteln und öffentlichen Förderungen. Die Stiftung KiBa spielt hierbei eine zentrale Rolle, indem sie Finanzmittel für die Sicherung kirchlicher Baudenkmäler bereitstellt und dabei auf die besonderen zeitlichen Bedürfnisse von Großprojekten eingeht. Die Verlängerung des Förderzeitraums auf zwei Jahre ist ein Indiz für die Anerkennung der Komplexität solcher Bauvorhaben.

Für Eigentümer von denkmalgeschützten Immobilien oder Bauinteressenten, die sich mit Sanierung beschäftigen, liefert der Fall Stelzen wichtige Erkenntnisse: Die Bedeutung einer detaillierten Bestandsaufnahme, die Notwendigkeit der frühzeitigen Planung von Förderungen und der Einsatz von spezialisiertem Handwerk sind fundamentale Säulen für den erfolgreichen Erhalt historischer Bausubstanz. Die Kirche St. Marien wird durch die durchgeführten Arbeiten nicht nur als religiöses Zentrum, sondern auch als kulturelles Erbe für die Zukunft gesichert.

Quellen

  1. insuedthueringen.de - Kirchenfest in Stelzen
  2. nordkirche.de - Beantragen Sie Fördergelder für Ihre Kirchensanierung
  3. insuedthueringen.de - Kirchensanierung: Kirchenspitze erstrahl in neuem Glanz
  4. kirche-sachsenbrunn.de - Kirche Stelzen
  5. otz.de - Kirche in Stelzen ist große Baustelle
  6. insuedthueringen.de - Stelzen: Woher das Geld für das Gotteshaus kommen könnte
  7. kirchspiel-unterkoskau.de - Gemeinden Stelzen

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