Sanierung und Umbau der Kindertagesstätte Löwenzahn in Köthen: Ein umfassender Überblick über Planung, Finanzierung und Umsetzung

Die Sanierung und der Umbau von Immobilien stellen für Eigentümer, Investoren und Bauunternehmen gleichermaßen eine komplexe Herausforderung dar. Besonders im öffentlichen Bereich, wie bei Kindertagesstätten, müssen neben den baulichen Aspekten auch pädagogische Konzepte, finanzielle Rahmenbedingungen und gesetzliche Vorgaben berücksichtigt werden. Ein exemplarisches Beispiel für eine solche Baumaßnahme ist die umfassende Modernisierung der Kindertagesstätte (Kita) „Löwenzahn“ in Köthen (Anhalt). Dieser Artikel beleuchtet detailliert die Planung, die durchgeführten Arbeiten, die finanziellen Aspekte und die pädagogischen Ziele dieses Projekts, das als Leitfaden für ähnliche Sanierungsvorhaben dienen kann.

Ausgangslage und Bestandsaufnahme

Die Kita „Löwenzahn“ in der Rosa-Luxemburg-Straße 9 in 06366 Köthen (Anhalt) war ursprünglich ein DDR-Bau aus dem Jahr 1974. Wie in vielen Gebäuden dieser Ära waren die räumlichen Gegebenheiten im Laufe der Zeit veraltet und entsprachen nicht mehr modernen pädagogischen Ansprüchen oder aktuellen energetischen Standards.

Vor der Sanierung wurde das Gebäude als laut und eng beschrieben. Die Leiterin der Einrichtung, Cora Kretschmann, verwies darauf, dass die räumlichen Gegebenheiten die pädagogische Arbeit einschränkten. Ein zentrales Problem war die Raumauslastung: Früher wurden 20 Kinder auf engstem Raum betreut, was weder den aktuellen Bedürfnissen der Kinder noch den Anforderungen an eine qualitativ hochwertige Betreuung gerecht wurde. Die Struktur des Gebäudes war zudem für eine moderne Sprachförderung, die als pädagogischer Schwerpunkt der Kita definiert ist, nur bedingt geeignet. Die Notwendigkeit einer grundlegenden Sanierung war daher offensichtlich, um den Kindern und dem Personal eine zeitgemäße Umgebung zu bieten.

Planung und Konzeption: Vom Abriss zum Neubau

Die Stadt Köthen als Träger der Einrichtung beschloss, das Gebäude nicht nur zu sanieren, sondern komplex umzubauen und zu erweitern. Die Planung für das Bauvorhaben wurde von einem Planungsbüro aus Haldensleben (Seidel und Heinecke) übernommen.

Pädagogische Integration in die Bauplanung

Ein entscheidender Aspekt der Planung war die enge Verzahnung von baulichen Maßnahmen und pädagogischem Konzept. Wie Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild betonte, wurden die Bedürfnisse von Erzieherinnen und Kindern als Fundament für die Planungen genutzt. Ziel war es, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sich die pädagogische Arbeit nicht mehr nach den räumlichen Möglichkeiten richten muss, sondern die Räume das Konzept unterstützen.

Der pädagogische Schwerpunkt auf Sprachförderung erfordert spezielle Räumlichkeiten für individuelle Förderung und Arbeit in kleinen Gruppen. Dies beeinflusste die Raumstrukturierung im Bestandsgebäude maßgeblich.

Architektonische Entscheidungen und Anbau

Die sichtbarste Veränderung gegenüber dem alten „Löwenzahn“ ist der geplante Neubau eines Anbaus an der Südfassade. Dieser Anbau ist einstöckig und dient der Aufnahme einer speziellen Zielgruppe: den Krippenkindern (Knirpsen), also Kinder unter zwei Jahren.

Die Entscheidung für eine räumliche Trennung der jüngsten Kinder in einem separaten Anbau basiert auf fachlichen Erwägungen. Kleinkinder benötigen mehr Ruhe als ältere Kinder. Der Anbau soll Platz für zwei Gruppenräume, einen Schlafraum und eigene Sanitäreneinrichtungen bieten. Die Planung sah vor, dass in diesem Anbau 30 Kinder Platz finden. Um die Verbindung zum Altbau zu gewährleisten, ist eine Bewegungs- und Aktionsfläche als Verbindungselement vorgesehen.

Im Altbau selbst wurde eine komplette Neustrukturierung beschlossen. Ein offeneres Raumkonzept sollte geschaffen werden, indem einige Wände entfernt wurden. Dies ermöglichte eine Steigerung der Betreuungskapazität von 20 auf 25 Kinder pro Gruppe, da die verfügbare Fläche effizienter genutzt werden konnte.

Finanzierung und Förderung

Ein Sanierungsprojekt dieser Größenordnung erfordert erhebliche finanzielle Mittel. Die Kosten für die Sanierung und den Umbau der Kita „Löwenzahn“ beliefen sich auf rund 5,5 Millionen Euro.

Die Finanzierung erfolgte über ein Fördermodell, das für Kommunalprojekte typisch ist. Die Stadt Köthen als Eigentümerin übernahm einen Eigenanteil von zehn Prozent. Die restlichen 90 Prozent der Kosten wurden durch Fördermittel gedeckt. Die Sicherung dieser Mittel war ein kritischer Faktor im Projektverlauf. Nach Angaben aus der Planungsphase lag der erste Fördermittelbescheid bereits vor, während auf den zweiten Bescheid gewartet wurde. Diese Finanzierungszusage war Voraussetzung für die Genehmigung und den Start der Bauarbeiten.

Bauausführung: Zeitplan und technische Herausforderungen

Die Umsetzung des Projekts folgte einem straffen Zeitplan und beinhete diverse technische Herausforderungen, die typisch für die Sanierung von Altbausubstanz sind.

Phasen des Abbruchs und der Vorbereitung

Die Arbeiten begannen im Juni mit Abbruch- und Demontagearbeiten. Die Bauleiterin Michaela Neubarth beschrieb den Zustand des Gebäudes nach diesen Arbeiten als ein „Skelett“: Es standen nur noch die Außenwände und das Dach. Fenster, Fußböden, Estrich, Dämmung und Elektrik wurden entfernt.

Parallel zum Abbruch begannen die Vorbereitungen für den neuen Zwischenbau. Hierfür waren Tiefbauarbeiten für die Fundamente notwendig, da Leitungen unter dem Bauwerk verlegt werden mussten. Der Aushub der Baugrube für den Anbau begann in einer bestimmten Projektwoche, wobei die Fundamente für den Anbau Platz finden sollten.

Eine Besonderheit bei diesem Projekt war eine archäologische Untersuchung des Geländes im Zuge der Fundamentarbeiten. Diese Untersuchung war eine Auflage der Baugenehmigung. Obwohl man davon ausging, nur etwa 1,00 bis 1,20 Meter tief graben zu müssen und nicht von bedeutenden Funden auszugehen, musste dieser Schritt eingeplant werden, um Verzögerungen zu vermeiden.

Rohbauarbeiten und Fristen

Ein zentraler Meilenstein war der Rohbau. Ziel war es, den Rohbau bis Mitte Februar fertigzustellen. Dieser Zeitplan war jedoch wetterabhängig, da längere Frostperioden die Betonarbeiten verzögern können. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits 90 Prozent der Leistungen an ausführende Firmen vergeben, was auf eine gute Vorbereitung und eine hohe Planungssicherheit hindeutete.

Technische Anpassungen und Modernisierung

Die Sanierung beinhete weit mehr als nur kosmetische Verbesserungen:

  1. Fassade und Fenster: Die alten Fensterbänder wurden entfernt und durch neue Einzelfenster ersetzt. Auf der Rückseite des Gebäudes, zum Spiel- und Aufenthaltsbereich hin, wurden bodentiefe Fenster geplant, um den Lichteinfall in die Räume zu maximieren. Auch die Form der Fenster änderte sich, was neue Mauerarbeiten erforderte.
  2. Dämmung und Energie: Die alte Dämmung wurde entfernt. Für den Anbau war ein Gründach vorgesehen, was eine ökologische Aufwertung darstellt.
  3. Heizungssystem: Eine gravierende Änderung betraf die Energieversorgung. Im Zuge der Sanierung der benachbarten Schule „Völkerfreundschaft“ wurde die Kita von der Fernwärme abgekoppelt. Dies erzwang den Einbau einer eigenen Heizungsanlage. Es wurde eine Gasheizung als Übergangslösung geplant, mit dem Hinweis, dass in Zukunft über regenerative Energien nachgedacht werden soll.
  4. Elektro und Sanitär: Parallel zum Rohbau begann in der Bauphase auch die Montage der neuen Elektro-, Heizungs- und Sanitärinstallationen. Die alten Sanitäranlagen wurden komplett erneuert.

Pädagogisches Konzept und Betreuungskonzept nach der Sanierung

Die Sanierung zielte nicht nur auf bauliche Verbesserungen ab, sondern auch auf eine Optimierung des pädagogischen Angebots.

Betreuungsstruktur und Kapazitäten

Nach Abschluss der Maßnahmen bot die Kita „Löwenzahn“ Kapazitäten für 130 Kinder im Alter von 0 Jahren bis zum Schuleintritt. Die Betreuungsformen gliedern sich wie folgt:

  • Kleinstkindgruppen (Küken und Käfer): Zwei Gruppen für Kinder ab 8 Wochen bis ca. 2 Jahre. Diese Gruppen fanden im neu gebauten Anbau Platz.
  • Altersübergreifende Gruppen (Spatzen, Störche, Eichhörnchen und Bienen): Vier Gruppen für Kinder ab ca. 2 Jahre bis zum Schuleintritt. Diese verblieben im sanierten Altbau, der durch die Entfernung von Wänden mehr Platz bot.

Betreuungszeiten und -formen

Das Konzept sah flexible Betreuungszeiten vor, um den Bedürfnissen der Eltern gerecht zu werden. Die Öffnungszeiten waren Montag bis Freitag von 5:45 Uhr bis 17:15 Uhr, bei Bedarf bis 18:00 Uhr. Die Betreuungsdauer konnte wöchentlich zwischen 5 bis 10 Stunden oder flexibel zwischen 25 und 50 Stunden gewählt werden. Ein rechtlicher Anspruch auf 8 Stunden täglich bestand für Kinder, deren Eltern keiner Erwerbstätigkeit nachgingen.

Schwerpunkt Sprachförderung

Wie bereits erwähnt, ist die Sprachförderung ein großes Thema im „Löwenzahn“. Dies wird auch äußerlich durch große, silberne Lettern über dem Eingang sichtbar. Die räumliche Neugestaltung, insbesondere die Schaffung von Rückzugsmöglichkeiten und kleineren Gruppenbereichen im Altbau, dient gezielt der Umsetzung dieses Schwerpunkts. Die Möglichkeit zur individuellen sprachlichen Förderung und Arbeit in kleinen Gruppen wurde durch die neue Raumaufteilung massiv verbessert.

Projektabschluss und Inbetriebnahme

Nach einer Bauzeit, die mehrere Monate andauerte, konnte die Kita „Löwenzahn“ wiedereröffnet werden. Die Wiedereröffnung fand zeitlich etwa ein Jahr nach dem Start der Sanierungsarbeiten statt. Ein Indikator für den Erfolg der Baumaßnahme und der pädagogischen Neuausrichtung war die positive Resonanz.

Ein „Tag der offenen Tür“ am 14. September 2022 diente dazu, der Öffentlichkeit die Ergebnisse der Sanierung zu präsentieren. Die Leiterin Cora Kretschmann betonte, dass sich das Team und die Kinder nun „sehr wohl“ fühlten. Die Veranstaltung bot den Besuchern die Möglichkeit, den Alltag in der neuen Kita zu erleben und die neuen Räumlichkeiten zu besichtigen. Neben der Präsentation der baulichen Veränderungen stand auch das pädagogische Konzept im Mittelpunkt.

Die Veranstaltung umfasste einen Familienspaß am Nachmittag mit Snacks, Bastelangeboten, einer Kindereisenbahn und einer Hüpfburg, was die Funktion der Kita als sozialen Treffpunkt unterstrich.

Fazit: Best Practice für Sanierungsprojekte

Die Sanierung der Kindertagesstätte „Löwenzahn“ in Köthen ist ein Musterbeispiel für eine gelungene Verbindung von Denkmalschutz (in diesem Fall Erhalt einer DDR-Substanz), moderner Architektur, pädagogischer Innovation und effizienter Projektsteuerung.

Die Analyse des Vorhabens zeigt mehrere Schlüsselfaktoren für den Erfolg:

  1. Klare Zieldefinition: Die Integration des pädagogischen Konzepts (Sprachförderung, altersgerechte Trennung) in die frühe Planungsphase war entscheidend.
  2. Sichere Finanzierung: Das Modell aus Eigenmittel und Fördermitteln (90/10-Verteilung) sicherte die Durchführung trotz hoher Kosten von 5,5 Mio. Euro.
  3. Strukturierte Bauausführung: Die strikte Trennung von Abriss, Rohbau und Installationen sowie die Einhaltung von Terminen (z.B. Rohbau bis Mitte Februar) zeugen von professionellem Baumanagement.
  4. Berücksichtigung moderner Anforderungen: Aspekte wie Energieeffizienz (eigene Heizung, Gründach), Barrierefreiheit (bodentiefe Fenster) und Arbeitsplatzgestaltung für das Personal wurden berücksichtigt.

Für Bauherren und Projektverantwortliche in der Immobilienwirtschaft lässt sich ableiten, dass eine erfolgreiche Sanierung weit über das bloße „Abreißen und Aufbauen“ hinausgeht. Die enge Abstimmung zwischen Träger, Planungsbüro, Bauausführung und letztlich den Nutzern (hier: Kinder und Erzieher) ist der Garant für eine nachhaltige Wertsteigerung der Immobilie und eine hohe Nutzerzufriedenheit. Das Beispiel „Löwenzahn“ beweist, dass auch aus alten Bauten durch umfassende Sanierung moderne, lebendige und funktionsgerechte Einrichtungen entstehen können.

Quellen

  1. Stadt Köthen (Anhalt)
  2. Mitteldeutsche Zeitung
  3. Kitanetz Sachsen-Anhalt
  4. Stadt Köthen (Anhalt)
  5. Mitteldeutsche Zeitung
  6. Mitteldeutsche Zeitung
  7. City Advisor

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