Sanierung öffentlicher Gebäude: Deutlicher Nachholbedarf und neue Förderprogramme in Deutschland

Öffentliche Gebäude wie Schulen, Kitas, Rathäuser und Schwimmbäder sind das Fundament unserer Gesellschaft. Gleichzeitig stellen sie einen erheblichen Anteil am deutschen Gebäudebestands dar, der oft energetisch veraltet ist. Trotz der Dringlichkeit des Klimaschutzes und klarer politischer Ziele bleibt die Sanierungstätigkeit in diesem Sektor weit hinter den Notwendigkeiten zurück. Während private Eigentümer von staatlichen Förderungen profitieren und ihre Häuser modernisieren, zeigt der öffentliche Sektor eine bemerkenswerte Zurückhaltung. Dieser Artikel beleuchtet den aktuellen Zustand der öffentlichen Infrastruktur, analysiert die Defizite bei der energetischen Sanierung und stellt die vielfältigen Fördermöglichkeiten vor, die nun – insbesondere in Nordrhein-Westfalen – neue Impulse setzen.

Die Ausgangslage: Ein Sanierungsstau mit enormem Klimapotenzial

Die Bedeutung des Gebäude-sektors für das Klima kann kaum überschätzt werden. Laut den vorliegenden Daten verursachen Gebäude weltweit 40 % der CO₂-Emissionen. Besonders problematisch ist hierbei der Bestand: Ältere Bauten, die oft schlecht gedämmt sind und über veraltete Heiztechnik verfügen, verschlingen unnötig viel Energie. In Deutschland existieren rund 186.000 öffentliche Gebäude, die diesen Herausforderungen ausgesetzt sind. Dazu zählen nicht nur Rathäuser und Verwaltungsgebäude, sondern vor allem soziale und kulturelle Einrichtungen wie Schulen, Kindertagesstätten, Sporthallen und Schwimmbäder.

Das Problem ist ein strukturelles: Während private Haushalte in den ersten neun Monaten des Jahres 2020 allein knapp 1,8 Milliarden Euro an KfW-Zuschüssen für energetische Sanierungen erhielten, belief sich der Förderbetrag für die kommunale und soziale Infrastruktur im selben Zeitraum auf lediglich 109 Millionen Euro. Diese Diskrepanz zeigt, dass die öffentliche Hand im Vergleich zu Privatpersonen deutlich weniger in die Modernisierung ihrer eigenen Immobilien investiert.

Die Klimaziele in Gefahr

Die Bundesregierung hat sich zum Ziel gesetzt, die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Um dieses Ziel zu erreichen, ist eine Decarbonisierung des Gebäudesektors unerlässlich. Konkret hatte sich die Regierung vorgenommen, jährlich zwei Prozent aller öffentlichen Gebäude zu sanieren. Die Realität sieht jedoch anders aus: Im Jahr 2021 lag die Sanierungsquote bei unter einem Prozent. Experten der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) warnen, dass ohne eine konsequente Sanierung der kommunalen Infrastruktur die nationalen Klimaziele nicht erreicht werden können. Unsanierte Gebäude verbrauchen bis zu fünfmal mehr Energie als ein nach modernen Standards errichtetes Haus. Ein Großteil dieser Gebäude stammt aus den 1970er oder 1980er Jahren, einer Ära, in der Energieeffizienz noch keine Rolle spielte.

Defizite und Forderungen: Sanierungsoffensive und Klima-Check

Die aktuellen Zustände werden von verschiedenen Interessengruppen kritisch bewertet. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) fordert eine grundlegende Veränderung im Baubereich. Statt auf energieintensive Abrisse und Neubauten zu setzen, müsse der Fokus auf eine nachhaltige Bestandssanierung gelegt werden. Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der DUH, betont, dass der gesamte Lebenszyklus von Gebäuden betrachtet werden muss. Ein „Neubau-Wahn“ sei der falsche Weg; stattdessen sei eine Umstellung auf Bestandssanierung zentral, um den Energie- und Ressourcenverbrauch drastisch zu senken.

Die DUH weist darauf hin, dass viele öffentliche Gebäude energetisch ineffizient und dringend sanierungsbedürftig sind. Der Investitionsbedarf allein für kommunale Verwaltungsgebäude wird auf etwa 18,8 Milliarden Euro geschätzt. Um die Sanierung voranzutreiben, fordert die DUH von der Politik geeignete Rahmenbedingungen und eine konsequente Umsetzung der EU-Gebäuderichtlinie, die Mindesteffizienzstandards vorsieht.

Auch die IG BAU fordert eine „Sanierungsoffensive“, die endlich auch öffentliche Gebäude ins Visier nimmt. Ein zentrales Instrument, das der Verband fordert, ist ein bundesweiter „Klima-Check“ für alle 186.000 öffentlichen Gebäude. Ziel dieses Checks wäre es, den Zustand der Gebäude zu erfassen und einen Sanierungsfahrplan aufzustellen. Ein solcher Fahrplan würde der öffentlichen Hand die nötige Planungssicherheit geben und helfen, Prioritäten zu setzen.

Der Staat als Vorbild?

Es wird kritisiert, dass der Staat zwar strenge energetische Standards für private Bauherren vorschreibt, diese für die eigenen Bestandsgebäude aber oft nicht umsetzt oder umsetzen muss. Um die hohen Anforderungen an Neubauten zu umgehen, wird im Bestand oft weniger saniert als nötig. Dabei wäre es wichtig, dass der Staat durch die Sanierung seiner eigenen Gebäude ein Vorbild ist und zeigt, dass Sanierung nicht nur notwendig, sondern auch wirtschaftlich und technisch machbar ist.

Förderprogramme: Finanzielle Unterstützung für die Sanierung

Während die Sanierungsquote in der Vergangenheit zu wünschen übrig ließ, gibt es nun neue und erweiterte Förderprogramme, die den Sanierungsstau bekämpfen sollen. Besonders hervorzuheben sind die Maßnahmen in Nordrhein-Westfalen (NRW), die mit Mitteln der EU und des Landes finanziert werden.

Das Programm „Energieeffiziente öffentliche Gebäude“ in NRW

Das Land NRW fördert die Sanierung öffentlicher Gebäude aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE.NRW 2021-2027). Mit dem Programm „Energieeffiziente öffentliche Gebäude“ sollen Investitionen angeregt werden, die den Primärenergiebedarf der Gebäude um mindestens 50 % senken. Dieses Ziel geht über die gesetzlichen Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes hinaus.

Förderfähige Gebäude: Das Programm ist breit aufgestellt und umfasst eine Vielzahl von Gebäude-typen, die für die öffentliche Daseinsvorsorge relevant sind. Dazu gehören: - Verwaltungs- und Betriebsgebäude (z. B. Rathäuser, Bauhöfe, Feuerwachen) - Kulturelle Einrichtungen (Bibliotheken, Theater, Museen) - Sporthallen und Schwimmbäder (einschließlich Mineral-, Thermal-, Sole- und Moorheilbäder) - Schulen, Kitas, Kindergärten, Schullandheime und Jugendherbergen - Pflegeheime

Förderbedingungen und Volumen: Insgesamt stehen für diese Maßnahme 196 Millionen Euro zur Verfügung (eine Summe, die sich aus EFRE-Mitteln und dem Fonds für den gerechten Übergang / Just Transition Fund/JTF zusammensetzt). - Antragsberechtigt sind Kommunen, Kreise, kommunale Unternehmen und gemeinnützige Einrichtungen. - Fördersumme: Die Antragssumme muss mind. 200.000 Euro und max. 8 Mio. Euro betragen. - Ko-Finanzierung: Die Förderquote beträgt max. 80 %. Für Kommunen, die sich in der Haushaltssicherung befinden, kann die Quote auf max. 90 % erhöht werden.

Das Programm unterscheidet zwischen investiven Maßnahmen (z. B. Dämmung, Fenstertausch, neue Heizung) und nicht-investiven Maßnahmen (z. B. Planungsleistungen). Besonders kleinere und mittlere Sanierungsprojekte haben derzeit gute Chancen auf eine Bewilligung. Es wird empfohlen, sich frühzeitig mit der Kommunal-Agentur NRW in Verbindung zu setzen, um den Antragsprozess zu begleiten. Ein Beispiel für eine gelungene Umsetzung ist das Projekt „DISKO“ in Oberhausen.

Ergänzende Förderung im Rheinischen Revier

Ergänzend zu den landesweiten Programmen existieren spezifische Fördermaßnahmen für das Rheinische Revier. Ziel ist es, Kreise, Städte und Gemeinden in die Lage zu versetzen, ihren Gebäudebestand umfassend energetisch zu sanieren, um Energie einzusparen und Betriebskosten nachhaltig zu senken.

Hier werden zwei Förderbausteine unterschieden, die eine umfassende Sanierung oder eine Teilsanierung ermöglichen. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass die geförderten Gebäude nicht für wirtschaftliche Tätigkeiten genutzt werden dürfen. Zu den förderfähigen Gebäuden zählen hier explizit: - Rathäuser, Kreishäuser, Bauhöfe und Feuerwachen - Allgemeinbildende und berufsbildende Schulen sowie Kindertagesstätten - Kulturelle Einrichtungen (Theater, Museen, Gedenkstätten, Bibliotheken) - Sporthallen (sofern für Sportunterricht oder Trainingsbetrieb genutzt) und Schwimmbäder (sportliche Nutzung). Freibäder sind hier explizit nicht förderfähig.

Die Rolle der KfW-Bank: Ergänzung der Landesförderungen

Neben den EU- und Landesprogrammen spielt auch die KfW-Bank eine wichtige Rolle, auch wenn ihre Programme primär auf private Haushalte ausgerichtet sind. Die KfW bietet allgemeine Förderungen für die Sanierung und den Umbau von Gebäuden an, die zu einem Effizienzstandard führen. Die KfW betont, dass die Sanierung von Heizungs-, Kühlungs- und Lüftungsanlagen sowie die energetische Aufwertung von Verwaltungs-, Betriebs- und Funktionsgebäude langfristig zu Kosteneinsparungen führen.

Für den öffentlichen Sektor sind die KfW-Programme oft eine Ergänzung zu den spezifischen kommunalen Förderungen. Die KfW unterstützt energetische Sanierungsmaßnahmen, die zu einem Effizienzgebäude führen. Die Basisförderung der KfW ist dabei flexibel und an wenige Bedingungen geknüpft, was die Antragstellung erleichtert. Darüber hinaus gibt es spezielle Programme für besonders energieeffiziente oder nachhaltige Maßnahmen, die zwar höhere Anforderungen stellen, aber auch vorteilhaftere Konditionen bieten. Auch der Ausbau erneuerbarer Energien wird gefördert, was für die zukünftige Versorgungssicherheit wichtig ist.

Maßnahmen und Potenziale: Was saniert werden muss

Die Sanierung öffentlicher Gebäude umfasst ein breites Spektrum an Maßnahmen, die darauf abzielen, den Energiebedarf drastisch zu senken. Da viele Gebäude aus den 70er und 80er Jahren stammen, liegt der Fokus oft auf folgenden Bereichen:

1. Dämmung und Gebäudehülle

Eine schlechte Dämmung ist ein Hauptgrund für hohen Energieverbrauch. Die Sanierung der Gebäudehülle umfasst die Dämmung von Wänden, Dächern und Decken sowie den Austausch von Fenstern und Türen. Moderne Dämmmaterialien und Fenster mit hoher Wärmedämmung können den Energieverlust erheblich reduzieren.

2. Heizungs-, Kühl- und Lüftungstechnik

Alte Heizungsanlagen sind ineffizient und teuer im Betrieb. Die Modernisierung auf Niedertemperaturheizungen oder der Anschluss an Fernwärme sind gängige Maßnahmen. Zudem gewinnen Kühl- und Lüftungssysteme an Bedeutung, insbesondere in öffentlichen Gebäuden wie Büros oder Schulen, um eine hohe Luftqualität zu gewährleisten.

3. Erneuerbare Energien

Die Integration von Photovoltaik-Anlagen auf Dachflächen oder die Nutzung von Geothermie trägt zur Reduktion des Primärenergiebedarfs bei und senkt die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen.

4. Nicht-investive Maßnahmen (Planung und Optimierung)

Nicht zu unterschätzen sind auch Planungsleistungen, die durch die Förderprogramme unterstützt werden. Hierzu gehören Energieberatungen, die Erstellung von Sanierungsfahrplänen und die Optimierung der Gebäudeautomation. Ein „Klima-Check“ ist hierfür der erste wichtige Schritt.

Fazit: Chance für eine klimafreundliche Infrastruktur

Die Sanierung öffentlicher Gebäude ist eine der zentralen Aufgaben der kommenden Jahre, um die Klimaziele zu erreichen und die Kosten für die öffentliche Hand langfristig zu senken. Die Datenlage ist eindeutig: Der Sanierungsstau ist enorm, und die bisherigen Sanierungsraten reichen bei Weitem nicht aus. Es herrscht Einigkeit darüber, dass eine „Sanierungsoffensive“ notwendig ist.

Gleichzeitig eröffnen sich durch die neuen Förderprogramme in NRW und die Unterstützung durch die KfW erhebliche Chancen. Mit Volumina im dreistelligen Millionenbereich und hohen Förderquoten (bis zu 90 % für haushaltsgesicherte Kommunen) sind die finanziellen Hürden niedriger als je zuvor. Besonders die Fokussierung auf Gebäude wie Schulen, Kitas und Schwimmbäder adressiert genau die Bereiche, in denen Sanierungen besonders dringend sind.

Für Entscheidungsträger in Kommunen und öffentlichen Einrichtungen ist es nun entscheidend, die Angebote wahrzunehmen. Ein strukturierter Ansatz, beginnend mit einem Klima-Check und der Erstellung eines Sanierungsfahrplans, ist der beste Weg, um die Potenziale zu nutzen. Die Sanierung ist nicht nur ein Gebot des Klimaschutzes, sondern auch eine wirtschaftliche Notwendigkeit, um die Betriebskosten der öffentlichen Infrastruktur zu senken und diese für zukünftige Generationen zu erhalten.

Quellen

  1. Sanierung öffentlicher Gebäude: Der Staat lässt sich Zeit
  2. Förderaufruf Energetische Sanierung öffentlicher Gebäude 2025
  3. Deutsche Umwelthilfe fordert Sanierungsoffensive für öffentliche Gebäude in Deutschland
  4. Energieeffiziente öffentliche Gebäude (EFRE.NRW)
  5. EFRE/JTF-Programm Nordrhein-Westfalen 2021-2027
  6. KfW: Sanieren und umbauen
  7. Energetische Sanierung kommunaler Gebäude (Rheinisches Revier)

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