Die Sanierung von historischen Baudenkmalen stellt eine der anspruchsvollsten Aufgaben im modernen Bauwesen dar. Sie verbindet archäologische Forschung, traditionelles Handwerk und modernes Ingenieurwesen mit dem Ziel, kulturelles Erbe für zukünftige Generationen zu bewahren. Ein herausragendes Beispiel für eine solche Komplexität und das Engagement einer breiten Öffentlichkeit ist die Wiederherstellung des Brauhauses im ehemaligen Zisterzienserkloster Himmelpfort. Dieses Projekt im Landkreis Oberhavel in Brandenburg dient als Leitfaden für die Sanierung von Brandruinen und zeigt, wie Denkmalpflege durch Bürgerbeteiligung und staatliche Unterstützung erfolgreich sein kann.
Historischer Kontext und Bedeutung des Standorts
Das ehemalige Zisterzienserkloster Himmelpfort besitzt eine wechselvolle Geschichte, die bis ins späte 13. Jahrhundert zurückreicht. Im Jahr 1299 stiftete der brandenburgische Markgraf Albrecht III. das Kloster, das von Mönchen aus dem Kloster Lehnin bei Potsdam als Tochterkloster aufgebaut wurde. Ursprünglich trug es den Namen „Porta Coeli“, was als „Pforte zum Himmel“ übersetzt wird.
Das Dorf Himmelpfort entwickelte sich direkt aus dieser Klostergründung und ist bis heute eng mit der Geschichte des Klosters verbunden. Von der einstigen Anlage sind jedoch nur noch Teile der Klosterkirche, Reste der Klostermauer und das Brauhaus erhalten. Nach der Säkularisation des Klosters im Jahr 1541 – eines der ersten in Brandenburg, das diesen Schritt im Zuge der Reformation vollzog – durchlief das Gelände eine wechselvolle Nutzungsgeschichte. Es diente unter anderem als Kornspeicher, Wohnhaus und Galerie. Das Brauhaus selbst zählte zu den ältesten noch erhaltenen Wirtschaftsgebäuden einer Zisterzienser-Klosteranlage in der Region.
Die Zerstörung durch Brandstiftung
Im August 2010 wurde das historische Brauhaus durch Brandstiftung nahezu vollständig zerstört. Das Feuer vernichtete den gesamten Dachstuhl und das Innenleben des Gebäudes. Von der original Bausubstanz blieben lediglich die Außenmauern und eine baugeschichtlich einzigartige Giebelwand erhalten. Diese massive Zerstörung stellte eine „schmerzende Wunde“ für den Ort dar und machte eine umfassende und fachgerechte Sicherung der Ruine dringend notwendig.
Das Sanierungsprojekt: Planung und Bauausführung
Die Rettung des Brauhauses wurde durch die 2016 gegründete Bürgerstiftung Kulturerbe Himmelpfort initiiert. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, das Brauhaus und die gesamte Klosteranlage wiederherzurichten. Für die Planung und Sanierung wurde das Architekturbüro MTM Architektur unter der Leitung von Architekt Axel Seemann beauftragt. Die Leistungen umfassten dabei die Phasen 2 bis 8 der Leistungsordnung für Architekten (HOAI), also von der Vorplanung bis zur Objektüberwachung.
Der Erste Bauabschnitt (2016–2017)
Unmittelbar nach dem Brand begannen 2016 die Arbeiten zur Notsicherung der mittelalterlichen Klosteranlage. Der Fokus lag darauf, die verbliebenen Substanz, insbesondere die gefährdete Giebelwand, vor weiterem Verfall zu schützen. Im ersten Bauabschnitt wurde zudem mit der Wiederherstellung des Daches begonnen. Ziel war es, den mittelalterlichen Giebel zu sichern und gleichzeitig einen neuen, überdachten Raum zu schaffen, der für offene Veranstaltungen im Sommer genutzt werden kann.
Der Dritte Bauabschnitt und Finanzierung
Ein entscheidender Schritt für den vollständigen Abschluss der Sanierung war die Finanzierung des dritten Bauabschnitts. Das Kulturministerium des Landes Brandenburg gewährte hierfür Zuschüsse in Höhe von 950.000 Euro aus der Denkmalhilfe des Landes. Diese Unterstützung war notwendig, da die Denkmalhilfe ursprünglich für das Jahr mit 1,87 Millionen Euro dotiert war und für 44 dringende Sanierungsprojekte zur Verfügung stand. Um die Großförderung für Himmelpfort zu ermöglichen, musste die Denkmalhilfe um knapp eine Million Euro aufgestockt werden. Bereits die ersten beiden Bauabschnitte wurden ebenfalls mit Mitteln der Denkmalhilfe in Höhe von insgesamt 118.000 Euro gefördert.
Die Schwerpunkte des dritten Bauabschnitts umfassen technisch wie handwerklich vielfältige Maßnahmen: * Vollständige Schließung des Daches: Dies ist essenziell, um das Mauerwerk vor Witterung zu schützen. * Einbau und Überarbeitung von Fenstern und Türen: Hierbei handelt es sich um denkmalgerechte Holzbauelemente. * Mauerwerksarbeiten: Stabilisierung und Instandsetzung der historischen Außenwände. * Erneuerung des Ostgiebels: Die Wiederherstellung dieses prägenden Elements ist architektonisch und konstruktiv zentral. * Einbau eines Ziegelfußbodens: Die Verwendung von Ziegeln entspricht der historischen Bausubstanz und -technik.
Im Zuge dieser Arbeiten wurde das Dach mittlerweile mit Ziegeln nach historischem Vorbild eingedeckt. Eine besondere Herausforderung im modernen Denkmalschutz ist der Brandschutz. Um die zukünftige Nutzung sicherzustellen, wurde im Dachbereich ein 300 Kilogramm schwerer Motor für den automatischen Rauchabzug montiert. Dieser stellt sicher, dass bei Veranstaltungen oder im Brandfall eine sichere Abführung von Rauch gewährleistet ist, ohne die historische Bausubstanz zu gefährden.
Bürgerengagement als Motor der Denkmalpflege
Kulturministerin Manja Schüle betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Bürgerengagement. Sie bezeichnete Denkmalschutz als „eine der größten Bürgerbewegungen in Brandenburg“. Das Engagement der Bürgerstiftung Kulturerbe Himmelpfort zeigt, dass private Initiative und vielfach ehrenamtliches Engagement unverzichtbar sind, um denkmale Schutzgebäude zu erhalten. Die Stiftung hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Ort wiederzubeleben und ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Archäologische Forschung und wissenschaftliche Einordnung
Während die Bauarbeiten am Brauhaus in Himmelpfort (Landkreis Oberhavel) fortgeführt werden, ist der Name „Himmelpforte“ auch in einem anderen Kontext von Bedeutung. Im Harz, bei Wernigerode (Landkreis Harz), befindet sich ein ehemaliges Kloster namens Himmelpforte, das Gegenstand aktueller archäologischer Ausgrabungen ist.
Das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt führt dort derzeit Ausgrabungen durch, um das heute vom Erdboden verschwundene Kloster in einem bewaldeten Tal des Harzes wieder sichtbar zu machen. Diese Untersuchungen sind Teil eines Citizen-Science-Projekts, bei dem ehrenamtliche Mitarbeiter im Alter von 12 bis 77 Jahren unter fachkundiger Anleitung mitarbeiten. Die Förderung erfolgt durch den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien sowie das Land Sachsen-Anhalt im Rahmen des Gedenkjahrs „Gerechtigkeyt. Thomas Müntzer & 500 Jahre Bauernkrieg“.
Diese archäologischen Arbeiten am Kloster Himmelpforte im Harz sind historisch bedeutsam, da sie Aufschluss über die Zeit der Bauernkriege geben. Vor 500 Jahren wurden Klöster zu Zielen von Angriffen, und die Funde ermöglichen ein lebensvolles Bild der Vergangenheit. Auch wenn es sich hierbei um einen geografisch anderen Standort handelt als den in Brandenburg, unterstreicht die wissenschaftliche Erforschung von Klöstern den hohen Stellenwert solcher Anlagen für das kulturelle Gedächtnis. Die Ergebnisse der Forschungen werden in Ausstellungen präsentiert, um die Geschichte einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Technische Aspekte der Sanierung von Brandruinen
Die Sanierung des Brauhauses in Himmelpfort bietet wertvolle Einblicke in die Techniken der modernen Denkmalpflege bei Brandruinen.
Sicherung von Giebelwänden
Der Erhalt der Giebelwand war nach dem Brand von 2010 prioritär. Freistehende, brandgeschädigte Mauerwerke sind instabil und stellen eine Gefahr dar. In der Bauphase 2016 wurde hier mit Notsicherungen begonnen. Im Verlauf der Sanierung wurde der Giebel vollständig wiederhergestellt und an Dach und Boden angebunden. Diese Anbindung ist statisch notwendig, um den Schub des Daches aufzunehmen und die Wand gegen Ausfall zu sichern.
Dachkonstruktion und Materialien
Die Entscheidung, das Dach mit Ziegeln nach historischem Vorbild einzudecken, folgt dem Prinzip der Materialauthentizität. Im Denkmalschutz ist es wichtig, Originalmaterialien oder deren authentische Nachbildungen zu verwenden, um den Charakter des Gebäudes zu wahren. Die vollständige Schließung des Daches ist der wichtigste Schritt, um das Mauerwerk trocken zu halten und vor weiterem Verfall zu schützen.
Fenster, Türen und Fußböden
Der Einbau neuer Fenster und Türen muss den denkmalgerechten Anforderungen entsprechen. Oft bedeutet dies, Fenster mit traditioneller Sprossenteilung und Holzrahmenbauweise zu fertigen. Der Ziegelfußboden im Inneren schafft zudem eine Verbindung zum historischen Kontext des Gebäudes als Wirtschaftsgebäude.
Zukünftige Nutzung und Bedeutung für die Region
Die Sanierung dient nicht nur dem reinen Erhalt der Bausubstanz, sondern auch der Wiederbelebung des Ortes. Die Bürgerstiftung plant, das Brauhaus künftig als Kulturort zu nutzen. Konzerte, Ausstellungen, Chorauftritte, Kino, Tanztee sowie Wochen- und Trödelmärkte sind als Nutzungen vorgesehen. Ziel ist es, einen Ort der Begegnung für die Himmelpforter und Gäste zu schaffen.
Die Stadt Fürstenberg/Havel, zu der Himmelpfort als Ortsteil gehört, liegt in einem großen Wald- und Seengebiet und ist ein beliebtes Urlaubsziel. Die Revitalisierung des Brauhauses stärkt das touristische Angebot und erhöht die Attraktivität des Ortes. Die Fertigstellung des Projekts, inklusive Hof und Toiletten im Nebengebäude, wurde für das Jahr 2023 angestrebt.
Zusammenfassung der Sanierungsmaßnahmen
Um den Überblick über die Komplexität des Projekts zu behalten, lassen sich die wesentlichen Maßnahmen wie folgt zusammenfassen:
| Maßnahme | Beschreibung | Zeitrahmen / Status |
|---|---|---|
| Notsicherung | Sicherung der Ruine nach Brandstiftung (2010) | Begonnen 2016 |
| Dachsanierung (1. Abschnitt) | Wiederherstellung des Daches zur Sicherung des Giebels | 2016 – 2017 |
| Vollständige Dachschließung | Eindeckung mit Ziegeln nach historischem Vorbild | Laufend / Abschluss |
| Fenster- und Türeinbau | Einbau denkmalgerechter Holzfenster und -türen | Sommer (laufend) |
| Giebelrekonstruktion | Erneuerung des Ostgiebels und Anbindung an Dach/Boden | Laufend |
| Mauerwerksarbeiten | Instandsetzung der Außenmauern | Teil des 3. Bauabschnitts |
| Fußbodenerneuerung | Einbau von Ziegelfußböden | Teil des 3. Bauabschnitts |
| Brandschutztechnik | Einbau eines automatischen Rauchabzugs (300 kg Motor) | Implementiert |
Fazit
Die Sanierung des Brauhauses im ehemaligen Zisterzienserkloster Himmelpfort ist ein Musterbeispiel für gelungene Denkmalpflege in Deutschland. Sie kombiniert das Engagement einer aktiven Bürgerschaft, finanzielle Unterstützung durch den Staat und fachliche Kompetenz von Architekten und Handwerkern. Trotz der schweren Zerstörung durch Brandstiftung im Jahr 2010 ist es gelungen, die historische Substanz zu sichern und schrittweise wiederherzustellen.
Das Projekt verdeutlicht, dass Denkmalschutz weit mehr ist als nur der Erhalt von altem Mauerwerk. Es ist ein Beitrag zur regionalen Identität, zur Nachhaltigkeit und zur Schaffung von sozialen Begegnungsräumen. Die technischen Lösungen – von der Sicherung der Giebelwand über die Rekonstruktion des Daches bis hin zum Einbau moderner Brandschutzanlagen – zeigen, wie Tradition und Moderne im Bauwesen Hand in Hand gehen können. Die Wiedereröffnung des Brauhauses wird nicht nur ein architektonisches Highlight, sondern auch ein kulturelles Zentrum für die Region sein.