Schindel auf Schindel: Eine umfassende Anleitung zur Dachrenovierung mit Bitumen- und Holzschindeln

Einleitung

Die Sanierung von Schindeln stellt einen zentralen Aspekt der Dachrenovierung dar, insbesondere bei älteren Gebäuden, bei denen die ursprüngliche Bausubstanz erhalten bleiben soll. Holzschindeln, die sowohl traditionell gespalten als auch maschinell gesägt vorliegen können, bieten nicht nur eine natürliche Ästhetik, sondern erfüllen auch eine bewährte Schutzfunktion für Dächer und Fassaden. Die Entscheidung, ein Schindeldach zu erneuern, erfordert fundiertes Wissen über Materialien, Montagetechniken und die spezifischen Voraussetzungen der bestehenden Bausubstanz. Die Wahl des richtigen Materials, die korrekte Montage sowie eine langfristige Wartung sind entscheidend für die Dauerhaftigkeit und den ästhetischen Wert einer Schindeldachverkleidung. Diese Analyse basiert auf den Erfahrungen von Herstellern, Referenzen von Sanierungsprojekten und technischen Daten zu Schindelprodukten, um Hausbesitzern und Fachhandwerkern eine fundierte Entscheidungsgrundlage zu bieten.

Vorteile und Anwendungsbereiche von Schindeln

Holzschindeln sind ein natürlicher, nachhaltiger Baustoff, der sich sowohl für Neubauten als auch für Sanierungen eignet. Aufgrund ihres Materials und ihrer Herstellung sind sie besonders widerstandsfähig gegen Witterungseinflüsse. Sie integrieren sich nahtlos in das historische Gesamtbild von Gebäuden und verleihen diesen neuen Glanz. Ein Beispiel für eine erfolgreiche Sanierung ist die Renovation eines Hofguts aus dem Jahr 1756, bei der haushaut-Kanada-Schindeln zur Wiederherstellung der Fassade und des Daches genutzt wurden. Ein weiteres Beispiel ist der Ersatz eines Daches durch Holzschindeln durch die Familie Miedl, die betonten, dass die Schindeln nicht nur optisch ansprechend, sondern auch funktional eine hervorragende Lösung darstellten.

Neben Holzschindeln sind Bitumen-Schindeln, wie beispielsweise das Produkt BARDOLINE PRO S 125, weit verbreitet. Diese bestehen aus Oxydationsbitumen, Glasvlieseinlage und keramischen Granulaten. Sie sind witterungsbeständig, leichter zu montieren und oft günstiger in der Anschaffung. Allerdings sind sie nicht so langlebig wie Holzschindeln und benötigen gelegentliche Wartung. Bitumen-Schindeln finden Einsatz in der Sanierung und im Neubau und bieten eine praktikable Alternative, wenn Budget oder spezifische Anforderungen an die Langlebigkeit variieren.

Vergleich der Materialien

Die Wahl zwischen Holz- und Bitumen-Schindeln hängt von den individuellen Anforderungen, dem Budget und der Dachkonstruktion ab.

Produkt Material Vorteile Nachteile
Holzschindeln Lärche, Kiefer Nachhaltig, optisch attraktiv, langlebig Pflegeintensiv, höhere Kosten
Bitumen-Schindeln Bitumen, Glasvlies, keramische Granulate Einfach zu verlegen, günstiger Geringere Langlebigkeit, nicht so wärmedämmend

Voraussetzungen für die Sanierung

Bevor mit der Verlegung neuer Schindeln begonnen wird, müssen bestimmte bauliche Voraussetzungen erfüllt sein. Eine wesentliche Anforderung ist die Dachneigung; diese muss mindestens 15 Grad betragen, um eine ausreichende Wasserabfuhr zu gewährleisten. Die Unterkonstruktion muss tragfähig und wasserdicht sein. Wetterbedingungen spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle: Schindeln sollten trocken und bei angemessener Temperatur verlegt werden, um eine optimale Haftung und Verarbeitung zu gewährleisten.

Bei der Entscheidung, Schindeln über bestehenden Schindeln zu verlegen, ist eine gründliche Prüfung des Daches unerlässlich. Es muss sichergestellt werden, dass das Dach intakt und ausreichend tragfähig ist. Die Oberfläche muss gereinigt und, falls erforderlich, getrocknet werden. Experten raten dazu, die Maßnahmen zusammen mit einem erfahrenen Dachdecker zu planen oder durchzuführen, da dieser den Ist-Zustand prüfen und wertvolle Tipps zur Ausführung geben kann. Aus der Ferne ist eine verlässliche Einschätzung leider nicht möglich.

Montage und Verlegung

Die Verlegung von Schindeln erfolgt in der Regel in zwei Lagen, um eine optimale Dichtigkeit zu gewährleisten. Der Prozess beginnt an der Traufe und endet am First. Schindeln werden auf Brettern, die über den Sparren verlegt sind, befestigt. Üblicherweise werden sie mit Nägeln oder thermoadhäsivem Klebesystem fixiert.

Detaillierter Montagevorgang

  1. Vorbereitung: Die Dachfläche muss geprüft, Schäden müssen behoben und der Dachstuhl gereinigt werden.
  2. Anbringen der Traufbleche: Die Traufbleche werden entlang der Dachkante befestigt, sodass sie einige Zentimeter überstehen, um ein besseres Ablaufen des Regenwassers zu ermöglichen.
  3. Montage der Dachrinne: Die Dachrinne wird an den Traufblechen installiert, um das ablaufende Regenwasser aufzufangen und abzuleiten.
  4. Verlegen der Vordeckbahn: Beginnend am unteren Rand des Daches und arbeitend nach oben werden die Bahnen mit Bitumenkleber fixiert. Die Bahnen müssen mindestens 10 cm überlappen und glatt und faltenfrei verlegt werden.
  5. Anfangsreihe der Schindeln: Die Zungen der ersten Bahn Bitumenschindeln werden abgeschnitten, und diese wird bündig an die Traufkante gelegt. Die Schindeln werden mit Dachpappstiften und Bitumenkleber befestigt.
  6. Verlegen der weiteren Schindelreihen: Die folgenden Schindelreihen werden versetzt zur darunterliegenden Reihe verlegt, sodass die Zungen der Schindeln auf der vorherigen Reihe aufliegen. Kreidelinien dienen zur Ausrichtung, und es ist darauf zu achten, dass alle Schichten gleichmäßig überlappen. Jede Schindelreihe wird mit Dachpappstiften und Bitumenkleber befestigt.
  7. Verlegung der Firstschindeln: Die Firstschindeln werden quer zu den Schindeln der Dachseiten verlegt. Es wird empfohlen, in doppelter Dicke zu verlegen. Dazu werden Bitumenschindeln vorbereitet, indem an den Zungen jeweils ein Dreieck abgeschnitten wird. Die erste Dachschindel wird mit der Hauptwindrichtung verlegt, und alle weiteren Dachschindeln überlappen um 15 cm und werden mit zwei Dachpappstiften befestigt. Die letzte Dachschindel wird verklebt, statt mit Nägeln befestigt.

Spezielle Verlegearten: Kehlen und Anschlüsse

Bei der Verlegung in Kehlen gibt es zwei Verfahren:

  • Offenkehlen Verfahren:

    • Kreidelinien vom First zur Traufe legen (15 cm Abstand am First; der Abstand verbreitert sich zu den Traufseiten hin um 1 cm pro Meter).
    • Schindelzuschnitt erfolgt auf diese Linien.
    • An der oberen Ecke der Schindelbahn (der Kreidelinie zugewandte Seite) wird ein 5 cm großes Dreieck abgeschnitten.
    • Befestigung der Schindelbahnen am Rand zur Kehle hin mit Bitumenkleber (5 cm breites Band).
    • Zusätzliche Befestigung mit Nägeln (5 cm Abstand von der Kreidelinie).
  • Wechselseitige Deckung:

    • Verlegung der Schindeln in der Kehlnaht.
    • Überlappung: Letzte Schicht sollte mindestens 30 cm auf das andere Dach (jenseits der Kehle) überragen.
    • Befestigung: mit einem Nagel in der obersten Schindelecke.
    • Hinweis zum Nageln: Vor dem Vernaglen werden die Schindelbahnen in die Kehlnaht gedrückt; beim Nageln wird ein Abstand beidseitig von 15 cm zur Kehlnaht eingehalten.

Für die Verlegung an Kamin und Wand wird die Dachfläche bis zu diesen Anschlüssen eingedeckt. Es ist wichtig, alle Übergänge, Kanten und Anschlüsse sorgfältig mit Bitumenkleber abzudichten. Die gesamte Dachfläche muss gemäß den Herstellerangaben überprüft werden.

Hinweise zur eigenständigen Verlegung

Für DIY-Enthusiasten ist die Verlegung von Schindeln durchaus machbar, erfordert aber Sorgfalt. Wichtige Hinweise sind: * Verwendung von Kreidelinien zur Ausrichtung. * Sicherstellung, dass alle Schichten gleichmäßig überlappen. * Befestigung jeder Schindelreihe mit Dachpappstiften und Bitumenkleber. * Schneiden von einzelnen Schindelstücken keilförmig für die Verlegung über den First, beginnend auf der windabgewandten Seite. * Stets entsprechende Sicherheitsausrüstung tragen (z. B. Handschuhe, Schutzbrille). * Projekt an trockenen Tagen planen, um eine ideale Verarbeitung der Materialien zu gewährleisten.

Spezifische Vorgehensweise beim "Schindel auf Schindel"-Verfahren

Eine besondere Form der Sanierung ist das Verlegen neuer Schindeln direkt auf die alten. Hierfür ist eine Unterspannbahn in aller Regel nicht notwendig. Wichtig ist es, bei dreieckigen Schindeln die entstehenden Hohlräume auszugleichen. Dies funktioniert, indem Sie Dreiecke mit Kaltkleber aufbringen, bevor Sie die neue Lage Dachschindeln darüber verlegen. Dieses Vorgehen setzt voraus, dass die alte Schindellage intakt und stabil genug ist, als Untergrund zu dienen. Eine gründliche Reinigung der Oberfläche ist zwingend erforderlich, und ein spezieller Haftvermittler aus dem Fachgeschäft kann aufgetragen werden, um die Haftung der neuen Schicht zu verbessern.

Wartung und Pflege

Obwohl Schindeln in der Regel keine Anstriche oder chemische Behandlungen benötigen, ist eine regelmäßige Wartung entscheidend für die Langlebigkeit. Besonders bei Holzschindeln können Schäden durch Witterung oder Schädlingsbefall auftreten. Es ist ratsam, die Schindeln jährlich zu überprüfen und beschädigte Elemente auszutauschen.

Wichtige Wartungsschritte

  • Visuelle Inspektion: Auf Risse, Verfärbungen oder Schädlingsbefall achten.
  • Reinigung: Leichte Reinigung mit Wasser oder Druckreiniger (vorsichtig anwenden).
  • Trocknung: Nach Regen oder Schnee trocknen lassen, um Schimmelbildung zu vermeiden.
  • Erneuerung: Beschädigte Schindeln austauschen, um Schäden auf dem Dachstuhl zu verhindern.

Eine Schutzimpregnierung oder ein UV-Schutzlack kann auf Dauer die Lebensdauer erhöhen und Schäden verhindern. Nach der Sanierung ist eine regelmäßige Wartung des Daches besonders wichtig, um Fehlstellen aufzuspüren und sicherzustellen, dass sich kein Wasser zwischen den Lagen ansammelt.

Brandschutzaspekte

Holzschindeln haben aufgrund ihres brennbaren Materials ein erhöhtes Brandrisiko. Aus diesem Grund wird empfohlen, Schindeln nicht auf dicht beieinander stehenden Häusern zu verwenden. In solchen Fällen können bitumenbasierte Schindeln oder andere feuerhemmende Materialien sinnvoller sein.

Vorteile der Schindel-Sanierung

Die Sanierung eines Daches mit Schindeln hat mehrere Vorteile, die über die reine Optik hinausgehen:

  • Optische Wertsteigerung: Ein neues Schindeldach verleiht dem Haus ein frisches, attraktives Erscheinungsbild.
  • Wasserschutz: Schindeln sorgen für eine dichte, witterungsbeständige Dachfläche.
  • Energieeffizienz: Schindeln tragen indirekt zur Dämmung bei, da sie Luftschichten zwischen den Schichten bilden.
  • Nachhaltigkeit: Holzschindeln sind ein CO₂-sparender Baustoff, der oft aus regionalen Quellen stammt.
  • Langlebigkeit: Bei richtiger Pflege können Schindeln Jahrzehnte halten.

Fazit

Die Sanierung von Schindeln ist eine bewährte und nachhaltige Methode, um Dächer und Fassaden langfristig zu schützen und optisch zu optimieren. Ob für den Neubau oder die Renovierung – Schindeln sind ein vielseitiges Material, das sowohl fachlich als auch ästhetisch überzeugt. Die Wahl zwischen Holz- und Bitumen-Schindeln hängt von den individuellen Anforderungen, dem Budget und der Dachkonstruktion ab. Die Verlegung von Schindeln ist aufgrund der handwerklichen Komponente nicht jedermanns Sache. Experten raten, die Verlegung von Schindeln einem Fachbetrieb zu überlassen, insbesondere bei komplexen Dachformen oder bei denkmalgeschützten Häusern. Professionelle Montage und regelmäßige Wartung sind entscheidend für die Dauerhaftigkeit. Bei der Sanierung von Schindeln ist es wichtig, auf Qualität zu achten und gegebenenfalls fachmännische Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Quellen

  1. Austrasse Zuerich
  2. Hausjournal
  3. Energie-Fachberater
  4. Sanier
  5. P-M Builders

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